Kapitel 26  -  In Kapernaum


Jesus weilte während der Pausen seines Hin- und Herwanderns fast immer in Kapernaum. Darum nannte man Kapernaum „seine Stadt". Die Stadt lag am Galiläischen Meer [See Genezareth], nahe am Rande oder sogar auf der schönen Ebene von Genezareth.

Die tiefe Lage des Sees gibt dem ebenen Land, das seine Ufer säumt, das angenehme Klima des Südens. Hier gediehen in den Tagen Christi Palmen und Ölbäume, es gab hier Obstgärten und Weinberge, grüne Felder und leuchtend blühende Blumen in reicher Fülle, und alles wurde durch die Bäche bewässert, die von den Felsen herabstürzten. Die Küsten des Sees und die Hügel, die ihn in nur geringer Entfernung umgeben, waren mit Städten und Dörfern dicht besiedelt. Auf dem See lagen zahlreiche Fischerboote. Überall regte sich geschäftiges, aktives Leben.

Kapernaum selbst eignete sich gut als Mittelpunkt für das Werk des Heilands. Da es an der Hauptstraße von Damaskus nach Jerusalem und Ägypten und auch nach dem Mittelländischen Meer lag, bildete es einen Verkehrsknotenpunkt. Aus vielen Ländern kamen Menschen durch diese Stadt oder rasteten hier auf der Hin- oder Rückreise. Ein buntes Völkergemisch, alle Volksschichten, Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, konnte Jesus hier antreffen, und seine Lehren würden in andere Länder und in viele Familien getragen werden. So gäbe es genügend Anregung zum Forschen in den Prophezeiungen, die Aufmerksamkeit würde auf den Heiland gelenkt und seine Botschaft in die Welt getragen werden.

Ungeachtet dessen, daß der Hohe Rat gegen Jesus vorging, wartete das Volk gespannt darauf, wie sich seine Mission entwickeln würde. Der ganze Himmel war vor Anteilnahme in Bewegung. Engel bereiteten den Weg für seinen Dienst, bewegten die Herzen der Menschen und zogen sie zum Heiland hin.

In Kapernaum war der Sohn des königlichen Beamten, den Christus geheilt hatte, ein Zeuge seiner Macht. Und der Beamte und seine Familie legten freudig von ihrem Glauben Zeugnis ab. Als bekannt war, daß der große Lehrer selber unter ihnen weilte, wurde die ganze Stadt wach. Eine gewaltige Menschenmenge strömte zu ihm. Am Sabbat war die Synagoge überfüllt, so daß viele wieder weggehen mußten, da sie keinen Platz mehr fanden.

Alle, die den Heiland hörten, „verwunderten sich seiner Lehre; denn er predigte in Vollmacht". Lukas 4:32. „Er lehrte mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten." Matthäus 7:29. Die Lehre der Schriftgelehrten und Ältesten war kalt und formell und hörte sich wie eine routinemäßig auswendig gelernte Lektion an. Für sie besaß das Wort Gottes keine Lebenskraft. Statt dessen wurden ihre eigenen Ideen und Traditionen gelehrt. Sie taten ihren Dienst in gewohnter Weise und gaben vor, das Gesetz zu erklären, aber keine Eingebung von Gott bewegte ihre eigenen Herzen oder die Herzen ihrer Zuhörer.

Jesus gab sich nicht mit den verschiedenen, unter den Juden strittigen Themen ab. Es war seine Aufgabe, die Wahrheit zu verkündigen. Seine Worte erhellten die Lehren der Patriarchen und Propheten, und die heiligen Schriften kamen den Menschen wie eine neue Offenbarung vor. Nie zuvor hatten seine Hörer im Worte Gottes einen solch tiefen Sinn wahrgenommen.

Jesus begegnete den Menschen, indem er sich in deren Lage versetzte, als einer, der mit ihren Nöten vertraut war. Er ließ die Schönheit der Wahrheit hervortreten, indem er sie auf die unmittelbarste und einfachste Weise darlegte. Seine Sprache war rein, gewählt und klar wie das Wasser eines sprudelnden Baches. Seine Stimme klang jenen, die den eintönigen Reden der Rabbiner zugehört hatten, wie Musik in den Ohren. So einfach seine Lehre war, sprach er doch mit Vollmacht. Dieses Merkmal hob seine Art zu lehren ganz entschieden von der aller anderen ab. Die Rabbiner ließen Zweifel und ein Sowohl-Alsauch anklingen, als könnten die Schriftstellen auch völlig gegensätzlich ausgelegt werden. Die Zuhörer wurden dadurch jeden Tag in immer größere Unsicherheit gestürzt. Für Jesus aber waren die Schriften, aus denen er lehrte, von unbestreitbarer Autorität. Was auch immer das Anliegen sein mochte — er sprach davon mit Vollmacht, als wenn seinen Worten nicht widersprochen werden könnte.

Er sprach mit großem Ernst, ohne heftig zu werden. Er sprach als einer, der eine bestimmte Absicht verfolgte. Er machte die Wirklichkeiten der ewigen Welt sichtbar. In jedem Thema wurde Gott offenbart. Jesus suchte den Bann zu brechen, der die Menschen so stark an irdische Dinge bindet. Er rückte die Angelegenheiten dieses Lebens in das richtige Verhältnis zu jenen Dingen, die die Ewigkeit betreffen, doch er übersah keineswegs ihre Bedeutung. Er lehrte, daß Himmel und Erde miteinander verbunden seien und daß eine Kenntnis der göttlichen Wahrheit die Menschen besser darauf vorbereitet, ihre Alltagspflichten zu erfüllen. Er sprach als einer, der mit dem Himmel vertraut und sich seiner engen Beziehung zu Gott bewußt war. Dennoch anerkannte er seine Verbundenheit mit jedem Glied der menschlichen Familie.

Seine Botschaften der Gnade unterschieden sich voneinander und waren auf seine Zuhörer zugeschnitten. Er wußte, wie „mit den Müden zu rechter Zeit zu reden" war; denn seine Lippen waren „voller Huld" (Jesaja 50:4; Psalm 45:3), damit er den Menschen die Schätze der Wahrheit auf anziehendste Weise mitteilen konnte. Er hatte Taktgefühl, um den Menschen zu begegnen, die voreingenommen waren, und sie mit bildhaften Vergleichen zu überraschen, die ihre Aufmerksamkeit fesselten. Über die Vorstellungskraft erreichte er das Herz. Seine Beispiele zur Veranschaulichung fand er unter den Dingen des Alltags und obwohl sie einfach waren, lag in ihnen ein wunderbarer tiefer Sinn. Die Vögel in der Luft, die Lilien auf dem Feld, die Saat, der Hirte und die Schafe — mit diesen Beispielen machte Christus unsterbliche Wahrheiten anschaulich. Wann immer sich seine Zuhörer später diesen Dingen aus der Natur gegenübersahen, erinnerten sie sich seiner Worte. In den von Christus benutzten Anschauungsobjekten spiegelten sich ohne Unterlaß seine Lehren wider.

Nie schmeichelte Christus den Menschen. Niemals sprach er etwas, um ihre Neigungen zu unterstützen und ihre Phantasie zu erregen, noch pries er sie wegen ihrer geschickten Erfindungsgabe; aber Menschen, die ohne Vorurteile waren und über die Dinge eindringlich nachdachten, nahmen seine Lehre an und entdeckten, daß durch sie ihre Weisheit auf die Probe gestellt würde. Sie staunten über die geistliche Wahrheit, die in der einfachsten Sprache ausgedrückt war. Die Gebildetsten waren von seinen Worten fasziniert, und auch den Ungebildeten waren sie nützlich. Er hatte eine Botschaft für die Analphabeten, und er machte sogar den Heiden verständlich, daß seine Botschaft auch für sie galt.

Sein liebevolles Mitgefühl wirkte heilsam auf müde und beunruhigte Herzen. Sogar mitten im Tumult zorniger Feinde war er von einer Atmosphäre des Friedens umgeben. Die Schönheit seines Antlitzes, seine umgängliche Wesensart und vor allem die Liebe, die sich in Blick und Ton äußerte, zog alle zu ihm hin, die nicht durch Unglauben verhärtet waren. Wäre nicht jeder Blick und jedes Wort von dem Geist der Güte und des Wohlwollens beherrscht gewesen, dann hätte er nicht die großen Zuhörerscharen angezogen, die zu ihm kamen. Die Geplagten, die zu ihm kamen, fühlten, daß er als treuer und hingebungsvoller Freund ihre Interessen zu den seinen machte, und sie wünschten noch mehr von den Wahrheiten kennenzulernen, die er lehrte. Der Himmel war nähergerückt. Sie sehnten sich danach, in Jesu Gegenwart zu bleiben, damit der Trost seiner Liebe beständig bei ihnen sei.

Jesus beobachtete mit tiefem Ernst, wie sich der Gesichtsausdruck seiner Zuhörer veränderte. Die Gesichter, die Interesse und Freude ausdrückten, erfüllten ihn mit großer Befriedigung. Als die Pfeile der Wahrheit in die Seele drangen, die Schranken der Selbstsucht durchbrachen und Reue und schließlich Dankbarkeit bewirkten, wurde der Heiland froh. Wenn sein Auge über die Zuhörermenge schweifte und er darunter Gesichter erkannte, die er schon gesehen hatte, strahlte sein Angesicht vor Freude. Er sah in ihnen hoffnungsvolle Bürger für sein Königreich. Wenn die klar ausgesprochene Wahrheit einen beliebten Götzen betraf, sah er die Veränderung in dem Gesicht, den kalten, drohenden Blick, der besagte, daß das Licht nicht willkommen war. Wenn er sah, wie Menschen die Botschaft des Friedens nicht annehmen wollten, drang es ihm wie ein Stich tief ins Herz.

Jesus sprach in der Schule vom Reich Gottes, zu dessen Aufrichtung er gekommen war, und von seiner Aufgabe, die Gefangenen Satans zu befreien. Seine Rede wurde durch laute Rufe unterbrochen. Ein Wahnsinniger drängte sich durch die Menge und schrie: „Was willst Du von uns, Jesus von Nazareth? Bist Du gekommen, uns zu verderben. Ich weiß, wer Du bist:, der Heilige Gottes." Markus 1:24.

Alles geriet in Aufregung und Bestürzung. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer wurde von der Rede Christi abgelenkt, und seine Worte blieben unbeachtet. Zu diesem Zweck hatte Satan sein Opfer hierhergeführt. Aber Jesus bedrohte den unsauberen Geist und sprach: „Verstumme und fahre aus von ihm! Und der böse Geist warf ihn mitten unter sie und fuhr von ihm aus und tat ihm keinen Schaden." Lukas 4:35.

Der Verstand dieses Unglücklichen war von Satan verfinstert worden, aber in des Heilandes Gegenwart hatte ein Lichtstrahl das Dunkel durchbrochen. In dem Kranken erwachte das Verlangen, von der Herrschaft Satans freizukommen; doch der Teufel widerstand der göttlichen Macht. Als der Unglückliche versuchte, Jesus um Hilfe zu bitten, legte der Böse ihm jene üblen Worte in den Mund, und er schrie vor Angst und Furcht. Er begriff ganz gut, daß er sich in der Gegenwart dessen befand, der ihn befreien konnte. Als er aber versuchte, in den Bereich der göttlichen Hand zu kommen, hielt der Wille eines anderen ihn zurück, und die Worte eines anderen wurden von ihm ausgesprochen. Ein schrecklicher Kampf tobte zwischen der Macht Satans und seinem Verlangen nach Freiheit.

Jesus, der in der Wüste den Versucher besiegt hatte, wurde hier abermals seinem Feind gegenübergestellt. Der Teufel wandte alle Kräfte an, sein Opfer in der Gewalt zu behalten; denn jetzt zu verlieren, hieße Jesus einen Sieg zu überlassen. Es schien, als ob der Unglückliche im Kampf mit dem bösen Feind, der ihm seine kostbarsten Kräfte geraubt hatte, sein Leben verlieren würde. Aber der Heiland sprach gewaltig und befreite den Gefangenen Satans. Nun stand der vorher Besessene glücklich, wieder sich selbst gehörend, vor der verwunderten und staunenden Menge. Selbst der böse Geist hatte die göttliche Macht des Heilandes bezeugt.

Der Geheilte lobte Gott für seine Rettung. Das Auge, das eben noch im Feuer des Irrsinns geglüht hatte, strahlte jetzt klar und vernünftig und floß über von Dankestränen. Die Anwesenden waren stumm vor Staunen. Sobald sie ihre Sprache wiedergefunden hatten, rief einer dem andern zu: „Was ist das für ein Ding? Er gebietet mit Vollmacht und Kraft den unsaubern Geistern, und sie fahren aus." Lukas 4:36.

Die wirkliche Ursache des Leidens, das diesen Mann zu einem schrecklichen Schauspiel für seine Freunde und zu einer Last für sich selbst gemacht hatte, lag in seinem eigenen Leben begründet. Er war von den Vergnügungen der Sünde verblendet worden und wollte sein Leben in Lustbarkeiten verbringen. Er hatte nicht geahnt, welch ein Schrecken er der Welt und welche Schande er seiner Familie sein würde. Er glaubte seine Zeit mit harmlos scheinenden Torheiten zubringen zu können. Doch einmal auf einer abschüssigen Bahn, sank er rasch immer tiefer. Unmäßigkeit und Leichtfertigkeit verdarben seine guten Eigenschaften, und Satan bemächtigte sich seiner vollständig.

Die Reue kam zu spät. Gern hätte er nun Wohlleben und Vergnügen darangegeben, um seine verlorenen Kräfte wiederzuerlangen; aber er schmachtete hilflos in den Fängen Satans. Er hatte sich in Feindesland begeben, und alle seine Fähigkeiten waren von Satan in Besitz genommen worden. Der Versucher hatte ihn mit vielen bezaubernden Vorstellungen gelockt, und als der schwache Mann sich in seiner Macht befand, behandelte er ihn grausam und unbarmherzig und verfolgte ihn mit schrecklichen Heimsuchungen. So ergeht es allen, die der Sünde nachgeben; das verlockende Vergnügen am Anfang ihrer Laufbahn endet in der Finsternis der Verzweiflung oder im Wahnsinn einer zerrütteten Seele.

Der gleiche böse Geist, der Jesus in der Wüste versuchte und der sich des Besessenen in Kapernaum bemächtigt hatte, beherrschte auch die ungläubigen Juden. Er ließ sie um sich eine Atmosphäre der Frömmigkeit verbreiten, indem er sie über ihre wahren Beweggründe, die sie veranlassten, den Heiland zu verwerfen, hinwegtäuschte. Ihr Zustand war weitaus heilloser als der des Besessenen, denn sie fühlten keinerlei Bedürfnis, Christus kennenzulernen, und blieben deshalb fest unter der Macht Satans.

Die Zeit, in der Christus den Menschen persönlich diente, war auch eine Zeit eifrigster Tätigkeit der Mächte der Finsternis. Stets hatte Satan mit seinen bösen Engeln danach getrachtet, die Herrschaft über Leib und Seele der Menschen zu gewinnen und Sünde und Krankheit über sie zu bringen, um dann Gott für alles Leid verantwortlich zu machen. Jesus offenbarte den Menschen das Wesen Gottes; er brach die Macht Satans und befreite seine Gefangenen. Neues Leben, Liebe und himmlische Kraft bewegten die Herzen der Menschen, und der Fürst des Bösen wurde veranlaßt, für die Herrschaft seines Reiches zu kämpfen. Satan sammelte alle seine Kräfte, um Christi Werk ständig anzugreifen.

So wird es auch im letzten großen Kampf zwischen Gerechtigkeit und Sünde sein. Während die Jünger Jesu mit neuem Leben, mit Macht und Kraft aus der Höhe angetan werden, wird auch aus der Tiefe neues Leben erwachen und die Werkzeuge Satans stärken. Großer Eifer wird alle irdischen Kreaturen erfassen. Mit einer in jahrhundertelangem Kampf erworbenen List wird der Fürst dieser Welt in Gestalt eines Engels des Lichts wirken, und große Scharen werden sich „betrügerischen Geistern und dämonischen Lehren" (1.Timotheus 4:1, Bruns) anhängen.

Zur Zeit Christi waren die Obersten und die Lehrer Israels nicht imstande, dem Werk Satans zu widerstehen. Sie versäumten es, von dem einzigen Mittel Gebrauch zu machen, durch das sie bösen Geistern hätten widerstehen können. Jesus überwand den Bösen durch das Wort Gottes. Die führenden Männer Israels gaben vor, die Ausleger des Wortes Gottes zu sein, aber sie hatten es nur erforscht, um ihre Überlieferungen zu stützen und ihre von Menschen ersonnenen Satzungen durchzusetzen. Durch ihre Deutung unterlegten sie dem Wort Gottes einen Sinn, den Gott niemals gemeint hatte. Ihre geheimnisvollen Erklärungen ließen das verworren erscheinen, was er verständlich gemacht hatte. Sie stritten sich über unbedeutende Einzelheiten und leugneten die wesentlichsten Wahrheiten. So wurde der Unglaube weit verbreitet. Gottes Wort wurde seiner Kraft beraubt, und böse Geister schalteten und walteten, wie sie wollten.

Die Geschichte wiederholt sich. Viele maßgebende religiöse Männer unserer Zeit, die die geöffnete Bibel vor sich haben und angeblich ihre Lehren verehren, untergraben den Glauben an die Heilige Schrift als das Wort Gottes. Sie sind damit beschäftigt, das Wort zu zergliedern, und setzen ihre eigenen Ansichten über dessen klarste Aussagen. In ihrer Hand verliert Gottes Wort seine erneuernde Kraft. Darum wuchert der Unglaube und nimmt die Ungerechtigkeit überhand.

Wenn Satan den Glauben an die Heilige Schrift untergraben hat, leitet er die Menschen zu anderen Licht- und Kraftquellen. Dadurch dringt er bei vielen unbemerkt ein. Wer sich von der klaren Lehre der Heiligen Schrift und der überzeugenden Macht des Heiligen Geistes abwendet, öffnet dämonischen Einflüssen die Tür. Kritik und Spekulation an der Schrift haben dem Spiritismus und der Theosophie — diesen modernen Formen des alten Heidentums — den Weg bereitet, selbst in den erklärten Kirchen unsers Herrn Jesus Christus Boden zu gewinnen.

Neben der Evangeliumsverkündigung sind Kräfte am Wirken, die Werkzeuge der lügenhaften Geister sind. Manch einer läßt sich nur aus Neugierde mit ihnen ein; doch nimmt er dann das Wirken übernatürlicher Kräfte wahr, so läßt er sich mehr und mehr verlocken, bis er von einem Willen beherrscht wird, der stärker ist als sein eigener. Er kann sich der geheimnisvollen Macht nicht mehr entziehen. Die Widerstandskraft seiner Seele ist gebrochen, und er hat keine Schutzwehr gegen die Sünde. Niemand kennt die Tiefen der Erniedrigung, in die er sinken kann, wenn einmal die Schranken des Wortes Gottes und des Heiligen Geistes mißachtet sind. Geheime Sünden oder ihn beherrschende Leidenschaften können ihn zu einem ebenso hilflosen Gefangenen Satans machen, wie es der Besessene zu Kapernaum war. Dennoch ist seine Lage nicht hoffnungslos.

Das Mittel, durch das wir den Bösen überwinden können, ist dasselbe, durch das Christus überwand — die Macht des Wortes! Gott beherrscht unser Gemüt nicht ohne unsere Einwilligung; wenn wir aber wünschen, seinen Willen zu kennen und zu tun, gelten uns seine Verheißungen: Ihr „werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen". Johannes 8:32. „Wenn jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede." Johannes 7:17. Durch den Glauben an diese Verheißungen kann sich jeder aus den Schlingen des Irrtums und von der Herrschaft der Sünde befreien.

Jeder Mensch kann frei wählen, welche Macht ihn beherrschen soll. Keiner ist so tief gefallen, keiner ist so schlecht, daß er in Christus nicht Erlösung finden könnte. Der Besessene konnte statt eines Gebets nur die Worte Satans aussprechen; dennoch wurde das unausgesprochene Flehen des Herzens erhört. Kein Schrei einer notleidenden Seele wird unbeachtet bleiben, wenn auch die Worte fehlen. Wer ein Bündnis mit Gott eingehen will, bleibt nicht der Macht Satans oder der Schwäche der eigenen Natur überlassen, sondern es wird die Zusicherung Gottes gelten: „Sie suchen Zuflucht bei mir und machen Frieden mit mir, ja, Frieden mit mir." Jesaja 27:5. Die Geister der Finsternis werden um die Seelen streiten, die einmal unter ihre Herrschaft geraten sind. Aber die Engel im Himmel werden mit siegreicher Kraft für sie einstehen. Der Herr sagt: „Kann man auch einem Starken den Raub wegnehmen? Oder kann man einem Gewaltigen seine Gefangenen entreißen? So aber spricht der Herr: Nun sollen die Gefangenen dem Starken weggenommen werden, und der Raub soll dem Gewaltigen entrissen werden. Ich selbst will deinen Gegnern entgegentreten und deinen Söhnen helfen." Jesaja 49:24,25.

Während die Menge in der Schule noch vor Schrecken wie gebannt war, zog sich Jesus in das Haus des Petrus zurück, um ein wenig zu ruhen. Aber auch auf dieses Haus war ein Schatten gefallen. Die Schwiegermutter des Petrus lag krank „in hohem Fieber". Lukas 4:38. Jesus heilte sie, und die Frau stand auf und diente dem Meister und seinen Jüngern.

Die Kunde von dem Wirken Jesu verbreitete sich schnell in ganz Kapernaum. Aus Furcht vor den Rabbinern wagte niemand am Sabbat zu kommen, um geheilt zu werden. Sobald aber die Sonne am Horizont verschwunden war, entstand eine allgemeine Bewegung. Aus Wohnhäusern, Werkstätten und von den Märkten strömten die Bewohner der Stadt der bescheidenen Wohnstätte zu, die Jesus beherbergte. Die Kranken wurden auf ihren Betten gebracht, andere schleppten sich an Krücken zu ihm oder wurden von ihren Freunden gestützt, etliche schwankten schwachen Schrittes in die Nähe des Heilandes.

Stundenlang gingen und kamen sie; denn niemand wußte, ob der Meister am nächsten Tage noch unter ihnen weilen würde. Nie zuvor hatte Kapernaum einen Tag wie diesen gesehen. Die Luft war erfüllt von dem Triumph und dem Jubel über die Heilungen, und der Heiland selbst nahm Anteil an der Freude, die er hervorgerufen hatte. Als er die Leiden derer sah, die zu ihm kamen, wurde sein Herz von Mitleid bewegt, und er half freudig, ihre Gesundheit und ihr Glück wiederherzustellen.

Er beendete seine Aufgabe nicht eher, als bis dem letzten Leidenden geholfen war. Die Nacht war schon weit vorgeschritten, als die Menge sich wieder verlaufen hatte und Stille sich auch über Simons Haus ausbreitete. Der lange, aufregende Tag war vorbei — Jesus suchte nun endlich Ruhe. Doch als die Stadt noch im Schlummer lag, „vor Anbruch des Tages stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete daselbst". Markus 1:35.

So verbrachte Jesus seine Tage hier auf Erden. Manchmal entließ er seine Jünger, damit sie ihr Heim aufsuchen und sich ausruhen konnten. Er selbst aber widerstand freundlich ihren Bemühungen, ihn von seinem Wirken wegzuziehen. Den ganzen Tag hindurch arbeitete er; er belehrte die Unwissenden, heilte die Kranken, gab den Blinden ihr Augenlicht zurück, speiste die Menge, und am Abend oder am frühen Morgen ging er in die heilige Stille der Berge, um mit seinem himmlischen Vater Zwiesprache zu halten. Oft verbrachte er die ganze Nacht im Gebet und in ernstem Nachdenken und kehrte erst bei Tagesanbruch wieder an seine Aufgabe unter den Menschen zurück.

In den ersten Morgenstunden des nächsten Tages kamen Petrus und seine Gefährten zu Jesus und berichteten ihm, daß er von den Einwohnern Kapernaums gesucht würde. Die Jünger waren schon über den Empfang sehr enttäuscht gewesen, der ihrem Herrn bisher zuteil geworden war. Die Behörden in Jerusalem suchten ihn zu töten, selbst die Nazarener hatten sein Leben bedroht. Nun wurde er in Kapernaum mit freudiger Begeisterung willkommen geheißen. Das erfüllte die Jünger mit neuer Hoffnung. Vielleicht ließen sich unter den freiheitsliebenden Galiläern die Stützen des neuen Reiches finden. Mit Erstaunen hörten sie deshalb Jesu Worte: „Ich muß auch den andern Städten das Evangelium verkündigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt." Lukas 4:43.

In der in Kapernaum herrschenden Erregung lag die Gefahr, daß das Ziel seines Auftrags verlorenging. Es befriedigte Jesus nicht, die Aufmerksamkeit der Menschen als Wundertäter oder Wunderheiler auf sich zu lenken. Er wollte sie vielmehr als ihr Heiland zu sich ziehen. Während das Volk begierig war zu glauben, daß er als König gekommen sei, um ein irdisches Reich zu gründen, wünschte er ihre Gedanken von dem Irdischen auf das Geistliche zu lenken. Ein rein weltlicher Erfolg hätte seine Aufgabe beeinträchtigt.

Die Bewunderung der sorglosen Menge berührte ihn recht unangenehm. Sein Leben war frei von jeder Anmaßung. Die Huldigungen, die die Welt den Hohen, Reichen und Begabten darbringt, waren dem Menschensohn fremd. Er bediente sich nicht der Mittel, die Menschen so gern anwenden, um Anhänger zu gewinnen und Huldigungen zu erringen. Jahrhunderte vor seiner Geburt war von ihm geweissagt worden: „Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Schilfrohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte." Jesaja 42:2-4.

Die Pharisäer versuchten durch genaue Ausführung der vorgeschriebenen Gebräuche, durch die Pracht ihrer Gottesdienste und durch Wohltätigkeit sich auszuzeichnen. Sie bewiesen ihren Eifer für die Religion, indem sie sich in ihren Gesprächen mit ihr beschäftigten. Über Streitfragen wurde unter den verschiedenen Parteien ausgiebig verhandelt, und es war nicht ungewöhnlich, auf den Straßen die erregten, streitenden Stimmen der gelehrten Männer zu hören.

Das Leben Jesu stand zu diesem Benehmen in auffallendem Gegensatz. Bei ihm fehlte jede laute und aufdringliche Verhandlungsart, jeder schausüchtige Gottesdienst, jede Tat, die Beifall heischte. Christus war in Gott geborgen, und Gott war in dem Charakter seines Sohnes geoffenbart. Auf diese Offenbarung wollte Jesus die Gemüter des Volkes und ihre Ehrfurcht lenken.

Die „Sonne der Gerechtigkeit" brach nicht mit dem Glanz, der die Sinne blendet, über die Welt herein. Es steht von Christus geschrieben: „Er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte." Hosea 6:3. Sanft und still ergießt sich das Tageslicht über die Erde, zerteilt die Schatten der Finsternis und erweckt die Welt zu neuem Leben. So ging auch die „Sonne der Gerechtigkeit" auf mit „Heil unter ihren Flügeln". Maleachi 3:20.


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