Im Schatten des Kreuzes
Kapitel  45


Gemäß Matthäus 16:13-28;  Markus 8:27-38;  Lukas 9:18-27.

Das Werk Christi auf Erden ging seiner Vollendung entgegen. Klar umrissen lagen die Dinge der nächsten Zukunft vor Jesus. Schon vor seiner Menschwerdung hatte er den ganzen Leidensweg übersehen, den er gehen mußte, um die Verlorenen zu retten. Er wußte um den Schmerz, der seine Seele wie ein Schwert durchdringen würde, er kannte jede Beleidigung, die auf ihn gehäuft würde, jede Entbehrung die er ertragen mußte — denn alles lag offen vor ihm, noch ehe er seine Krone und sein königliches Gewand abgelegt, noch ehe er den himmlischen Thron verlassen hatte, um seine Gottheit mit menschlicher Natur zu bekleiden. Er konnte seinen Weg von der Krippe bis nach Golgatha verfolgen, und im Bewußtsein aller kommenden Leiden sagte er: „Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen." Psalm 40:8,9.

Jesus hatte den Erfolg seiner Sendung stets vor Augen; sein irdisches Leben, obgleich voller Arbeit und Selbstaufopferung, wurde durch die Aussicht erhellt, daß sein Werk nicht vergebens sein würde. Denn indem er sich selbst für das Leben der Menschen dahingab, würde er die Welt zur Treue gegen Gott zurückgewinnen. Obgleich er erst die Bluttaufe empfangen mußte und die Sünden der Welt schwer auf seiner Seele lasteten, obgleich der Schatten unsagbaren Schmerzes auf ihn fiel, erwählte er dennoch um der Freude willen, die vor ihm lag, das Kreuz und achtete der Schande nicht.

Seinen Jüngern waren die kommenden Ereignisse noch unbekannt; aber die Zeit war nahe, da sie Zeugen seines letzten Ringens werden mußten. Sie mußten sehen, wie der, den sie geliebt und dem sie vertraut hatten, in die Hände seiner Feinde überantwortet und ans Kreuz geschlagen würde. Bald mußte er sie verlassen. Dann mußten sie der Welt allein gegenübertreten — ohne den Trost seiner Gegenwart. Der Heiland wußte, daß bitterer Haß und Unglaube sie verfolgen würden, und er wollte sie auf diese Prüfungen vorbereiten.

Jesus war mit seinen Jüngern in eine Stadt in der Nähe von Cäsarea Philippi gekommen. Diese Stadt lag außerhalb des galiläischen Landes, in einer Gegend, in der noch Götzendienst herrschte. Die Jünger waren hier dem Einfluß der Juden entzogen und kamen nun mit dem Heidentum in engere Berührung. Überall sahen sie hier die Zeichen und Merkmale heidnischen Aberglaubens, den es in allen Teilen der Welt gab. Jesus wünschte, daß der Anblick dieser Dinge ihr Verantwortungsgefühl gegenüber den Heiden wecken möge. Darum entzog er sich während seines Aufenthalts in diesem Gebiet dem öffentlichen Dienst am Volk und widmete sich mehr seinen Jüngern.

Ehe er ihnen von seinen bevorstehenden Leiden erzählte, ging er ein wenig abseits und betete, daß ihre Herzen bereit seien, seine Worte aufzunehmen. Als er sich wieder zu ihnen gesellte, sagte er ihnen nicht sofort, was er ihnen zu sagen hatte, sondern gab ihnen erst Gelegenheit, ihren Glauben an ihn zu bekennen, damit sie dadurch für die kommenden Schwierigkeiten gestärkt würden. Er fragte sie: „Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei?" Matthäus 16:13.

Die Jünger mußten aber betrübt erwidern, daß das Volk Israel seinen Messias nicht erkannt hätte. Wohl hatten einige, die Augenzeugen seiner Wunder gewesen waren, ihn als Sohn Davids erkannt; wohl hatte die Menge, die in der Nähe von Bethsaida gespeist worden war, ihn zum König über Israel ausrufen wollen. Manche wollten ihn sogar als Propheten annehmen — aber sie alle glaubten nicht, daß er der Messias sei.

Jesus stellte nun eine andere Frage an sie: „Wer saget denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!" Matthäus 16:15,16.

Schon von Anfang an hatte Petrus geglaubt, daß Jesus der Messias sei. Viele andere, die durch die Predigt des Täufers Christus angenommen hatten, gerieten über seine Mission in Zweifel, als Johannes der Täufer gefangengenommen und getötet wurde; sie bezweifelten dann auch, daß Jesus wirklich der Messias wäre, auf den sie so lange gewartet hatten. Viele seiner Jünger, die mit Bestimmtheit angenommen hatten, daß ihr Herr seinen Platz auf Davids Thron einnehmen werde, verließen ihn, als sie erfuhren, daß Jesus dazu niemals gewillt war. Nur Petrus und seine Gefährten blieben ihm treu. Der Wankelmut derer, die ihn gestern priesen und heute verdammten, konnte den Glauben des wahren Nachfolgers Jesu nicht untergraben. Petrus erklärte: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!" Er wartete nicht auf königliche Ehren, um seinen Herrn krönen zu können, sondern nahm ihn in seiner Niedrigkeit an.

Petrus hatte den Glauben der Zwölf ausgesprochen. Dennoch waren sie noch weit davon entfernt, das Werk Christi auf Erden zu verstehen. Der Widerstand und die falschen Darstellungen der Priester und Ältesten verursachten ihnen, obwohl sie sich dadurch nicht von Christus trennen ließen, viel Unruhe; sie konnten ihren Weg nicht klar erkennen. Der Einfluß aus ihrer Jugendzeit, die Lehren der Rabbiner und die Macht der Überlieferung trübten noch immer ihre Erkenntnis der Wahrheit. Von Zeit zu Zeit wurden sie durch die hellen Lichtstrahlen, die von Jesus ausgingen, erleuchtet; dann aber waren sie auch wieder wie Menschen, die im dunkeln umhertasten. An diesem Tage aber, ehe sie der großen Prüfung ihres Glaubens gegenübergestellt wurden, war die Kraft des Heiligen Geistes in ihnen. Ihre Augen waren für kurze Zeit von dem Sichtbaren abgewandt, um das Unsichtbare zu sehen. Und sie erkannten hinter seiner menschlichen Gestalt die Herrlichkeit des Sohnes Gottes.

Jesus antwortete Petrus und sprach: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel." Matthäus 16:17.

Die Wahrheit, die Petrus hier ausgesprochen hatte, ist die Grundlage für das Bekenntnis des Gläubigen. Sie ist, wie Jesus selbst erklärt hat, das ewige Leben. Diese Erkenntnis zu besitzen, war jedoch kein Grund, sich selbst zu verherrlichen. Weder durch eigene Weisheit noch durch eigene Leistung war Petrus diese Erkenntnis zuteil geworden. Nie kann ein Mensch aus sich selbst heraus zur Erkenntnis des Göttlichen gelangen. Sie „ist höher als der Himmel: was willst du tun? tiefer als die Hölle: was kannst du wissen?" Hiob 11:8. Nur der Geist der Kindschaft kann uns die Tiefen der Gottheit offenbaren, die „kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist". 1.Korinther 2:9. Gott aber hat sie „offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit". 1.Korinther 2:10. „Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten; und seinen Bund läßt er sie wissen." Psalm 25:14. Die Tatsache, daß Petrus die Herrlichkeit Christi erkannte, war ein Beweis, daß er „von Gott gelehrt" war. Ja, in der Tat, „selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart!" Matthäus 16:17.

Jesus sprach weiter: „Ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." Matthäus 16:18. Das Wort Petrus bedeutet Stein — rollender Stein! Petrus war nicht der Fels, auf den die Gemeinde gegründet wurde; ihn überwältigten die Pforten der Hölle, als er seinen Herrn unter Fluchen und Schwören verleugnete. Die Gemeinde dagegen wurde auf einen Grund gebaut, den die Pforten der Hölle nicht überwältigen konnten.

Mose hatte Jahrhunderte vor dem Kommen Christi auf den Fels des Heils für Israel hingewiesen; der Psalmist hatte von dem „Fels meiner Stärke" gesungen, und bei Jesaja steht geschrieben: „Darum spricht Gott der Herr: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist." Jesaja 28:16. Petrus selbst, getrieben durch den Heiligen Geist, wendet diese Weissagung auf Jesus an, wenn er sagt: „Ihr habt ja geschmeckt, daß der Herr freundlich ist. So kommt denn nun zu ihm, als dem lebendigen Stein, der von Menschen wohl verworfen, von Gott aber als besonders wertvoll auserwählt wurde! Und so laßt auch ihr euch als lebendige Steine aufbauen zu einem geistlichen Haus, zu einer heiligen Priesterschaft." 1.Petrus 2:3-5

„Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." 1.Korinther 3:11. „Auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde", sagte der Herr. Matthäus 16:18. In der Gegenwart Gottes und aller himmlischen Wesen, in der Gegenwart der unsichtbaren Heere der Hölle gründete Christus seine Gemeinde auf den lebendigen Felsen. Er selbst ist dieser Felsen — sein eigener Leib, der für uns verwundet und zerschlagen wurde. Die Pforten der Hölle werden die auf diesem Grund erbaute Gemeinde nicht überwältigen.

Wie schwach erschien die Gemeinde, als Jesus diese Worte sprach! Sie zählte nur eine Handvoll Gläubige, gegen die sich alle Macht der bösen Kräfte richten würde — und doch sollten die Nachfolger Christi sich nicht fürchten! Auf den Fels ihrer Stärke gegründet, konnten sie nicht besiegt werden.

Sechstausend Jahre lang hat der Glaube auf Christus gebaut; sechstausend Jahre lang haben die Fluten und Stürme satanischer Wut gegen den Fels unseres Heils gewütet, aber er steht unerschüttert.

Petrus hatte die Wahrheit ausgesprochen, die die Grundlage ist für den Glauben der Gemeinde, und Jesus ehrte ihn nun als den Vertreter aller Gläubigen. Er sagte ihm: „Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein." Matthäus 16:19.

„Des Himmelreichs Schlüssel" sind die Worte Christi. Alle Worte der Heiligen Schrift sind seine Worte und sind hierin eingeschlossen. Diese Worte haben die Macht, den Himmel zu schließen und auch zu öffnen; sie erklären die Bedingungen, unter denen Menschen angenommen oder verworfen werden. So wird das Werk derer, die Gottes Wort verkündigen, ein Geruch des Lebens zum Leben oder des Todes zum Tode. Ihr Werk hat ewige Folgen.

Der Heiland übertrug das Anliegen des Evangeliums nicht Petrus persönlich. Später, als er die Worte wiederholte, die er hier zu Petrus sprach, bezog er sie unmittelbar auf die Gemeinde; sie wurden ihrem Inhalt nach auch zu den Zwölfen als den Vertretern aller Gläubigen gesprochen. Hätte Jesus einem der Jünger eine besondere Autorität verliehen, dann würden wir sie nicht so oft darüber streiten sehen, wer der größte unter ihnen wäre; sie würden sich dem Wunsche ihres Meisters unterworfen und den geehrt haben, den er erwählt hätte.

Statt einen zum Ersten zu berufen, sagte Jesus seinen Jüngern: „Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen ... Und ihr sollt euch nicht lassen Lehrer nennen; denn einer ist euer Lehrer, Christus." Matthäus 23;8,10.

„Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt." 1.Korinther 11:3. Gott, der alle Dinge unter seine Füße getan hat, „hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllt". Epheser 1:22,23. Die Gemeinde ist auf Christus gebaut; sie soll ihm als ihrem Haupt gehorchen; sie soll sich auch nicht auf Menschen verlassen oder von Menschen beherrscht werden. Viele meinen, daß eine Vertrauensstellung in der Gemeinde ihnen das Recht gibt, anderen vorzuschreiben, was sie glauben und was sie tun sollen. Gott aber anerkennt solchen Anspruch nicht; denn der Heiland sagt: „Ihr aber seid alle Brüder." Matthäus 23:8. Alle sind der Versuchung ausgesetzt, alle dem Irrtum unterworfen, auf kein sterbliches Wesen können wir uns als Führer verlassen. Der Fels des Glaubens ist die lebendige Gegenwart Christi in der Gemeinde; darauf kann sich auch der Schwächste verlassen, und die sich am stärksten dünken, werden sich als die Schwächsten erweisen, wenn sie nicht Christus zu ihrer Stärke machen. „Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt und hält Fleisch für seinen Arm." Jeremia 17:5. Der Herr „ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen". 5.Mose 32:4. „Wohl allen, die auf ihn trauen!" Psalm 2:12.

Nach dem Bekenntnis des Petrus gebot Jesus den Jüngern, niemandem zu sagen, daß er Christus sei. Diesen Auftrag gab er ihnen wegen des entschlossenen Widerstandes der Schriftgelehrten und Pharisäer; außerdem hatten das Volk und selbst die Jünger eine so falsche Vorstellung von dem Messias, daß eine öffentliche Ankündigung ihnen nicht den richtigen Begriff von seinem Wesen und seiner Aufgabe geben würde. Aber Tag für Tag offenbarte er sich ihnen als Heiland. Auf diese Weise wollte er ihnen ein richtiges Verständnis seines Wirkens als Messias geben.

Noch immer erwarteten die Jünger, Christus als weltlichen Fürsten herrschen zu sehen. Obgleich er so lange sein Vorhaben verborgen hatte, glaubten sie, daß er nicht immer in Armut und Verborgenheit bliebe und daß die Zeit nahe sei, da er sein Reich aufrichten würde. Daß der Haß der Priester und Rabbiner die Oberhand behalten, daß Christus von seinem eigenen Volk verworfen, als Betrüger verurteilt und als Verbrecher gekreuzigt werden würde, das kam den Jüngern nie in den Sinn. Aber die dunkle Stunde der höllischen Macht kam immer näher. Jesus mußte seine Jünger mit dem ihnen bevorstehenden Kampf vertraut machen. Er war traurig, als er ihre kommenden Nöte und Ängste voraussah.

Bisher hatte Jesus noch nicht über seine Leiden und seinen Tod gesprochen. Wohl hatte er in seiner Unterredung mit Nikodemus gesagt: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben" (Johannes 3:14,15), aber die Jünger hatten diese Worte nicht gehört und würden sie auch gar nicht verstanden haben, wenn sie sie gehört hätten. Jetzt aber waren sie bei ihrem Meister, lauschten seinen Worten, sahen seine Werke und stimmten trotz aller Niedrigkeit, die ihn umgab, trotz des Widerstandes der Priester und des Volkes dem Zeugnis des Petrus über ihn zu: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn." Jetzt war die Zeit gekommen, die Zukunft zu entschleiern. „Seit der Zeit fing Jesus Christus an und zeigte seinen Jüngern, wie er müßte hin nach Jerusalem gehen und viel leiden ... und getötet werden und am dritten Tage auferstehen." Matthäus 16:21.

Sprachlos vor Erstaunen und Kummer hörten ihm die Jünger zu. Der Heiland hatte das Bekenntnis des Petrus von ihm als dem Sohn Gottes angenommen; nun schienen seine Worte von Leiden, Not und Tod unbegreiflich. Petrus konnte nicht länger an sich halten: „Herr", rief er und faßte seinen Meister fest bei der Hand, als wollte er ihn vor dem ihm drohenden Unheil bewahren, „das verhüte Gott! Das widerfahre dir nur nicht!" Matthäus 16:22.

Petrus liebte seinen Herrn. Und dennoch lobte ihn Jesus nicht, als er so ungestüm das Verlangen bekundete, seinen Herrn zu schützen. Petri Worte konnten dem Herrn in der großen Prüfung, die seiner wartete, weder Trost noch Hilfe sein; auch standen sie nicht in Einklang mit der Gnadenabsicht Gottes gegenüber einer verlorenen Welt; schließlich stimmten sie auch mit den Lehren der Selbstverleugnung nicht überein, die Jesus durch sein Beispiel geben wollte. Petrus wollte das Kreuz in dem Werke Christi nicht sehen. Der Eindruck, den seine Worte machten, widersprach daher dem Einfluß, den Jesus auf die Gemüter seiner Nachfolger ausüben wollte. Das veranlaßte den Herrn auch zu dem strengsten Verweis, der je über seine Lippen kam: „Hebe dich, Satan, von mir! denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist." Markus 8:33.

Satan wollte Jesus entmutigen und ihn von seiner Mission ablenken, und Petrus in seiner blinden Liebe lieh dieser Versuchung seine Stimme. Der Fürst alles Bösen war der Urheber dieses Gedankens; er flüsterte dem Petrus jenen voreiligen Wunsch ein. In der Wüste hatte Satan dem Heiland die Herrschaft der Welt unter der Bedingung angeboten, daß er den Pfad der Erniedrigung und Aufopferung verlasse; jetzt kam er mit der gleichen Versuchung zu dem Jünger, um dessen Blick auf die irdische Herrlichkeit zu lenken, damit er das Kreuz, auf das der Herr die Augen der Jünger richten wollte, nicht wahrnehme.

Durch Petrus trat Satan nun wiederum mit der Versuchung an Jesus heran; aber dieser beachtete sie diesmal nicht; seine Gedanken waren bei seinen Jüngern. Satan war zwischen Jesus und Petrus getreten, damit des Jüngers Herz nicht ergriffen würde von jener Zukunftsschau, die Christi Erniedrigung um seinetwillen zeigte. Jesus sprach die scharfen Worte nicht zu Petrus, sondern zu dem, der Petrus von ihm zu trennen versuchte. „Hebe dich, Satan, von mir!" Dränge dich nicht länger zwischen mich und meinen irrenden Diener, laß mich Petrus von Angesicht zu Angesicht sehen, damit ich ihm das Geheimnis meiner Liebe offenbaren kann!

Es war eine bittere Lehre für Petrus, die er nur langsam begriff; es wurde ihm schwer, zu verstehen, daß seines Meisters Weg durch Leiden und Erniedrigung gehen müsse. Der Jünger schreckte unwillkürlich zurück vor einer Leidensgemeinschaft mit seinem Herrn; in der Hitze des Feuerofens jedoch mußte er den Segen einer solchen Gemeinschaft lernen. Lange nachdem seine Gestalt durch die Last der Jahre und der Arbeit gebeugt war, schrieb er: „Ihr Lieben, lasset euch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt, daß ihr versucht werdet. Meinet nicht, es widerführe euch etwas Seltsames, sondern freuet euch, daß ihr mit Christus leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget." 1.Petrus 4:12,13.

Jesus erklärte nun seinen Jüngern, daß sein Leben der Selbstverleugnung für sie beispielgebend sein sollte; dann rief er das Volk, das sich in der Nähe aufhielt, zu sich und sagte: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir." Matthäus 16:24. Das Kreuz erinnerte an die Macht Roms; es war das Sinnbild der schmählichsten und grausamsten Todesart. Die niedrigsten Verbrecher mußten das Kreuz selbst zur Richtstätte tragen; hiergegen sträubten sie sich oft mit so verzweifelter Heftigkeit, bis sie schließlich überwältigt wurden und man ihnen das Kreuz auf ihren Schultern festband. Jesus aber gebot seinen Nachfolgern, das Kreuz freiwillig auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen. Seine Worte, die die Jünger nur unklar verstanden, wiesen sie hin auf die Notwendigkeit, sich in die bittersten Leiden zu schicken, ja sogar den Tod um Christi willen auf sich zu nehmen. Eine größere Hingabe konnten die Worte des Heilandes nicht ausdrücken. Er selbst hatte dies alles auch um ihretwillen auf sich genommen. Ihn verlangte nicht nach dem Himmel, solange wir Sünder verloren waren; er vertauschte die himmlischen Höfe gegen ein Leben der Schmach und tiefsten Beleidigungen; er litt um unsertwillen den Tod der Schande. Er, der reich war an den unschätzbaren Gütern des Himmels, wurde arm, damit wir durch seine Armut reich würden. Wir aber müssen den Weg gehen, den auch er ging.

Menschen zu lieben, für die Jesus gestorben ist, heißt das eigene Ich zu kreuzigen. Wer ein Kind Gottes ist, sollte sich als Glied einer Kette fühlen, die vom Himmel bis auf die Erde herabreicht, um die Welt zu retten. Er sollte eins sein mit Christus in seinem Gnadenplan und mit ihm vorangehen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Der Christ muß stets erkennen, daß er sich Gott geweiht hat und daß er nun durch seinen Charakter das Wesen Gottes der Welt offenbaren soll. Die opferbereite Hingabe, die Teilnahme und Liebe, die das Leben Christi kennzeichneten, müssen auch im Leben der Nachfolger Christi sichtbar werden.

„Wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden." Matthäus 16:25. Selbstsucht bedeutet Tod! Kein Organ des Körpers könnte leben, wenn es seine Wirksamkeit nur auf sich selbst beschränken wollte. Würde das Herz sein Lebensblut nicht in Hand und Kopf leiten, verlöre es bald seine Kraft. Wie unser Blut, so durchdringt die Liebe Christi alle Teile seines geheimnisvollen Leibes. Wir sind untereinander Glieder; jede Seele, die sich weigert, den andern als Bruder anzusehen, wird umkommen. „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?" Matthäus 16:26.

Über seine gegenwärtige Armut und Demütigung hinaus richtete Jesus den Blick seiner Jünger auf sein Kommen in Herrlichkeit; nicht in der Pracht einer irdischen Krone, sondern mit göttlicher Herrlichkeit und inmitten der himmlischen Heerscharen; „alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken". Matthäus 16:27. Zu ihrer Ermutigung gab er ihnen noch die Verheißung: „Wahrlich, ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich." Matthäus 16:28. Doch die Jünger verstanden ihn nicht. Die Herrlichkeit, von der Jesus sprach, schien ihnen weit entfernt; ihre Augen waren auf das Näherliegende gerichtet, auf das irdische Leben in Armut und Erniedrigung und unter schweren Leiden. Mußten sie ihre glühenden Erwartungen vom messianischen Reich aufgeben? Sollten sie ihren Herrn nicht auf dem Thron Davids sehen? War es denn möglich, daß der Heiland wie ein einfacher, heimatloser Wanderer leben mußte, um schließlich verachtet, verworfen und getötet zu werden? Tiefe Traurigkeit überfiel ihre Herzen; denn sie liebten ihren Meister. Zweifel beunruhigten ihr Gemüt; denn es erschien ihnen unbegreiflich, daß der Sohn Gottes solch grausamen Demütigungen ausgesetzt werden sollte. Sie fragten sich, warum er freiwillig nach Jerusalem ginge, um das Schicksal zu erleiden, das ihn dort, wie er ihnen gesagt hatte, erwartete. Wie konnte er ein solches Verhängnis auf sich nehmen und sie in noch größerer Finsternis zurücklassen, als jene gewesen ist, in der sie herumtappten, ehe er sich ihnen offenbart hatte!

Die Jünger meinten, daß Jesus für Herodes und Kaiphas in der Gegend von Cäsarea Philippi unerreichbar wäre. Dort hätte er weder den Haß der Juden noch die Macht der Römer zu fürchten. Warum konnte er nicht dort, weit entfernt von den Pharisäern, wirken? Warum sollte er sich selbst dem Tode überantworten? Wenn er sterben mußte, wie konnte dann sein Reich so unverrückbar aufgerichtet werden, daß die Pforten der Hölle es nicht überwältigen würden? Das alles war ihnen ein großes Geheimnis.

Gerade jetzt fuhren sie an den Ufern des Galiläischen Meeres entlang und näherten sich der Stadt, in der alle ihre Hoffnungen zerschlagen werden sollten. Sie erlaubten sich dem Herrn gegenüber keine Einwendungen; aber untereinander sprachen sie leise und in tiefer Betrübnis über die Zukunft. In all ihren Zweifeln aber klammerten sie sich an den Gedanken, daß irgendein unvorhergesehenes Ereignis das Schicksal, das ihren Herrn erwartete, wenden möge. So trauerten, zweifelten, hofften und fürchteten sie sechs lange, trübselige Tage hindurch.


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