Ein aufrichtiger, pflichtbewußter
Mann der Endzeit


18. Kapitel

Was geschieht, wenn Menschen ihr Leben Gott übergeben und beginnen, die Bibel zu studieren? Es liegt eine geheime Kraft in diesem Buch und ein Reichtum an Weisheiten der darin enthaltenen Prophezeiungen. Die geöffnete Bibel ist die Grundlage für dauerhafte Änderungen im Leben eines Menschen und für mächtige Erweckungen im Volk.
 

Alte Prophezeiungen

Ein biederer und schlichter Landmann, der verleitet worden war, die Autorität der Heiligen Schrift zu bezweifeln, dennoch aufrichtig danach verlangte, die Wahrheit zu erkennen, wurde von Gott besonders auserwählt, in der Verkündigung des zweiten Kommens Christi eine leitende Stellung einzunehmen. Gleich vielen anderen Reformatoren hatte William Miller (s. Anhang, Anm. 27) in seiner Jugend mit Armut gekämpft und auf diese Weise Strebsamkeit und Selbstverleugnung gelernt. Die Glieder der Familie, der er angehörte, zeichneten sich durch einen unabhängigen, freiheitsliebenden Geist, durch Ausdauer und glühende Vaterlandsliebe aus Züge, welche auch in seinem Charakter hervorstechend waren. Sein Vater war ein Hauptmann in der Revolutionsarmee, und auf die Opfer, welche er in den Kämpfen und Leiden jener stürmischen Zeit brachte, können wohl die drückenden Verhältnisse in den ersten Lebensjahren Millers zurückgeführt werden.

Er hatte einen gesunden kräftigen Körperbau und zeigte schon in der Kindheit eine ungewöhnliche Verstandeskraft. Als er älter wurde, trat dies noch mehr hervor. Sein Geist war tätig und gut entwickelt, und ihn dürstete nach Kenntnissen. Obwohl er sich der Vorteile einer akademischen Bildung nicht erfreute, machten ihn doch seine Liebe zum Studium und die Gewohnheit sorgfältigen Denkens und scharfer Unterscheidung zu einem Mann von gesundem Urteil und umfassender Anschauung. Er besaß einen untadelhaften sittlichen Charakter, und einen beneidenswerten Ruf und war allgemein wegen seiner Rechtschaffenheit, Sparsamkeit und Wohltätigkeit geachtet. Durch seine Tatkraft und seinen Fleiß erwarb er sich schon früh sein Auskommen, wenngleich er seine Gewohnheit des Studiums noch immer aufrecht hielt. Er bekleidete mit Erfolg verschiedene bürgerliche und militärische Ämter, und der Weg zu Reichtum und Ehre schien ihm geöffnet zu sein.

Seine Mutter war eine Frau von echter Frömmigkeit, und er selbst war in seiner Kindheit für religiöse Eindrücke empfänglich. Im frühen Mannesalter jedoch geriet er in die Gesellschaft von Deisten, die einen so größeren Einfluß auf ihn ausübten, da die meisten gute Bürger, menschenfreundliche und wohltätige Leute waren, deren Charakter, da sie inmitten christlicher Einrichtungen wohnten, gewissermaßen das Gepräge ihrer Umgebung angenommen hatte. Die Vorzüge, die ihnen Achtung und Vertrauen gewannen, hatten sie der Bibel zu verdanken; und doch waren diese guten Gaben so verkehrt worden, daß sie einen dem Worte Gottes zuwiderlaufenden Einfluß ausübten. Der Umgang mit ihnen veranlaßte Miller, ihre Ansichten anzunehmen. Die gängige Auslegung der Schrift schien ihm unüberwindliche Schwierigkeiten zu bereiten, und doch bot sein neuer Glaube, indem er die Bibel beiseite setzte, nichts Besseres, das ihre Stelle hätte einnehmen können, und er war keineswegs befriedigt. Immerhin hielt er ungefähr zwölf Jahre an diesen Ansichten fest. Im Alter von 34 Jahren jedoch bewirkte der Heilige Geist in ihm die Überzeugung, daß er ein Sünder sei. Er fand in seinem früheren Glauben keine Gewißheit einer Glückseligkeit jenseits des Grabes. Die Zukunft war düster und unheimlich. Auf seine Gefühle zu jener Zeit bezugnehmend, sagte er später:

„Vernichtung war ein kalter, schauriger Gedanke, und die Verantwortlichkeit war ein sicherer Untergang für alle. Der Himmel über meinem Haupte war gleich Erz, und die Erde unter meinen Füßen wie Eisen. Die Ewigkeit - was war sie? Und der Tod – warum war er? Je mehr ich die Sache zu ergründen suchte, desto zerfahrener wurden meine Schlüsse. Ich versuchte es, dem Denken Einhalt zu tun, aber meine Gedanken ließen sich nicht beherrschen. Ich fühlte mich wahrhaft elend, verstand aber nicht die Ursache. Ich murrte und klagte, ohne zu wissen über wen. Ich war überzeugt, daß irgendwo ein Fehler lag, wußte aber nicht, wo oder wie das Richtige zu finden sei. Ich trauerte, jedoch ohne Hoffnung."

In diesem Zustand verharrte er mehrere Monate. „Plötzlich", sagt er, „wurde meinem Gemüte lebhaft der Charakter eines Heilandes eingeprägt. Es schien mir, daß es ein Wesen gebe, so gut und mitleidig, um sich selbst für unsere Übertretungen als Sühne anzubieten und dadurch uns von der Erleidung der Sündenstrafe zu retten. Sofort fühlte ich, wie liebreich ein solches Wesen sein müsse, und stellte mir vor, daß ich mich in die Arme eines solchen werfen und seiner Gnade vertrauen könnte. Aber die Frage erhob sich: Wie kann es erwiesen werden, daß es ein solches Wesen gibt? Ich fand, daß ich außerhalb der Bibel keinen Beweis für das Bestehen eines solchen Heilandes oder eines zukünftigen Daseins entdecken konnte. ...

„Ich sah, daß die Bibel gerade einen solchen Heiland darstellte, wie ich ihn nötig hatte, und ich wunderte mich, wie ein uninspiriertes Buch Grundsätze entwickeln konnte, die den Bedürfnissen einer gefallenen Welt so vollkommen angepaßt waren. Ich sah mich gezwungen zuzugeben, daß die Heilige Schrift eine Offenbarung von Gott sein müsse. Sie wurde mein Entzücken; und in Jesu fand ich einen Freund. Der Heiland wurde für mich der Auserkorene unter vielen Tausenden, und die Heilige Schrift, die zuvor dunkel und voller Widersprüche war, wurde meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Mein Gemüt wurde ruhig und zufrieden. Ich erkannte Gott den Herrn als einen Fels inmitten des Ozeans des Lebens. Die Bibel wurde nun mein Hauptstudium, und ich kann in Wahrheit sagen, ich durchforschte sie mit großer Freude. Ich fand, daß mir nie die Hälfte gesagt worden war. Es wunderte mich, daß ich ihre Schöne und Herrlichkeit nicht eher gesehen hatte, und ich erstaunte darüber, daß ich sie je verwerfen konnte. Mir wurde alles offenbart, was mein Herz sich wünschen konnte; ich fand ein Heilmittel für jeden Schaden meiner Seele. Ich verlor den Gefallen an anderem Lesestoff und ließ es mir angelegen sein, Weisheit von Gott zu erlangen." (Bliß, Erinnerungen an Wm. Miller, S. 65-67.)

Miller bekannte nun öffentlich seinen Glauben an die Religion, welche er ehedem verachtet hatte. Aber seine ungläubigen Gefährten waren nicht müßig, jene Beweisführungen vorzubringen, welche er selbst oft gegen die göttliche Autorität der Heiligen Schrift angewandt hatte. Er war damals nicht vorbereitet, sie zu beantworten, folgerte aber, daß die Bibel, wenn sie eine Offenbarung Gottes sei, mit sich selbst übereinstimmen müsse. Er entschloß sich, die Heilige Schrift selbst zu studieren und sich zu vergewissern, ob nicht die anscheinenden Widersprüche in Einklang gebracht werden könnten.

Indem er sich bemühte, alle vorgefaßten Ansichten beiseite zulegen, verglich er ohne irgendwelche Kommentare Bibelstelle mit Bibelstelle, wobei er sich der angegebenen ParalleIstellen und der Konkordanz bediente. Er verfolgte sein Studium in einer regelmäßigen und planmäßigen Weise; er fing mit dem ersten Buch Mose an, las Vers für Vers und ging nicht schneller voran, als sich ihm die Bedeutung der verschiedenen Stellen so erschloß, daß ihm nichts unklar an ihnen blieb. War ihm eine Stelle dunkel, so verglich er sie mit allen anderen Texten, die irgendwelche Beziehung zu dem in Betrachtung stehenden Gegenstand zu haben schienen. Jedes Wort prüfte er bezüglich seiner Stellung zum Gegenstand der Bibelstelle, und wenn seine Ansicht dann mit jedem gleichlaufenden Text übereinstimmte, so war die Schwierigkeit überwunden. Auf diese Weise fand er immer in irgendeinem anderen Teil der Heiligen Schrift eine Erklärung für eine schwer verständliche Stelle. Da er unter ernstem Gebet um göttliche Erleuchtung forschte, wurde das, was ihm vorher dunkel erschienen war, seinem Verständnis klar. Er erfuhr die Wahrheit der Worte des Psalmisten: „Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreuet es und macht klug die Einfältigen. " (Ps. 119, 130.)

Mit ungemeiner Wißbegier studierte er das Buch Daniel und die Offenbarung, wobei er dieselben Grundsätze zum Verständnis anwandte wie bei den anderen Teilen der Heiligen Schrift und fand zu seiner großen Freude, daß die prophetischen Sinnbilder verstanden werden konnten. Er sah, daß die schon erfüllten Weissagungen sich buchstäblich erfüllt hatten; daß all die verschiedenen Bilder, Gleichnisse, Ausdrücke usw., entweder in ihrem unmittelbaren Zusammenhang erklärt waren, oder daß die Worte, in welchen sie ausgedrückt waren, an anderen Stellen näher bestimmt wurden, und wenn auf diese Weise erklärt, buchstäblich verstanden werden sollten. Er sagt: „So wurde ich überzeugt, daß die Bibel eine Kette offenbarter Wahrheiten ist, so deutlich und einfach gegeben, daß selbst der einfache Mann nicht zu irren braucht." (Bliß, S. 70.) Das Verständnis einer Kette der Wahrheit nach der andern belohnte seine Anstrengungen, als er Schritt für Schritt die großen Umrisse der Weissagungen verfolgte. Engel des Himmels lenkten seine Gedanken und eröffneten das Wort Gottes seinem Verständnis.

Indem er die noch zu erfüllenden Weissagungen nach der Art und Weise beurteilte, wie die Prophezeiungen in der Vergangenheit sich erfüllt hatten, wurde er überzeugt, daß die volkstümliche Ansicht von der geistigen Regierung Christi - einem irdischen Tausendjährigen Reich vor dem Ende der Welt - nicht von dem Worte Gottes unterstützt wurde. Diese Lehre, welche auf ein Jahrtausend der Gerechtigkeit und des Friedens vor der persönlichen Wiederkunft des Herrn hinwies, schob die Schrecken des Tages des Herrn weit hinaus in die Zukunft. Wenngleich dies auch vielen sehr angenehm sein dürfte, so war es doch den Lehren Christi und seiner Apostel direkt zuwider, welche erklärten, daß der Weizen und das Unkraut zusammen wachsen müssen bis zur Zeit der Ernte, dem Ende der Welt; daß es „mit den bösen Menschen aber und verführerischen ... je länger je ärger" wird, „daß in den letzten Tagen greuliche Zeiten kommen" werden, und daß das Reich der Finsternis fortbestehen müsse bis zur Ankunft des Herrn, wenn es verzehrt werden soll mit dem Geist seines Mundes und seiner ein Ende gemacht werde durch die Erscheinung seiner Zukunft. (Matth. 13, 30. 38-41; 2. Tim. 3, 13. 1; 2. Thess. 2, 8.)
Die Lehre von der Bekehrung der Welt und der geistlichen Herrschaft Christi wurde von der apostolischen Kirche nicht geglaubt. Sie fand keine allgemeine Annahme unter den Christen bis ungefähr zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Wie jeglicher andere Irrtum hatte auch dieser seine schlimmen Folgen. Er lehrte die Menschen, das zweite Kommen des Herrn erst in der fernen Zukunft zu erwarten, und hielt sie davon ab, die Zeichen, welche sein Herannahen verkündigen, zu beachten. Er erzeugte ein Gefühl der Sorglosigkeit und Sicherheit, dem ein guter Grund mangelte, und viele veranlaßte, die notwendige Vorbereitung, um ihrem Herrn begegnen zu können, zu vernachlässigen.

Miller fand, daß das buchstäbliche, persönliche Kommen Christi in der Heiligen Schrift deutlich gelehrt wird. Paulus sagt: „Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel." (l. Thess. 4, 16.) Und der Heiland erklärt: „Und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit." „Denn gleichwie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes." (Matth. 24, 30. 27.) Er wird von all den Scharen des Himmels begleitet werden. Des Menschen Sohn wird kommen „in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm." „Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten." (Matth. 25, 31. 32; 24, 31.)

Bei seiner Rückkehr werden die gerechten Toten auferweckt und die gerechten Lebenden verwandelt werden. Paulus sagt: „Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. " (l. Kor. 15, 51-53.) Und in seinem Brief an die Thessalonicher sagt er, nachdem er die Rückkehr des Herrn beschrieben hat: „Die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Danach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit." (l. Thess. 4, 16. 17.)

Nicht eher als bis zur Zeit der persönlichen Ankunft Christi kann sein Volk das Reich ererben. Der Heiland sagte: „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!" (Matth. 25, 31.34.) Wir haben aus den eben vorher angeführten Bibelstellen gesehen, daß wenn des Menschen Sohn kommt, die Toten unverweslich auferweckt und die Lebenden verwandelt werden. Durch die große Verwandlung werden sie zubereitet, das Reich zu ererben; denn Paulus sagt: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche." (1. Kor. 15, 50.) Der Mensch in seinem gegenwärtigen Zustand ist sterblich, verweslich; das Reich Gottes hingegen wird unverweslich, ewigwährend sein. Deshalb kann der Mensch in seinem gegenwärtigen Zustand das Reich nicht ererben. Kommt aber Jesus, so wird er seinem Volk die Unsterblichkeit verleihen; und dann ruft er sie, das Reich einzunehmen, von dem sie bisher nur Erben gewesen sind.

Diese und andere Bibelstellen waren für Miller deutliche Beweise, daß die Ereignisse, von denen man allgemein annahm, daß sie vor dem Kommen Christi stattfinden sollten, wie die allgemeine Friedensherrschaft und die Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden, der Wiederkunft Christi nachfolgen müßten. Ferner fand er, daß alle Zeichen der Zeit und der Zustand der Welt der prophetischen Beschreibung der letzten Tage entsprachen. Er kam allein durch das Studium der Heiligen Schrift zu dem Schluß, daß die Zeit, die für das Fortbestehen der Erde in ihrem gegenwärtigen Zustand bestimmt war, dem Ende nahe sei.

„Ein anderer Beweis, der mich wesentlich beeinflußte," sagt er, „war die Zeitrechnung der Heiligen Schrift. ... Ich fand, daß vorhergesagte Ereignisse, welche in der Vergangenheit erfüllt worden waren, sich oft innerhalb einer bestimmten Zeit zutrugen. Die 120 Jahre der Sintflut (l. Mose 6, 3), die sieben Tage, die ihr vorhergehen sollten mit vierzig Tagen vorhergesagten Regens (l. Mose 7, 4), die 400 Jahre des Aufenthaltes des Samens Abrahams in dem fremden Lande (l. Mose 15, 13), die drei Tage in den Träumen des Mundschenken und des Bäckers (l. Mose 40, 12-20), Pharaos sieben Jahre (l. Mose 41, 28-54), die 40 Jahre in der Wüste (4. Mose 14, 34), die 3½ Jahre der Hungersnot (l. Kön. 17, 1; siehe Luk. 4, 25),... die 70 Jahre der Gefangenschaft (Jer. 25, 11), Nebukadnezars sieben Zeiten (Dan. 4, 13-16), und die sieben Wochen, die 62 Wochen und eine Woche, was zusammen 70 Wochen ausmacht, die für die Juden bestimmt waren (Dan. 9, 24-27): die durch diese Zeiten begrenzten Ereignisse waren alle einst nur Sache der Weissagung und wurden in Übereinstimmung mit den Vorhersagungen erfüllt." (B liß, S. 74. 75.)

Als er deshalb in seinem Bibelstudium verschiedene Zeitabschnitte fand, welche sich, wie er sie verstand, bis auf das zweite Kommen Christi erstreckten, konnte er sie nur als „zuvor bestimmte Zeiten" ansehen, welche Gott seinen Knechten enthüllt hatte. Mose sagt: „Das Geheimnis [Verborgene] ist des Herrn, unsres Gottes; was aber offenbart ist, das ist unser und unserer Kinder ewiglich; " und der Herr erklärt durch den Prophet Amos, er „tut nichts, er offenbare denn sein Geheimnis den Propheten, seinen Knechten. " (5. Mose 29, 29; Amos 3, 7.) Die Forscher des Wortes Gottes dürfen deshalb zuversichtlich erwarten, die gewaltigsten Ereignisse, welche in der menschlichen Geschichte stattfinden sollen, in den Schriften der Wahrheit deutlich angegeben zu finden.

Miller sagt: „Da ich völlig überzeugt war, daß alle Schrift von Gott eingegeben, nützlich ist, daß sie nie aus menschlichem Willen hervorgebracht wurde, sondern daß die heiligen Menschen Gottes geredet haben, getrieben von dem Heiligen Geist, und uns zur Lehre schrieben, 'auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben;' (2. Tim. 3, 16; 2. Petr. 1, 21; Röm. 15, 4.) konnte ich die chronologischen Teile der Bibel nicht anders als ebensosehr unserer ernsten Beachtung wert betrachten wie irgendeinen andern Teil der Heiligen Schrift. Ich dachte deshalb, daß ich in meinen Bemühungen, das zu verstehen, was Gott in seiner Barmherzigkeit für gut gefunden hatte, uns zu offenbaren, kein Recht habe, die prophetischen Zeitangaben zu übergehen." (Bliß, S. 75.)

Die Weissagung, welche die Z e i t der zweiten Ankunft Christi am deutlichsten vor Augen zu führen schien, war die in Dan. 8, 14: „Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden." Seiner Regel getreu folgend, das Wort Gottes zu seinem eigenen Ausleger zu machen, lernte Miller, daß ein Tag in sinnbildlicher Weissagung ein Jahr bedeutet. (4. Mose 14, 34; Hes. 4, 6.) Er sah, daß der Zeitraum von 2300 prophetischen Tagen oder buchstäblichen Jahren sich weit über das des jüdischen Gnadenhaushaltes hinaus erstreckte und sich somit nicht auf das Heiligtum jenes Bundes beziehen konnte. Miller teilte die verbreitete Ansicht, daß im christlichen Zeitalter die Erde das Heiligtum sei, und verstand deshalb, daß [das Weihen oder] die Reinigung des Heiligtums, von der in Dan. 8, 14 gesprochen wird, die Reinigung der Erde durch Feuer beim zweiten Kommen Christi darstelle. Wenn also der richtige Ausgangspunkt für die 2300 Tage gefunden werden könnte, dann wäre man auch leicht imstande, meinte er, die Zeit der Wiederkunft Christi festzustellen. Auf diese Weise würde die Zeit jener großen Vollendung offenbart werden, die Zeit, da der gegenwärtige Zustand mit „all seinem Stolz und seiner Macht, seinem Gepränge und seiner Eitelkeit, seiner Gottlosigkeit und Unterdrückung ein Ende hat;" da der Fluch „von der Erde hinweg genommen, der Tod vernichtet, die Knechte Gottes, die Propheten, die Heiligen und alle, die seinen Namen fürchten, belohnt, und jene, welche die Erde verderben, umgebracht werden sollen." (Bliß, S. 76.)

Mit erneutem und größerem Ernst setzte Miller die Prüfung der Weissagungen fort und widmete Tag und Nacht dem Studium dessen, was ihm von so gewaltiger Wichtigkeit und alles überragender Bedeutung zu sein schien. Im achten Kapitel Daniel konnte er keinen Anhalt für den Ausgangspunkt der 2300 Tage finden. Der Engel Gabriel, obgleich beauftragt, dem Daniel das Gesicht zu erklären, gab ihm nur eine teilweise Auslegung. Als der Prophet die schreckliche Verfolgung sah, welche die Gemeinde befallen würde, verließ ihn die körperliche Kraft. Er konnte nicht mehr ertragen, und der Engel verließ ihn einstweilen. Daniel „ward schwach und lag etliche Tage krank." „Und [ich] verwunderte mich des Gesichts, " sagt er, „und niemand war, der mir's auslegte."

Doch Gott hatte seinem Boten befohlen: „Lege diesem das Gesicht aus, daß er's verstehe." Dieser Auftrag mußte vollzogen werden, und deshalb kehrte der Engel später zu Daniel zurück und sagte: „Jetzt bin ich ausgegangen, dich zu unterrichten. ... So merke nun darauf, daß du das Gesicht verstehst. " (Dan. 9, 22. 23. 2527.) In dem Gesicht des achten Kapitels war ein wichtiger Punkt nicht erklärt worden, nämlich die Zeit - der Zeitraum der 2300 Tage; deshalb verweilt der Engel in der Wiederaufnahme seiner Erklärung hauptsächlich bei dem Gegenstand der Zeit.

„Siebzig Wochen sind bestimmt über dein Volk und über deine heilige Stadt. ... So wisse nun und merke, von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, daß Jerusalem soll wiederum gebaut werden, bis auf den Gesalbten, den Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen, so werden die Gassen und Mauern wieder gebaut werden, wiewohl in kümmerlicher Zeit. Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden und nichts mehr sein. ... Er wird aber vielen den Bund stärken eine Woche lang. Und mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören. "

Der Engel war zu dem besonderen Zweck zu Daniel gesandt worden, um ihm den Punkt, welchen er in dem Gesicht vom achten Kapitel nicht verstanden hatte, zu erklären, nämlich die Angabe bezüglich der Zeit. „Bis Zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind, dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden." Nachdem er Daniel aufgefordert hatte, „so merke nun darauf, daß du das Gesicht verstehst," waren die ersten weiteren Worte des Engels: „Siebzig Wochen sind bestimmt über dein Volk und über deine heilige Stadt." Das hier mit „bestimmt" wiedergegebene Wort bedeutet wörtlich „abgeschnitten". Der Engel erklärt, daß siebzig Wochen, also 490 Jahre, abgeschnitten seien, als besonders den Juden gehörig. Wovon aber waren sie abgeschnitten? Da die 2300 Tage die einzige im achten Kapitel erwähnte Zeitspanne ist, so müssen die siebzig Wochen von diesem Zeitraum abgeschnitten sein und somit einen Teil der 2300 Tage ausmachen; und zwar müssen diese beiden Abschnitte zusammen anfangen. Die siebzig Wochen sollten nach der Erklärung des Engels mit dem Ausgehen des Befehls, Jerusalem wieder herzustellen, anfangen. Ließe sich das Datum dieses Befehls finden, so wäre auch der Ausgangspunkt der großen Periode von 2300 Tagen festgestellt.

Im siebenten Kapitel Esras befindet sich dieser Befehl. (Esra 7, 12-16.) Er ward in seiner vollständigen Form von Artaxerxes, dem König von Persien, im Jahre 457 v. Chr. erlassen. In Esra 6, 14  heißt es jedoch, daß
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457 v. Chr. Der Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems wird gegeben (Artaxerxes 1), Daniel 9, 25; Esra 7, 7. Damit begannen die 70 Wochen (490 Jahre), die in Daniel 9, 24-26 erwähnt wurden und gleichzeitig die 2300 Jahre aus Daniel 8, 14  408 v. Chr.  Die Mauern Jerusalems wurden nach 7 prophetischen Wochen oder 49 wirklichen Jahren erbaut (Daniel 9, 25).

27 n. Chr. 62 proph. Wochen (434 wirkliche Jahre) nach 408 v.Chr. bringen uns zum Zeitpunkt der Salbung des Messias, der durch den Heiligen Geist für seine Aufgabe geweiht wurde. Das geschah bei der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan (Daniel 9, 25-27; Matth. 3, 13-17). Nur noch eine prophetische Woche (7 wirkliche Jahre) von den 70 Wochen wartete auf ihre Erfüllung.

31 n. Chr.  In der Mitte der 69. Woche sollte der Messias ausgerottet werden, „jedoch ist kein Fehl an ihm" (Jerusalemer Bibel), Daniel 9, 26. 31 n. Chr. wurde Jesus für uns gekreuzigt (Luk. 23, 33; 46; 1. Petr. 2, 24).

34 n. Chr. Ende der prophezeiten siebzig Wochen. Die ersten 490 Jahre der 2300 Jahr-Tag-Vorhersage sind vorbei. Wie in Daniel 9, 24-27 vorhergesagt wurde, sind diese 490 Jahre für die jüdische Nation bestimmt oder zugeteilt. Sie sollten eine letzte Gelegenheit erhalten, ihren Auftrag als Gottes besonderes Bundesvolk zu erfüllen und ihm gerecht zu werden (Dan. 9, 26. 27). Weil sie darin versagten, sollte dann die Gute Nachricht von der Erlösung zu den Heiden gebracht werden. 34 n. Chr. wurde Stephanus als erster christlicher Märtyrer von den Juden zu Tode gesteinigt (Apg. 7, 54-59). Jetzt fehlen noch 1810 Jahre, bis 2300 Jahrtage voll sind.

538 n. Chr.  Zu dieser Zeit wird die päpstliche Vorherrschaft eingeführt. Die Weissagung der 1260 Jahrtage beginnt.

1517 -  Beginn der Großen Reformation, als Martin Luther seine 95 Thesen, in denen er einige der päpstlichen Irrlehren anprangert, an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg annagelte.

1798 - Ende der 1260 Jahrtage-Weissagung - Ende der päpstlichen Vorherrschaft, Verhaftung des Papstes durch General Berthier (Frankreich). Papst Pius VI starb 18 Monate später im Kerker von Valence, Frankreich.

1844 - Das Ende der 2300 Jahrtage, die in Daniel 8, 14 vorhergesagt wurden. Das Untersuchungsgericht und die letzten Versöhnungsaktivitäten setzen ein.

Man braucht 457 volle Jahre vor Christus und 1843 volle Jahre nach Christus, um auf ganze 2300 Jahre zu kommen. Hätte Artaxerxes seinen Erlaß Anfang des Jahres 457 herausgegeben, dann hätten die 2300 Jahrtage sich bis Ende 1843 erstreckt. Doch dieser Erlaß trat erst im Herbst 457 in Kraft, so daß man daraus folgern muß, daß die 2300 Jahrtage erst im Herbst 1844 zu Ende gegangen sind.
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das Haus des Herrn zu Jerusalem gebaut worden sei „nach dem Befehl des Kores [Cyrus], Darius und Arthahsastha [Artaxerxes], der Könige in Persien." Diese drei verfaßten, bestätigten und vervollständigten den Erlaß, der dann die für die Weissagung notwendige Vollkommenheit hatte, um den Anfangspunkt der 2300 Jahre zu bezeichnen. Indem das Jahr 457 v. Chr., in welchem das Dekret vollendet wurde, als Zeit des Ausganges des Befehls angenommen wurde, zeigte sich, daß jede Einzelheit der Weissagung hinsichtlich der siebzig Wochen erfüllt worden war.

„Von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, daß Jerusalem soll wiederum gebaut werden, bis auf den Gesalbten, den Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen" - also 69 Wochen oder 483 Jahre. Der Erlaß des Artaxerxes trat im Herbst des Jahres 457 v. Chr. in Kraft. Von diesem Zeitpunkt an gerechnet erstreckten sich 483 Jahre bis auf den Herbst des Jahres 27 n. Chr. (s. Anhang, Anm. 28; siehe auch die Zeittafel.) Zu jener Zeit ging die Weissagung in Erfüllung. Im Herbst des Jahres 27 n. Chr. wurde Christus von Johannes getauft und empfing die Salbung des Heiligen Geistes. Der Apostel Petrus legt Zeugnis ab, daß „Gott diesen Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und Kraft." (Apg. 10, 38.) Und der Heiland selbst erklärte: „Der Geist des Herrn ist bei mir, darum daß er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt zu verkündigen das Evangelium den Armen." (Luk. 4, 18.) Nach seiner Taufe „kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt." (Mark. 1, 14. 15.)

„Er wird aber vielen den Bund stärken eine Woche lang." Die hier erwähnte Woche ist die letzte der siebzig; es sind die letzten sieben Jahre der den Juden besonders zugemessenen Zeitspanne. Während dieser Zeit, welche von 27 - 34 n. Chr. sich erstreckt, ließ Jesus erst persönlich, dann durch seine Jünger die Einladung des Evangeliums ganz besonders an die Juden ergehen. Als die Apostel mit der frohen Botschaft vom Reich hinausgingen, war die Anweisung des Heilandes: „Gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte, sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel." (Matth. 10, 5.6.)

„Mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören." Im Jahre 31 n. Chr., 3½ Jahre nach seiner Taufe, wurde der Herr gekreuzigt. Mit diesem großen auf Golgatha dargebrachten Opfer hörte jenes Opfersystem auf, welches vier Jahrtausende lang vorwärts auf das Lamm Gottes hingewiesen hatte. Der Schatten war im Wesen aufgegangen, und alle Opfer und Gaben des Zeremonialgesetzes sollten hier enden.

Die besonders für die Juden bestimmten siebzig Wochen oder 490 Jahre liefen, wie wir gesehen haben, im Jahre 34 n. Chr. ab. Zu jener Zeit besiegelte die Nation durch den Beschluß des jüdischen Hohen Rates ihre Verwerfung des Evangeliums, indem sie Stephanus steinigte und die Nachfolger Christi verfolgte. Dann wurde die Heilsbotschaft, die hinfort nicht länger auf das auserwählte Volk beschränkt war, der Welt verkündigt. Die Jünger, durch Verfolgung gezwungen, aus Jerusalem zu fliehen, „gingen um und predigten das Wort. Philippus aber kam hinab in eine Stadt in Samarien und predigte ihnen von Christo. " (Apg. 8, 4. 5.) Petrus, von Gott geleitet, erschloß dem Hauptmann von Cäsarea, dem gottesfürchtigen Kornelius, das Evangelium, und der eifrige Paulus, für den Glauben Jesu gewonnen, wurde beauftragt, die frohe Botschaft „ferne unter die Heiden" zu tragen. (Apg. 22, 21.)

Soweit ist jegliche Angabe der Weissagung auffallend erfüllt und der Anfang der siebzig Wochen ohne irgendwelchen Zweifel auf 457 v. Chr. und ihr Ablauf auf 34 n. Chr. festgelegt worden. Mittels dieser Angaben ist es nicht schwer, das Ende der 2300 Tage zu finden. Da die siebzig Wochen - 490 Tage - von den 2300 abgeschnitten sind, bleiben noch 1810 Tage übrig. Nach Beendigung der 490 Tage mußten die 1810 Tage noch erfüllt werden. Vom Jahre 34 n. Chr. erstrecken sich 1810 Jahre bis zum Jahr 1844. Nach dem Ablauf dieser großen prophetischen Zeitspanne sollte nach dem Zeugnis des Engels Gottes „das Heiligtum wieder geweiht [gereinigt] werden. " Somit war die Zeit der Weihung oder Reinigung des Heiligtums - welches Ereignis, wie man beinahe allgemein glaubte, zur Zeit des zweiten Kommens stattfinden sollte - genau und bestimmt angegeben.

Miller und seine Mitarbeiter glaubten anfangs, die 2300 Tage würden im Frühling des Jahres 1844 ablaufen, wohingegen die Weissagung auf den Herbst jenes Jahres verweist. (s. die Angaben auf der Zeittafel und auch den Anhang, Anm. 28.) Das Mißverständnis betreffs dieses Punktes brachte denen, welche das frühere Datum als die Zeit des Kommens des Herrn angenommen hatten, Enttäuschung und Unruhe. Aber dies beeinträchtigte auch nicht im geringsten die Kraft der Beweisführung, daß die 2300 Tage im Jahre 1844 zu Ende gehen, und daß das große, durch die Weihung (Reinigung) des Heiligtums bezeichnete Ereignis, dann stattfinden mußte.

Als Miller sich an das Studium der Heiligen Schrift gemacht hatte, um zu beweisen, daß sie eine Offenbarung von Gott sei, hatte er nicht die geringste Ahnung, zu dem Schluß zu kommen, den er jetzt erreicht hatte. Er konnte die Ergebnisse seiner Forschung selbst kaum glauben, aber der schriftgemäße Beweis war zu klar und zu stark, als daß er ihn hätte unbeachtet lassen können.

Er hatte zwei Jahre auf das Studium der Bibel verwandt, als er im Jahre 1818 zu der feierlichen Überzeugung kam, daß in ungefähr 25 Jahren Christus zur Erlösung seines Volkes erscheinen würde. „Ich brauche," sagte Miller, „nicht von der Freude zu reden, die im Hinblick auf die entzückende Aussicht mein Herz erfüllte, oder von dem heißen Sehnen meiner Seele nach einem Anteil an den Freuden der Erlösten. Die Bibel war mir nun ein neues Buch. Sie war mir in der Tat ein angenehmes geistreiches Gespräch; alles, was mir finster, geheimnisvoll oder dunkel war in ihren Lehren, war von dem hellen Licht, welches nun aus ihren heiligen Blättern hervorbrach, zerstreut worden; und o, wie glänzend und herrlich erschien die Wahrheit! Alle Widersprüche und Ungereimtheiten, die ich vorher in dem Worte gefunden hatte, waren verschwunden; und wenn auch noch viele Stellen da waren, von denen mir, wie ich überzeugt war, ein volles Verständnis mangelte, so war doch soviel Licht zur Erleuchtung meines vorher verfinsterten Gemütes daraus hervorgegangen, daß ich beim Studium der Heiligen Schrift ein Entzücken empfand, welches ich nie geglaubt hätte, aus ihren Lehren erlangen zu können." (Bliß, S. 76. 77.)

„Unter der feierlichen Überzeugung, daß so überwältigende Ereignisse, wie sie in der Heiligen Schrift vorhergesagt waren, sich in einem kurzen Zeitraum erfüllen sollten, trat mit gewaltiger Macht die Frage an mich heran, welche Pflicht ich angesichts der Beweise, die mein eigenes Gemüt ergriffen hatten, der Welt gegenüber habe." (Bliß, S. 81.) Miller fühlte, daß es seine Pflicht sei, das Licht, welches er empfangen hatte, andern mitzuteilen. Er erwartete seitens der Gottlosen Widerspruch anzutreffen, war aber von Zuversicht, daß alle Christen sich der Hoffnung freuen würden, dem Heiland, welchen sie liebten, zu begegnen. Seine einzige Befürchtung war, daß viele in der großen Freude auf die glorreiche Befreiung, die sich so bald erfüllen sollte, die Lehre annehmen würden, ohne hinreichend die Schriftstellen zu prüfen, die diese Wahrheit darstellten. Er zögerte noch, sie vorzutragen, damit er nicht, falls selbst im Irrtum, das Mittel werde, andere irrezuleiten. Dadurch wurde er veranlaßt, die Beweise seiner Schlüsse nochmals zu prüfen, und jede Schwierigkeit, die sich ihm entgegenstellte, sorgfältig zu betrachten. Er fand, daß die Einwände vor dem Licht des Wortes Gottes verschwanden wie der Nebel vor den Strahlen der Sonne. Nach fünf auf diese Weise zugebrachten Jahren war er vollständig von der Richtigkeit seiner Stellung überzeugt.

Jetzt drängte sich ihm mit neuer Kraft die Pflicht auf, anderen das bekannt zu machen, was, wie er glaubte, in der Heiligen Schrift klar gelehrt werde. Er sagte: „Wenn ich meinem Geschäft nachging, tönte es beständig in meinen Ohren: Geh und erzähle der Welt von ihrer Gefahr. Folgende Bibelstelle kam mir immer wieder in den Sinn: 'Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: Du Gottloser mußt des Todes sterben! und du sagst ihm solches nicht, daß sich der Gottlose warnen lasse vor seinem Wesen, so wird wohl der Gottlose um seines gottlosen Wesens willen sterben; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Warnst du aber den Gottlosen vor seinem Wesen, daß er sich davon bekehre, und er will sich nicht von seinem Wesen bekehren, so wird er um seiner Sünde willen sterben, und du hast deine Seele errettet.' (Jes. 33, 8. 9.) Ich fühlte, daß falls die Gottlosen nachdrücklich gewarnt werden könnten, sehr viele Buße tun würden; daß aber, wenn sie nicht gewarnt würden, ihr Blut von meiner Hand gefordert werden möchte." (Bliß, S. 92.)

Miller fing an, seine Ansichten im stillen, wie die Gelegenheit sich ihm bot, zu verbreiten und betete, daß irgendein Prediger die Notwendigkeit erkennen und sich ihrer Verbreitung widmen möchte. Aber er konnte die Überzeugung nicht verbannen, daß er in der Verkündigung der Warnung eine persönliche Pflicht zu erfüllen habe. Beständig schwebten seinem Geiste die Worte vor: „Geh und sage es der Welt; ihr Blut werde ich von deiner Hand fordern." Neun Jahre wartete er, und immer noch lastete die Bürde auf seiner Seele, bis er im Jahre 1831 zum ersten Mal öffentlich die Gründe seines Glaubens darlegte.

Wie Elisa vom Treiben seiner Ochsen auf dem Felde weggerufen wurde, um den Mantel, der ihn zum Prophetenamt weihte, zu empfangen, so wurde William Miller aufgefordert, seinen Pflug zu verlassen und dem Volk die Geheimnisse des Reiches Gottes zu eröffnen. Mit Zittern trat er sein Werk an, indem er seine Zuhörer Schritt für Schritt durch die prophetischen Perioden hindurch zu dem zweiten Kommen Christi führte. Mit jeder Anstrengung gewann er Kraft und Mut, denn er sah das weitverbreitete Aufsehen, das durch seine Worte hervorgerufen wurde.

Nur durch das Anhalten seiner Glaubensbrüder, in deren Worten er den Ruf Gottes hörte, ließ sich Miller bewegen, seine Ansichten öffentlich vorzutragen. Er war nun 50 Jahre alt, des öffentlichen Redens ungewohnt und belastet mit einem Gefühl der Untauglichkeit für das vor ihm liegende Werk. Aber von Anfang an wurden seine Bemühungen in einer bemerkenswerten Weise zur Rettung von Seelen gesegnet. Seinem ersten Vortrag folgte eine religiöse Erweckung, in welcher dreizehn ganze Familien mit Ausnahme von zwei Personen bekehrt wurden. Er wurde sofort gebeten, an andern Orten zu sprechen, und beinahe überall erfolgte eine Wiederbelebung des Wortes Gottes. Sünder wurden bekehrt, Christen zu größerer Hingabe angeregt und Deisten und Ungläubige zur Anerkennung der Bibelwahrheiten und der christlichen Religion geführt. Diejenigen, unter denen er arbeitete, bezeugten: „Von ihm wird eine Klasse von Menschen erreicht, die sich von anderen Männern nicht beeinflussen lassen." (Bliß, S. 138.) Seine Predigt war dazu geeignet, das allgemeine Verständnis für die großen Dinge der Religion zu erwecken und die überhandnehmende Weltlichkeit und Sinnlichkeit der Zeit im Zaume zu halten.

Beinahe in jeder Stadt wurden infolge seiner Predigt viele, an etlichen Orten Hunderte, bekehrt. An vielen Orten wurden ihm die protestantischen Kirchen fast aller Bekenntnisse geöffnet, und die Einladungen an Miller kamen gewöhnlich von den Predigern der verschiedenen Gemeinden. Er machte es sich zur Regel, an keinem Ort zu wirken, wohin er nicht eingeladen worden war, doch sah er sich bald außerstande, auch nur der Hälfte der Gesuche, mit denen man ihn überhäufte, nachzukommen.

Viele, welche seine Ansichten hinsichtlich der genauen Zeit der zweiten Erscheinung Christi nicht annahmen, wurden doch von der Gewißheit und Nähe seines Kommens und der Notwendigkeit einer Vorbereitung überzeugt. In einigen der großen Städte machte Millers Wirken einen sichtbaren Eindruck. Schenkwirte gaben ihren Handel auf und verwandelten ihre Trinkstuben in Versammlungssäle; Spielhöllen wurden aufgehoben; Ungläubige, Deisten, Universalisten und selbst die verkommensten Bösewichte, von denen etliche jahrelang kein Gotteshaus betreten hatten, wurden reformiert. Gebetsversammlungen wurden von den verschiedenen Gemeinschaften in allen Stadtvierteln zu beinahe jeder Tagesstunde eingeführt, und Geschäftsleute versammelten sich am Mittag zum Gebet und Lobgesang. Es herrschte da keine schwärmerische Aufregung, sondern eine allgemeine Feierlichkeit ruhte auf den Gemütern des Volkes. Sein Wirken, gleich dem der früheren Reformatoren, überzeugte weit mehr das Verständnis und erweckte das Gewissen als nur die Gefühle zu erregen.

Im Jahre 1833 erhielt Miller von der Baptistenkirche, der er angehörte, die Erlaubnis zu predigen. Viele Prediger seiner Gemeinschaft billigten sein Werk, und kraft ihrer formellen Gutheißung setzte er sein Wirken fort. Er reiste und predigte unaufhörlich, wenn auch sein persönliches Wirken hauptsächlich auf Neuengland und die mittleren Staaten beschränkt war. Mehrere Jahre lang bestritt er sämtliche Auslagen aus seiner eigenen Kasse und erhielt auch später nicht einmal genügend, um die Reisekosten nach den verschiedenen Orten, wohin er geladen wurde, zu decken. Demnach belastete seine öffentliche Arbeit, anstatt ihm einen finanziellen Gewinn zu bringen, sein Eigentum, so daß es während dieses Abschnitts seines Lebens immer mehr abnahm. Er war Vater einer großen Familie, da aber alle genügsam und fleißig waren, so reichte sein Landgut sowohl für ihren als auch seinen eigenen Unterhalt aus.

Im Jahre 1833, zwei Jahre nachdem Miller angefangen hatte, die Beweise des baldigen Kommens Christi öffentlich zu verkündigen, erschien das letzte jener Zeichen, welche der Heiland als Vorläufer seiner Wiederkunft verheißen hatte. Jesus sagte: „Die Sterne werden vom Himmel fallen," und Johannes erklärte in der Offenbarung, als er im Gesicht die Vorgänge, welche den Tag Gottes ankündigen sollten, erblickte: „Die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Winde bewegt wird." (Matth. 24, 29; Offb. 6, 13.) Diese Weissagung erfüllte sich auffallend und eindrücklich in dem großen Meteorregen vom 13. Nov. 1833. Es war die ausgedehnteste und wunderbarste Entfaltung fallender Sterne, welche je berichtet worden ist. „Das ganze Himmelsgewölbe über die gesamten Vereinigten Staaten hin war damals stundenlang in feuriger Bewegung. Noch nie hatte sich von der ersten Ansiedlung an in diesem Land eine Naturerscheinung gezeigt, die mit solch großer Bewunderung von einem Teil der Bevölkerung und mit so viel Schaudern und Bestürzung von einem andern Teil betrachtet wurde." „Die Erhabenheit und feierliche Pracht lebt noch heute frisch in manchem Gedächtnis. ... Noch nie ist der Regen dichter auf die Erde gefallen als jene Meteore fielen; im Osten, Westen, Norden und Süden war es gleich. In einem Wort, das ganze Himmelsgewölbe schien in Bewegung zu sein. ... Das Schauspiel, wie Prof. Sillimans Journal es schildert, wurde in ganz Nordamerika gesehen. ... Bei vollkommen klarem und heiterem Himmel wurde von zwei Uhr bis zum hellen Tageslicht ein unaufhörliches Spiel blendend glänzender Lichtkörper am ganzen Himmel unterhalten." (Devens Fortschritt Amerikas, 28. Kap. Abschn. 1-5.)

„Keine Sprache kann der Pracht jenes herrlichen Schauspiels gerecht werden; ... niemand, der es nicht selbst gesehen, kann sich eine entsprechende Vorstellung von seiner Herrlichkeit machen. Es schien, als ob der ganze Sternenhimmel sich in der Nähe des Zenits in einem Punkt gesammelt hätte und mit Blitzesschnelle, gleichzeitig nach allen Richtungen des Horizonts hin seine Sterne hervorschieße; und doch wurden diese nicht erschöpft - Tausende folgten schnell der Bahn, die Tausende durcheilt hatten, als ob für diesen Anlaß erschaffen. " (Christian Advocate and Journal, 13. Dez. 1833.) „Ein deutlicheres Bild von einem Feigenbaum, der seine Feigen abwirft, wenn er von einem heftigen Wind bewegt wird, kann nicht entworfen werden. " (Portland Advertiser, 26. Nov. 1833.)

Im New Yorker „Journal of Commerce" vom 14. Nov. 1833 erschien ein ausführlicher Artikel über diese wunderbare Naturerscheinung, worin es heißt: „Kein Weiser oder Gelehrter hat je, wie ich annehme, eine Erscheinung wie diejenige von gestern morgen mündlich oder schriftlich berichtet. Vor 1800 Jahren hat ein Prophet sie genau vorausgesagt, so wir uns nur die Mühe nehmen wollen, unter Sternenfall das Fallen von Sternen... in dem allein möglichen Sinne, in dem es buchstäblich wahr sein kann, zu verstehen."

So spielte sich das letzte jener Zeichen seines Kommens ab, worüber Jesus seinen Jüngern sagte: „Also auch, wenn ihr das alles seht, so wisset, daß es nahe vor der Tür ist. " (Matth. 24, 33.) Als das nächste große Ereignis, welches nach diesen Zeichen geschah, sah Johannes, daß der Himmel entwich wie ein zusammengerolltes Buch, während die Erde erbebte, die Berge und Inseln aus ihren Örtern bewegt wurden und die Gottlosen vor der Gegenwart des Menschensohnes entsetzt zu fliehen suchten. (Offb. 6, 12-17.)

Viele, welche Augenzeugen von dem Sternenfall waren, sahen ihn als den Vorboten des kommenden Gerichts an, „als ein fürchterliches Vorbild, einen sicheren Vorläufer, ein barmherziges Zeichen jenes großen und schrecklichen Tages." (Portland Advertiser, 26. Nov. 1833.) Auf diese Weise wurde die Aufmerksamkeit auf die Erfüllung der Weissagung gerichtet, und viele wurden dadurch veranlaßt, die Botschaft von dem zweiten Kommen Christi zu beachten.
Im Jahre 1840 erregte eine andere merkwürdige Erfüllung der Weissagung große Aufmerksamkeit. Zwei Jahre zuvor hatte Josia Litch, einer der leitenden Prediger, die das zweite Kommen Christi verkündigten, eine Auslegung des neunten Kapitels der Offenbarung veröffentlicht, in welcher der Fall des Osmanischen Reiches vorhergesagt wurde. Seiner Berechnung gemäß sollte diese Macht im Jahre 1840 im Monat August gestürzt werden; und nur wenige Tage vor dem Eintreffen schrieb er: „Wenn wir zugeben, daß die erste Zeitperiode, 150 Jahre, sich genau erfüllt hatte, ehe Konstantin XI. mit der Erlaubnis der Türken den Thron bestieg, und daß die 391 Jahre und 15 Tage am Schlusse der ersten Zeitperiode anfingen, so müssen sie am 11. August enden, wenn man erwarten darf, daß die Osmanische Macht in Konstantinopel gebrochen werden wird. Und ich glaube sicherlich, daß dies der Fall sein wird." (Signs of the Times and Expositors of Prophecy.' 1. Aug. 1840.)

Genau zu der bezeichneten Zeit nahm die Türkei durch ihre Gesandten den Schutz der vereinigten Großmächte Europas an und stellte sich auf diese Weise unter die Aufsicht der christlichen Nationen. Dies Ereignis erfüllte die Vorhersagung genau. (Siehe Anhang, Anm. 29.) Als es bekannt wurde, gewannen viele die Überzeugung, daß die Grundsätze der prophetischen Auslegung, wie Miller und seine Genossen sie angenommen hatten, richtig seien, und ein wunderbarer Antrieb wurde der Adventbewegung gegeben. Männer von Gelehrsamkeit und Rang vereinigten sich mit MilIer, um zu predigen und die Botschaft zu veröffentlichen, und von 1840 bis 1844 dehnte sich das Werk rasch aus.

William Miller besaß große geistige Gaben, geschult durch Nachdenken und Studium; und diesen fügte er die Weisheit des Himmels hinzu, indem er sich mit der Quelle der Weisheit in Verbindung setzte. Er war ein Mann von echtem Wert, der Achtung und Wertschätzung einflößen mußte, wo Rechtschaffenheit des Charakters und sittliche Vorzüge geschätzt wurden. Er besaß wahre Herzensfreundlichkeit, verbunden mit christlicher Demut und der Macht der Selbstbeherrschung, war aufmerksam und liebenswürdig gegen alle, bereit, auf die Meinungen anderer zu hören und ihre Beweisgründe zu erwägen. Ohne Leidenschaft oder Aufregung prüfte er alle Theorien und Lehren mit dem Wort Gottes; und sein gesundes Denken sowie seine gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift setzten ihn in den Stand, den Irrtum zu widerlegen und die Lügen bloßzustellen.

Dennoch verfolgte er sein Werk nicht ohne schweren Widerstand. Es ging ihm wie den früheren Reformatoren: die Wahrheiten, welche er verkündigte, wurden von den bei dem Volk beliebten Lehrern nicht günstig aufgenommen. Da sie ihre Stellung nicht durch die Heilige Schrift aufrechterhalten konnten, waren sie gezwungen, ihre Zuflucht zu den Aussprüchen und Lehren der Menschen, den Überlieferungen der Väter zu nehmen. Aber Gottes Wort war das einzige von den Predigern der Adventwahrheit angenommene Zeugnis. „Die Bibel und die Bibel allein!" war ihr Losungswort. Der Mangel an biblischen Beweisen seitens ihrer Gegner wurde durch Hohn und Spott ersetzt. Zeit, Mittel und Talent wurden angewandt, um diejenigen zu verunglimpfen, die nur dadurch Anstoß gaben, daß sie mit Freuden die Wiederkehr ihres Herrn erwarteten und danach strebten, ein heiliges Leben zu führen und andere zu ermahnen, sich auf sein Erscheinen vorzubereiten.

Ernstlich waren die an den Tag gelegten Bestrebungen, die Gemüter des Volkes von dem Gegenstand des zweiten Kommens Christi abzuziehen. Es wurde als Sünde, als etwas, dessen sich die Menschen schämen müßten, hingestellt, die Weissagungen zu erforschen, welche sich auf die Rückkehr Christi und das Ende der Welt beziehen. Auf diese Weise untergruben die beim Volk beliebten Prediger den Glauben an das Wort Gottes. Ihre Lehren machten die Menschen zu Ungläubigen, und viele fühlten sich frei, nach ihren eigenen gottlosen Gelüsten zu wandeln. Die Urheber des Übels aber legten alles den Adventisten zur Last.

Während Millers Name Scharen verständiger und aufmerksamer Zuhörer anzog, wurde er in der religiösen Presse selten genannt, ausgenommen um ihn ins Lächerliche zu ziehen oder zu beschuldigen. Die Gleichgültigen und Gottlosen, kühner gemacht durch die Stellung religiöser Lehrer, griffen in ihren Bemühungen, Schmach auf ihn und sein Werk zu häufen, zu schändlichen Ausdrücken, zu gemeinen und gotteslästerlichen Witzeleien. Der altersgraue Mann, der die Bequemlichkeiten seines häuslichen Herdes verlassen hatte, um auf seine eigenen Kosten von Stadt zu Stadt, von Flecken zu Flecken zu reisen, der sich unaufhörlich abmühte, der Welt die feierliche Warnung von dem nahestehenden Gericht zu verkündigen, wurde höhnisch als Schwärmer, Lügner und vorwitziger Schalk verschrieen.

Der auf ihn gehäufte Spott, die Verleumdungen und Schmähungen riefen sogar bei der weltlichen Presse einen entrüsteten Widerstand hervor. „Einen Gegenstand von so überwältigender Hoheit und furchtbaren Folgen" mit Leichtfertigkeit und Scherz behandeln, erklärten weltlich gesinnte Männer, hieße nicht nur „mit den Gefühlen seiner Vertreter und Verteidiger sein Spiel treiben, sondern auch den Tag des Gerichtes ins Lächerliche ziehen, die Gottheit selbst verhöhnen und sich über die Schrecken jenes Gerichtshofes lustig machen." (Bliß, S. 183.)

Der Anstifter alles Übels versuchte nicht nur der Wirkung der Adventbotschaft entgegenzuarbeiten,
sondern auch den Botschafter selbst umzubringen. Miller machte eine praktische Anwendung der biblischen Wahrheit auf die Herzen seiner Hörer, rügte ihre Sünden und beunruhigte ihre Selbstzufriedenheit, und seine einfachen, schneidenden Worte erregten ihre Feindschaft. Durch den bekundeten Widerstand der Kirchenglieder wurden die niederen Volksklassen ermutigt, weiterzugehen, und Feinde schmiedeten Pläne, ihm beim Verlassen der Versammlung das Leben zu nehmen. Doch heilige Engel waren unter der Menge und einer von ihnen, in Gestalt eines Mannes, nahm diesen Knecht Gottes beim Arm und geleitete ihn durch den zornigen Pöbelhaufen in Sicherheit. Sein Werk war noch nicht beendet, und Satan und seine Sendboten fanden sich in ihren Absichten getäuscht.

Trotz allem Widerstand hatte sich der Eindruck der Adventbewegung vertieft. Von Dutzenden und Hunderten waren die Versammlungen auf viele Tausende herangewachsen. Die verschiedenen Gemeinschaften hatten großen Zuwachs erfahren; nach etlicher Zeit aber offenbarte sich der Geist des Widerspruches auch gegen diese Bekehrten, und man fing an, diejenigen zu maßregeln, welche Millers Ansichten teilten. Dies Vorgehen rief eine Erwiderung aus seiner Feder in einer Denkschrift an die Christen aller Gemeinschaften hervor, worin er geltend machte, daß falls seine Lehren falsch seien, man ihm seinen Irrtum aus der Bibel beweisen solle.

„Was haben wir geglaubt," sagte er, „das zu glauben uns nicht durch das Wort Gottes geboten wurde, welches, wie ihr selbst zugebt, die Regel und zwar die einzige Regel unseres Glaubens und Wandels ist? Was haben wir getan, das solche giftige Anschuldigungen von der Kanzel und der Presse gegen uns herausfordern und euch eine gerechte Ursache geben sollte, uns [Adventisten] aus euren Kirchen und eurer Gemeinschaft auszuschließen?" „Haben wir unrecht, so zeigt uns doch, worin unser Unrecht bestehe; zeigt uns aus dem Wort Gottes, daß wir im Irrtum sind. Der Verspottung haben wir genug gehabt, dadurch werden wir nie überzeugt, daß wir unrecht haben; das Wort Gottes allein kann unsere Ansichten ändern. Unsere Schlüsse wurden mit Überlegung und unter Gebet gemacht, da wir die Beweise in der Heiligen Schrift fanden." (Bliß, S. 250-252.)

Von Jahrhundert zu Jahrhundert sind den Warnungen, welche Gott durch seine Knechte der Welt gesandt hat, der gleiche Zweifel und Unglaube entgegengebracht worden. Als die Gottlosigkeit der vorsintflutlichen Menschen ihn veranlaßte, eine Wasserflut über die Erde zu bringen, tat er ihnen erst seine Absicht kund, damit sie Gelegenheit haben möchten, sich von ihren bösen Wegen abzuwenden. Hundertundzwanzig Jahre scholl der Warnungsruf in ihren Ohren, Buße zu tun, damit der Zorn Gottes sich nicht in ihrem Untergang offenbare. Aber die Botschaft schien ihnen wie eine eitle Mär, und sie glaubten ihr nicht. In ihrer Gottlosigkeit erkühnt, verspotteten sie den Boten Gottes, verschmähten seine Bitten und beschuldigten ihn sogar der Vermessenheit. Wie darf es ein Mann wagen, gegen alle Großen der Erde aufzutreten? Wäre Noahs Botschaft wahr, warum würde dann nicht alle Welt sie sehen und glauben? Was ist eines Mannes Behauptung der Weisheit von Tausenden gegenüber! Sie wollten weder der Warnung Glauben schenken noch Zuflucht in der Arche suchen.

Spötter wiesen auf die Dinge der Natur hin - auf die unveränderliche Reihenfolge der Jahreszeiten, auf den blauen Himmel, der noch nie Regen herab gesandt hatte, auf die grünen Gefilde, erfrischt durch den milden Tau der Nacht - und riefen aus: „Redet er nicht in Gleichnissen?" Geringschätzend erklärten sie den Prediger der Gerechtigkeit für einen wilden Schwärmer, jagten eifriger ihren Vergnügungen nach und blieben beharrlicher denn je auf ihren bösen Wegen. Doch verhinderte ihr Unglaube nicht das vorhergesagte Ereignis. Gott duldete ihre Gottlosigkeit lange und gab ihnen reichlich Gelegenheit zur Buße; aber seine Gerichte ergingen zur bestimmten Zeit über die Verwerfer seiner Gnade.

Christus erklärt, daß ähnlicher Unglaube bezüglich seines zweiten Kommens bestehen werde. Die Menschen zu Noahs Zeiten „achteten's nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin; also", mit des Heilandes Worten, „wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes." (Matth. 24, 39.) Wenn das bekenntliche Volk Gottes sich mit der Welt vereint, wandelt wie sie wandelt, und mit ihr teilnimmt an ihren verbotenen Vergnügungen; wenn die Üppigkeit der Welt zur Üppigkeit der Kirche wird; wenn die Hochzeitsglocken klingen und alle vielen Jahren weltlichen Gedeihens entgegensehen - dann, plötzlich wie der Blitz vom Himmel herabfährt, wird das Ende ihrer glänzenden Vorspiegelungen und trüglichen Hoffnungen kommen.

Wie Gott seinen Diener sandte, um die Welt vor der kommenden Sintflut zu warnen, so sandte er auserwählte Boten, um die Nähe des Jüngsten Gerichts bekanntzumachen. Und wie Noahs Zeitgenossen die Vorhersagungen des Predigers der Gerechtigkeit höhnend verlachten, so spotteten auch zur Zeit Millers viele sogar aus dem bekenntlichen Volke Gottes über die Warnung.
Und warum war die Lehre und das Predigen vom zweiten Kommen Christi den Kirchen so unwillkommen? Während die Ankunft des Herrn den Gottlosen Wehe und Verderben bringt, ist sie für die Gerechten voller Freude und Hoffnung. Diese große Wahrheit gereichte den Gottgetreuen durch alle Zeitalter hindurch zum Trost; warum war sie jetzt wie ihr Urheber seinem bekenntlichen Volk zu einem Stein des Anstoßes und einem Fels des Ärgernisses geworden? Hatte doch unser Heiland selbst seinen Jüngern die Verheißung gegeben: „Wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen." (Joh. 14, 3.) Als der mitleidsvolle Erlöser die Verlassenheit und den Kummer seiner Nachfolger voraussah, beauftragte er Engel, sie mit der Versicherung zu trösten, daß er persönlich wiederkommen werde, geradeso wie er in den Himmel aufgefahren war. Als die Jünger dort standen und zum Himmel aufschauten, um den letzten Schimmer von ihm, den sie liebten, zu sehen, wurde ihre Aufmerksamkeit auf die Worte gerichtet: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. " (Apg. 1, 11.) Durch die Botschaft des Engels wurde die Hoffnung neu angefacht. Die Jünger „kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott." (Luk. 24, 52. 53.) Sie freuten sich nicht, weil Jesus von ihnen getrennt war und sie jetzt im Kampf mit den Prüfungen und Versuchungen der Welt allein standen, sondern sie frohlockten wegen der Versicherung des Engels, daß Jesus wiederkommen werde.

Die Verkündigung des Kommens Christi sollte nun, wie damals, als sie durch die Engel den Hirten von Bethlehem gemacht wurde, eine Botschaft großer Freude sein. Alle, die den Heiland wahrhaft liebhaben, können die auf Gottes Wort gegründete Botschaft, daß der, welcher der Mittelpunkt ihrer Hoffnungen des ewigen Lebens ist, wiederkommen soll - nicht um wie bei seinem ersten Kommen geschmäht, verachtet und verworfen zu werden, sondern um in Macht und Herrlichkeit sein Volk zu erlösen -, nur mit Freuden begrüßen. Alle, die den Heiland nicht lieben, wünschen, daß er wegbleiben möge, und es kann keinen folgerichtigeren Beweis dafür geben, daß die Kirchen von Gott abgefallen sind, als die Erbitterung und die Feindseligkeit, welche durch diese von Gott gesandte Botschaft erregt wird.

Wer die Botschaft von der Wiederkunft Christi annahm, erkannte die Notwendigkeit der Reue und Demütigung vor Gott. Viele hatten lange hin und her geschwankt zwischen Christo und der Welt, fühlten aber nun, daß es Zeit sei, einen festen Standpunkt einzunehmen. „Die Dinge der Ewigkeit nahmen für sie eine ungewöhnliche Wirklichkeit an. Der Himmel wurde ihnen nahe gebracht, und sie fühlten sich vor Gott schuldig." (Bliß, S. 146.) Christen erwachten zu neuem geistlichen Leben. Sie erfaßten es, daß die Zeit kurz sei und daß bald getan werden müsse, was sie für ihre Mitmenschen tun wollten. Das Irdische trat in den Hintergrund, die Ewigkeit schien sich vor ihnen aufzutun, und die Angelegenheiten, das ewige Wohl und Wehe der Seele betreffend, stellten alle zeitlichen Fragen in den Schatten. Der Geist Gottes ruhte auf ihnen und verlieh ihrem ernsten Aufruf an ihre Brüder und an Sünder zur Vorbereitung auf den Tag Gottes besondere Kraft. Das stille Zeugnis ihres täglichen Wandels war den scheinheiligen und unbekehrten Kirchengliedern ein beständiger Vorwurf. Sie wünschten, in ihrem Jagen nach Vergnügen, ihrem Hang zum Gelderwerb und ihrem Streben nach weltlicher Ehre nicht gestört zu werden. Auf diese Weise entstand Feindschaft und Widerstand gegen die Adventwahrheit und ihre Verkündiger.

Da sich die Beweisführungen aus den prophetischen Zeitperioden als unerschütterlich herausstellten, bemühten sich die Gegner, von der Untersuchung des Gegenstandes abzuraten, indem sie lehrten, die Weissagungen seien versiegelt. Also folgten die Protestanten den Fußstapfen der römisch katholischen Kirche. Während die päpstliche Kirche den Laien die Bibel (s. Anhang, Anm. 30.) vorenthielt, behaupteten die protestantischen Kirchen, daß ein wichtiger Teil des heiligen Wortes - und zwar jener Teil, der insbesondere auf unsere Zeit verweisende Wahrheiten vorführt - nicht verstanden werden könnte.

Prediger und Volk erklärten, die Weissagungen Daniels und der Offenbarung seien unverständliche Geheimnisse. Aber Christus hatte seine Jünger bezüglich der Ereignisse, welche in ihrer Zeit stattfinden sollten, auf die Worte des Propheten Daniel verwiesen und gesagt: „Wer das liest, der merke darauf!" (Matth. 24, 15.) Der Behauptung, daß die Offenbarung ein Geheimnis sei, das nicht verstanden werden könne, widerspricht schon der Titel des Buches: „Dies ist die 0ffenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat seinen Knechten zu zeigen, was in der Kürze geschehen soll. ... „ Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und beha1ten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe." (Offb. 1, 1-3.)

Der Prophet sagt: „Selig ist, der da liest" – es gibt welche, die nicht lesen wollen; der Segen ist nicht für sie. „Und die da hören" – es gibt auch etliche, die sich weigern, etwas betreffs der Weissagungen zu hören; der Segen ist auch nicht für diese Klasse von Menschen. „Und bewahren, was darin geschrieben ist" - viele weigern sich, auf die in der Offenbarung enthaltenen Warnungen und Unterweisungen achtzugeben; auch sie können den verheißenen Segen nicht beanspruchen. Alle, welche die Gegenstände der Weissagung ins Lächerliche ziehen und über diese feierlich gegebenen Sinnbilder spotten; alle, die sich weigern, ihr Leben umzugestalten und sich auf die Zukunft des Menschensohnes vorzubereiten, werden ohne Segen bleiben.

Wie können Menschen es wagen, im Hinblick auf das Zeugnis der Inspiration zu lehren, daß die Offenbarung ein Geheimnis sei, das über den Bereich des menschlichen Verständnisses hinaus liege? Sie ist ein offenbartes Geheimnis, ein geöffnetes Buch. Das Studium der Offenbarung richtet die Gedanken auf die Weissagungen Daniels, und beide enthalten höchst wichtige Unterweisungen, welche Gott den Menschen über die am Ende der Weltgeschichte stattfindenden Ereignisse gegeben hat.

Johannes wurde ein tiefer und ergreifender Einblick in die Erfahrungen der Gemeinde eröffnet. Er sah die Stellung, die Gefahren, die Kämpfe und die schließliche Befreiung des Volkes Gottes. Er hörte die Schlußbotschaften, welche die Ernte der Erde zur Reife bringen werden, entweder als Garben für die himmlischen Scheunen oder als Bündel für das Feuer der Vernichtung. Höchst wichtige Dinge wurden ihm besonders für die letzte Gemeinde offenbart, damit die, welche sich vom Irrtum zur Wahrheit wenden würden, hinsichtlich der ihnen bevorstehenden Gefahren und Kämpfe unterrichtet würden. Niemand braucht bezüglich der kommenden Ereignisse auf Erden in Finsternis zu sein.

Warum denn diese weitverbreitete Unkenntnis über einen wichtigen Teil der Heiligen Schrift? Woher diese allgemeine Abneigung, ihre Lehren zu untersuchen? Es ist die Folge eines wohlberechneten Planes des Fürsten der Finsternis, vor den Menschen das zu verbergen, wodurch seine Täuschungen offenbar werden. Aus diesem Grunde sprach Christus, der Offenbarer, den Kampf gegen das Studium der Offenbarung voraussehend, einen Segen über alle aus, die da lesen, hören und die Worte der Weissagung beachten.
 

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