Die Reue


3. Kapitel

Bezüglich der Schuld

Wie ist es möglich, daß ein sündiger Mensch seinem Gott gegenüber gerecht werde? Nur durch Christus allein können wir in die wahre, heilige Harmonie mit Gott zurückversetzt werden. Wie aber können wir zu Christus gelangen? Viele rufen noch heute im Bewußtsein ihrer Sünden aus, wie damals die Menge beim ersten Pfingsten: „Was sollen wir tun?" Die ersten Worte des Apostels Paulus waren: „Tut Buße!" An anderer Stelle antwortete er: „So tut nun Buße, und bekehret euch, daß eure Sünden vertilgt werden." (Apg. 2, 38; 3, 19.)

Wahre Buße schließt wahre Traurigkeit über unsere Sünden und ein Meiden derselben ein. Wir werden nicht der Sünde entsagen, bis wir deren Sündhaftigkeit erkannt haben. Ein wirklicher Wechsel in unserem Leben wird erst dann eintreten, wenn wir uns von Herzen von der
Sünde abgewandt haben.

Es gibt viele, welche die wahre Bedeutung der Buße mißverstehen. Viele sind traurig über ihre Sünden, ja bekehren sich äußerlich, weil sie sich vor den Folgen ihrer Sünden fürchten. Dies ist keine Buße im Sinne des Wortes Gottes. Solche beklagen die Leiden ihrer Sünden statt die Sünde selbst. So klagte und jammerte auch Esau, als er sah, daß er sein Erstgeburtsrecht für immer verloren hatte. Bileam erkannte und bekannte seine Schuld, als der Engel mit dem gezogenen Schwert in seinem Wege stand; er fürchtete um sein Leben. Jedoch von wahrer Buße, von wahrer Bekehrung, von wahrem Abscheu vor der Sünde sehen wir keine Spur. Judas Ischariot, nachdem er seinen Herrn und Meister verraten, rief aus: „Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe." (Matth. 27, 4.)

Das Geständnis seiner Sünde wurde seiner schuldbewußten Seele durch das entsetzliche Bewußtsein der Verdammnis und im Hinblick auf das Gericht abgerungen. Die Folgen seiner Sünde erfüllten ihn mit Schrecken, jedoch von einer tieferen Traurigkeit, von einem gebrochenen Herzen darüber, daß er den schuldlosen Sohn Gottes verraten, daß er den Heiligen Israels verleugnet hatte, sehen wir nichts. Pharao bekannte zwar seine Schuld, wenn er unter der Zuchtrute Gottes seufzte, jedoch nur, um der ferneren Strafe zu entgehen. Sobald aber den Plagen Einhalt getan war, kehrte er zu seinem Trotz gegen Gott zurück. Alle diese Männer beklagten zwar die Folgen ihrer Sünden, jedoch nicht die Sünde selbst.

Wenn sich aber ein Herz unter dem Einfluß und Wirken des Geistes Gottes beugt, dann erwacht das Gewissen, dann empfindet der Sünder etwas von der Tiefe und Heiligkeit des göttlichen Gesetzes, der Grundlage seiner Herrschaft im Himmel und auf Erden. Das „Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen" (Joh. 1, 9), erleuchtet die verborgenen Falten seines Herzens, und die verborgenen Dinge der Finsternis werden offenbar. Eine volle Überzeugung kommt über seinen Geist und sein Herz. Dem Sünder geht ein Verständnis von der Gerechtigkeit Jehovas auf, und Schrecken erfüllt sein Herz bei dem Gedanken, in seiner Schuld und Schande vor dem Herzenskündiger erscheinen zu müssen. Er sieht aber auch die Liebe Gottes, er erkennt Gottes wunderbare Heiligkeit, er schmeckt die Freuden eines reinen Herzens und empfindet das herzlichste Verlangen, daß auch er gereinigt und wieder in die selige Himmelsgemeinschaft versetzt werden möge.

Davids Gebet nach seinem Falle zeigt deutlich die wahre Betrübnis über die Sünde. Seine Buße war tief und aufrichtig. Wir hören nichts von einer Beschönigung oder Bemäntelung seiner Schuld; in seinem Gebet äußert sich kein Verlangen, dem angedrohten Gerichte zu entrinnen. David sah den Greuel seiner Übertretung; er erkannte die Befleckung seiner Seele; er fühlte tiefen Abscheu gegen seine Sünde. Er bat nicht allein um Vergebung seiner Sünden, sondern mehr um ein „reines Herz". Ihn verlangte nach wahrer Heiligkeit; ihn dürstete darnach, wiederum in vollen Frieden und in Gemeinschaft mit Gott zu kommen. Die Sprache seiner Seele war deshalb:

„Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,
dem die Sünde bedecket ist!
Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat
nicht zurechnet, in dessen Geist keine Arglist hat!"
Ps. 32,1. 2

„Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge
meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige
mich von meiner Sünde.
Denn ich erkenne meine Missetat und meine Sünde ist
immer vor mir. …
Entsündige mich mit Ysop, daß ich rein werde; wasche
mich, daß ich schneeweiß werde. …
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, gerechten Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir….
Errette mich von Blutschuld, Gott, der du
mein Gott und Heiland bist,
Daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme."
Ps 51, 3-16.

Eine solche Buße können wir nie aus eigener Kraft und Macht erlangen, sondern nur durch Christus, der in die Höhe aufgefahren ist, und den Menschen Gaben gegeben hat.

Hier ist aber gerade der Punkt, in welchem so viele irren und deshalb nicht imstande sind, solche Hilfe zu empfangen, wie Christus ihnen zu geben wünscht. Sie meinen, nicht eher zu Christus kommen zu können, als bis sie Buße getan haben, und daß die Buße den Weg für die volle Sündenvergebung vorbereitet. Wohl muß die Buße der Sündenvergebung vorausgehen; nur ein geängstetes und zerschlagenes Herz fühlt die Notwendigkeit eines Erlösers. Muß aber ein Sünder warten, bis er Buße getan hat, ehe er zu Jesus kommen kann? Soll aus der Buße ein Hindernis zwischen dem Sünder und dem Heiland gemacht werden?

Die Bibel lehrt an keiner Stelle, daß der Sünder Buße tun muß, ehe er der Einladung Christi Folge leisten kann: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." (Matth. 11, 28.)  Es ist die Heilkraft, welche von Christus ausgeht, die zur wahren Buße leitet. Petrus machte diesen Gegenstand den Israeliten klar mit den Worten: „Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden." (Apg. 5, 31.) Wir können ebensowenig ohne den Geist Christi, der das Gewissen erweckt, Buße tun, als wir ohne Christus Vergebung unserer Sünden erhalten können.

Christus ist die Quelle jedes rechten Beweggrundes. Er allein kann unseren Herzen Feindschaft wider die Sünde einpflanzen. Jeder Wunsch nach Wahrheit und Reinheit, jede Überzeugung von unserer Sündhaftigkeit ist ein deutlicher Beweis des Wirkens des Heiligen Geistes in unseren Herzen.

Jesus sprach dies aus mit den Worten: Und ich, wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. (Joh. 12, 32.) Christus muß dem Sünder als der Heiland offenbart werden, der für die Sünden der Welt in den Tod ging. Wenn wir den Sohn Gottes am Stamme des Kreuzes auf Golgatha anschauen, dann beginnt sich das Geheimnis der Erlösung für uns aufzuklären, und die Güte Gottes leitet uns zur Buße. Christus hat durch sein Leiden und Sterben für uns Sünder eine unbegreifliche Liebe offenbart, und wenn der Sünder diese Liebe betrachtet, dann wird das harte Herz erweicht, das Gemüt bewegt und Zerknirschung in der Seele hervorgerufen.

Es ist wahr, daß zu Zeiten Menschen sich ihrer sündhaften Wege schämen, daß sie manche ihrer bösen Gewohnheiten aufgeben, ehe sie zum Bewußtsein gelangen, daß Christus in seiner Liebe sie zu sich zieht. Aber wenn die Menschen einen Anfang zur Besserung machen, wenn in ihnen das ernste Verlangen rege wird, recht zu handeln, so ist es nur die Macht Christi, welche sie dazu antreibt. Ein ihnen unverständlicher Einfluß übt seine Kraft auf sie aus, das Gewissen ist erwacht, und der äußere Lebenswandel beginnt ein besserer zu werden. Wenn Christus ihr Augenmerk auf sich und sein Kreuz lenkt, wenn sie erkennen, daß es ihre Sünden waren, die ihn an das Kreuz brachten, dann fangen sie an, der warnenden Stimme des Gewissens Folge zu leisten. Die Verderbtheit und Sündhaftigkeit ihres Lebens, ihre Herzensverstockung wird ihnen offenbar. Die Gerechtigkeit Christi wird ihrem Verständnis klarer, und sie rufen aus: „Was ist die Sünde, daß sie solch großes Opfer zur Erlösung erheischt? War all diese Liebe, all dieses Leiden, all diese Demütigung notwendig, damit wir nicht sollten verloren gehen, sondern das ewige Leben ererben?"

Der Sünder kann sich solcher Liebe widersetzen, er kann sich weigern, näher zu Christus gezogen zu werden; doch wenn er sich nicht widersetzt, so wird er zu Jesus gezogen werden. Wenn der Sünder den Ratschluß der Erlösung, den Heilsplan Gottes erkannt hat, dann wird er in aufrichtiger Buße für seine Sünden, welche die Leiden des teuren Sohnes Gottes verursacht haben, zum Fuße des Kreuzes gebracht. Dieselbe göttliche Kraft, welche in der Natur wirkt, übt auch ihre Wirkung auf die Herzen der Menschen aus. Sie erweckt in ihnen ein unaussprechliches Verlangen nach etwas, was sie noch nicht haben. Die Dinge dieser Welt können ihr Sehnen nicht stillen. Gottes Geist arbeitet an ihnen, nach den Gütern zu streben, die allein imstande sind, der Seele Ruhe und Frieden zu geben, und einer heiligen Freude in der Gnade durch Christus teilhaftig zu werden. Unser Heiland wirkt fortwährend durch sichtbare und durch unsichtbare Einflüsse an den Seelen der Menschen, um sie weg von den unbefriedigenden Freuden der Sünde und zu den unendlichen Segnungen, die nur in ihm zu finden sind, hinzuführen. An alle diese Seelen, welche vergebens aus dem löcherigen Brunnen dieser Welt zu schöpfen suchen, ergeht noch heute die Botschaft: „Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst." (Offenb. 22, 17.)

Ihr, die ihr von Herzen nach besseren Gütern verlangt, als die Welt euch zu bieten imstande ist, erkennt doch in diesem Verlangen die lockende Stimme Gottes! Betet zu ihm um wahre Buße, bittet ihn, daß er euch Christus in seiner unendlichen Liebe und vollkommenen Reinheit offenbaren möge. Das Leben des Heilandes ist ein herrlichers Beispiel der Grundsätze des göttlichen Gesetzes: Liebe Gott über alles, und deinen Nächsten wie dich selbst. In Güte und uneigennütziger Liebe ging sein Leben auf. Wenn wir auf ihn blicken, wenn die göttlichen Strahlen des Erlösers auf uns fallen, erst dann erkennen wir recht die Sündhaftigkeit unserer eigenen Herzen.

Wie einst Nikodemus, haben auch wir uns vielleicht damit zu täuschen versucht, daß wir einen moralischen und unbescholtenen Lebenswandel geführt, und es deshalb nicht nötig haben, uns vor Gott zu demütigen wie ein gemeiner Sünder. Wenn aber Christus uns mit seinem Licht erleuchtet, dann erkennen wir die unreine Beschaffenheit unserer Herzen; die Selbstsucht unserer Beweggründe, die Feindschaft gegen Gott, welche jegliche Handlung unseres Lebens befleckt hat. Dann werden wir zum Bewußtsein gelangen, daß unsere Gerechtigkeit wirklich wie ein „unflätig Kleid" ist (Jes. 64, 6), und daß allein das Blut Christi uns von der Befleckung der Sünde reinigen und unsere Herzen nach seinem Bilde erneuern kann.

Ein Strahl der Herrlichkeit Gottes, ein Abglanz der Reinheit Christi, welcher unsere Seele durchdringt, läßt jeden unreinen Flecken an uns deutlicher hervortreten und offenbart unsere memschlichen Fehler und Schwächen, unsere unheiligen Wünsche und Begierden, die Untreue unserer Herzen, die Unlauterkeit unserer Lippen. Die Treulosigkeit des Sünders, welcher das Gesetz Gottes für ungültig erklären will, tritt an das Licht. Der Geist Gottes bricht seinen Hochmut und demütigt ihn. Der Sünder erschrickt vor sich selbst, wenn er den reinen, unbefleckten Charakter Christi anschaut.

Als der Prophet Daniel die Herrlichkeit Gottes schaute, welche den zu ihm gesandten himmlischen Botschafter umgab, da überkam ihn ein Gefühl seiner eigenen Schwäche und Unvollkommenheit. Er beschreibt die Wirkung dieser wunderbaren Szene auf sich selbst mit folgenden Worten: „Und ich blieb allein und sah dies große Gesicht. Es blieb aber keine Kraft in mir, und ich ward sehr entstellt, und hatte keine Kraft mehr." (Dan. 10, 8.) Ein in solcher Weise gerührtes Herz lernt Selbstsucht und Eigenliebe hassen und fängt an, unter dem Beistand der Gerechtigkeit Christi, nach der Reinheit des Herzens zu streben, die im Einklang mit dem Gesetz Gottes und der Liebe Christi steht.

Der Apostel Paulus schreibt, er sei „nach der Gerechtigkeit im Gesetz gewesen unsträflich" (Phil. 3, 6), soweit die äußeren Werke in Betracht kamen; aber nachdem er den geistigen Charakter, die innere Deutung desselben verstand, erkannte er sich als Sünder. Nach dem Buchstaben des Gesetzes beurteilt, wie es die Menschen auf den äußerlichen Lebenswandel anwenden, hatte sich der Apostel der Sünde enthalten; aber als er in die Tiefe und Tragweite des heiligen Gesetzes schaute und sich selbst erkannte, wie Gott ihn kannte, da demütigte er sich tief und bekannte seine Schuld mit den Worten: „Ich aber lebte vormals ohne Gesetz; da aber das Gebot kam, ward die Sünde wieder lebendig, ich aber starb." (Rom. 7, 9. 10) Als er die Bedeutung des Gesetzes recht erkannte, erschien ihm die Sünde in ihrer wahren Furchtbarkeit, und sein Hochmut verschwand.

Gott sieht nicht alle Sünde gleich an; er macht einen Unterschied, je nach ihrer Größe und Schwere, ebenso wie die Menschen; aber so gering auch immer diese oder jene Schwäche oder Sünde in den Augen der Menschen sein mag, so ist keine Sünde gering in Gottes Auge. Der Menschen Urteil ist unvollkommen und parteilich; Gott aber sieht und beurteilt alle Dinge nach ihrer wirklichen Beschaffenheit. Einen Trunkenbold verachtet man und sagt ihm, daß seine Sünde ihn vom Himmel ausschließt; wie oft aber bleiben Hochmut, Eigenliebe, Habsucht und Geiz ungetadelt? Und doch sind es gerade diese Sünden, die in den Augen Gottes schwer in die Waagschale fallen, weil sie mit der Barmherzigkeit seines Charakters, mit jener selbstlosen Liebe, die in dem nicht gefallenen Weltall herrscht, in direktem Widerspruch stehen. Der, welcher in grobe Sünden gefallen ist, fühlt seine Schande und Armut, fühlt, daß er der Gnade Christi bedarf; Hochmut und Stolz dagegen fühlen keinen Mangel und verschließen daher die Herzen vor den unendlichen Segnungen, welche Christus allein zu geben vermag.

Der arme Zöllner, der da betete: „Gott, sei mir Sünder gnädig" (Luk. 18, 13), hielt sich für sehr gottlos, und andere betrachteten ihn in demselben Lichte; aber er erkannte sein Elend, und kam mit der Menge seiner Schuld und Schande zu Gott und erflehte Vergebung. Sein Herz war offen, daß der Geist Gottes sein gnädiges Werk tun und ihn von der Macht der Sünde befreien konnte. Der stolze und selbstgerechte Pharisäer dagegen offenbarte in seinem Gebet, daß sein Herz dem Einfluß des Heiligen Geistes verschlossen war. Infolge seiner Entfernung von Gott hatte er kein Gefühl von seiner eignen Befleckung im Gegensatz zu der Vollkommenheit göttlicher Heiligkeit. Er bedurfte nichts, deshalb erhielt er auch nichts.

Wenn wir unsere Sündhaftigkeit erkannt haben, dann lasset uns keine Zeit damit verlieren, uns selbst besser zu machen! Wie viele glauben, daß sie nicht gut genug sind, um zu Christus zu kommen! Glaubst du, du könnest aus eigener Kraft besser werden? „Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein Panther seine Flecken? So wenig könnt auch ihr Gutes tun, die ihr an das Böse gewohnt seid." (Jer. 13, 23.) Unsere Hilfe stehet einzig bei Gott. Wir dürfen nicht auf stärkeren Glauben, bessere Gelegenheiten oder heiligeren Charakter warten; wir können nichts durch uns selbst erreichen. Wir müssen zu Christus kommen,
wie wir sind.

Diejenigen aber, welche glauben, daß Gott in seiner großen Liebe und Erbarmen auch solche selig machen werde, die sich seiner Gnade widersetzen, sind in grober Täuschung befangen. Nur im Lichte des Kreuzes kann die außerordentliche Sündhaftigkeit der Sünde erkannt werden. Solche Menschen, die darauf bestehen, daß Gottes Liebe und Barmherzigkeit zu groß sei, als daß er sie verdammen könne, sollten nach Golgatha blicken. Es gab keinen anderen Erlösungsweg für die Menschheit; ohne das Opfer am Kreuz konnte die sündige Menschheit nicht der Sündenmacht ledig und wieder in die Gemeinschaft der Heiligen zurückversetzt werden; es war für sie unmöglich, Teilhaber des geistlichen Lebens zu werden. Christus nahm deshalb die Schuld der Sünder auf sich und litt an ihrer Statt. Die Liebe, das Leiden und der Tod des Sohnes Gottes legen Zeugnis ab von der furchtbaren Größe der Sünde; alles dies macht es klar, daß wir nur dann der Sündenmacht entfliehen und der Hoffnung auf ein seliges Leben gewiß sein können, wenn die Seele sich Christus übergibt.

Unbußfertige Menschen entschuldigen sich oft damit, daß sie auf solche, die Bekenner des Namens Christi sind, hinweisen und sagen: „Ich bin so gut, wie sie sind. Sie sind nicht selbstverleugnender, nicht nüchterner und mäßiger oder wachsamer und vorsichtiger in ihrem Lebenswandel, als ich es bin. Sie lieben die Freuden und Vergnügungen der Welt gerade so wie ich." Auf diese Weise entschuldigen sie mit den Fehlern anderer ihre eigenen Sünden. Aber jene sind keine Entschuldigungen für uns; denn der Herr hat uns kein irrendes, menschliches Vorbild gegeben. Der heilige und unbefleckte Gottessohn ist uns zum Beispiel gesetzt, und solche, welche die Gebrechen und Sünden anderer beklagen, die sich Christen nennen, sollten selbst zuerst durch ihren Wandel bessere Beispiele geben. Wenn sie ein so hohes Bewußtsein davon haben, wie ein wahrer Christ beschaffen sein muß, wird dadurch ihre Sünde nicht um so größer? Sie kennen das Rechte und wollen es doch nicht tun.

Hütet euch vor langem Zögern. Schiebt die Bekehrung von euren Sünden und die Suche nach wahrer Herzensreinheit durch Jesus nicht zu lange auf!  Das ist der Irrtum, in dem Tausende und Aber tausende befangen sind, der Irrtum, welcher ihnen ewigen Verlust verursacht hat. Ich will nicht viele Worte machen über die Kürze und Ungewißheit des menschlichen Lebens; doch darin liegt eine entsetzliche Gefahr – eine Gefahr, die wir leider nicht genügend verstehen – daß wir so lange damit zögern, der Stimme des Heiligen Geistes Gehör zu schenken und es vorziehen, ein Sündenleben zu führen. Auch die kleinsten Sünden können wir nur begehen auf die Gefahr hin, die ewige Seligkeit zu verlieren. Was wir nicht überwinden, wird uns überwinden und unsere Vernichtung zur Folge haben.

Adam und Eva suchten die Stimme ihres Gewissens damit zu beschwichtigen, daß eine so geringfügige Sache, wie das Essen der verbotenen Frucht, unmöglich so schreckliche Folgen, wie Gott erklärt hatte, nach sich ziehen könne. Aber diese geringfügige Sache war die Übertretung des unveränderlichen und heiligen Gesetzes Gottes; dies trennte den Menschen von Gott und öffnete die Pforten des Todes und unsäglichen Elends für die Welt. Seit Jahrtausenden ist ein ständiger Schmerzensund Klageruf von der Erde zum Himmel aufgestiegen, die ganze Schöpfung seufzt und klagt in Elend infolge des Ungehorsams der ersten Menschen. Der Himmel selbst hat die Wirkungen dieser Empörung gegen Gott fühlen müssen. Golgatha steht da als ein Denkstein des wunderbaren Opfers, das gebracht werden mußte, um das, was durch die Übertretung des göttlichen Gesetzes verloren war, zu retten. Laßt uns die Sünde nie als eine geringfügige, unbedeutende Sache ansehen!

Jede Übertretung der Gebote, jede Vernachlässigung oder Verwerfung der Gnade Christi fällt in ihren Folgen auf uns zurück. Diese Sünden verhärten und verstocken unsere Herzen, verderben unsere Sinne, betäuben den Verstand und machen uns immer unfähiger, der in Liebe lockenden und mahnenden Stimme des Heiligen Geistes Folge zu leisten.

Viele suchen ihr erwachtes Gewissen mit dem Gedanken zu beruhigen, daß sie ihren bösen Weg jederzeit ändern können, daß sie mit der Gnadeneinladung Scherz treiben könnten und doch immer wieder gemahnt würden. Sie glauben, nachdem sie den Geist der Gnade verachtet und sich mit ihrem Einfluß auf die Seite Satans gestellt haben, noch Zeit genug zu haben, im letzten, äußersten Moment ihr Leben ändern zu können. Dies aber ist nicht so leicht getan. Die Erfahrung, die Erziehung eines ganzen Lebens hat ihren Charakter so geformt, daß dann nur wenige den Wunsch haben, Christus ähnlich zu werden.

Ein falscher Charakterzug, ein sündhaftes Verlangen lange Zeit in uns gehegt und gepflegt, sind wohl imstande, uns gegen die Macht des Evangeliums gleichgültig zu machen. Jede sündhafte Befriedigung vermehrt die Abneigung der Seele gegen Gott. Der Mensch, welcher einen ungläubigen Trotz, eine störrische Gleichgültigkeit für die göttliche Wahrheit offenbart, erntet nur das, was er selbst gesät hat. In der ganzen Bibel finden wir keine ernstere Warnung gegen das Scherzen und Spielen mit der Sünde als die: „Und er wird mit dem Strick seiner Sünde gehalten werden." (Spr. 5, 22.)

Christus ist stets bereit, uns von der Sünde zu erlösen; doch er zwingt uns nicht dazu. Und wenn durch fortwährendes Sündigen unser Wille der Sünde gänzlich untertan ist, wenn wir nicht den Wunsch haben, frei zu werden, und Gottes Gnade nicht annehmen, – was kann er mehr für uns tun? Wir selbst tragen die Schuld an unserem ewigen Verderben, weil wir beharrlich Gottes Liebe zurückstießen. „Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils." (2. Kor. 6, 2.) „ Heute, so ihr hören werdet seine Stimme, so verstocket eure Herzen nicht." (Hebr. 3, 7. 8.)

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an" (1. Sam. 16, 7) – das menchliche Herz, in welchem Freude und Leid beieinander wohnen, das irrende, launische Herz, die Wohnstätte so vieler Unreinheit und Heuchelei. Er kennt des Herzens Beweggründe, seine Absichten, seine Vorsätze. Geht zu ihm mit euren befleckten, unreinen Herzen; öffnet sie, wie der Psalmist, seinem allsehenden Auge und ruft aus: „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege." (Ps. 139, 23. 24.)

Viele nehmen eine Religion der Vernunft oder eine bloße Form von Gottseligkeit an – ohne daß ihr Herz gereinigt ist. Laßt unser Gebet sein: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist." (Ps. 51,12.) Seid aufrichtig eurem eigenen Herzen gegenüber. Seid ebenso ernst und beständig, als wenn euer irdisches Leben davon abhinge. Es ist eine Sache, die zwischen Gott und eurer Seele für die Ewigkeit entschieden werden muß. Eine nur trügerische Hoffnung hat den ewigen Tod zur Folge.

Sucht und forscht in der Heiligen Schrift mit Gebet. Sie stellt in dem Gesetz Gottes und dem Leben Christi die herrlichen Grundsätze der Heiligkeit vor eure Augen, ohne welche „wird niemand den Herrn sehen." (Hebr. 12,14.) Sie überzeugt euch von euren Sünden, offenbart aber auch den Weg zur Rettung. Folgt ihr, Gottes Stimme spricht durch sie zu euch.

Verzweifelt nicht im Hinblick auf die Größe eurer Sündenschuld, im Hinblick auf eure eigene sündige Beschaffenheit. Christus kam in diese Welt, um Sünder zu retten. Wir versöhnen nicht Gott mit uns, sondern – o überschwengliche Liebe! – Gott in Christus „versöhnte die Welt mit ihm selber." (2. Kor. 5, 19.) Er wirbt in innigster Liebe um die Herzen seiner irrenden Kinder.  Irdische Eltern können nicht so geduldig sein mit den Schwächen und Gebrechen ihrer Kinder, wie es Gott mit denen ist, die er zu retten sucht. Keiner wäre imstande gewesen, herzlicher und inniger für den Übertreter und Sünder zu bitten, als er es getan hat. Alle seine Verheißungen, seine Warnungen sind nur Seufzer unaussprechlicher Liebe.

Wenn Satan euch zuflüstert, daß ihr große Sünder seid, dann blickt auf zu eurem Erlöser und redet von seinen Verdiensten; in seinem Licht allein findet ihr Hilfe. Erkennt eure Sünden, doch ruft dem Bösen zu: „Das ist gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen" (1.Tim. 1, 15); und daß ihr durch diese unaussprechliche Liebe gerettet sein wollt. Jesus richtete an Simon eine Frage, die zwei Schuldner betraf. Der eine schuldete seinem Herrn eine kleine, der andere eine große Summe; aber er schenkte sie beiden. Christus fragte Simon, welcher von den zwei Schuldnern den Herrn wohl am meisten lieb haben würde. Simon antwortete darauf: „Ich achte, dem er am meisten geschenkt hat." (Luk. 7, 43.) Wir alle haben schwer gesündigt, aber Christus starb, damit wir Vergebung erlangen könnten. Die Verdienste seines Opfers genügen, um uns mit dem Vater zu versöhnen. Denen er am meisten vergeben hat, die werden ihn am meisten lieben und werden seinem Thron am nächsten stehen und ihn für seine unendliche Liebe und Opfer loben und preisen. Wenn wir die Liebe Gottes verstehen, dann verstehen wir auch die Größe und Tragweite der Sünde. Wenn wir eine Ahnung haben von der Bedeutung und Tragweite des Opfers, welches Christus für uns gebracht hat, dann werden unsere Herzen in Liebe und Dankbarkeit, aber auch in wahrer Reue und Buße schmelzen.


[vorheriges Kapitel] [Inhaltsverzeichnis] [nächstes Kapitel]


 

Übersicht - Hauptseite

[ der große kosmische Konflikt ] [ inneren Frieden finden ]
[
Universalsystem der erzwungenen Anbetung ]
[
ist die Jungfrau Maria tot oder lebt sie? ]
[ bevor wir in den Himmel kommen ]

[
das Leben Jesu ]
 

Worum geht es denn im herkömmlichen Christentum?
 

Wie wird das denn weitergehen?
 

Es ist wohl kaum möglich die Böswilligkeit und das Übel in dieser Welt
zu erfassen ohne dieses Buch gelesen zu haben - download.:

von Babylon nach Rom

 

Wer weiß denn mit Gewißheit was das Malzeichen ist?
 

Empfohlene Links zum Englischen Bereich dieser Domäne
[
Cosmic Conflict]  [Universal System of forced Worship]  [Principles and Doctrines]
[the other Godhead] [Health Care without Prescription Drugs] [finding Peace within]
[godhead of Nicea[is the Virgin Mary dead or alive]  [invitation to Bible Studies]
[
High Points of the New Age] [Love & Passion of Christ] [New Age Adventures]
[is there Death after Life]
[Healthful Living] [early writings of  Ellen G. White]
[True Protestantism is dying because?]
[Truth and Spiritual Knowledge]
[
New Age Bible Versions ]
[ What happened 508 CE? ]
[ bibles with less about Jesus ] [ global power elite ]
 

Unterstützen Sie bitte diese Website

 

alles anbetung babylon biest botschaft braut daniel donner engel gerechtigkeit jerusalem jungfrau lebt lüge maria marienbewegung mensch merkmal neue niederlande papsttum prophezeiung sakramente satan siegel skandinavien spiritualismus stunde Tier tot tödliche sünde unsterblichkeit verheilt vollbringen warum wunde
 

[ wichtige Erkenntnisse für die Zeit in der wir leben ]

[ wehe dem, der mehr wissen will, als erlaubt ist ]

[ es verlangt Mut diese Dinge zu untersuchen ]

Was der Spatz mit der Spätzin macht

Max & Moritz