Dein König komme!
Kapitel  63


Gemäß Matthäus 21:1-11; Markus 11:1-10; Lukas 19:29-44; Johannes 12:12-19.

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin." Sacharja 9:9.

So beschrieb der Prophet Sacharja fünfhundert Jahre vor der Geburt Jesu das Kommen des Messias. Jetzt sollte sich diese Weissagung erfüllen. Er, der so lange die königlichen Ehren verweigert hatte, zog nun als der verheißene Erbe des Thrones König Davids in Jerusalem ein.

Am ersten Tag der Woche hielt Christus seinen Einzug in die Stadt. Die Volksmenge, die sich in Bethanien um den Herrn gesammelt hatte, begleitete ihn, neugierig auf seinen Empfang in Jerusalem. Viele Menschen befanden sich auf dem Wege nach der Hauptstadt, das Passahfest zu feiern, und diese schlossen sich der Menge an, die um Jesus war. Die ganze Schöpfung schien sich zu freuen. Die Bäume prangten in hellem Grün, und ihre Blüten verbreiteten einen köstlichen Duft. Frohes Leben überall, wohin man schaute. Die Hoffnung auf das neue Reich war wieder erwacht.

Jesus wollte in die Stadt reiten und sandte zwei Jünger voraus, ihm eine Eselin und ihr Füllen zu holen. Bei seiner Geburt war der Heiland auf die Gastfreundschaft Fremder angewiesen gewesen; denn die Krippe, in der er lag, war ein geborgter Ruheort. Auch jetzt war er, obgleich das Vieh auf den zahllosen Hügeln ihm gehörte, wieder von dem Entgegenkommen Fremder abhängig, um ein Tier zu bekommen, auf dem er als König in die Stadt einziehen konnte. Wieder offenbarte sich seine Gottheit, selbst in den genauen Anweisungen, die er seinen Jüngern für ihren Auftrag gab. Wie geweissagt, wurde die Bitte: „Der Herr bedarf ihrer" (Matthäus 21:3) bereitwillig gewährt. Jesus wählte zu seinem Gebrauch ein Füllen, auf dem noch niemand gesessen hatte. Die Jünger legten in froher Begeisterung Kleider auf das Tier und setzten ihren Herrn darauf. Vordem war Jesus stets zu Fuß gewandert, und die Jünger hatten sich anfangs gewundert, daß ihr Meister jetzt zu reiten wünschte. Bei dem freudigen Gedanken, daß er im Begriff sei, in die Hauptstadt einzuziehen, um sich zum König zu erheben und seine königliche Macht auszuüben, erfüllte Zuversicht ihre Herzen. Während sie ihren Auftrag ausführten, teilten sie den Freunden Jesu ihre glühenden Hoffnungen mit. Die Erregung griff um sich und steigerte die Erwartungen der Menge ins Ungemessene.

Jesus folgte dem jüdischen Brauch, der beim Einzug eines Königs üblich war. Wie einst die Könige Israels auf einem Esel ritten, so auch Jesus, und es war vorausgesagt worden, daß der Messias auf diese Weise in sein Reich kommen werde. Kaum saß Jesus auf dem Füllen, als lautes Jubelgeschrei die Luft zerriß. Die Menge begrüßte ihn als Messias, ihren König. Jesus nahm jetzt die Huldigung an, die er vorher niemals gestattet hatte, und die Jünger sahen darin den Beweis, daß ihre frohen Hoffnungen, ihren Herrn auf dem Thron Israels zu sehen, verwirklicht würden. Auch die Volksmenge war überzeugt, daß die Stunde ihrer Befreiung gekommen sei. Sie sah im Geiste die römischen Heere besiegt aus der Stadt getrieben und Israel wieder als eine unabhängige Nation. Alle waren froh erregt; sie wetteiferten miteinander, Jesus zu huldigen. Äußerliche Pracht und königlichen Prunk konnten sie zwar nicht entfalten, aber sie gaben ihm die Verehrung ihrer frohen Herzen. Sie konnten ihm keine kostbaren Geschenke überreichen, aber sie breiteten ihre Kleider wie einen Teppich auf seinen Pfad und streuten Olivenblätter und Palmzweige vor ihm her. Sie konnten dem Triumphzug keine Standarten voraustragen, aber sie schnitten die weitausladenden Palmzweige ab, die Zeichen des Sieges, und schwenkten sie unter Jubel und Hosiannarufen hin und her.

Im Weiterziehen nahm die Menge beständig zu durch Leute, die von dem Kommen Jesu gehört hatten und nun eilten, sich dem Zug anzuschließen. Immer mehr mischten sich unter die Schar und fragten: „Wer ist das denn?" Matthäus 21:10. Was bedeutete diese Erregung der Menge? Sie alle hatten schon von Jesus gehört und erwarteten, daß er sich in die Hauptstadt begeben würde; doch sie wußten auch, daß er bisher jeden Versuch, ihn zum König zu krönen, abgewiesen hatte, und sie waren deshalb höchst erstaunt, zu sehen, daß dieser Mann hier Jesus war. Sie fragten sich, was diese Sinnesänderung bewirkt haben könnte, da er doch erklärt hatte, daß sein Reich nicht von dieser Welt sei.

Ihre Fragen verstummten unter den lauten Triumphrufen. Wieder und wieder erhob sich der Jubel der begeisterten Menge, eilte Jesus weit voraus und hallte von den umliegenden Tälern und Höhen wider. Nun vereinigte sich der Zug mit den Menschen aus Jerusalem. Von den Scharen, die gekommen waren, das Passahfest zu besuchen, zogen Tausende heraus, den Heiland willkommen zu heißen. Sie grüßten ihn mit ihren wedelnden Palmzweigen und dem plötzlichen Aufsteigen frommer Gesänge. Die Priester im Tempel bliesen zur selben Zeit die Posaunen zum Abendgottesdienst, aber nur wenige Menschen folgten der Einladung. Die Obersten waren bestürzt und sprachen untereinander: „Alle Welt läuft ihm nach!" Johannes 12:19.

Nie zuvor hatte Jesus solche Kundgebungen erlaubt. Er sah die Folgen auch jetzt klar voraus; sie würden ihn ans Kreuz bringen. Doch es war seine Absicht, sich öffentlich als Erlöser zu zeigen. Er wollte die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Opfer lenken, das seine Aufgabe gegenüber der gefallenen Welt krönen sollte. Während das Volk sich in Jerusalem zusammenfand, um das Passahfest zu feiern, weihte er, das wahre Passahlamm, sich freiwillig als Opfergabe. Es wird für seine Gemeinde zu allen Zeiten nötig sein, über seinen Opfertod für die Sünden der Welt gründlich nachzudenken. Alles damit verbundene Geschehen sollte über jeden Zweifel erhaben sein. Es war erforderlich, daß die Augen des ganzen Volkes auf Jesus blickten; die Ereignisse, die seinem großen Opfer vorausgingen, mußten so sein, daß sie die Aufmerksamkeit auf das Opfer selbst lenkten. Nach einer solchen Demonstration, wie sie Jesu Einzug in Jerusalem begleitete, würden aller Augen den schnellen Ablauf der Schlußereignisse verfolgen.

Die mit diesem Triumphzug in Verbindung stehenden Ereignisse würden zum Inhalt aller Gespräche werden und jedem Menschen Jesus wieder ins Gedächtnis zurückrufen. Nach seiner Kreuzigung würden sich viele diese Ereignisse in ihrer Verbindung mit seinem Leiden und Sterben wieder in Erinnerung rufen und dadurch veranlaßt werden, in den Weissagungen der Heiligen Schriften zu forschen, und schließlich erkennen, daß Jesus der Messias war. In allen Landen würden dann die Bekenner des Glaubens vielfältig zunehmen.

Bei diesem einzigen Huldigungsgeschehen seines irdischen Lebens hätte der Heiland in Begleitung himmlischer Engel und unter dem Schall der Posaunen Gottes erscheinen können; eine solche Bekundung jedoch wäre seiner Aufgabe und dem Gesetz, unter dem sein Leben sich vollzog, zuwider gewesen. Er schickte sich in das bescheidene Dasein, das er auf sich genommen hatte. Er mußte die Last menschlicher Natur tragen, bis sein Leben für das Leben der Welt dahingegeben war.

Dieser Tag, der den Jüngern die Krönung ihres Lebens dünkte, wäre ihnen von trüben Wolken umschattet gewesen, hätten sie gewußt, daß jene Freudenszenen nur den Auftakt zu einem Leiden und Sterben ihres Meisters darstellten. Obgleich er ihnen wiederholt von seinem Opfergang erzählt hatte, vergaßen sie in dem herrlichen Triumph des Tages dennoch seine schmerzerfüllten Worte und dachten nur an seine glückverheißende Regierung auf dem Thron Davids.

Der Festzug vergrößerte sich ständig. Fast alle, die sich dem Zug anschlossen, wurden von den Wogen der Begeisterung mitgerissen und stimmten mit ein in die Hosiannarufe, die von den Bergen und aus den Tälern widerhallten: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!" Matthäus 21:9.

Noch nie hatte die Welt einen solchen Triumphzug gesehen. Kein irdischer Sieger hatte je einen ähnlichen Zug angeführt. Nicht trauernde Gefangene als Beute königlicher Tapferkeit waren das Besondere dieses Zuges, sondern den Heiland umgaben die herrlichen Zeugen seines Dienstes der Liebe für eine gefallene Menschheit. Es waren Gefangene der Sünde, die er aus der Gewalt Satans befreit hatte und die Gott für ihre Errettung priesen. Blinde, denen er das kostbare Augenlicht wiedergeschenkt hatte, schritten dem Zuge voran, und Stumme, deren Zunge Jesus gelöst hatte, jauchzten das lauteste Hosianna. Krüppel, die er geheilt hatte, sprangen vor Freude und waren die Eifrigsten beim Brechen und Schwenken der Palmzweige vor dem Heiland. Die Witwen und Waisen preisen den Namen Jesu für seine Barmherzigkeit, die er an ihnen getan hatte, und die Aussätzigen, die er gereinigt hatte, breiteten ihre unbefleckten Kleider auf seinen Weg und feierten ihn als König der Herrlichkeit! Es befanden sich auch jene in der Menge, die Jesu Stimme aus dem Todesschlaf erweckt hatte, und Lazarus, dessen Leib bereits in Verwesung übergegangen war und der sich nun der herrlichen Stärke seiner Mannhaftigkeit freute, führte das Tier, auf dem der Heiland ritt.

Viele Pharisäer waren Zeugen dieses Geschehens. Zornentbrannt und neiderfüllt versuchten sie den Strom der öffentlichen Stimmung zu lenken. Mit dem Gewicht ihrer Autorität wollten sie das Volk zum Schweigen bringen; doch alle Aufrufe und Drohungen ließen die Begeisterung nur noch zunehmen. Sie fürchteten, die Menge könnte in der Kraft ihrer Überlegenheit Jesus zum König ausrufen. Als einen letzten Ausweg drängten sie sich durch die Menge bis zum Heiland vor und sprachen ihn mit drohenden und tadelnden Worten an: „Meister, wehre doch deinen Jüngern!" Lukas 19:39. Sie erklärten, daß solche lärmenden Demonstrationen ungesetzlich seien und von den Behörden nicht erlaubt würden. Bei Jesu Antwort verstummten sie: „Ich sage euch: Wenn diese werden schweigen, so werden die Steine schreien." Lukas 19:40. Gott selbst hatte diesen Triumphzug seines Sohnes angeordnet; der Prophet hatte ihn vorhergesagt, und Menschen waren machtlos, Gottes Vorhaben zu durchkreuzen. Im Gegenteil, sie mußten alles tun, das göttliche Vorhaben auszuführen. Hätten die Menschen Gottes Plan nicht ausgeführt, so würde er die Steine zum Leben erweckt haben, und diese hätten dann den Sohn Gottes mit Jubelrufen begrüßt. Als sich die zum Schweigen gebrachten Pharisäer zurückzogen, ertönten aus dem Mund Hunderter Menschen die Worte Sacharjas: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin." Sacharja 9:9.

Als der Zug die Höhe eines Hügels erreicht hatte und nun in die Stadt hinabziehen wollte, verhielt Jesus seinen Schritt, und die Menge kam zum Stehen. Vor ihnen lag, in das Licht der untergehenden Sonne getaucht, Jerusalem in all seiner Herrlichkeit. Der Tempel zog alle Augen auf sich. In majestätischer Erhabenheit überragte er alle anderen Bauwerke und schien gen Himmel zu zeigen, als wollte er das Volk auf den einzig wahren und lebendigen Gott hinweisen. Seit langem war der Tempel der Stolz und der Ruhm des jüdischen Volkes, und selbst die Römer prahlten mit seiner Herrlichkeit. Ein von den Römern eingesetzter König hatte sich mit den Juden verbunden, um den Tempel wiederherzustellen und zu verschönern; der römische Kaiser selbst hatte ihn durch kostbare Gaben ausgezeichnet. Durch seine Ausdehnung, seinen Reichtum und seine große Pracht war er zu einem der Weltwunder geworden.

Die untergehende Sonne verfärbte und vergoldete den Himmel. In ihren Strahlen leuchtete der weiße Marmor der Tempelwände auf und glitzerten die goldbedeckten Säulen. Von der Höhe aus, wo Jesus und seine Jünger standen, erschien das massive Gebäude wie aus Schnee, besetzt mit goldenen Zinnen. Den Eingang des Tempels zierte ein Weinstock aus Gold und Silber mit grünen Blättern und schweren Trauben, geschaffen von den geschicktesten Künstlern. Dieses Werk stellte Israel als fruchtbaren Weinstock dar. Gold, Silber und lebendiges Grün waren von auserlesenem Geschmack und großer Kunstfertigkeit. Die Ranken wanden sich um die weißen, gleißenden Säulen und verbanden sich mit den goldenen Ornamenten. Auf ihnen spiegelte sich die sinkende Sonne in herrlichem Glanz, der vom Himmel zu stammen schien.

Der Heiland schaute nachdenklich auf dieses Bild; die gewaltige Volksmenge war verstummt, gebannt von dem unerwarteten Anblick solcher Schönheit. Alle Augen waren auf den Heiland gerichtet, und sie erwarteten auf seinem Antlitz die Bewunderung zu sehen, die sie selbst erfüllte. Statt dessen erblickten sie den Schatten tiefen Kummers. Sie waren überrascht und enttäuscht, seine Augen in Tränen zu sehen. Sein Körper schwankte leicht hin und her gleich einem Baum vor dem Sturm, während — wie aus den Tiefen eines gebrochenen Herzens — ein Schrei angstvollen Klagens von seinen zitternden Lippen kam. Welch ein Anblick für die Engel im Himmel, ihren geliebten Herrn so voller Kummer zu sehen! Welch Erleben auch für die frohe Menge, die ihn mit begeisterten Jubelrufen und mit wedelnden Palmzweigen im Triumph nach Jerusalem begleitete, wo er — wie sie sehnlichst hofften — seine Herrschaft aufrichten würde. Jesus hatte am Grabe des Lazarus geweint, aber es waren Tränen göttlichen Mitleids für das menschliche Weh gewesen. Doch dieser plötzliche Schmerz jetzt glich einem dumpfen Klagen inmitten eines großen Jubelchores. Inmitten der Freudenszene, da alle ihm huldigten, standen dem König Israels Tränen in den Augen. Es waren nicht stille Tränen der Freude, sondern Tränen und Seufzer eines inneren Ringens, das er nicht länger verbergen konnte. Die Menge überfiel plötzlich Düsternis; ihre Beifallsrufe verstummten. Viele weinten aus Mitgefühl mit einem Schmerz, den sie nicht begreifen konnten.

Jesus weinte nicht in Erwartung der auf ihn zukommenden Leiden. Dicht unter ihm lag Gethsemane, wo die Schrecken einer großen Finsternis ihn bald überschatten würden. Auch konnte er bereits das Schaftor sehen, durch das seit Jahrhunderten die Opfertiere geführt wurden. Dieses Tor sollte für ihn, das große Vorbild, auf dessen Opfer für die Sünden der Welt alle bisherigen Opfergaben hingewiesen hatten, bald geöffnet werden. Nicht weit davon lag Golgatha, der Schauplatz seines baldigen Todeskampfes. Dennoch war es nicht wegen dieser Hinweise auf seinen Kreuzestod, daß der Heiland weinte und schmerzvoll aufstöhnte. Nicht selbstsüchtiger Kummer bedrückte ihn. Der Gedanke an das eigene Leiden ließ seine edle, uneigennützige Seele nicht verzagen. Es war der Anblick Jerusalems, der Jesu Herz rührte. Jerusalem, das den Sohn Gottes verworfen und seine Liebe verachtet hatte, das sich weigerte, sich durch die machtvollen Wundertaten Jesu überzeugen zu lassen, und im Begriff war, ihn zu töten. Jesus erkannte, was die Stadt — in ihrer Schuld, ihren Erlöser zu verwerfen — war und was sie hätte sein können, wenn sie ihn, der allein ihre Wunden heilen konnte, angenommen hätte. Er war gekommen, Jerusalem zu retten; wie konnte er es preisgeben!?

Israel war ein bevorzugtes Volk gewesen; Gott hatte den Tempel der Juden zu seinem Wohnort erkoren. „In Schönheit ragt sein heiliger Berg empor, er ist die Freude des ganzen Landes." Psalm 48,3 (Bruns). Über tausend Jahre hatte Christi schützende Fürsorge und hingebungsvolle Liebe — einem Vater gleich gegenüber seinem einzigen Kind — dort gewaltet. In diesem Tempel hatten die Propheten des Herrn ihre warnenden Stimmen erschallen lassen. Hier war das brennende Rauchfaß geschwenkt worden, während der Weihrauch mit den Gebeten der Gläubigen zu Gott emporgestiegen war. Hier war das Blut der Opfertiere geflossen, das Jesu Sühneamt versinnbildete. Hier hatte der Ewige seine Herrlichkeit über dem Gnadenstuhl offenbart. Hier hatten die Priester ihres verordneten Amtes gewaltet, und die Pracht des Gottesdienstes hatte sich seit Jahrhunderten hier gezeigt. All dieses mußte nun ein Ende haben!

Jesus erhob seine Hand, die so oft Kranke und Leidende gesegnet hatte, gegen die dem Untergang geweihte Stadt und rief mit schmerzerfüllter Stimme: „Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zu deinem Frieden dient!" Lukas 19:42. Hier hielt der Heiland inne und ließ unausgesprochen, wie die Lage Jerusalems hätte sein können, wenn es die Hilfe angenommen hätte, die Gott anbot — die Gabe seines geliebten Sohnes. Würde Jerusalem erkannt haben, was es bevorzugt hätte erkennen können, und hätte es das Licht beachtet, das ihm vom Himmel gesandt wurde, dann wäre es hervorgetreten in der Blüte seines Wohlstandes, Königin aller Königreiche, frei dank der von Gott empfangenen Macht. Dann hätten keine bewaffneten Soldaten an seinen Toren gestanden, keine römischen Fahnen hätten von ihren Mauern geweht. Die herrliche Bestimmung, mit der Jerusalem durch die Annahme des Erlösers gesegnet worden wäre, stand dem Sohn Gottes vor Augen. Er sah, daß es durch ihn hätte von schwerer Krankheit geheilt, von Knechtschaft befreit und zur mächtigen Hauptstadt der Welt hätte erhoben werden können. Es wäre der Welt größte Kostbarkeit geworden.

Aber das herrliche Bild dessen, was Jerusalem hätte werden können, entschwand dem inneren Blickfeld des Heilandes. Ihm trat vor Augen, was es nun unter dem Joch der Römer war — dem Mißfallen Gottes und seinem strafenden Gericht unterworfen. Dann fuhr er in seiner Klage fort: „Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. Denn es werden über dich die Tage kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder einen Wall aufwerfen, dich belagern und an allen Orten ängstigen; und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit, darin du heimgesucht bist." Lukas 19:42-44.

Jesus kam, um Jerusalem zu retten; doch pharisäischer Stolz, Heuchelei, Eifersucht und Bosheit hinderten ihn an der Erfüllung seiner Aufgabe. Der Heiland kannte die furchtbare Vergeltung, die diese verurteilte Stadt heimsuchen würde. Er sah sie schon von Kriegsheeren eingeschlossen, die belagerten Einwohner dem Hunger und dem Tode preisgegeben; er sah Mütter ihre toten Kinder verzehren und Eltern und Kinder sich gegenseitig den letzten Bissen entreißen, da die natürliche Liebe durch den quälenden Hunger erstickt worden war. Er sah ferner, daß die Halsstarrigkeit, welche die Juden in der Verwerfung ihres Heils bekundet hatten, sie auch hindern würde, sich den anstürmenden Heeren zu ergeben. Er sah Golgatha, die Stätte, da er erhöht werden würde, mit Kreuzen bedeckt, so dicht wie die Bäume des Waldes; er sah die unglücklichen Einwohner auf der Folter und bei der Kreuzigung unerträgliche Qualen leiden; er sah die stolzen Paläste vernichtet, den Tempel in Trümmern und von seinen mächtigen Mauern keinen Stein auf dem andern liegen, während die Stadt einem umgepflügten Acker glich. Angesichts dieser Schrecknisse vermochte der Heiland seine Tränen nicht mehr zurückzuhalten!

Jerusalem war sein Sorgenkind gewesen. Wie ein liebevoller Vater über einen eigensinnigen Sohn trauert, so klagte Jesus über die geliebte Stadt. Wie kann ich dich aufgeben? Wie kann ich dich der Vernichtung ausgeliefert sehen? Muß ich dich aufgeben, damit du den Becher deiner Bosheit füllst?

Dem Herrn war eine einzige Seele so kostbar, daß im Vergleich mit ihr das ganze Weltall zur Bedeutungslosigkeit herabsank; und hier sah er ein ganzes Volk verlorengehen. Wenn sich die Strahlen der untergehenden Sonne am Horizont verlieren würden, wäre auch die Gnadenzeit Jerusalems zu Ende. Während der Zug auf der Höhe des Ölberges anhielt, war es für Jerusalem noch Zeit, Buße zu tun, obgleich der Engel der Barmherzigkeit seine ausgebreiteten Flügel bereits sinken ließ, um von dem goldenen Thron herabzusteigen und der Gerechtigkeit und dem göttlichen Gericht Raum zu geben. Doch noch bat Jesu liebevolles Herz für Jerusalem, das seine Gnadengaben verachtet, seine Warnungen geringgeschätzt hatte und deren Bewohner nun drauf und dran waren, ihre Hände mit seinem Blut zu beflecken. Wenn Jerusalem nur bereuen würde, es war noch nicht zu spät! Während die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf dem Tempel, dem Berg und den Zinnen lagen — ob nicht ein guter Engel in der Stadt die Liebe zum Heiland erwecken und so ihr Geschick abwenden würde? Schöne, aber unheilige Stadt, die die Propheten gesteinigt und den Sohn Gottes verworfen hatte, die sich durch ihre Unbußfertigkeit selbst die Fesseln der Knechtschaft schmiedete — ihre Gnadenfrist war bald vorüber.

Noch einmal wendet sich der Geist Gottes an Jerusalem. Bevor der Tag ganz dahingegangen ist, wird ein weiteres Zeugnis für Christus gegeben. Beachtet die Stadt diese göttliche Bestätigung, nimmt sie den Heiland auf, der sich anschickt durch ihre Tore die Stadt zu betreten, dann wird sie noch gerettet werden.

Die Obersten in Jerusalem haben die Nachricht erhalten, daß sich Jesus unter großem Zulauf des Volkes der Stadt nähere. Doch sie haben keinen Willkommensgruß für den Sohn Gottes. Sie gehen dem Herrn furchterfüllt entgegen und hoffen, die Menge zerstreuen zu können. Während der Zug sich anschickt, den Ölberg herabzusteigen, wird er von den Obersten aufgehalten. Sie erkundigen sich nach der Ursache der ungestümen Freude. „Wer ist das denn?" fragen sie. Und die Jünger, mit dem Geist göttlicher Eingebung erfüllt, antworten in beredten Worten, indem sie die Weissagungen auf Christus wiederholen:

Adam wird euch sagen: Er ist der Same des Weibes, welcher der Schlange den Kopf zertreten soll.

Fragt Abraham, er wird euch sagen: Er ist „Melchisedek, der König von Salem". 1.Mose 14:18.

Jakob wird euch antworten: Er ist der Held aus dem Stamme Juda.

Jesaja wird euch sagen: „Immanuel!" und: „Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst." Jesaja 7:14, Jesaja 9:5.

Jeremia wird euch sagen: Der Sproß Davids, „der Herr unsere Gerechtigkeit". Jeremia 23:6.

Daniel wird euch sagen: Er ist der Messias.

Hosea wird zu euch sagen: Er „ist der Gott Zebaoth, Herr ist sein Name". Hosea 12:6.

Johannes der Täufer wird euch sagen: Er ist „Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt". Johannes 1:29.

Gott selbst hat vom Himmel herab verkündigt: „Dies ist mein lieber Sohn." Matthäus 3:17.

Wir, seine Jünger, bekennen:  Dieser ist Jesus, der Messias, der Fürst des Lebens, der Erlöser der Welt!

Sogar der Fürst der Finsternis anerkennt ihn, indem er sagt: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes." Markus 1:24.


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