Die ersten Evangelisten
Kapitel  37


Gemäß Matthäus 10; Markus 6:7-11; Lukas 9:1-6.

Die Apostel hatten als Angehörige des Jesuskreises ihren Herrn durch ganz Galiläa begleitet. Sie hatten alle Lasten und Schwierigkeiten, die über sie kamen, mit ihm geteilt. Sie hatten seinen Unterweisungen gelauscht. Sie waren mit dem Sohn Gottes gewandert und hatten sich mit ihm unterhalten. Aus seinen täglichen Belehrungen wußten sie auch, wie sie ihre künftige Aufgabe an der Menschheit erfüllen mußten. Sooft der Heiland die Bedürfnisse der Volksmenge, die sich um ihn versammelte hatte, stillte, waren die Jünger dabei und eifrig bemüht, dem Herrn bei der Erfüllung seiner schweren Aufgabe beizustehen. Sie ordneten das Volk, brachten die Kranken zum Heiland und sorgten für das allgemeine Wohl; sie beschäftigten sich mit der großen Schar der aufmerksamen Zuhörer, erklärten ihnen die heiligen Schriften und wirkten in verschiedener Weise für deren geistliches Wohl. Sie lehrten, was sie von Jesus gelernt hatten, und bereicherten täglich ihre Erfahrungen. Nur waren sie im Gebrauch der geistlichen Mittel noch nicht selbständig. Sie bedurften für ihre Arbeit, was Geduld und Sorgsamkeit betraf, noch mancher Unterweisung. Christus sandte sie deshalb als seine Stellvertreter hinaus, solange er noch persönlich bei ihnen war, sie auf ihre Fehler und Mängel aufmerksam machen und ihnen mit seinem weisen Rat zur Seite stehen konnte.

Die Jünger ließen sich durch die Lehren der Priester und Pharisäer oft in Verwirrung bringen. Solange sie mit Jesus zusammen waren, konnten sie ihm ihre Verlegenheit schildern, und er zeigte ihnen den Unterschied zwischen Schriftwahrheit und Überlieferung. Dadurch hatte er ihr Vertrauen auf Gottes Wort gestärkt und sie in hohem Maße von der Furcht vor den Rabbinern und von den Fesseln der Überlieferung frei gemacht. In der Erziehung der Jünger war das Beispiel des Lebens Jesu bedeutend wirkungsvoller als ein rein theoretischer Unterricht. Als sie von ihm getrennt waren, erinnerten sie sich an jeden Blick und an jedes seiner Worte. Wie oft wiederholten sie im Rededuell mit den Gegnern des Evangeliums diese Worte! Und wenn sie deren Wirkung auf das Volk sahen, waren sie hoch erfreut.

Jesus rief die Zwölf zu sich und gebot ihnen, zwei und zwei in die Städte und Dörfer zu gehen. Keiner wurde allein ausgesandt, sondern es ging Bruder mit Bruder, Freund mit Freund. So konnten sie einander helfen, ermutigen, raten und auch zusammen beten. Des einen Kraft vermochte die Schwäche des andern auszugleichen. So wurden später auch die Siebzig ausgesandt. Es war des Herrn Wille, daß die Evangeliumsboten in dieser Weise miteinander verbunden sein sollten; auch in unserer Zeit wäre die Evangeliumsarbeit viel erfolgreicher, wenn dieses Beispiel mehr beachtet würde.

Die Botschaft der Jünger war die gleiche, die auch Johannes der Täufer und der Heiland selbst verkündigt hatten: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!" Matthäus 3:2. Sie sollten nicht mit den Leuten darüber streiten, ob Jesus von Nazareth der Messias sei; sie sollten aber in seinem Namen die gleichen Werke tun, die er auch getan hatte. Er gebot ihnen: „Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt böse Geister aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch." Matthäus 10:8.

Jesus verwandte während seines Erdendienstes mehr Zeit auf die Heilung der Kranken als auf das Predigen. Seine Wundertaten bezeugten die Wahrheit seiner Worte, daß er nicht gekommen sei, zu verderben, sondern zu erretten! Seine Gerechtigkeit ging vor ihm her, und die Herrlichkeit des Vaters folgte ihm. Wohin er auch ging, die Kunde von seiner Barmherzigkeit eilte ihm voraus. Und wo er vorüber kam, spendete er neues Leben, Gesundheit und Freude. So sammelte sich das Volk um die Jünger, um aus ihrem Munde zu hören, was der Herr getan hatte. Jesu Stimme war für viele der erste Laut, den sie je gehört, sein Name das erste Wort, das sie je gesprochen, und sein Angesicht das erste, das sie je wahrgenommen hatten. Warum sollten sie Jesus nicht lieben und sein Lob verkündigen? Den Städten und Ortschaften, die er auf seinen Reisen berührte, war er gleich einem lebendigen Strom, der Leben und Freude auf seinem Wege verbreitet.

Christi Nachfolger sollen in gleicher Weise wirken. Wir sollen die Hungrigen speisen, die Nackten kleiden, die Leidenden und Bedrückten trösten, den Verzagten dienen und die Hoffnungslosen ermutigen; dann wird auch an uns die Verheißung erfüllt: „Deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deine Nachhut sein!" Jesaja 58,8 (Schlachter). Die Liebe Christi, die sich in selbstlosem Dienst offenbart, wird zur Besserung des Gottlosen wirkungsvoller sein als das Schwert oder das Gericht. Diese sind notwendig, um den Übertreter des Gesetzes zu schrecken; aber ein liebevoller Evangelist kann mehr ausrichten. Oft verhärtet sich das Herz unter einer Zurechtweisung, die Liebe Christi aber wird ein Herz erweichen. Der Missionar kann nicht nur in leiblichen Nöten helfen, er kann vor allem den Sünder zu dem großen Arzt führen, der die Seele von dem Aussatz der Sünde zu reinigen vermag. Es ist Gottes Wille, daß die Kranken, die Unglücklichen, die von bösen Geistern Besessenen seine Stimme durch seine Diener und Boten vernehmen sollen; er will durch menschliche Werkzeuge ein Tröster sein, wie die Welt keinen besseren kennt.

Die Jünger sollten auf ihrer ersten Missionsreise nur „zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel" (Matthäus 10:6) gehen. Hätten sie jetzt den Heiden oder den Samaritern das Evangelium gepredigt, dann würden sie ihren Einfluß bei den Juden verloren haben. Sie hätten das Vorurteil der Pharisäer erregt und würden sich selbst in Auseinandersetzungen verwickelt haben, so daß ihnen schon am Anfang ihrer Missionstätigkeit aller Mut genommen worden wäre. Selbst die Apostel konnten es kaum begreifen, daß das Evangelium allen Völkern gebracht werden mußte, und ehe sie diese Wahrheit nicht selbst fassen und verstehen konnten, waren sie nicht genügend vorbereitet, unter den Heiden zu wirken. Wenn die Juden das Evangelium annehmen würden, sollten sie nach Gottes Willen als seine Boten zu den Heiden ziehen. Deshalb wurde ihnen die Botschaft vom Reich als ersten gebracht.

Wo auch der Heiland wirkte, erkannten Menschen ihren bedürftigen Zustand und hungerten und dürsteten nach der Wahrheit. Die Zeit war gekommen, diesen verlangenden Seelen das Evangelium seiner Liebe zu verkündigen. Die Jünger als Jesu Stellvertreter sollten zu all diesen suchenden Menschen gehen. So würden die Gläubigen dahin gebracht werden, sie als göttliche verordnete Lehrer anzusehen, und, wenn der Heiland von ihnen ginge, nicht ohne Lehrer sein.

Auf dieser ersten Reise sollten die Jünger nur in die Ortschaften gehen, in denen Jesus schon gewesen war und sich dort Freunde erworben hatte. Die Vorbereitungen für die Reise sollten ganz einfach sein. Nichts durfte ihre Gedanken von der großen Aufgabe ablenken oder in irgendeiner Weise Widerspruch erregen oder gar die Tür zu weiterer Arbeit verschließen. Sie durften nicht das Gewand der Religionslehrer anlegen oder sich in ihrer Kleidung von den einfachen Landbewohnern unterscheiden. Sie sollten nicht in die Schulen gehen und das Volk zum öffentlichen Gottesdienst zusammenrufen; sie sollten ihre Arbeit von Haus zu Haus tun. Dabei durften sie die Zeit nicht mit unnützen Begrüßungen verschwenden oder von einer Familie zur andern gehen, um sich bewirten zu lassen. Aber an jedem Ort sollten sie die Gastfreundschaft derer annehmen, die es wert waren und die sie ebenso freundlich beherbergten, als ob sie den Herrn selbst zu Gast hätten. Mit dem schönen Gruß „Friede sei diesem Hause!" (Lukas 10:5) sollten sie jedes gastliche Haus betreten. Ein solches Heim würde durch ihre Gebete, ihre Lobgesänge und die Betrachtung der heiligen Schriften im Familienkreis gesegnet werden.

Diese Jünger sollten die Vorläufer der Wahrheit sein, um den Weg für das Kommen ihres Meisters zu bereiten. Ihre Botschaft war das Wort des ewigen Lebens, und das Schicksal der Menschen hing von der Annahme oder von der Verwerfung dieser Botschaft ab. Um deren feierlichen Ernst den Menschen nachdrücklicher vor Augen zu führen, gebot Jesus seinen Jüngern: „Wenn euch jemand nicht aufnehmen wird noch eure Rede hören, so geht heraus von jenem Hause oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich, ich sage euch: Dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher gehen am Tage des Gerichts als solcher Stadt." Matthäus 10:14,15.

Vor Jesu Blick erhellt sich die Zukunft; er sieht das große Missionsfeld, in dem seine Jünger einst für ihn zeugen werden; sein prophetisches Auge überblickt die Erfahrungen seiner Boten durch alle Zeiten hindurch bis zu seinem zweiten Kommen. Er zeigt seinen Nachfolgern die Kämpfe, denen sie entgegengehen; er offenbart ihnen den Plan und die Art des Streites, eröffnet ihnen die Gefahren, denen sie nicht entrinnen können, und sagt ihnen von der Selbstverleugnung, die man von ihnen fordern wird. Er gibt ihnen den Rat, alles gut zu bedenken, damit sie der Feind nicht unvorbereitet überfallen kann. Ihre „Ritterschaft" richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die „Mächtigen und Gewaltigen", gegen die „Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen", gegen die bösen Geister unter dem Himmel. (Epheser 6:12). Christi Nachfolger müssen gegen übernatürliche Mächte kämpfen, ihnen ist aber auch übermenschliche Hilfe zugesichert. Alle himmlischen Wesen gehören zu diesem Heer, und einer, der „um so viel größer geworden als die Engel, wie der Name, den er als Erbteil erhalten hat, den ihrigen überragt". (Hebräer 1:4, Menge). Der Heilige Geist, der Vertreter des Höchsten unter den Heerscharen des Herrn, kommt hernieder, um die Schlacht zu führen. Unsere Schwächen mögen zahlreich, unsere Sünden und Fehler schwer sein; die Gnade Gottes aber ist für alle vorhanden, die ihn von ganzem Herzen suchen. Die Kraft des Allmächtigen ist bei denen, die ihr Vertrauen auf Gott setzen.

„Siehe", sagte Jesus, „ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben." Matthäus 10:16. Er selbst hat nie ein Wort der Wahrheit zurückgehalten, es aber stets in Liebe gesprochen. Er bewies im Umgang mit Menschen das größte Zartgefühl und eine bedachtsame, freundliche Aufmerksamkeit; er gebrauchte nie grobe Ausdrücke, sprach nie unnötigerweise ein hartes Wort und bereitete selbst empfindsamen Herzen niemals unnötige Pein. Er tadelte keine menschlichen Schwächen. Furchtlos verurteilte er zwar Heuchelei, Unglauben und Bosheit, aber er konnte seine scharfen Zurechtweisungen nur mit tränenerstickter Stimme aussprechen. Er weinte über Jerusalem, über die Stadt, die er liebte, weil sie sich weigerte, ihn — den Weg, die Wahrheit und das Leben — anzunehmen. Obgleich sie ihn, den Heiland, verwarf, betrachtete er diese Stadt mit mitleidvoller Sorge, und der Kummer über ihr Schicksal quälte sein Herz. Jede Seele war in seinen Augen kostbar. Während er selbst mit göttlicher Würde auftrat, erwies er jedem Glied der Gottesfamilie liebevolle Achtung. In allen Menschen sah er gefallene Seelen, die zu retten er als seine Aufgabe betrachtete.

Christi Diener sollen nicht nach den Eingebungen ihres natürlichen Herzens handeln; sie bedürfen einer engen Gemeinschaft mit Gott, damit sich nicht in der Erregung das eigene Ich erhebt und Worte des Zorns ausstößt und dann nicht mehr dem Tau gleicht oder den sanften Regen, der die welken Pflanzen erfrischt. Das befriedigt Satan; denn das ist seine Art des Wirkens. Der Drache ist zornig, der Geist Satans äußert sich in Ärger und Beschuldigung. Gottes Diener aber sollen Gottes Stellvertreter sein; sie sollen nur in der Währung des Himmels austeilen, nämlich die Wahrheit, die sein Bild und Gepräge trägt. Die Kraft, durch die sie das Böse überwinden, ist die Kraft Christi; seine Herrlichkeit ist ihre Stärke. Sie müssen ihre Blicke auf seine Güte heften, dann können sie das Evangelium mit göttlichem Feingefühl und in entsprechender Sanftmut verkündigen. Der Geist, der auch bei Herausforderungen ruhig bleibt, wird für die Wahrheit überzeugender sprechen können, als es die eindringlichste Beweisführung vermag.

Alle, die in Auseinandersetzungen mit den Gegnern der Wahrheit verwickelt werden, haben nicht nur Menschen, sondern Satan und seinen Engeln zu widerstehen. Mögen sie sich dann der Worte Jesu erinnern: „Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe!" Lukas 10:3. Ruhen sie in der Liebe Gottes, wird ihr Gemüt selbst unter persönlichen Kränkungen friedlich bleiben. Der Herr wird sie mit einer göttlichen Waffenrüstung bekleiden, sein Geist wird Herz und Sinn beeinflussen, so daß ihre Stimmen nicht mehr wie Wolfsgebell sind.

Ferner unterwies Jesus seine Jünger: „Hütet euch aber vor den Menschen." Sie sollten denen, die Gott nicht kannten, weder blind vertrauen noch ihrem Rat folgen, denn dies würde den Werkzeugen Satans zum Vorteil gereichen. Menschliche Erfindungskraft arbeitet Gottes Plänen oft entgegen. Alle, die den Tempel des Herrn bauen, sollen es in Übereinstimmung mit dem Vorbild tun, das als göttliches Muster auf dem „Berg" gezeigt wurde. Gott wird entehrt und die Botschaft verraten, wenn seine Diener sich auf den Rat von Menschen stützen, die nicht unter der Führung des Heiligen Geistes stehen. Weltliche Weisheit ist Torheit bei Gott. Wer sich auf sie verläßt, wird dem Irrtum verfallen.

„Sie werden euch überantworten den Gerichten und ... euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis." Matthäus 10:17,18. Durch Verfolgung wird das Licht ausgebreitet. Die Boten des Evangeliums werden vor die Großen dieser Welt gebracht werden, die sonst wohl nie das Wort der Wahrheit hören würden; denn die Wahrheit war ihnen falsch dargelegt worden. Sie haben falsche Anklagen gegen die Diener Gottes und ihren Glauben gehört. Das Zeugnis derer, die um ihres Glaubens willen vor Gericht gebracht werden, ist häufig die einzige Gelegenheit für sie, die wahre Natur des Evangeliums kennenzulernen. Im Verhör müssen Jesu Jünger antworten, ihre Richter müssen dem abgelegten Zeugnis zuhören, und Gott wird seinen Kindern Gnade geben, dieser gefahrvollen Situation zu begegnen. Der Herr verheißt: „Es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet." Matthäus 10:19,20. Wenn der Geist Gottes das Verständnis seiner Diener erleuchtet, so daß sie die Wahrheit in ihrer göttlichen Macht und in ihrer ganzen Bedeutung verkündigen können, werden die Feinde der Wahrheit die Apostel anklagen und unterdrücken. Selbst bei Schaden und in großem Leid, ja noch im Tode sollen die Kinder Gottes die Sanftmut ihres göttlichen Vorbildes offenbaren. So zeigt sich der Unterschied zwischen Satans Werkzeugen und den Stellvertretern Christi, und so allein wird der Heiland vor Herrscher und Volk geehrt.

Die Jünger wurden nicht eher mit dem Bekennermut und der Festigkeit der Märtyrer ausgerüstet, bis solche Gnade notwendig war. Dann aber erfüllte sich das Versprechen des Herrn. Als Petrus und Johannes sich vor dem Hohen Rat verantworten mußten, „verwunderten sich" die Versammelten „und wußten auch von ihnen, daß sie mit Jesus gewesen waren". Apostelgeschichte 4:13. Von Stephanus steht geschrieben: „Sie sahen auf ihn alle, die im Rat saßen, und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht". Apostelgeschichte 6:15. Die Menschen „vermochten nicht, zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete". Apostelgeschichte 6:10. Und Paulus schreibt über sein eigenes Verhör am Hofe des Kaisers: „Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, auf daß durch mich die Verkündigung reichlich geschähe und alle Heiden sie hörten; so ward ich erlöst aus des Löwen Rachen." 2.Timotheus 4:16,17.

Christi Diener sollten keine Musterrede auswendig lernen, um sich mit ihr zu verteidigen; ihre Vorbereitung muß täglich getroffen werden, indem sie die köstlichen Wahrheiten des Wortes Gottes sammeln und ihren Glauben durch das Gebet stärken. Werden sie dann vor Gericht gestellt, so wird ihnen der Heilige Geist die Wahrheiten ins Gedächtnis zurückrufen, die notwendig sind.

Ein ernstes, tägliches Streben, Gott und Jesus Christus, den er gesandt hat, kennenzulernen, wird die Seele kraftvoll und leistungsfähig machen. Die durch fleißiges Forschen in der Schrift erworbene Kenntnis wird ihnen zur rechten Zeit bewußt werden. Wer es aber vernachlässigt, daß ihm die Worte Christi vertraut werden, wer nie die Kraft seiner Gnade in Schwierigkeiten an sich erfahren hat, kann nicht erwarten, daß der Heilige Geist ihm Gottes Wort in Erinnerung bringt. Wir müssen dem Herrn mit ungeteilter Liebe und mit ganzem Vertrauen täglich dienen.

Die Feindschaft gegen das Evangelium wird so heftig sein, daß selbst die zartesten irdischen Bande unbeachtet bleiben und Jünger Jesu von ihren eigenen Familienangehörigen dem Tod ausgeliefert werden. „Ihr werdet gehaßt sein von jedermann um meines Namens willen", sagte Jesus. Er fügte jedoch hinzu: „Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig." (Markus 13:13). Dennoch gebot er ihnen, sich nicht unnötigerweise Verfolgungen auszusetzen; er selbst wechselte oft das Arbeitsfeld, um denen zu entgehen, die ihm nach dem Leben trachteten. Als man ihn in Nazareth abwies und die Bewohner seiner Heimatstadt ihn töten wollten, ging er nach Kapernaum, wo seine Lehre die Menschen in Erstaunen setzte; „denn er predigte in Vollmacht". So sollen auch seine Diener durch Verfolgungen nicht entmutigt werden, sondern einen Ort aufsuchen, an dem sie für das Heil von Seelen wirken können.

Der Diener ist nicht größer als sein Meister! Der Fürst des Himmels wurde Beelzebub genannt, und seine Jünger werden ebenso falsch eingeschätzt werden. Welche Gefahr aber auch drohen mag, Christi Nachfolger müssen ihren Grundsätzen treu bleiben und jede Unaufrichtigkeit verachten. Sie dürfen auch nicht mit der Wahrheit zurückhalten, bis sie die Erlaubnis haben, sie ungehindert zu verkündigen. Sie sind als Wächter gesetzt, die Menschen vor der Gefahr zu warnen. Die Wahrheit, die sie von Christus empfingen, muß allen frei und offen bekannt werden. Jesus sagte: „Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Hausdächern." Matthäus 10:27.

Jesus selbst hat den Frieden nie durch Zugeständnisse erkauft. Sein Herz floß über von Liebe zu allen Menschen; aber er übersah dabei nie ihre Sündhaftigkeit. Er war zu sehr der Menschen wirklicher Freund, um schweigen zu können, wenn sie einen Weg gingen, der ihre Seelen in die Verdammnis führte; ihre Seelen, die er doch mit seinem Leben erkauft hatte. Er wirkte dahin, daß der Mensch nicht nur sich selbst, sondern auch seinen höheren, ewigen Zielen treu sein möchte. Die Diener des Evangeliums sind zu der gleichen Aufgabe berufen. Sie müssen sich hüten, um irgendeiner Uneinigkeit willen die Wahrheit zurückzusetzen. Sie sollen „dem nachstreben, was zum Frieden dient". (Römer 14:19). Der wahre Friede kann jedoch nie erreicht werden, indem man die Grundsätze der Wahrheit aufs Spiel setzt. Niemand kann aber auch seiner Überzeugung treu sein, ohne auf irgendeinen Widerstand zu stoßen. Einem geistlichen Christentum werden die Kinder des Ungehorsams widerstehen; aber Jesus gebot seinen Jüngern: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten." Matthäus 10:28. Wer treu zu Gott hält, braucht die Feindschaft der Menschen und die Macht Satans nicht zu fürchten. In Christus ist ihm das ewige Leben gewiß. Seine einzige Furcht sollte sein, von der Wahrheit abzuweichen und das Vertrauen zu enttäuschen, mit dem Gott ihn geehrt hat.

Der Teufel sucht die Menschenherzen mit Zweifel zu erfüllen und sie zu verleiten, Gott als einen strengen Richter anzusehen. Er verführt sie zur Sünde und veranlaßt dann, daß sie sich selbst für zu verderbt halten, um sich ihrem himmlischen Vater zu nähern oder sein Mitleid zu erwecken. Der Herr versteht alles. Jesus versichert seinen Jüngern, daß Gott ihre Bedürfnisse und Schwächen mitfühlt, daß kein Seufzer ausgestoßen, kein Schmerz empfunden wird, kein Kummer die Seele bedrückt, ohne daß sein Vaterherz dadurch berührt wird.

Die Heilige Schrift zeigt uns Gott in seiner erhabenen Höhe nicht untätig, nicht schweigend und einsam, sondern umgeben von tausendmal tausend und zehntausendmal zehntausend heiliger Wesen, die darauf warten, seinen Willen zu tun. Durch Kanäle, die wir nicht erkennen, steht er mit seinem ganzen Reich in lebendiger Verbindung; aber auf unserer kleinen Erde sind die Seelen, für die er seinen eingeborenen Sohn opferte, der Mittelpunkt seiner und des ganzen Himmels Teilnahme. Gott beugt sich von seinem Thron herab, um das Rufen der Unterdrückten zu hören; er antwortet auf jedes aufrichtige Gebet: „Hier bin ich!" Er richtet die Bedrückten und Erniedrigten auf. Leiden wir, so leidet er mit uns; werden wir versucht oder haben wir irgendwelche Schwierigkeiten, so ist ein Himmelsbote bereit, uns beizustehen.

Nicht einmal ein kleiner Sperling fällt auf die Erde, ohne daß Gott darauf achtet. Satans Groll gegen Gott verleitet ihn, alles zu hassen, was Christi Fürsorge genießt. Er trachtet danach, Gottes Schöpfungswerk zu verderben, und freut sich, sogar die stumme Kreatur zu vernichten. Nur durch Gottes schützende Vorsorge werden die Vögel erhalten, um uns durch ihren Gesang zu erfreuen. „Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge."

Jesus fuhr fort: „wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater." Matthäus 10:31,32. Ihr sollt meine Zeugen sein auf Erden; Werkzeuge, die meine Gnade verkünden zum Heil der Menschen! Und ich werde euer Vertreter sein im Himmel. Der Vater schaut dann nicht auf eure Fehlerhaftigkeit, sondern auf das Kleid meiner Vollkommenheit, mit dem ihr bekleidet seid. Ich bin der Mittler, durch den der Segen des Himmels auf euch kommen wird. Jeder, der mich bekennt, indem er sich einschließt in das große Erlösungswerk und daran teilnimmt, den werde ich auch bekennen, indem ich ihn zum Teilhaber der Herrlichkeit und Freude der Erlösten mache.

Wer Christus bekennen will, muß ihn ständig in sich tragen; er kann nichts mitteilen, was er nicht empfangen hat. Seine Nachfolger mögen seine Lehre in glänzender Beredsamkeit verkündigen, sie mögen mit den Worten des Heilandes arbeiten und ihn doch nicht bekennen, es sei denn, sie besitzen die Sanftmut und Liebe Christi. Ein Geist, der mit dem Geist Christi nicht übereinstimmt, verleugnet ihn, gleichviel welches Bekenntnis er ablegt. Christus verleugnen kann man durch üble Nachrede, törichtes Geschwätz sowie durch unaufrichtige und unfreundliche Worte. Man kann ihn dadurch verleugnen, daß man den Bürden des Lebens ausweicht und sündigen Vergnügungen nachgeht. Christus verleugnet ferner, wer sich der Welt anpaßt, sich unhöflich verhält, sich an seinen eigenen Ansichten berauscht, selbstgerecht ist, an Zweifeln festhält, sich unnötige Sorgen macht und sich trübsinnigen Gedanken hingibt. In all diesen Dingen beweist ein Mensch, daß Christus nicht in ihm ist. „Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater", sagt Christus.(Matthäus 10:33).

Der Heiland warnte seine Jünger vor der Hoffnung, daß die Feindschaft der Welt gegen das Evangelium überwunden werden und im Verlauf der Weltgeschichte jeder Kampf aufhören würde. Er sagte vielmehr: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Matthäus 10:34. Es ist nicht das Wirken des Evangeliums, das diesen Streit hervorruft, sondern dieser ist vielmehr die Folge des Widerstandes gegen sein Wirken. Von allen Verfolgungen ist die häusliche Uneinigkeit und die Entfremdung zwischen Freunden die schwerste. Doch der Heiland sagt: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist mein nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert." Matthäus 10:37,38.

Die Aufgabe der Diener Christi umschließt eine heilige Verpflichtung und ist eine große Ehre. „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf", sagte Jesus, „und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat." (Matthäus 10:40). Kein Liebesdienst, der ihnen im Namen Jesu erwiesen wird, soll unbeachtet oder unbelohnt bleiben. Die gleiche dankbare Anerkennung zollt er dem Schwächsten und Niedrigsten in der Familie Gottes, wenn er sagt: „Und wenn jemand einem dieser Geringen nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn gewiss nicht verlieren." Matthäus 10:42. Damit meinte der Heiland alle, die noch Kinder im Glauben und in der Erkenntnis sind.

Hiermit beschloß der Heiland seine Unterweisung. Die erwählten Zwölf gingen nun im Namen Christi hinaus, wie ihr Meister ausgezogen war, um „den Armen gute Botschaft zu bringen, den Gefangenen ihre Freilassung zu verkünden, den Blinden zu sagen, daß sie sehend werden, den Unterdrückten die Freiheit zu bringen - und ein Jahr der Gnade des Herrn auszurufen.". Lukas 4:18,19.


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