Die letzte Reise von Galiläa
Kapitel  53


Gemäß Lukas 9:51-56; Lukas 10:1-24.

Mit dem herannahenden Ende veränderte sich auch die Art des Wirkens Jesu. Der Heiland hatte bisher alle Erregung zu vermeiden gesucht und von sich aus nichts getan, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die Huldigungen des Volkes wies er zurück, und er wechselte sehr rasch den Ort seines Wirkens, wenn die Begeisterung des Volkes über ihm zusammenzuschlagen drohte. Immer wieder hatte er geboten, daß niemand ihn als Christus bezeichnen solle.

Seine Reise nach Jerusalem zum Laubhüttenfest war schnell und heimlich vor sich gegangen. Von seinen Brüdern bedrängt, sich nun endlich als Messias zu erkennen zu geben, hatte er ihnen nur geantwortet: „Meine Zeit ist noch nicht da." Johannes 7:6. Unbeachtet hatte er seinen Heimatort verlassen, unangemeldet und von der Menge unerkannt war er nach Jerusalem gekommen. Jetzt aber war sein Auftreten anders. Jesus hatte Jerusalem wegen der Bosheit der Priester und Pharisäer für kurze Zeit verlassen. Nun kehrte er, auf einem Umweg und indem er sein Kommen auf eine Weise ankündigte, wie er es nie zuvor getan hatte, in aller Öffentlichkeit wieder in die Stadt zurück. Er wußte, daß er dem Schauplatz seines Leidens entgegenging, und es galt jetzt, die Aufmerksamkeit des Volkes auf seinen Opfergang zu lenken.

"Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß des Menschen Sohn erhöht werden." Johannes 3:14. Wie die Augen aller Israeliten auf die Schlange, das Sinnbild ihrer Rettung, gerichtet waren, so mußten nun alle Augen auf Christus, das für die verlorene Welt darzubringende Opfer, gelenkt werden.

Es war eine falsche Vorstellung von dem Wirken des Messias und ein mangelnder Glaube an das göttliche Wesen Jesu, die seine Brüder ihn auffordern ließ, sich auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem öffentlich dem Volk vorzustellen. Ähnlich dieser Auffassung wollten die Jünger jetzt Jesus von der Reise nach Jerusalem abhalten. Sie erinnerten sich seiner Worte, mit denen er ihnen gesagt hatte, was ihn in Jerusalem erwarte. Sie wußten von der tödlichen Feindschaft der jüdischen Obersten, und sie hätten ihm gern abgeraten, nach der Heiligen Stadt zu ziehen.

Um seiner geliebten Jünger willen wurde es dem Heiland nicht leicht, den ihm vorgezeichneten Weg weiter zu verfolgen; er kannte ja ihre Furcht und ihren schwachen Glauben und wußte von den kommenden großen Enttäuschungen. Es wurde ihm schwer, sie der Angst und Verzweiflung entgegenzuführen, die ihrer in Jerusalem warteten. Dazu bedrängte Satan wieder mit seinen Versuchungen des Menschen Sohn. Warum sollte er nach Jerusalem in den sicheren Tod gehen, wenn überall Seelen nach dem Brot des Lebens hungerten und so viele Leidende auf sein Wort der Heilung warteten? Sein Wirken durch den Geist der göttlichen Gnade hatte gerade erst begonnen; er selbst stand im besten Mannesalter — warum sollte er nicht in das weite Missionsfeld gehen und selbst seine Gnadenbotschaft verkündigen und seine heilende Kraft mitteilen? Warum sollte er nicht selbst die Freude miterleben, den in Finsternis und Kümmernis verharrenden Millionen Menschen Licht und Leben zu bringen? Warum sollte er das Einbringen der Ernte seinen Jüngern überlassen, die so schwach im Glauben, so träge im verstehen und so langsam im Handeln waren? Warum sich nun in den sicheren Tod begeben und das Werk, das noch im Anfangsstadium war, verlassen? Der Feind, der sich dem Herrn schon in der Wüste entgegengestellt hatte, überfiel ihn jetzt mit ungestümen und listigen Versuchungen. Würde Jesus auch nur einen Augenblick nachgegeben haben, wäre er von seinem Weg nur „um Haaresbreite" abgewichen, um sich selbst zu retten, dann hätten Satans Werkzeuge triumphiert, die Welt aber wäre verloren gewesen.

Doch der Heiland „wendete ... sein Angesicht, stracks nach Jerusalem zu wandern". Lukas 9:51. Der Wille seines Vaters im Himmel war das Gesetz seines Lebens. Er hatte einst als Knabe bei einem Besuch des Tempels zu Maria gesagt: „Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?" Lukas 2:49. Als Maria auf der Hochzeit zu Kana Jesu Wunder wirkende Kraft offenbart sehen wollte, lautete seine Antwort: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen." Johannes 2:4. Mit ähnlichen Worten hatte er schon seinen Brüdern geantwortet, als sie ihn zum Besuch des Laubhüttenfestes nötigen wollten. In Gottes erhabenem Plan war die Stunde bestimmt, da sich Christus für die Sünden der Menschheit opfern mußte. Nun sollte diese Stunde bald schlagen. Er wollte nicht matt werden noch verzagen. Seine Schritte waren nach Jerusalem gewandt, wo seine Feinde schon lange darauf warteten, seinem Leben ein Ende zu machen; jetzt würde es bald soweit sein. „Stracks" ging er der Verfolgung, Verleugnung, Verwerfung, Verurteilung und dem Tode entgegen.

"Er sandte Boten vor sich hin; die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, daß sie ihm Herberge bestellten." Lukas 9:52. Die Samariter aber nahmen ihn nicht auf, weil er sich auf dem Wege nach Jerusalem befand. Sie glaubten daraus zu ersehen, daß Christus die ihnen tief verhaßten Juden höher achtete als sie selbst. Wäre er gekommen, um den Tempel und die Anbetung auf dem Berge Garizim wiederherzustellen, so würden sie ihn mit großer Freude aufgenommen haben; aber er war auf dem Wege nach Jerusalem, darum wollten sie ihm keine Gastfreundschaft erweisen. Wie wenig erkannten sie, daß sie die beste Gabe des Himmels von sich wiesen! Jesus bat Menschen, ihn aufzunehmen, er bat sie um Gunsterweisungen von ihrer Hand, damit er ihnen nahekommen könnte, um sie reich zu segnen. Jede ihm bezeugte Liebestat vergalt er durch eine viel wertvollere Gnadengabe; aber all das ließen die Samariter wegen ihrer Voreingenommenheit und wegen ihres blinden Eifers außer acht.

Die von Christus gesandten Boten Jakobus und Johannes ärgerten sich sehr über den ihrem Herrn angetanen Schimpf, ja, sie waren empört, weil die Samariter, denen der Besuch Jesu eine Auszeichnung hätte sein müssen, ihn so grob behandelt hatten. Erst kürzlich waren sie mit ihm auf dem Verklärungsberg gewesen und hatten ihn von Gott verherrlicht und von Mose und Elia geehrt gesehen. Nun meinten sie, daß die Mißachtung Jesu durch die Samariter nicht ohne strenge Strafe bleiben sollte.

Sie kamen zu Jesus, wiederholten die Worte der Samariter und berichteten, daß jene sich sogar geweigert hätten, ihm für eine Nacht Obdach zu gewähren. Sie sahen in dieser Handlungsweise ein großes Unrecht an dem Herrn, so daß sie angesichts des sich in einiger Entfernung erhebenden Berges Karmel, auf dem Elia einst die falschen Propheten erschlagen hatte, ausriefen: „Herr, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie auch Elia tat." Lukas 9:54. Wie aber erstaunten sie, als sie bemerkten, wie schmerzlich ihre Worte Jesu berührten! Noch befremdeter waren sie über den Tadel, den sie hören mußten: „Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten." Lukas 9:55,56. Dann ging er in ein anderes Dorf.

Es ist nicht Christi Aufgabe, jemanden zu zwingen, ihn anzunehmen; es sind vielmehr Satan und seine Helfer, die das Gewissen zu zwingen suchen. Unter dem Vorwand, für Gerechtigkeit zu eifern, bringen Menschen, die sich mit bösen Engeln verbunden haben, Leid und Schmerz über ihre Mitmenschen, um sie zu ihren religiösen Anschauungen zu „bekehren". Christus aber übt Barmherzigkeit und sucht durch die Offenbarung seiner Liebe Menschen zu gewinnen. Er duldet keinen Mitbewohner im Herzen, er nimmt auch keine geteilte Gabe an, sondern wünscht freiwilligen Dienst, die willige Übergabe des Herzens an die Herrschaft der Liebe. Nichts kennzeichnet unter uns deutlicher den Geist Satans als die Neigung, denen zu schaden und Verderben zu wünschen, die unsere Aufgabe nicht zu würdigen wissen oder die unseren Auffassungen entgegenhandeln.

Jeder Mensch ist nach Leib, Seele und Geist das Eigentum Gottes. Christus starb, um alle zu erlösen; nichts mißfällt dem Herrn mehr als Menschen, die aus religiösem Eifer denen Leid zufügen, die mit seinem Blut teuer erkauft sind.

"Er machte sich auf von dannen und kam in die Gegend von Judäa und jenseits des Jordan. Und das Volk lief abermals in Haufen zu ihm, und wie seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals." Markus 10:1. Die meiste Zeit in den letzten Monaten hatte Christus in Peräa, einer Provinz „jenseits des Jordan", verbracht. Hier drängte sich das Volk in alter Begeisterung um ihn, und Jesus wiederholte und bekräftige seine Lehre.

Wie er die Zwölf ausgesandt hatte, so „sonderte der Herr andere siebzig aus und sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, da er wollte hinkommen". Lukas 10:1. Diese Jünger waren einige Zeit bei ihm gewesen und für ihre Aufgabe ausgebildet worden. Als die Zwölf zu ihrem ersten Auftrag ausgesandt waren, hatten andere Jünger den Herrn auf seiner Wanderung nach Galiläa begleitet und dadurch die Gnade erfahren, unmittelbare Fühlung mit ihm zu haben und von ihm persönlich belehrt zu werden. Jetzt sollte auch diese erwählte Schar sich auf den Weg machen und als Diener des Evangeliums ihren Auftrag ausführen.

Die Belehrungen, die Jesus den Siebzig gab, glichen denen, die die Zwölf erhalten hatten, ausgenommen das Verbot, die Städte der Heiden oder der Samariter zu betreten. Obgleich Christus von den Samaritern gerade erst zurückgewiesen worden war, blieb seine Liebe zu ihnen unverändert. Als die Siebzig in seinem Namen hinausgingen, besuchten sie zuerst die Städte von Samarien.

Jesu eigener Besuch in Samarien und später seine anerkennenden Worte über den barmherzigen Samariter sowie die dankbare Freude jenes Aussätzigen, eines Samariters, der allein von den zehn Geheilten umkehrte, um seinem Wohltäter zu danken, waren für die Jünger außerordentlich bedeutungsvoll. Sie hatten sich diese Lehre sehr zu Herzen genommen. In seinem Auftrag an die Jünger kurz vor seiner Himmelfahrt nannte der Heiland neben Jerusalem und Judäa auch Samarien als die Gebiete, wo sie zuerst das Evangelium verkündigen sollten. Seine Belehrung hatte sie befähigt, Gottes Werk zu treiben. Als sie dann in ihres Meisters Namen nach Samarien kamen, fanden sie das Volk auf ihr Kommen vorbereitet. Die Samariter hatten von Christi lobenden Worten und seinem barmherzigen Wirken an ihren Stammesgenossen gehört; sie mußten erkennen, daß Jesus sie trotz ihres unhöflichen Betragens liebte, und ihre Herzen beugten sich ihm. Nach seiner Himmelfahrt nahmen sie die Boten des Evangeliums herzlich auf, und die Jünger brachten eine kostbare Ernte ein unter denen, die einst ihre heftigsten Gegner gewesen waren. „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus." Jesaja 42:3. „Die Heiden werden auf seinen Namen hoffen." Matthäus 12:21.

Wie einst bei der Aussendung der Zwölf, gebot der Herr auch den Siebzig, sich dort nicht aufzudrängen, wo sie nicht willkommen waren. „Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der sie euch nicht aufnehmen, so geht heraus auf ihre Gassen und sprecht: Auch den Staub, der sich an unsre Füße gehängt hat von eurer Stadt, schütteln wir ab auf euch; doch sollt ihr wissen, daß euch das Reich Gottes nahe gewesen ist." Lukas 10:10,11. Nicht aus Groll oder beleidigter Würde sollten sie so reden, sie sollten nur zu erkennen geben, wie schmerzlich es ist, das Evangelium oder seine Boten abzuweisen. Die Diener des Herrn verwerfen heißt Christus selbst von sich weisen.

Jesus belehrte sie weiter: „Ich sage euch: Es wird Sodom erträglicher gehen an jenem Tage als solcher Stadt." Dann verweilten seine Gedanken bei den galiläischen Städten, in denen er längere Zeit gewirkt hatte, und mit schmerzbewegter Stimme rief er aus: „Weh dir, Chorazin! Weh dir, Bethsaida! Denn wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen, die bei euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche gesessen und Buße getan. Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher gehen im Gericht als euch. Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben? In die Hölle wirst du hinuntergestoßen werden. Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, er mich gesandt hat." Lukas 10:12-16.

Diesen geschäftigen Städten am See waren des Himmels reichste Segnungen freigebig angeboten worden. Tag für Tag war der Fürst des Lebens bei ihnen ein- und ausgegangen. Die Herrlichkeit Gottes, welche Könige und Propheten zu sehen begehrten, schien auf alle herab, die sich um den Heiland drängten. Dennoch hatten sie die Gabe des Himmels verworfen.

Mit protzerisch zur Schau gestellter Klugheit hatten die Rabbiner das Volk gewarnt, die Lehren anzunehmen, welche dieser neue Lehrer verkündigte; denn seine Theorien und seine Handlungsweise widersprächen den Lehren der Väter. Das Volk vertraute dem, was die Priester und Pharisäer lehrten, statt daß es selbst versucht hätte, das Wort Gottes zu verstehen. Sie brachten den Priestern und Obersten Verehrung entgegen, statt Gott zu ehren, und sie verwarfen die Wahrheit, um an ihren eigenen Überlieferungen festhalten zu können. Viele waren tief beeindruckt und fast überzeugt worden; aber sie handelten nicht nach ihren Überzeugungen und stellten sich nicht auf die Seite Christi. Satan schickte seine Versuchungen, bis das Licht wie Finsternis aussah. So verwarfen viele die Wahrheit, die die Rettung der Seele bedeutet hätte.

Der „treue Zeuge" (Offenbarung 3:14) erklärt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an." Offenbarung 3,20. Jede Warnung, Zurechtweisung und dringende Aufforderung, die im Worte Gottes oder durch seine Boten ausgesprochen wurde, ist ein Anklopfen an der Tür des Herzens. Es ist die Stimme Jesu, die um Einlaß bittet. Mit jedem Klopfen, das unbeachtet bleibt, wird die Neigung, zu öffnen, schwächer. Wenn die vom Heiligen Geist ausgehenden Wirkungen heute mißachtet werden, werden sie morgen nicht mehr so stark sein. Das Herz wird weniger empfänglich und verfällt einem gefährlichen Zustand, in dem es sich nicht der Kürze des Lebens und der dann folgenden großen Ewigkeit bewußt ist. Wir werden im Gericht nicht verurteilt, weil wir uns im Irrtum befunden, sondern weil wir die vom Himmel gesandten Gelegenheiten, zu lernen, was die Wahrheit wirklich ist, versäumt haben.

Gleich den Aposteln hatten auch die Siebzig übernatürliche Gaben als Siegel ihres Auftrags erhalten. Nach Vollendung ihrer Aufgabe kehrten sie freudig zurück und sprachen: „Herr, es sind uns auch die bösen Geister untertan in deinem Namen." Und der Heiland antwortete ihnen: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz." Lukas 10:17,18.

An Jesu geistigem Auge zogen die Ereignisse der Vergangenheit und der Zukunft vorüber. Er sah die Verstoßung Satans aus dem Himmel, er schaute voraus auf seine Leidenszeit, die den Charakter des großen Betrügers vor der ganzen Welt offenbaren würde, und hörte den Ruf: „Es ist vollbracht!", der der Welt die Erfüllung des Erlösungsplanes ankündigen und den Himmel vor den Anklagen, Täuschungen und Ansprüchen Satans auf ewig schützen würde.

Über das Kreuz von Golgatha mit seinem Todeskampf und seiner Schmach hinweg schaute Jesus auf den letzten großen Tag, an dem der Fürst der bösen Mächte, die in der Luft herrschen, vernichtet wird mit der Erde, die er so lange durch seinen Aufruhr entstellt hat. Danach sah der Herr das Werk des Bösen für immer beendet und ewigen Frieden Himmel und Erde erfüllen.

Christi Nachfolger sollten künftig den Teufel als besiegten Feind ansehen, dem der Heiland durch seinen Kreuzestod den Sieg abgerungen hat. Diesen Sieg sollten seine Kinder als ihren Sieg betrachten. „Sehet", sagte er, „ich habe euch Vollmacht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden." Lukas 10:19.

Die allmächtige Kraft des Heiligen Geistes schützt jeden Menschen, der bereut; niemand, der bußfertig-gläubig den Beistand Christi erbittet, wird unter die Macht Satans geraten. Der Heiland ist den Seinen in jeder Stunde der Versuchung und Gefahr gegenwärtig und hilft ihnen. Bei ihm gibt es keinen Mißerfolg oder Verlust, keine Unmöglichkeit oder Niederlage; wir vermögen alles durch den, der uns mächtig macht. Wenn Versuchungen und Prüfungen kommen, dann erwartet nicht, alle Schwierigkeiten selbst meistern zu können, sondern richtet euren Blick auf Jesus, euren Helfer.

Viele Christen denken nicht nur zuviel über Satan nach, sondern sprechen auch zuviel über seine Macht. Sie denken an ihren Widersacher, sie beten von ihm und reden über ihn; dadurch wird er in ihrer Vorstellung immer größer und mächtiger. Satan besitzt Macht und Gewalt; aber Gott sei Dank haben wir einen mächtigen Heiland, der den Bösen aus dem Himmel ausgestoßen hat. Der Teufel hat es gern, wenn wir seine Macht rühmen. Warum reden wir nicht von Jesus? Warum rühmen wir nicht seine Kraft und seine Liebe?

Der Regenbogen der Verheißung, der den Thron im Himmel umgibt, ist ein unvergängliches Zeugnis, daß Gott die Welt so geliebt hat, „daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben". Johannes 3:16. Er bestätigt vor aller Welt, daß Gott seine Kinder in ihrem Ringen mit dem Bösen niemals verläßt; er gibt die Gewißheit der Kraft und des Schutzes bis in alle Ewigkeit.

Der Heiland fügte hinzu: „Doch darüber freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind." Lukas 10:20. Freuet euch nicht darüber, Macht zu besitzen, damit ihr nicht eure Abhängigkeit von Gott vergeßt; seid achtsam, auf daß ihr nicht selbstzufrieden werdet und euer Werk aus eigener Kraft und nicht im Geist und in der Kraft Gottes geschehe. Das eigene Ich ist immer gern bereit, sich selbst das Verdienst zuzuschreiben, wenn ein Erfolg die Arbeit krönt; es fühlt sich geschmeichelt und erhoben, und andere haben durchaus nicht den Eindruck, als wäre uns Gott „alles und in allen". Kolosser 3:11.

Der Apostel Paulus schreibt: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark." 2.Korinther 12:10. Wenn wir unsere Schwachheit erkennen, lernen wir, uns nicht auf uns selbst zu verlassen. Nichts kann dem Herzen so festen Halt verleihen wie das dauernde Bewußtsein unserer Abhängigkeit von Gott; nichts beeinflußt unser Verhalten so tiefgreifend wie das Wissen um die erbarmende Liebe Christi. Sobald wir mit Gott in die rechte Verbindung kommen, werden wir auch von der Kraft des Heiligen Geistes durchdrungen, die uns befähigt, zu unserem Nächsten ein gutes Verhältnis zu finden. Freuen wir uns darum, daß wir durch Christus mit Gott verbunden sind und Glieder der himmlischen Familie sein können. Solange wir über uns hinausschauen, werden wir die eigene Hilflosigkeit stets klar erkennen. Je weniger wir das eigene Ich pflegen, desto eindringlicher werden wir die Vollkommenheit Jesu verspüren. Je inniger unsere Verbindung mit der göttlichen Licht- und Kraftquelle ist, desto mehr Licht wird auf uns scheinen und desto größere Kraft wird uns befähigen, das Werk Gottes zu treiben. Freut euch, daß ihr eins seid mit Gott, eins mit Christus und eins mit der ganzen himmlischen Familie.

Während die Siebzig den Worten Jesu lauschten, wirkte der Heilige Geist an ihren Herzen und lehrte sie die Wahrheit erkennen. Obgleich sie von einer gewaltigen Volksmenge umgeben waren, hatten sie das Gefühl, mit Gott allein zu sein.

Der Heiland freute sich herzlich, daß sie die Bedeutung dieser Stunde erfaßt hatten; er war froh „im heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so war es wohlgefällig vor dir. Es ist mir alles übergeben von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn sei, denn nur der Vater; noch wer der Vater sei, denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren". Lukas 10:21,22.

Die angesehenen Männer dieser Welt, die sogenannten Großen und Weisen mit all ihrer prahlerischen Weisheit, waren nicht imstande, das Wesen Christi zu verstehen. Sie beurteilten ihn nach seiner äußeren Erscheinung, nach der niedrigen Stellung, die er als Mensch einnahm. Aber den Fischern und Zöllnern war es gegeben, das Unsichtbare zu sehen. Sogar die Jünger waren nicht in der Lage, alles zu verstehen, was Jesus ihnen offenbaren wollte, doch von Zeit zu Zeit wurde ihr Verstand erleuchtet, als sie sich der Macht des Heiligen Geistes ergaben. Sie wurden sich bewußt, daß der mächtige Gott als Mensch unter ihnen weilte. Jesus war froh darüber, daß, obwohl die Weisen und Klugen diese Erkenntnis nicht besaßen, sie diesen einfachen Menschen enthüllt worden war. Oft waren sie durch seinen Geist erweckt und in eine himmlische Atmosphäre emporgehoben worden, als er ihnen die Schriften des Alten Testaments erklärte und ihnen zeigte, wie sie auf ihn und auf sein Versöhnungswerk zutreffen. Von den geistlichen Wahrheiten, die von den Propheten verkündigt worden waren, hatten sie ein klareres Verständnis als die Schreiber selbst. Künftig lasen sie die Schriften des Alten Testamentes nicht mehr als die Lehrsätze der Schriftgelehrten und Pharisäer, nicht als die Aussagen kluger Männer, die bereits tot sind, sondern als eine neue Offenbarung von Gott. Sie erkannten den, „welchen die Welt nicht kann empfangen, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr aber kennet ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein." Johannes 14:17.

Der einzige Weg zu einer klareren Erkenntnis der Wahrheit ist ein liebevolles Herz, erfüllt von dem Geist Christi. Die Seele muß von Eitelkeit und Stolz gereinigt und von allem befreit werden, was von ihr Besitz ergriffen hat; einzig Christus muß in ihr herrschen und Gestalt gewinnen. Die menschliche Wissenschaft genügt nicht annähernd, die Versöhnung mit Gott zu verstehen. Der göttliche Erlösungsplan ist so gewaltig, daß keine irdische Weisheit ihn erklären kann; er wird stets ein Geheimnis bleiben, das die tiefschürfendsten Überlegungen nicht zu ergründen vermögen. Die Erlösung kann man nicht erklären, sondern nur erfahren. Nur wer die eigene Sündhaftigkeit erkennt, kann den Wert der Gabe Gottes ermessen.

Eine Fülle von Belehrungen erteilte Jesus, als er langsam von Galiläa nach Jerusalem wanderte. Eifrig lauschte das Volk seinen Worten. Sowohl in Peräa als auch in Galiläa lebten die Menschen weniger unter der formellen, buchstabengläubigen jüdischen Frömmigkeit als in Judäa, und die Lehren des Heilandes fanden in ihren Herzen willige Aufnahme.

Christus sprach in diesen letzten Monaten seines Dienstes viel in Gleichnissen. Die Priester und Rabbiner verfolgten ihn mit ständig wachsendem Haß, und seine Warnungen an sie kleidete er in Sinnbilder. Sie konnten seine Andeutungen nicht mißverstehen; dennoch fanden sie in seinen Worten keinen Anhalt, um ihn anzuklagen. Im Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner zeigte das selbstgerechte Gebet: „Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute", den großen Unterschied zu der Bitte des Bußfertigen: „Gott, sei mir Sünder gnädig!" Lukas 18:11,13. Auf diese Weise tadelte Jesus die Heuchelei der Juden. Durch die Bilder vom unfruchtbaren Feigenbaum und von dem großen Abendmahl sagte er das verhängnisvolle Schicksal des unbußfertigen Volkes voraus. All denen, die seine freundliche Einladung zum Festmahl geringschätzig verworfen hatten, galten die Worte: „Ich sage euch, daß der Männer keiner, die geladen waren, mein Abendmahl schmecken wird." Lukas 14:24.

Sehr wertvoll waren die den Jüngern gegebenen Unterweisungen. Die Gleichnisse von der zudringlichen Witwe und von dem Freund, der zu mitternächtlicher Stunde um Brot bat, bekräftigten seine Worte: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan." Lukas 11:9. Oft wurde der schwankende Glaube der Jünger gestärkt, wenn sie sich der Worte Christi erinnerten: „Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen ihr Recht schaffen in Kürze." Lukas 18:7,8.

Jesus wiederholte auch das wunderbare Gleichnis vom verlorenen Schaf und führte dessen Bedeutung noch weiter aus in den Gleichnissen vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn. Die Jünger konnten diese kostbaren Unterweisungen ihres Meisters noch nicht völlig verstehen; aber nach der Ausgießung des Heiligen Geistes, als sie die Ernte der Heiden und den eifersüchtigen Zorn der Juden erlebten, verstanden sie die Lehre vom verlorenen Sohn besser. Nun konnten sie die Freude erfahren, die in den Worten liegt: „Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden." Lukas 15:32. Da sie in Jesu Namen hinausgingen und Schmach, Armut und Verfolgung auf sich nahmen, gewannen sie Kraft aus der tröstlichen Aufforderung Christi, die er auf seiner letzten Reise von Galiläa nach Jerusalem ausgesprochen hatte: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen Schatz, der nimmer abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb zukommt und den keine Motten fressen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein." Lukas 22:32-34.


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