Kapitel 12  -  Die Versuchung


Gemäß Matthäus 4:1-11; Markus 1:12-13; Lukas 4:1-13.

„Jesus aber, voll heiligen Geistes, kam wieder von dem Jordan und ward vom Geist in die Wüste geführt." Lukas 4:1. Die Worte im Markusevangelium sind noch bedeutsamer; es heißt dort: „Alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste; und er war in der Wüste vierzig Tage und ward versucht von dem Satan und war bei den Tieren." „Und er aß nichts in diesen Tagen." Markus 1:12,13.

Der Geist Gottes leitete den Heiland, als er in die Wüste geführt wurde, um versucht zu werden. Jesus hatte die Versuchung nicht gesucht; er ging in die Wüste, um allein zu sein, um über seine Aufgabe, seine Mission, nachzudenken und um sich für den Dornenweg, der vor ihm lag, durch Beten und Fasten Kraft und Stärke zu holen. Satan aber wußte, daß Jesus in die Wüste gegangen war und hielt die Zeit für günstig, sich ihm zu nähern.

In diesem Kampf zwischen dem Fürsten des Lebens und dem Fürsten dieser Welt stand Gewaltiges auf dem Spiele. Nachdem Satan die Menschen zur Sünde verleitet hatte, beanspruchte er die Erde als sein Eigentum und nannte sich ihren Herrn. Da er das erste Elternpaar nach seinem eigenen Wesen beeinflußt und umgewandelt hatte, gedachte er hier sein Reich zu gründen. Er behauptete, die Menschen hätten ihn zu ihrem Oberhaupt gewählt. Durch seine Macht über sie behielt er die Herrschaft über die Welt. Christus aber war gekommen, diesen Anspruch Satans zu widerlegen. Als Menschensohn würde er Gott treu bleiben und dadurch beweisen, daß der Teufel nicht die vollständige Herrschaft über das Menschengeschlecht gewonnen hätte und daß seine Ansprüche auf die Welt unbegründet wären. Alle sollten frei werden, die von Satans Einfluß loskommen wollten. Die Herrschaft, die Adam verloren hatte, sollte wiederhergestellt werden.

Seit der Ankündigung an die Schlange: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen" (1.Mose 3:15) wußte Satan, daß er keine unumschränkte Gewalt über die Welt hatte. Im Menschen war das Wirken einer Kraft spürbar, die seiner Herrschaft widerstand. Gespannt beobachtete er die von Adam und seinen Söhnen dargebrachten Opfer. Er erkannte in diesen Handlungen eine sinnbildliche Verbindung zwischen Himmel und Erde und nahm sich vor, diese Gemeinschaft zu stören. Er stellte Gott in ein falsches Licht und mißdeutete die gottesdienstlichen Handlungen, die auf Christus hinwiesen. Die Menschen wurden dahin gebracht, Gott als ein Wesen zu fürchten, das an ihrem Verderben Gefallen habe. Die Opfer, die Gottes Liebe hätten offenbaren sollen, wurden dargebracht, um seinen Zorn zu besänftigen. Satan erregte die bösen Leidenschaften der Menschen, um seine Herrschaft über sie zu festigen. Als das geschriebene Wort Gottes gegeben wurde, erforschte Satan die Prophezeiungen vom Kommen des Heilandes. Von Geschlecht zu Geschlecht bemühte er sich, die Menschen gegen diese Weissagungen blind zu machen, damit sie den Messias bei seinem Kommen verwürfen.

Mit der Geburt Jesu wußte Satan, daß der Eine gekommen war mit dem göttlichen Auftrag, ihm seinen Herrschaftsanspruch streitig zu machen. Er zitterte bei der Botschaft des Engels, der die Autorität des neugeborenen Königs bezeugte. Ihm war wohl bekannt, welche bevorzugte Stellung Jesus als der Geliebte des Vaters im Himmel innegehabt hatte. Daß dieser Sohn Gottes als Mensch auf die Erde kommen sollte, erfüllte ihn mit Bestürzung und Furcht. Er konnte das Geheimnis dieses großen Opfers nicht fassen. Seine selbstsüchtige Seele konnte eine solche Liebe zu dem irregeleiteten Geschlecht nicht verstehen. Die Menschen selbst begriffen die Herrlichkeit und den Frieden des Himmels und die Freude der Gemeinschaft mit Gott nur unklar; Luzifer, dem schirmenden Cherub, waren diese Segnungen gut bekannt. Seitdem er den Himmel verloren hatte, war er zur Rache entschlossen. Er veranlaßte andere, seinen Sturz mit ihm zu teilen. Und dies gelang ihm am besten dadurch, daß er die Menschen beeinflußte, die himmlischen Dinge zu unterschätzen und ihre Herzen an irdische Dinge zu hängen.

Nur sehr schwer konnte der Herr des Himmels Menschenseelen für sein Reich gewinnen. Von der Zeit seiner Geburt in Bethlehem an stellte Satan ihm unaufhörlich nach. Das Bild Gottes war in Jesus geoffenbart, und Satan hatte beschlossen, den Heiland zu überwinden. Noch kein menschliches Wesen war auf Erden der Macht des Betrügers entronnen. Alle Mächte des Bösen vereinigten sich, Jesu Weg zu verfolgen, um wider ihn zu streiten und ihn nach Möglichkeit zu besiegen.

Bei der Taufe des Heilandes war auch der Teufel unter den Augenzeugen. Er sah, wie die Herrlichkeit Gottes den Sohn umhüllte. Er hörte, wie die Stimme des Herrn die Gottheit Jesu bezeugte. Seit dem Fall Adams hatte der persönliche Verkehr der Menschen mit Gott aufgehört; die Verbindung zwischen Himmel und Erde war nun durch Christus wiederhergestellt worden. Aber nun, da Jesus „in der Gestalt des sündlichen Fleisches" (Römer 8:3) gekommen war, sprach der Vater jetzt wieder selbst. Einst hatte er durch Christus mit den Menschen geredet, jetzt verkehrte er mit ihnen in Christus. Satan hatte damit gerechnet, daß die Abneigung Gottes gegen das Böse eine ewige Trennung zwischen Himmel und Erde herbeiführen würde. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht; denn es wurde offenbar, daß durch den Mittler Jesus Christus nun wieder eine Verbindung zwischen Gott und den Menschen hergestellt war.

Satan erkannte, daß es für ihn darum ging, zu siegen oder aber besiegt zu werden. Von dem Ausgang des Kampfes hing zuviel ab, um ihn seinen Verbündeten, den Geistern in der Luft, zu überlassen; er mußte selbst die Führung in diesem Streit übernehmen. Alle Mächte des Abfalls wurden gegen den Sohn Gottes aufgeboten. Christus wurde zur Zielscheibe aller teuflischen Waffen.

Viele betrachten diesen Kampf zwischen Christus und Satan so, als hätte er keine besondere Tragweite für ihr eigenes Leben. Sie nehmen darum auch wenig inneren Anteil an ihm. Und doch wiederholt sich dieser Kampf in jedem Menschenherzen. Keiner verläßt die Reihen Satans, um in den Dienst Gottes zu treten, der nicht den schärfsten Angriffen des Bösen ausgesetzt wäre. Die Verlockungen, denen Christus widerstand, waren derselben Art, wie sie auch an uns herantreten und von uns so schwer überwunden werden. Sie wurden ihm in so viel stärkerem Maße aufgezwungen, wie sein Charakter erhabener war als der unsrige. Mit der furchtbaren Sündenlast der Welt, die auf ihm lag, widerstand der Heiland den fleischlichen Lüsten, der Welt- und der Eigenliebe, die nur zu Vermessenheit führt. In diesen Versuchungen unterlagen Adam und Eva, und auch wir werden leicht von ihnen überwunden.

Satan verwies auf die Sünde Adams, um zu beweisen, daß Gottes Gesetz ungerecht sei und nicht gehalten werden könne. Angetan mit unserer menschlichen Natur, sollte Christus Adams Übertretungen wiedergutmachen. Doch hatte die Sünde noch keine Wirkung auf Adam gehabt, als er von dem Versucher angegriffen wurde; er stand in der Kraft vollkommener Männlichkeit, im Besitz völliger körperlicher und geistiger Gesundheit. Dazu war er noch von der Herrlichkeit des Gartens Eden umgeben und genoß den täglichen Umgang mit himmlischen Wesen. Unter ganz anderen Verhältnissen betrat Jesus die Wüste, um sich mit Satan zu messen. Schon viertausend Jahre lang hatte das Menschengeschlecht an Körperkraft, Seelenstärke und sittlicher Tugend abgenommen; dennoch nahm der Heiland alle Schwachheiten der entarteten Menschheit auf sich. Nur so vermochte er die Menschen aus der tiefsten Erniedrigung zu erretten.

Viele behaupten, daß es für den Heiland unmöglich war, in der Versuchung zu fallen. Sie haben unrecht; denn wie hätte Jesus sonst an Stelle des sündigen Menschen stehen können! Er hätte dann auch nicht den Sieg, zu dem Adam sich nicht durchrang, erkämpfen können. Würden wir in irgendeiner Weise einen schwierigeren Kampf zu bestehen haben als Christus, dann könnte er nicht imstande sein, uns zu helfen. Der Heiland nahm die menschliche Natur an mit all ihren schuldhaften Verstrickungen, selbst mit der Möglichkeit, in den Versuchungen zu unterliegen. Wir haben nichts zu tragen, was nicht auch er erduldet hätte.

Sowohl bei dem Herrn als auch bei dem ersten Menschenpaar war die Eßlust der Grund zur ersten großen Versuchung. Gerade hierbei, womit das Verderben seinen Anfang genommen hatte, mußte auch das Erlösungswerk beginnen. Wie Adam durch die Befriedigung der Eßlust in Sünde fiel, so mußte Christus durch die Verleugnung der Eßlust überwinden. „Da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es steht geschrieben: ‚Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.'" Matthäus 4:2-4.

Von Adams Zeit an bis in die Tage Jesu hatte die Genußsucht die Macht der Eßlust und der Leidenschaften so gestärkt, bis sie fast unumschränkt herrschte. Dadurch waren die Menschen verderbt und krank geworden. Es war ihnen daher auch unmöglich, sich selbst zu überwinden. Ihretwegen bestand der Heiland die härteste Prüfung. Um unsertwillen übte er eine Selbstbeherrschung, die noch stärker war als Hunger und Tod. Dieser erste Sieg umschloß noch manches, was in unseren Kämpfen gegen die Mächte der Finsternis von Bedeutung ist.

Als Jesus die Wüste betrat, umhüllte ihn die Herrlichkeit seines Vaters. Er pflegte so innige Zwiesprache mit Gott, daß er der menschlichen Schwäche gar nicht achtete. Doch die Herrlichkeit des Vaters wich von ihm, und der Heiland war der stärksten Versuchung ausgesetzt. Jeden Augenblick konnte sie sich seiner bemächtigen. Seine menschliche Natur schreckte vor dem Kampf zurück, der ihn erwartete. Vierzig Tage lang fastete und betete er. Schwach und abgezehrt vor Hunger, erschöpft und verhärmt durch größten Seelenschmerz, war „seine Gestalt häßlicher ... als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder". Jesaja 52:14. Jetzt bot sich Satan die ersehnte Gelegenheit. Jetzt glaubte er Christus überwinden zu können.

Er erschien dem Heiland in der Gestalt eines Himmelsboten und gab vor, auf seine Gebete hin von Gott gesandt zu sein, um ihm das Ende seines Fastens mitzuteilen. Wie einst Abrahams Hand durch einen Engel von der Opferung seines Sohnes Isaak zurückgehalten worden war, so sei er jetzt zu seiner Befreiung gesandt; denn der Vater habe sich schon mit seiner Bereitschaft, den blutgetränkten Leidensweg zu beschreiten, zufriedengegeben. Diese Botschaft brachte er Jesus. Christus war durch das lange Fasten körperlich geschwächt und lechzte nach einer Stärkung, als Satan ihn plötzlich überfiel. Der Versucher zeigte auf die wüst umherliegenden, Brotlaiben ähnelnden Steine und sagte: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden." Matthäus 4:3.

Obgleich der Versucher als Engel des Lichts erschien, mit den Worten „Bist du Gottes Sohn" verriet er seinen wahren Charakter. Hierin lag der Versuch, Mißtrauen in das Herz Jesu zu säen. Hätte Jesus dem Versucher nachgegeben, wäre sein Herz von Zweifeln erfüllt worden. Und damit hätte der Teufel erreicht, was er wollte: den Heiland durch das gleiche Mittel zu überwinden, wodurch er schon von Anfang an Erfolge bei den Menschen erzielt hatte. Wie schlau hatte Satan sich einst der Eva im Paradies genähert! „Ja, sollte Gott gesagt haben? ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?" 1.Mose 3:1. Wohl sprach der Versucher von Gott; aber der Tonfall seiner Stimme verriet seine heimliche Verachtung des Wortes Gottes. Es lag eine schlecht verhehlte Verneinung, ein Zweifeln an der göttlichen Wahrheit darin. Satan war bestrebt, auch in Eva Mißtrauen gegen die Lauterkeit der göttlichen Worte zu erwecken, und versuchte ihr verständlich zu machen, daß es unmöglich der Liebe und Güte Gottes entsprechen könne, die schönen Früchte des Baumes der Erkenntnis den Menschen vorzuenthalten. Auch jetzt versuchte Satan dem Heiland seine eigenen argen Gedanken einzuflüstern. Aus der Bitterkeit seines Herzens kamen die Worte: „Bist du Gottes Sohn ..." Der Klang seiner Stimme enthüllte seine völlige Ungläubigkeit. Würde Gott seinen eingeborenen Sohn so behandeln? Würde er ihn in der Wüste unter wilden Tieren, ohne Nahrung, ohne Gesellschaft und ohne Trost lassen? Satan gab zu verstehen, daß Gott niemals seinen Sohn in einer derartigen Lage ließe, und wollte Jesus veranlassen, so er Gottes Sohn wäre, sich durch seine göttliche Macht selbst zu helfen. Jesus sollte gebieten, daß die Steine Brot würden.

Die Worte vom Himmel „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe" (Matthäus 3:17) hatte auch Satan gut im Gedächtnis behalten. Doch er wollte den Heiland dahin bringen, diesen Worten zu mißtrauen. Gottes Wort war für Christus das Zeugnis seiner geheiligten Mission. Er war gekommen, als Mensch unter den Menschen zu wohnen, es war Gottes Wort, das seine Verbindung mit dem Himmel bezeugte. Satan wollte ihn mit Zweifel gegen das Wort seines Vaters erfüllen. Er wußte, daß der Sieg in dem großen Streit ihm gehören würde, gelänge es ihm, Jesu Vertrauen zu Gott zu erschüttern. Er konnte Jesus überwinden. So hoffte er, daß Jesus unter dem Einfluß von Verzagtheit und quälendem Hunger den Glauben an seinen Vater verlöre und ein Wunder zu seinen Gunsten wirkte. Hätte Jesus den Willen des Versuchers erfüllt, wäre der ganze Erlösungsplan vereitelt worden.

Als sich Satan und der Sohn Gottes zum erstenmal als Gegner gegenüberstanden, war Christus noch der Herr der himmlischen Heerscharen; Satan dagegen wurde wegen seiner Empörung aus dem Himmel ausgestoßen. Jetzt schien die Lage umgekehrt zu sein, und Satan wollte seinen scheinbaren Vorteil gut ausnutzen. Einer der mächtigsten Engel, sagte er, sei aus dem Himmel verbannt worden, und seine [Jesu] Lage deute an, daß er dieser gefallene Engel sei — von Gott vergessen und von den Menschen verlassen. Ein göttliches Wesen aber wäre imstande, sein Anrecht durch ein Wunder zu beweisen. „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden." Matthäus 4:3. Eine solche schöpferische Tat, drängte der Versucher, wäre ein unumstößlicher Beweis der Göttlichkeit und würde den Streit beenden.

Nicht ohne inneren Kampf vermochte Jesus dem Erzverführer zuzuhören. Er wollte aber trotzdem Satan keinen Beweis seiner Gottheit geben oder den Grund seiner Erniedrigung erklären. Er wußte, daß es weder zur Ehre Gottes noch zum Besten der Menschen gewesen wäre, hätte er den Wunsch des Verführers erfüllt. Wäre er auf die Einflüsterungen Satans eingegangen, so hätte dieser wieder sagen können: Gib mir ein Zeichen, damit ich glauben kann, daß du der Sohn Gottes bist. Jeder Beweis aber wäre zu kraftlos gewesen, die aufrührerische Macht in Satans Herzen zu brechen. Und Christus durfte ja seine göttliche Kraft nicht zu seinem eigenen Vorteil einsetzen. Er war gekommen, um Prüfungen standzuhalten, wie auch wir Prüfungen bestehen müssen; er wollte uns durch sein Leben ein Beispiel des Glaubens und der Ergebenheit hinterlassen. Weder jetzt noch später wirkte der Heiland in seinem irdischen Leben Wunder um seiner selbst willen. Seine gewaltigen Werke und Wundertaten geschahen ausschließlich zum Wohle anderer. Obgleich Jesus von Anfang an Satan erkannte, ließ er sich doch nicht herausfordern, um sich mit ihm in Streitfragen einzulassen. Gestärkt durch die Erinnerung an die Stimme vom Himmel, fand er inneren Frieden in der Liebe seines Vaters. Mit dem Versucher wollte er keinerlei Verhandlungen aufnehmen.

Jesus begegnete Satan mit den Worten der Heiligen Schrift: „Es steht geschrieben." Matthäus 4:4. In jeder Versuchung war die Waffe seiner Ritterschaft das Wort Gottes. Satan verlangte von Christus ein Wunder als Zeichen seiner Göttlichkeit. Größer aber als jedes Wunder ist das feste Vertrauen auf ein „So spricht der Herr". Das ist ein Zeichen, das nicht angefochten werden kann. Solange Christus diese Haltung einnahm, konnte der Versucher ihm nichts anhaben.

In der Zeit größter menschlicher Schwäche überfielen die heftigsten Versuchungen den Heiland. So hoffte Satan, den Herrn zu überwinden; waren es doch die gleichen Ränke, durch die er die Menschen unter seinen Einfluß gebracht hatte. Wenn die Kräfte versagten, der Wille geschwächt war und der Glaube aufhörte, in Gott zu ruhen, dann wurden selbst diejenigen besiegt, die lange und mutig um das Recht gekämpft hatten. Mose war ermüdet von der vierzigjährigen Wanderschaft mit Israel durch die Wüste, als sein Glaube für einen Augenblick an der unendlichen Macht des Herrn zweifelte. Er unterlag unmittelbar an der Grenze des verheißenen Landes. So erging es auch Elia, der unerschrocken vor dem König Ahab gestanden hatte und dem ganzen Volk Israel mit seinen vierhundertfünfzig Baalspropheten an der Spitze entgegengetreten war. Nach dem schrecklichen Tag auf dem Karmel, da die falschen Propheten getötet worden waren und das Volk seinen Bund mit Gott erneuert hatte, floh Elia, um sein Leben zu retten, vor den Drohungen der abgöttischen Königin Isebel. So hat Satan stets aus der menschlichen Schwäche Vorteil gezogen, und er wirkt auch weiterhin in der gleichen Weise. Befindet sich jemand durch besondere Umstände in Not, Krankheit oder sonstigen schwierigen Verhältnissen, so ist Satan sofort da, ihn zu versuchen und zu reizen. Er kennt unsere schwachen Seiten und benutzt sie gegen uns. Er sucht unser Vertrauen zu Gott mit dem Hinweis zu erschüttern, warum ein guter Gott derartige Dinge überhaupt zulasse. Er veranlaßt uns, Gott zu mißtrauen und seine Liebe zu uns anzuzweifeln. Oft tritt der Versucher an uns heran, wie er auch an Jesus herangetreten war, und zeigt uns unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten. Er hofft dadurch die Seele zu entmutigen und unsern Halt an Gott zu brechen. Dann ist er seines Opfers sicher. Träten wir ihm aber entgegen wie Christus, wir würden mancher Niederlage entfliehen. Indem wir uns aber mit dem Feind in Unterhaltungen einlassen, verschaffen wir ihm einen Vorteil.

Als Christus dem Versucher sagte: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht" (Matthäus 4:4), wiederholte er die Worte, die er mehr als vierzehnhundert Jahre vorher zu Israel gesprochen hatte. „Gedenke des ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste ... Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf daß er dir kundtäte, daß der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des Herrn geht." 5.Mose 8:2,3.

Als die Israeliten in der Wüste waren, sandte ihnen Gott Manna vom Himmel. Er speiste sein Volk gerade zu der Zeit reichlich, als alle Nahrungsmittel fehlten. Aus dieser Erfahrung sollte Israel erkennen, daß der Herr sich in jeder Lebenslage zu dem bekennt, der ihm vertraut und in seinen Wegen wandelt. Der Heiland bewies jetzt durch die Tat die Erfüllung der göttlichen Verheißungen. Durch das Wort Gottes war den Israeliten Hilfe zuteil geworden, und durch dasselbe Wort erwartete der Heiland gläubig Hilfe in der Not. Er wartete auf den Augenblick, der ihm des Vaters Hilfe bringen würde. Aus Gehorsam gegen den Willen seines Vaters befand er sich in der Wüste, und er wollte keine Nahrung annehmen, die er den Einflüsterungen Satans zu verdanken gehabt hätte. Vor dem ganzen Weltall bezeugte er, daß es ein weniger großes Unglück sei, irgendein Leiden zu ertragen, als auch nur im geringsten von den Wegen und dem Willen Gottes abzuweichen. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort Gottes." Oft kommt der Christ in Verhältnisse, in denen er nicht gleichzeitig Gott dienen und seine irdischen Belange wahrnehmen kann. Dann scheint es vielleicht, als nähme der Gehorsam gegen manche klaren Forderungen Gottes ihm jeglichen Lebensunterhalt. Satan versucht ihm einzureden, daß es nötig sei, seiner Überzeugung ein Opfer zu bringen. Die Erfahrung aber wird uns lehren, daß wir uns in dieser Welt allein auf das Wort Gottes verlassen können. „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen." Matthäus 6:33. Schon für das irdische Leben ist es das Beste, niemals von dem Willen unseres himmlischen Vaters abzuweichen. Wenn wir die Kraft seines Wortes kennen, werden wir nicht den Einflüsterungen Satans erliegen, um Speise zu erhalten oder unser Leben zu retten. Unsere einzige Frage wird sein: Was ist Gottes Wille? Was verheißt er uns? Mit diesem Wissen werden wir seinem Willen folgen und uns auf seine Verheißung verlassen.

In der letzten großen Auseinandersetzung des Kampfes mit Satan werden die Menschen, die Gott treu sind, es erleben, daß sie von jeder irdischen Hilfe abgeschnitten werden. Weil sie sich weigern, Gottes Gesetz zu übertreten, um irdischen Mächten zu gehorchen, wird es ihnen verboten werden, zu kaufen oder zu verkaufen. Ein Erlaß wird schließlich ergehen, daß sie umgebracht werden sollen. Offenbarung 13:11-17. Doch den Gehorsamen ist die Verheißung gegeben: „Der wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiß." Jesaja 33:16. Durch diese Verheißung werden die Kinder Gottes leben. Wenn die Erde, von Hungersnot heimgesucht, verödet, werden sie gespeist werden. „Sie werden nicht zuschanden in böser Zeit, und in der Hungersnot werden sie genug haben." Psalm 37:19. Auf jene Zeit der Not blickte der Prophet Habakuk voraus, und seine Worte drücken den Glauben der Gemeinde aus: „Da wird der Feigenbaum nicht grünen, und es wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken. Der Ertrag des Ölbaums bleibt aus, und die Äcker bringen keine Nahrung; Schafe werden aus den Hürden gerissen, und in den Ställen werden keine Rinder sein. Aber ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil." Habakuk 3:17,18.

Die wichtigste der Lehren, die uns die Heilige Schrift aus der Versuchungsgeschichte Jesu vermittelt, ist sein Sieg über die menschlichen Triebe und Begierden. Zu allen Zeiten haben gerade die Versuchungen in mancherlei Leidenschaften das Menschengeschlecht am meisten verdorben und herabgewürdigt. Durch den Reiz zur Unmäßigkeit ist Satan bemüht, die geistlichen und sittlichen Kräfte zu vernichten, die Gott den Menschen als unschätzbare Gaben verliehen hat. Denn dadurch wird es dem Menschen unmöglich, die geistlichen Dinge zu würdigen. Durch Befriedigung fleischlicher Lüste versucht Satan, das Ebenbild Gottes in der Seele des Menschen auszulöschen.

Unbeherrschte Genußsucht und die dadurch entstehenden Krankheiten sowie die Entartung, wie sie bei Christi erstem Kommen vorhanden waren, werden in gesteigerter Form auch bei seiner Wiederkunft festzustellen sein. Der Heiland wies darauf hin, daß der Zustand der Welt dann sein wird wie in den Tagen der Sintflut und wie zur Zeit Sodoms und Gomorras. Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens wird böse sein immerdar. Wir leben heute in dieser gefahrvollen Zeit und sollten die große Lehre des Heilandes, die er uns durch sein Fasten gab, beherzigen. Nur nach der unaussprechlichen Qual, die der Heiland erlitt, können wir das Sündhafte unbeherrschter Genußsucht ermessen. Sein Beispiel lehrt uns, daß wir nur dann Hoffnung auf ein ewiges Leben haben können, wenn wir unsere Begierden und unsere Leidenschaften dem Willen Gottes unterwerfen.

Aus eigener Kraft können wir den Begierden des Fleisches nicht widerstehen. Satan wird gerade diese Schwächen benutzen, um uns in Versuchung zu führen. Christus wußte, daß der Feind sich jedem Menschen nahen würde, um aus dessen ererbten Schwächen Vorteile zu ziehen und alle, die kein Gottvertrauen besitzen, durch seine Einflüsterungen zu umgarnen. Unser Herr hat dadurch, daß er uns auf unserem Pilgerpfad vorangeschritten ist, den Weg der Überwindung gebahnt. Es ist nicht sein Wille, daß wir im Kampf mit Satan irgendwie benachteiligt sein sollten. Er will, daß wir uns durch die Angriffe der Schlange nicht einschüchtern oder entmutigen lassen. „Seid getrost", sagt er, „ich habe die Welt überwunden." Johannes 16:33.

Wer gegen die Macht der Eßlust anzukämpfen hat, schaue auf den Heiland in der Wüste der Versuchung. Er blicke auf ihn, wie er am Kreuz Todesqualen litt, wie er ausrief: „Mich dürstet!" Jesus hat alles ertragen, was Menschen je auferlegt werden könnte. Sein Sieg ist auch unser Sieg.

Christus verließ sich auf die Weisheit und Kraft seines himmlischen Vaters. Er sagte: „Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, daß ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? ... Siehe, Gott der Herr hilft mir." Jesaja 50:7-9. Auf sein vorgelebtes Beispiel hinweisend, fragt er uns: „Wer ist unter euch, der den Herrn fürchtet ... der im Finstern wandelt und dem kein Licht scheint: Der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott!" Jesaja 50:10

Jesus sagte: „Es kommt der Fürst der Welt. Er hat keine Macht über mich." Johannes 14:30. Satan vermochte mit seinen Spitzfindigkeiten bei ihm nichts auszurichten. Jesus gab der Sünde nicht nach. Nicht mit einem Gedanken überließ er sich der Versuchung. So soll es auch mit uns der Fall sein.

Das Menschliche in Christus war mit dem Göttlichen vereint; der ihm innewohnende göttliche Geist hatte ihn für den Kampf ausgerüstet. Und Jesus kam, um uns zu Teilhabern der göttlichen Natur zu machen. Solange wir durch den Glauben mit ihm verbunden sind, hat die Sünde keine Gewalt über uns. Gott faßt unsere Hand des Glaubens und will uns leiten, damit wir einen festen Halt an der Gottheit Christi haben und einen vollkommenen Charakter entfalten können.

Christus hat uns gezeigt, wie wir dies erreichen können. Wodurch blieb er im Streit gegen Satan siegreich? Durch das Wort Gottes! Nur dadurch konnte er der Versuchung widerstehen. „Es steht geschrieben", sagte er. Und uns sind „die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt ... daß ihr dadurch teilhaftig werdet der göttlichen Natur, die ihr entronnen seid der verderblichen Lust in der Welt". 2.Petrus 1:4. Jede Verheißung in Gottes Wort gehört uns. „Von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht" (Matthäus 4:4), sollen wir leben. Wenn Versuchungen an uns herantreten, sollen wir nicht auf die äußeren Umstände oder auf unsere Schwächen blicken, sondern auf die Macht des Wortes, dessen ganze Kraft uns gehört. Der Psalmist sagt: „Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige. Gelobet seist du, Herr! Lehre mich deine Gebote! Ich will mit meinen Lippen erzählen alle Weisungen deines Mundes. Ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum. Ich rede von dem, was du befohlen hast, und schaue auf deine Wege. Ich habe Freude an deinen Satzungen und vergesse deine Worte nicht." Psalm 119:11-16. „Im Treiben der Menschen bewahre ich mich vor gewaltsamen Wegen durch das Wort deiner Lippen." Psalm 17:4.


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