Das Licht des Lebens
Kapitel  51


Gemäß Johannes 8:12-59; Johannes 9.

"Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Johannes 8:12.

Als Jesus dies sagte, stand er im Vorhof des Tempels, dem in Verbindung mit dem Laubhüttenfest besondere Bedeutung zukam. Mitten im Vorhof ragten zwei stattliche Pfeiler auf, an denen große Lampen befestigt waren. Nach dem Abendopfer wurden alle diese Lampen angezündet, die dann ihr Licht über Jerusalem erstrahlen ließen. Dieser Festakt sollte an die Feuersäule erinnern, die Israel in der Wüste geleitet hatte, gleichzeitig aber auch auf den kommenden Messias hindeuten. Abends, wenn die Lampen angezündet wurden, war der Vorhof ein Ort großer Freudenkundgebungen. Grauhaarige Männer, nämlich die Tempelpriester und die Obersten des Volkes, fanden sich in festlichen Tänzen zu Instrumentalmusik und zum Gesang der Leviten.

Durch den Lichterglanz in Jerusalem drückte das Volk seine Hoffnung auf die Ankunft des Messias aus, der ebenfalls sein Licht über Israel erstrahlen lassen würde. Für Jesus besaß dieser Vorgang jedoch noch eine größere Bedeutung. Wie die Tempellampen ihr Licht in die Umgebung ausstrahlten, so wollte Christus, der geistliche Lichtquell, die Finsternis der Welt erhellen. Das Sinnbild war jedoch unvollkommen. Das gewaltige Licht, das er mit eigener Hand am Himmel geschaffen hatte, war eine bessere Darstellung der Herrlichkeit seiner Sendung.

Es war früh am Morgen; die Sonne war gerade über dem Ölberg aufgegangen. Blendend hell ergossen sich ihre Strahlen über die Marmorpaläste und ließen das Gold der Tempelmauern aufleuchten. Jesus wies darauf hin und sagte: „Ich bin das Licht der Welt."

Einer, der diese Worte hörte, gab sie lange Zeit später in dem herrlichen Schriftwort wieder: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen ... Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen." Johannes 1:4,5,9. Lange nach der Himmelfahrt Jesu bediente sich Petrus, vom Heiligen Geist erleuchtet, des Sinnbildes, das Christus verwendet hatte: „Wir haben desto fester das prophetische Wort, und ihr tut wohl, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen." 2.Petrus 1:19.

Immer, wenn Gott sich seinem Volk offenbarte, war das Licht ein Sinnbild seiner Gegenwart. Auf sein Schöpfungswort hin war zu Anbeginn das Licht aus der Finsternis hervorgebrochen. Licht war tagsüber in der Wolkensäule und nachts in der Feuersäule verhüllt und leitete so die großen Heerscharen Israels. Licht umloderte in schrecklicher Majestät den Herrn auf dem Berge Sinai. Licht lag über dem Gnadenstuhl in der Stiftshütte. Licht erfüllte auch den Tempel Salomos bei seiner Einweihung, und Licht erstrahlte auf den Hügeln Bethlehems, als die Engel den wachsamen Hirten die Erlösungsbotschaft verkündeten.

Gott ist Licht. Mit den Worten: „Ich bin das Licht der Welt" erklärte Christus sowohl sein Einssein mit Gott als auch seine Verwandtschaft mit allen Menschen. Er war es gewesen, der zu Anfang hatte „das Licht aus der Finsternis hervorleuchten" lassen. 2.Korinther 4:6. Von ihm erhalten auch Sonne, Mond und Sterne ihr Licht. Er war ferner das geistliche Licht, das sinnbildhaft im Tempeldienst wie in der Prophetie über Israel geleuchtet hatte. Doch dieses Licht war nicht nur den Juden geschenkt worden. Wie die Sonnenstrahlen in die fernsten Winkel hineinleuchten, so erstrahlt das Licht der Sonne der Gerechtigkeit für jeden Menschen.

"Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen." Johannes 1:9. Die Welt hatte ihre großen Lehrer. Diese Menschen mit gewaltigen Verstandeskräften haben Herrliches erforscht. Ihre Äußerungen regten das Nachdenken an und erschlossen weite Wissensgebiete. Ihnen allen wurde als Führer und Wohltäter der Menschheit Ehre erwiesen. Aber einen gibt es, der sie alle überragte. „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden ... Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt." Johannes 1:12,18. Wir können die Reihe der großen Lehrer der Welt so weit zurückverfolgen, wie menschliche Urkunden reichen: das Licht aber war vor ihnen da. Wie Mond und Sterne unseres Sonnensystems das Licht der Sonne zurückwerfen, so strahlen die großen Denker der Welt das Licht der Sonne der Gerechtigkeit wider, soweit ihre Lehren auf Wahrheit beruhen. Jeder glanzvolle Gedanke, jeder Geistesblitz entstammt dem „Licht der Welt". Heutzutage spricht man viel von „besserer Ausbildung". Die wahre „bessere Ausbildung" wird von dem erteilt, „in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis". Kolosser 2:3. „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen." Johannes 1:4. „Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben." Johannes 8:12.

Mit den Worten: „Ich bin das Licht der Welt" bekannte sich Jesus als Messias. Der alte Simeon hatte im Tempel, in dem Jesus soeben lehrte, von ihm als einem „Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Israel" gesprochen. Lukas 2:32. Mit diesen Worten hatte er eine Weissagung auf ihn bezogen, die in ganz Israel bekannt war. Durch den Propheten Jesaja hatte der Heilige Geist erklärt: „Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß du seist mein Heil bis an die Enden der Erde." Jesaja 49:6. Diese Weissagung wurde allgemein auf den Messias bezogen, und als Jesus nun sagte: „Ich bin das Licht der Welt", konnte das Volk nicht umhin, seinen Anspruch, der Verheißene zu sein, zu erkennen.

Die Pharisäer und Obersten des Volkes hielten diesen Anspruch allerdings für eine Anmaßung. Daß ein Mensch wie ihresgleichen so etwas von sich behauptete, konnten sie nicht dulden. Sie taten so, als hätten sie seine Worte nicht verstanden, und fragten ihn: „Wer bist du denn?" Johannes 8:25. Sie wollten damit erreichen, daß er sich selbst als Christus bezeichnete. Sein Aussehen aber und seine Taten wichen so sehr von den Erwartungen des Volkes ab, daß es ihn, wie seine listigen Feinde glaubten, als Betrüger zurückweisen würde, falls er sich ihm als der Messias vorstellte.

Auf ihre Frage: „Wer bist du denn?" antwortete Jesus: „Erstlich das, was ich euch eben sage!" Johannes 8:25. Was sich in seinen Worten offenbarte, das zeigte sich auch in seinem Wesen. Er verkörperte die Wahrheiten, die er lehrte. „Von mir selbst tue ich nichts", versicherte Jesus und fuhr fort: „Wie mich mein Vater gelehrt hat, solches rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er läßt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt." Johannes 8:28,29. Er unternahm keinen Versuch, seinen messianischen Anspruch zu beweisen, sondern unterstrich sein Einssein mit Gott. Wären die Herzen der Pharisäer der Liebe Gottes gegenüber aufgeschlossen gewesen, so hätten auch sie Jesus angenommen.

Viele seiner Zuhörer fühlten sich im Glauben zu ihm hingezogen. Zu diesen sagte er: „Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." Johannes 8:31,32.

Diese Worte brachten die Pharisäer auf. Daß das Volk lange Zeit unter Fremdherrschaft gestanden hatte, wurde von ihnen übersehen, und ärgerlich riefen sie: „Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knechte gewesen. Wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden?" Johannes 8:33. Jesus schaute diese Menschen an, die Sklaven der Bosheit waren und Rachegedanken hegten, und antwortete betrübt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tu, der ist der Sünde Knecht." Johannes 8:34. Sie waren der übelsten Knechtschaft verfallen — beherrscht vom Geist des Bösen.

Jeder Mensch, der sich dem Anspruch Gottes verweigert, wird von einer anderen Macht beherrscht. Er gehört nicht sich selber. Mag er auch von Freiheit reden, in Wirklichkeit lebt er doch in der erniedrigendsten Knechtschaft. Er darf den Glanz der Wahrheit nicht aufnehmen; denn der Teufel beherrscht seinen Geist. Vielleicht schmeichelt er sich damit, der eigenen Urteilskraft zu folgen, tatsächlich aber gehorcht er dem Willen des Fürsten der Finsternis. Christus kam, um die Seele von den Fesseln der Sündenknechtschaft zu erlösen. „Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei." Johannes 8:36. „Das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes." Römer 8:2.

Die Erlösung kann niemanden aufgezwungen werden. Keinerlei äußere Gewalt wird dazu angewandt. Unter dem Einfluß des Geistes Gottes steht es dem Menschen frei, selbst zu entscheiden, wem er dienen möchte. Die innere Wandlung als Folge davon, daß das Herz Christus übergeben wird, verbürgt die höchste Stufe der Freiheit. Die Austreibung der Sünde ist eine Tat des Herzens. Es trifft zu, wir können uns nicht aus eigener Kraft von der Herrschaft Satans befreien. Wenn wir aber von der Sünde frei werden wollen und in höchster Not nach einer Macht außer und über uns rufen, dann werden die Kräfte unseres Herzens von der göttlichen Macht des Heiligen Geistes so durchdrungen, daß sie den Willen Gottes als ihren eigenen erfüllen.

Die Freiheit des Menschen ist nur unter der einen Voraussetzung möglich, daß er mit Christus eins wird. „Die Wahrheit wird euch frei machen." Johannes 8:32. Christus ist diese Wahrheit. Die Sünde kann nur Erfolg haben, wenn sie den Geist schwächt und die Freiheit der Seele zerstört. Unterwirft man sich aber Gott, dann wird das eigentliche Selbst wiederhergestellt — die wahre Herrlichkeit und Würde des Menschen. Das göttliche Gesetz, von dem wir abhängig sind, ist das „Gesetz der Freiheit". Jakobus 2:12.

Die Pharisäer hatten sich selbst als Kinder Abrahams bezeichnet. Jesus sagte ihnen, daß sie diesen Anspruch nur aufrechterhalten könnten, wenn sie auch die Werke Abrahams täten. Wahre Kinder Abrahams lebten so wie Abraham — im Gehorsam gegenüber Gott, und sie trachteten nicht danach, den einen zu töten, der zu ihnen von der Wahrheit sprach, die Gott ihm geschenkt hatte. Die Rabbiner taten nicht die Werke Abrahams, als sie ein Komplott gegen Christus schmiedeten. Die bloße Abstammung von Abraham war wertlos. Ohne geistliche Verbindung mit ihm, die sich dadurch gezeigt hätte, daß sie den Geist Abrahams besitzen und seine Werke tun, waren sie nicht seine Kinder.

Dieser Grundsatz behält sein Gewicht auch für ein Problem, das lange die Christenheit beschäftigt hat — für das Problem der apostolischen Nachfolge. Für die Abstammung von Abraham entschieden weder Namen noch Stammbaum, sondern die Wesensgleichheit. Genauso beruht die apostolische Nachfolge nicht auf der Weitergabe kirchlicher Autorität, sondern auf der geistlichen Verwandtschaft. Ein Leben, das im Geiste der Apostel geführt wird, der Glaube und die Lehre, die sie verkündeten, sind der echte Beweis für die apostolische Nachfolge. Nur dadurch werden Menschen zu Nachfolgern der ersten Lehrer des Evangeliums.

Jesus sprach den Juden ab, Kinder Abrahams zu sein. Er sagte: „Ihr tut eures Vaters Werke." Voller Spott antworteten sie ihm: „Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater, Gott." Johannes 8:41. Diese Worte sollten auf die Umstände seiner Geburt anspielen und Christus in den Augen jener Menschen herabsetzen, die gerade anfingen, an ihn zu glauben. Jesus ging auf die üble Anspielung gar nicht ein, sondern erwiderte: „Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott." Johannes 8:42.

Ihre Taten bezeugten ihre Verwandtschaft mit dem, der ein Lügner und Mörder war. „Ihr habt den Teufel zum Vater", erklärte Jesus, „und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm ... Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht." Johannes 8:44,45. Die Tatsache, daß Jesus die Wahrheit mit innerer Überzeugung sagte, war der Grund dafür, daß ihn die Obersten der Juden nicht annahmen. Ausgerechnet die Wahrheit erzürnte diese selbstgerechten Männer. Sie legte deren Irrtümer und Trugschlüsse bloß und verurteilte ihre Lehren und ihr Handeln. Deshalb war sie nicht willkommen. Lieber verschlossen die jüdischen Führer die Augen vor der Wahrheit, als sich zu demütigen und ihren Irrtum einzugestehen. Sie liebten die Wahrheit nicht und hatten kein Verlangen nach ihr, eben weil es um die Wahrheit ging.

"Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht?" Johannes 8:46. Drei Jahre lang waren Christi Feinde ihm Tag für Tag nachgefolgt, um an ihm irgendeinen Charakterfehler zu entdecken. Satan hatte mit seinem ganzen bösen Gefolge danach getrachtet, Christus zu überwinden; sie hatten aber nichts an ihm entdeckt, das ihnen hätte das Gefühl geben können, ihm überlegen zu sein. Sogar die Teufel mußten eingestehen: „Wir wissen von dir, wer du bist: der Heilige Gottes!" Markus 1:24. Angesichts des Himmels, angesichts der nichtgefallenen Welten und angesichts der sündhaften Menschen lebte Jesus das Gesetz Gottes aus. Vor Engeln, Menschen und Dämonen hatte er — unangefochten — Worte gesprochen, die auf den Lippen anderer Menschen wie eine Lästerung gewirkt hätten: „Ich tue allezeit, was ihm [Gott] gefällt." Johannes 8:29.

Trotz der Tatsache, daß sie keine Sünde an Christus finden konnten, wollten ihn die Juden nicht annehmen und bestätigten dadurch, daß sie selbst keinerlei Verbindung mit Gott hatten. Sie erkannten nicht Gottes Stimme in der Botschaft seines Sohnes. Sie maßten sich an, Christus verurteilen zu können. Doch indem sie ihn verwarfen, verurteilten sie sich selbst. „Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte; darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott." Johannes 8:47.

Diese Lehre gilt für alle Zeiten. Manch einer, der seine Freude an Wortklauberei und Kritik hat oder etwas in Gottes Wort in Frage stellen möchte, meint, dadurch die Unabhängigkeit seines Denkens und seine Geistesschärfe unter Beweis zu stellen. Er wirft sich zum Richter über die Bibel auf und verurteilt sich dabei nur selber. Zugleich verrät er dadurch, daß er die Wahrheit, die ihren Ursprung im Himmel hat und die Ewigkeit umfaßt, nicht zu würdigen weiß. Angesichts der alles überragenden Gerechtigkeit Gottes empfindet er keine Ehrfurcht, sondern er beschäftigt sich mit Nebensächlichkeiten und offenbart damit eine kleinliche, irdische Gesinnung, ein Herz, das sehr bald die Fähigkeit verliert, Gott wahrzunehmen. Wer aber sein Herz beim Anklopfen Gottes auftut, der trachtet danach, seine Gotteserkenntnis zu vermehren und das eigene Wesen zu verfeinern und zu bessern. Wie sich eine Blume der Sonne zuwendet, damit deren helle Strahlen sie treffen und in Schönheit aufleuchten lassen, so wendet sich die Seele der „Sonne der Gerechtigkeit" zu, damit das Licht des Himmels die menschliche Natur veredele mit der Anmut des Charakters Jesu Christi.

Jesus fuhr fort und hob dabei den krassen Gegensatz hervor, der zwischen dem Verhalten der Juden und dem Verhalten Abrahams bestand: „Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich." Johannes 8:56.

Abraham hatte sehnlichst danach verlangt, den verheißenen Heiland zu schauen. Mit allem Ernst hatte er darum gebetet, noch vor seinem Tode den Messias sehen zu dürfen. Und er sah Christus. Ihm wurde eine übernatürliche Erkenntnis zuteil, und er begriff das göttliche Wesen Jesu. Er sah das Leben Christi vor sich und freute sich; denn er erhielt einen Einblick in das göttliche Sühnopfer für die Sünde. In seiner eigenen Erfahrung gab es eine Erläuterung für dieses Opfer. Ihm war befohlen worden: „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast ... und opfere ihn ... zum Brandopfer." 1.Mose 22:2. Auf den Opferaltar legte er den verheißenen Sohn, ihn, auf den sich alle seine Hoffnungen gründeten. Als er dann neben dem Altar mit erhobenem Messer stand, um Gott zu gehorchen, hörte er eine Stimme vom Himmel zu ihm sprechen: „Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen." 1.Mose 22:12. Diese schreckliche Heimsuchung wurde Abraham auferlegt, damit er den Tag Christi schauen und die große Liebe Gottes zur Welt verstehen könnte, eine Liebe, die so groß war, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in einen außerordentlich schmachvollen Tod dahingab, um die Welt vor dem Verderben zu retten.

Abraham lernte von Gott die wichtigste Lektion, die jemals einem Sterblichen zuteil wurde. Sein Gebet, Christus noch bei Lebzeiten schauen zu dürfen, fand Erhörung. Er sah Christus und all das, was ein Sterblicher sehen kann, ohne deswegen sterben zu müssen. Weil er sich völlig Gott ausgeliefert hatte, konnte er verstehen, was ihm von Christus offenbart wurde. Ihm wurde gezeigt, daß Gott durch die Dahingabe seines eingeborenen Sohnes zur Errettung der Sünder vom ewigen Tode ein größeres und bewundernswerteres Opfer brachte, als es je ein Mensch erbringen könnt.

Abrahams Erfahrung beantwortete die Frage: „Womit soll ich mich dem Herrn nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der Herr Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?" Micha 6:6,7. In Abrahams Worten: „Mein Sohn, Gott wird sich ein Schaf zum Brandopfer ersehen" (1.Mose 22:8) und in der Tatsache, daß Gott ein Opfer an Isaaks Statt beschaffte, wurde es deutlich, daß niemand für sich selbst Sühne leisten kann.  Das heidnische Opfersystem war für Gott gänzlich unannehmbar. Kein Vater sollte seinen Sohn oder seine Tochter als Sühnopfer darbringen. Nur der Sohn Gottes kann die Sünden der Welt tragen.

Auf Grund seines eigenen Leides war Abraham in der Lage, das Opfer Christi zu begreifen. Israel aber wollte nicht verstehen, was ihren stolzen Herzen so unwillkommen war. Christi Aussage über Abraham beeindruckte seine Zuhörer überhaupt nicht. Den Pharisäern bot sie lediglich einen weiteren Anlaß zu spitzfindigen Einwänden. Höhnisch antworteten sie ihm, als wäre er geistesgestört: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?" Johannes 8:57.

Mit feierlichem Ernst antwortete Jesus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich." Johannes 8:58.

Schweigen ergriff die große Versammlung. Den Namen Gottes, der Mose offenbart worden war, um den Gedanken der ewigen Gegenwart auszudrücken, hatte dieser Rabbi aus Galiläa als seinen eigenen beansprucht. Er hatte behauptet, jener eine zu sein, der aus sich selbst existieren kann, jener, der Israel verheißen worden war und „dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist". Micha 5:1.

Wieder beschwerten sich die Priester und Rabbiner über Jesus, den sie einen Lästerer schimpften. Sein Anspruch, mit Gott eins zu sein, hatte sie schon vorher dazu aufgestachelt, ihm nach dem Leben zu trachten, und einige Monate später sprachen sie es offen aus: „Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen und weil du als ein Mensch dich selber zu Gott machst." Johannes 10:33. Weil er der Sohn Gottes war und sich auch dazu bekannte, wollten sie ihn vernichten. Jetzt hoben viele derer, die die Partei der Priester und Rabbiner ergriffen hatten, Steine auf, um ihn zu steinigen. „Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus." Johannes 8:59.

Das Licht schien in der Finsternis, „und die Finsternis hat's nicht ergriffen". Johannes 1:5.

"Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt, noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm ... Da er solches gesagt, spie er auf die Erde und machte einen Brei aus dem Speichel und legte den Brei auf des Blinden Augen und sprach zu ihm: Gehe hin zu dem Teich Siloah, das ist verdolmetscht: gesandt, und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend." Johannes 9:1-3,6,7.

Die Juden glaubten ganz allgemein, daß die Sünde bereits in diesem Leben bestraft würde. In jeder Heimsuchung erblickten sie die Strafe für eine Übeltat, die der Leidende oder seine Eltern begangen hatten. Gewiß, alles Leiden stammt aus der Übertretung des göttlichen Gesetzes. Diese Wahrheit war jedoch verfälscht worden. Satan, der Urheber der Sünde mit all ihren Folgen, hatte die Menschen dazu gebracht, Krankheit und Tod als Maßnahmen Gottes zu sehen, als Strafe, die willkürlich wegen der Sünde verhängt wurde. Von daher kam es, daß jemand, der Kummer hatte oder im Unglück steckte, noch unter der zusätzlichen Belastung stand, als großer Sünder zu gelten.

So wurde der Weg für die Verwerfung Jesu durch die Juden vorbereitet: „Er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen." Doch gerade deshalb hielten ihn die Juden „für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre", und sie verbargen ihr Angesicht vor ihm. Jesaja 53:4,3.

Gott hatte zwar eine Lehre erteilt, die gerade das verhindern sollte. Hiobs Leben zeigte, daß Satan Leiden verhängt, die Gott aus Gnaden außer Kraft setzt. Israel verstand jedoch die Lektion nicht. Den gleichen Irrtum, den Gott bei den Freunden Hiobs schon getadelt hatte, wiederholten nun die Juden, als sie Christus verwarfen.

Auch die Jünger teilten den Glauben der Juden über die Beziehung von Sünde und Leiden. Als Jesus ihren Irrtum berichtigte, sagte er ihnen jedoch nichts über die Ursache der Heimsuchung des Mannes, sondern verwies sie auf das Ergebnis: Es sollten „die Werke Gottes offenbar werden". Johannes 9:3. Jesus stellte fest: „Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt." Johannes 9:5. Als er dann die Augen des Blinden mit einem Brei belegt hatte, schickte er ihn zum Teich Siloah, um sich dort zu waschen. Danach konnte der Blinde wieder sehen. Durch dieses Geschehen beantwortete Jesus die Frage seiner Jünger, wie er es im allgemeinen tat, wenn ihm Fragen aus purer Neugier vorgelegt wurden. Die Jünger sollten sich nicht über das Problem streiten, wer gesündigt oder nicht gesündigt hatte, sie sollten vielmehr die Allmacht und Gnade Gottes begreifen, die dem Blinden das Augenlicht wiedergab. Es lag klar auf der Hand, daß weder der Lehmbrei noch der Teich, in dem sich der Blinde gewaschen hatte, Heilkräfte besaßen, sondern allein Christus.

Die Pharisäer konnten nicht umhin, sich über diese Heilung zu wundern. Doch mehr als zuvor waren sie von Haß erfüllt; denn das Wunder war an einem Sabbat geschehen.

Die Nachbarn des jungen Mannes und alle, die ihn als Blinden gekannt hatten, sagten nun: „Ist dieser nicht, der dasaß und bettelte?" Johannes 9:8. Zweifelnd schauten sie ihn an; denn nachdem seine Augen geöffnet waren, sah sein Gesicht ganz anders aus als vorher: Es strahlte, und er schien ein anderer Mensch zu sein. Die Frage ging reihum. Einige meinten: „Er ist's", andere wieder: „Nein, aber er ist ihm ähnlich." Er selbst aber, dem dieser große Segen zuteil geworden war, löste das Problem mit dem Bekenntnis: „Ich bin's." Johannes 9:9. Er erzählte ihnen dann von Jesus und wie dieser ihn geheilt hatte. Darauf fragten sie: „Wo ist er? Er sprach: Ich weiß nicht." Johannes 9:12.

Dann führten sie ihn vor einen Ausschuß der Pharisäer. Wieder wurde er ausgefragt, auf welche Weise er seine Sehkraft wiedererlangt habe. Er erwiderte: „Einen Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend." Da behaupteten einige Pharisäer. „Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er nicht den Sabbat hält." Johannes 9:15,16. Die Pharisäer hofften, Jesus zu einem Sünder stempeln zu können, denn dann wäre er bestimmt nicht der Messias. Sie ahnten nicht, daß er, der den Blinden geheilt hatte, der Stifter des Sabbats war und dessen Ansprüche genau kannte. Sie selbst legten einen bemerkenswerten Eifer für die Heiligung des Sabbats an den Tag und planten ausgerechnet an diesem Tag einen Mord. Viele andere aber waren zutiefst bewegt, als sie von dem Heilungswunder erfuhren, und sie waren überzeugt, daß der Mann, der dem Blinden das Augenlicht geschenkt hatte, mehr war als ein sterblicher Mensch. Ihre Antwort auf den Vorwurf, daß Jesus ein Sünder sei, weil er den Sabbat nicht hielte, lautete: „Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?" Johannes 9:15,16.

Wieder wandten sich die Rabbiner an den Blinden: „Was sagst du von ihm, daß er deine Augen aufgetan hat? Er aber sprach: Er ist ein Prophet." Johannes 9:17. Die Pharisäer behaupteten daraufhin, der Geheilte sei gar nicht blind geboren worden und habe daher auch nicht sein Augenlicht wiedererhalten können. Sie holten seine Eltern herbei und fragten: „Ist das euer Sohn, von welchem ihr sagt, er sei blind geboren?" Johannes 9:19.

Da hatte nun der Mann selber erklärt, daß er blind gewesen und sehend geworden sei; doch die Pharisäer wollten lieber ihre eigenen Sinne Lügen strafen, statt ihren Irrtum einzugestehen. So mächtig ist ein Vorurteil, so entstellt ist pharisäische Gerechtigkeit.

Den Pharisäern war noch die eine Hoffnung geblieben, die Eltern jenes Mannes einzuschüchtern. Scheinbar aufrichtig fragten sie: „Wie ist er denn nun sehend?" Johannes 9:19. Die Eltern fürchteten, sich zu gefährden; denn es war erklärt worden, daß jeder, der Jesus „als den Christus bekannte, der sollte in den Bann getan werden". Johannes 9:22. Er sollte für dreißig Tage aus der Synagogengemeinschaft ausgeschlossen sein. Während dieser Zeit durfte im Heim des Missetäters kein Kind beschnitten und kein Toter beklagt werden. Dieser Urteilsspruch galt als großes Unglück. Auf ihn folgte, wenn er nicht zur Reue führte, eine weit schwerere Strafe. Die große Segenstat, die ihrem Sohn widerfahren war, hatte die Eltern zwar überzeugt, dennoch antworteten sie: „Wir wissen, daß dieser unser Sohn ist und daß er blind geboren ist. Wie er aber nun sehend ist, wissen wir nicht; oder wer ihm hat seine Augen aufgetan, wissen wir auch nicht. Er ist alt genug, fragt ihn, laßt ihn selbst für sich reden." Johannes 9:20,21. Auf diese Weise entledigten sie sich der Verantwortung und schoben sie ihrem Sohn zu; denn sie wagten es nicht, sich zu Christus zu bekennen.

Das Dilemma, in dem sich die Pharisäer befanden, ihre Fragen und Vorurteile sowie ihr Unglaube gegenüber den Tatsachen öffneten der Masse und besonders den einfachen Leuten die Augen. Jesus hatte seine Wunder häufig auf offener Straße gewirkt und dabei stets Leiden gelindert. Die Frage vieler lautete: Würde Gott so mächtige Taten durch einen Betrüger vollbringen, als den die Pharisäer Jesus bezeichneten? Der Streit nahm auf beiden Seiten an Heftigkeit zu.

Die Pharisäer merkten, daß sie Jesu Wirken der Öffentlichkeit bekanntmachten. Sie konnten das Wunder ja nicht einfach leugnen. Der Blinde war voller Freude und Dankbarkeit. Er bestaunte die wunderbaren Dinge in der Natur und war über die Schönheit des Himmels und der Erde entzückt. Freimütig erzählte er von seinem Erlebnis und wieder versuchten sie, ihn zum Schweigen zu bringen mit den Worten: „Gib Gott die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist." Johannes 9:24. Das sollte heißen: Behaupte nicht noch einmal, daß dich dieser Mann sehend machte. Das war Gottes Werk!

Der Blinde antwortete: „Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eines aber weiß ich wohl: daß ich blind war und bin nun sehend." Johannes 9:25.

Darauf fragten sie ihn erneut: „Was tat er dir? Wie tat er deine Augen auf?" Johannes 9:26. Mit vielen Worten versuchten sie ihn zu verwirren, so daß er selbst denken sollte, getäuscht worden zu sein. Der Teufel und seine bösen Engel standen den Pharisäern zur Seite. Sie vereinten ihre Kraft und Schläue mit der Vernunft der Menschen, um dem Einfluß Christi entgegenzuwirken. So schwächten sie die zustimmende Meinung, die viele bereits gewonnen hatten. Aber auch die Engel Gottes waren auf dem Plane, um den Mann zu stärken, dessen Augenlicht wiederhergestellt worden war.

Die Pharisäer waren sich nicht darüber im klaren, daß sie es noch mit jemand anderem zu tun hatten als nur mit dem ungebildeten Blindgeborenen. Sie kannten den nicht, mit dem sie sich in einen Streit eingelassen hatten; denn göttliches Licht erleuchtete die Seele des Blindgeborenen. Als diese Heuchler ihn zum Unglauben verführen wollten, half ihm Gott, ihnen durch die Kraft und den Scharfsinn seiner Antwort zu zeigen, daß man ihn nicht einfach umgarnen konnte: „Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt's nicht gehört! Was wollt ihr's abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden? Da schmähten sie ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind des Mose Jünger. Wir wissen, daß Gott mit Mose geredet hat; woher aber dieser ist, wissen wir nicht." Johannes 9:27-29.

Der Herr Jesus kannte die Prüfung, durch die dieser Mann gehen mußte. Deshalb verlieh er ihm Gnade und Ausdruckskraft, ein Zeuge für Christus sein zu können. Daher antwortete der Blindgeborene den Pharisäern mit Worten, die eine schneidende Zurückweisung der Fragesteller waren. Sie erhoben den Anspruch, Ausleger der heiligen Schriften und religiöse Führer ihres Volkes zu sein. Jetzt aber war jemand da, der Wunder wirkte, und sie mußten zugeben, daß sie die Kraftquelle, aus der er schöpfte, seinen Charakter und seinen Anspruch nicht kannten. Der Blindgeborene antwortete: „Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht wisset, woher er ist, und er hat meine Augen aufgetan. Wir wissen, daß Gott die Sünder nicht hört; sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und tut seinen Willen, den hört er. Vom Anbeginn der Welt hat man nicht gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan habe. Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun." Johannes 9:30-33.

Der Mann hatte seine Inquisitoren auf ihrem eigenen Felde geschlagen, und sie kamen gegen seine Beweismittel nicht auf. Die Pharisäer wunderten sich und schwiegen, gebannt von den scharfsinnigen und entschlossenen Worten. Einige Augenblicke herrschte Ruhe. Dann aber rafften die finster dreinschauenden Priester und Rabbiner ihre Gewänder zusammen, als könnten sie sich durch eine Berührung mit ihm anstecken, schüttelten den Staub von ihren Füßen und schleuderten ihm die Anklage entgegen: „Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns?" Und sie stießen ihn hinaus. Johannes 9:34.

Jesus erfuhr, wie jenem Manne mitgespielt worden war, und er sagte zu ihm, als er bald darauf mit ihm zusammentraf: „Glaubst du an des Menschen Sohn?" Johannes 9:35.

Zum erstenmal blickte der Geheilte in das Gesicht seines Heilandes. Vor dem Ausschuß hatte er seine bekümmerten und verwirrten Eltern gesehen und in die finsteren Gesichter der Rabbiner geschaut; jetzt aber ruhte sein Blick auf dem gütigen und friedvollen Gesicht Jesu. Er hatte ihn bereits, sehr zu seinem Nachteil, als einen Vertreter der Macht Gottes anerkannt, jetzt aber wurde ihm eine noch höhere Offenbarung zuteil. Als ihn der Heiland fragte: „Glaubst du an des Menschen Sohn?" antwortete der Blindgeborne mit der Gegenfrage: „Herr, wer ist's? auf daß ich an ihn glaube." Jesus antwortete darauf: „Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist's." Johannes 9:36.37. Da warf sich der Mann dem Heiland zu Füßen und betete ihn an. Nicht nur hatte er seine natürliche Sehkraft erlangt, auch sein geistliches Verständnis hatte sich entfaltet. Christus war seinem Herzen offenbart worden, und er nahm ihn als den von Gott Gesandten an.

Eine Gruppe Pharisäer hatte sich in der Nähe versammelt. Als Jesus sie sah, kam ihm die gegensätzliche Wirkung, die seine Worte und Werke hervorriefen, zum Bewußtsein. Er sagte ihnen: „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden." Johannes 9:39. Christus war erschienen, um die Augen der Blinden aufzutun und denen Licht zu schenken, die in der Finsternis weilten. Er hatte sich selbst als das Licht der Welt bezeichnet, und das Wunder, das er soeben gewirkt hatte, bestätigte seine Sendung. Das Volk, das den Heiland bei seiner Ankunft gesehen hatte, empfing eine vollkommenere Offenbarung der Gegenwart Gottes, als sie der Welt je zuvor zuteil geworden war. Die Erkenntnis Gottes wurde umfassender. Doch gerade mit dieser Offenbarung kam das Gericht über die Menschen. Ihr Wesen wurde geprüft und ihr Schicksal entschieden.

Die Offenbarung der göttlichen Macht, die dem Blinden das natürliche und das geistliche Augenlicht geschenkt hatte, ließ die Pharisäer in noch tieferer Finsternis zurück. Einige seiner Zuhörer, die spürten, daß sich Jesu Worte auf sie bezogen, fragten ihn: „Sind wir denn auch blind?" Jesus antwortete ihnen: „Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde." Johannes 9:40,41. Mit anderen Worten: Hätte Gott es euch unmöglich gemacht, die Wahrheit zu erkennen, dann hättet ihr keine Schuld. Nun aber sprecht ihr: „Wir sind sehend." Ihr glaubt, selber sehen zu können, und weist das einzige Mittel zurück, durch das ihr Licht erhalten könntet. Allen, die sich ihrer Not bewußt wurden, brachte Christus unbegrenzte Hilfe. Die Pharisäer wollten ihre Not jedoch nicht eingestehen. Sie weigerten sich, zu Christus zu kommen, und blieben deshalb blind. An dieser Blindheit waren sie selbst schuld. Jesus sagte deshalb zu ihnen: Eure Sünde bleibt! Johannes 9:41.


[vorheriges Kapitel] [Inhaltsverzeichnis] [nächstes Kapitel]


 

Übersicht - Hauptseite
 


[ der große kosmische Konflikt ]  [ inneren Frieden finden ]
[
Universalsystem der erzwungenen Anbetung ]
[
ist die Jungfrau Maria tot oder lebt sie? ]
[
bevor wir in den Himmel kommen ]
[
das Leben Jesu ]
 

Worum geht es denn im herkömmlichen Christentum?
 

Wie wird das denn weitergehen?
 

Es ist wohl kaum möglich die Böswilligkeit und das Übel in dieser Welt
zu erfassen ohne dieses Buch gelesen zu haben - download.:

von Babylon nach Rom

 

Wer weiß denn mit Gewißheit was das Malzeichen ist?
 

Empfohlene Links zum Englischen Bereich dieser Domäne
[
Cosmic Conflict]  [Universal System of forced Worship]  [Principles and Doctrines]
[the other Godhead] [Health Care without Prescription Drugs] [finding Peace within]
[godhead of Nicea[is the Virgin Mary dead or alive]  [invitation to Bible Studies]
[
High Points of the New Age] [Love & Passion of Christ] [New Age Adventures]
[is there Death after Life]
[Healthful Living] [early writings of  Ellen G. White]
[True Protestantism is dying because?]
[Truth and Spiritual Knowledge]
[
New Age Bible Versions ]
[ What happened 508 CE? ]
[ bibles with less about Jesus ] [ global power elite ]
 

Unterstützen Sie bitte diese Website

 


 

[ wichtige Erkenntnisse für die Zeit in der wir leben ]

[ wehe dem, der mehr wissen will, als erlaubt ist ]

[ es verlangt Mut diese Dinge zu untersuchen ]

Was der Spatz mit der Spätzin macht     Max & Moritz
.