Das Gebetprivileg


11. Kapitel

Verborgene Schätze

Gott redet zu uns durch die Natur, durch die Offenbarung seines Wortes, durch seine Vorsehung, wie durch das Walten seines Geistes. Dies ist jedoch nicht genügend; wir müssen ihm auch unsere Herzen ausschütten. Um rechtes geistliches Leben zu besitzen, müssen wir in tatsächlicher Verbindung mit unserem himmlischen Vater stehen. Mögen auch unsere Herzen sich zu ihm hingezogen fühlen, mögen wir auch seine Werke, seine Barmherzigkeit und seine Segnungen vor Augen haben und dieselben bewundern, so heißt das doch noch nicht im vollsten Sinne des Wortes, mit ihm in enger Gemeinschaft zu stehen. Um mit Gott im Verkehr zu sein, müssen wir ihn in den Angelegenheiten unseres alltäglichen Lebens zu Rate ziehen.

Im Gebet öffnen wir Gott unsere Herzen, gleichwie einem Freunde, nicht als sei es notwendig, Gott zu sagen, was wir sind und was wir bedürfen, sondern damit es uns möglich wird, ihn in unseren Herzen aufzunehmen. Das Gebet bringt Gott nicht zu uns, sondern uns zu ihm.

Als Christus auf Erden wandelte, lehrte er seine Jünger, wie man recht beten müsse. Er unterwies sie, ihre täglichen Bedürfnisse vor Gott zu bringen und alle ihre Sorgen auf ihn zu werfen. Die Verheißung, daß er ihre Bitten und Gebete erhören wolle, ist auch eine gewisse Verheißung für uns.

Jesus selbst betete oft, während er unter den Menschen wandelte. Unser Heiland nahm unsere Not und unsere Schwächen auf sich, und um für seine Lebensaufgabe die rechte Stärke zu empfangen, erflehte er inbrünstig von seinem himmlischen Vater Unterstützung und Hilfe. Er ist uns in allen Dingen ein Vorbild, er wurde uns ein Bruder in unserer Schwachheit, „der versucht ist allenthalben, gleichwie wir," aber als der Sündlose schreckte er zurück von dem Bösen und erduldete Pein und Seelenschmerz in der sündhaften Welt. Seine Menschlichkeit bedingte die Notwendigkeit und das hohe Vorrecht des Gebets. Im Umgang mit seinem Vater empfand er Trost und Freude. Wenn nun der Erlöser der Menschheit, der Sohn Gottes, die Notwendigkeit des Gebets empfand, wie viel mehr sollten wir schwache und sündige Menschen es erkennen, daß wir innig und beständig zu Gott beten müssen!

Unser himmlischer Vater wartet darauf, die Fülle seiner Segnungen über uns zu ergießen. Es ist unser Vorrecht, unaufhörlich aus dem Brunnen unbegrenzter Liebe zu schöpfen und zu trinken. Ist es nicht fast ein Wunder, daß wir so wenig beten? Gott ist stets bereit und willens, das aufrichtige Gebet seiner geringsten Kinder zu erhören, und doch offenbaren wir so viel Abneigung, Gott unsere Bedürfnisse vorzutragen. Was mögen die Engel des Himmels beim Anblick der armen, hilflosen, der Versuchung unterworfenen Menschheit denken, wenn Gottes Herz in seiner unendlichen Liebe nach ihnen sucht, stets bereit, ihnen über Bitten und Verstehen zu geben, - und trotzdem beten sie so wenig und haben so wenig Glauben. Es ist die Freude der Engel, Gott zu dienen, es ist ihre Wonne, in seiner Nähe zu weilen. Ihre höchste Freude ist es, mit Gott in inniger Gemeinschaft zu stehen; - aber die Kinder dieser Welt, welche doch der Hilfe so sehr bedürfen, die Gott allein geben kann, scheinen zufrieden zu sein, ohne das Licht seines Geistes, ohne in Gemeinschaft mit ihm zu leben.

Die Finsternis des Bösen umgibt diejenigen, welche das Gebet vernachlässigen. Die Versuchung, welche Satan in ihre Ohren flüstert, verleitet sie zur Sünde; die Schuld ist darin zu suchen, daß sie von dem hohen Vorrecht des Gebets keinen Gebrauch machen. Weshalb sollten die Kinder Gottes so zurückhaltend mit ihren Gebeten sein, wenn doch das Gebet der Schlüssel in der Hand des Glaubens ist, welcher uns die Schatzkammern des Himmels öffnen kann, in welchen endlose Schätze und Mittel des Allmächtigen aufbewahrt liegen? Ohne inniges Beten und eifriges Wachen setzen wir uns der Gefahr aus, nachlässig zu werden und vom rechten Pfade abzuweichen. Unser Widersacher sucht uns fortwährend Hindernisse in den Weg zum Thron der Gnade zu stellen, damit wir nicht durch inniges Gebet und Glauben der Gnade und der Macht, der Versuchung Widerstand zu leisten, teilhaftig werden.

Unter gewissen Bedingungen dürfen wir erwarten, daß Gott unsere Gebete hören und erhören wird. Eine der ersten Bedingungen ist, daß wir die Notwendigkeit seiner Hilfe fühlen und erkennen. Er hat ja verheißen: „Ich will Wasser gießen auf das Durstige, und Ströme auf das Dürre." (Jes. 44, 3.)  Diejenigen, welche hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, welche ein inniges Verlangen nach Gott haben, dürfen fest davon überzeugt sein, daß Gott ihr Verlangen stillen wird. Aber das muß zuerst dem Einfluß des göttlichen Geistes geöffnet sein, ehe es die göttlichen Segnungen empfangen kann. Unsere große Not ist selbst ein Beweis, der in der beredtesten Weise für uns spricht. Wir müssen aber erst den Herrn suchen, ehe er solche Dinge für uns tun kann. Doch er sagt: „Bittet, so wird euch gegeben." (Matth. 7, 7.)  Und er, „welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?" (Röm. 8, 32.)

Wenn wir Unrecht im Herzen haben und irgend einer bewußten Sünde dienen, wird der Herr uns nicht erhören; nur das Gebet eines reuigen und zerschlagenen Herzens wird stets von ihm erhört. Wenn alles bewußte Unrecht gut gemacht ist, dürfen wir auch davon überzeugt sein, daß er unsere Bitten erhören wird. Unser eigenes Verdienst wird uns nie der Gnade Gottes empfehlen; nur Christi Würdigkeit und Gerechtigkeit werden uns erlösen; sein Blut wird uns reinigen. Doch müssen wir solchen Bedingungen der Annahme als Kinder Gottes nachkommen.

Eine andere Eigenschaft des ernsten Gebets ist der Glaube. „Denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei, und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde." (Hebr. 11, 6.) Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's empfangen werdet, so wird's euch werden." (Mark. 11, 24.)  Nehmen wir ihn aber bei seinem Wort?

Seine Versicherung ist grenzenlos; und der, welcher die Verheißung gab, ist getreu. Empfangen wir auch nicht sofort das, worum wir bitten, so sollen wir doch glauben, daß der Herr uns hört und auch unsere Bitten erhören wird. Wir sind so oft im Irrtum befangen und so kurzsichtig, daß wir oft solche Dinge erbitten, die uns keinen Segen bringen würden. Unser himmlischer Vater in seiner Liebe erhört unsere Gebete, indem er uns gerade das gibt, was zu unserem Besten dient, das, nach dem wir selbst von Herzen verlangen würden, wenn wir, erleuchtet vom Heiligen Geist, die wahre Sachlage aller Dinge erkennen könnten. Wenn auch unsere Gebete scheinbar keine Erhörung finden, sollten wir trotzdem an der Verheißung festhalten. Die Zeit der Erhörung wird sicherlich kommen, und wir werden die Segnungen empfangen, die uns am meisten not tun. Es ist jedoch Vermessenheit, wenn wir mit Gebetserhörung rechnen, gerade so, gerade in der Weise, wie wir sie wünschen. Gott ist zu weise, um einen Irrtum zu begehen; er ist zu gut, um den aufrichtigen Seelen das vorzuenthalten, was zu ihrem Besten dient. Deshalb vertraut ihm getrost und von Herzen, selbst wenn eure Gebete nicht sofort Erhörung finden. Vertraut felsenfest seiner Verheißung: „Bittet, so wird euch gegeben."

Wenn wir unsere Befürchtungen und Zweifel zu Rate ziehen, oder alle Geheimnisse zu durchdringen versuchen, noch ehe wir den rechten Glauben haben, dann werden unsere Schwierigkeiten immer größer werden. Kommen wir aber im Gefühl unserer Hilflosigkeit und Schwäche, gerade wie wir sind, zu Gott, vertrauen wir ihm, der alle Dinge am besten weiß, der alle seine Geschöpfe kennt, und der durch sein Wort und seinen Willen alles regiert, in Demut und im Glauben alles an, was unsere Herzen drückt, dann kann und wird er unseren Schmerzensruf hören und unsere Herzen erleuchten. Ein herzliches, aufrichtiges Gebet versetzt uns in innige Gemeinschaft mit dem Herzen des Ewigen und Unendlichen. Wenn wir auch im Augenblick keinen
offenbaren Beweis dafür erhalten, daß der Heiland und Erlöser in Liebe und Mitgefühl sich zu uns neigt, so ist dies doch so. Wir mögen seine sichtbare Nähe vielleicht nicht sofort verspüren, dennoch ruht seine Hand in Liebe und herzlichstem Mitleid auf uns.

Erflehen wir Gnade und Segen von Gott, dann müssen auch unsere Herzen vom Geiste der Liebe und Vergebung durchdrungen sein. Wie können wir beten: „Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben" (Matth. 6, 12), - und dennoch Unversöhnlichkeit in unserem Herzen hegen? Erwarten wir die Erhörung unserer Gebete, so müssen wir in gleichem Maße auch anderen vergeben, wie wir Vergebung unserer Sünden erwarten.

Ausdauer im Gebet ist eine Bedingung der Erhörung. Wir müssen täglich beten, täglich wachsen im Glauben und zunehmen an Erfahrung. Wir müssen anhalten am Gebet (Röm. 12, 12), und wachen in demselbigen mit Danksagung. (Kol. 4, 2.)  Petrus ermahnt die Gläubigen: „So seid nun
mäßig und nüchtern zum Gebet." (1. Petr. 4, 8.)  Der Apostel Paulus ermahnt: „In allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden." (Phil. 4, 6.) In der Epistel Judas heißt es: „Ihr aber meine Lieben, erbauet euch auf euren allerheiligsten Glauben durch den Heiligen Geist und betet, und erhaltet euch in der Liebe Gottes." (Judas 20. 21.) Anhaltendes Gebet ist die ununterbrochene Gemeinschaft der Seele mit Gott, so daß das von Gott ausgehende Leben sich in unser Leben ergießt, und wiederum von unserem Leben Reinheit und Heiligkeit sich zu Gott zurück ergießen.

Fleiß und Beharrlichkeit im Gebet sind notwendig; laßt euch durch nichts davon abhalten. Mit allen euren Kräften haltet die Gemeinschaft mit Jesus und euren Herzen offen. Suchet jede Gelegenheit zum Gebet, wo sich dieselbe auch bietet. Solche, die in Wahrheit nach Gemeinschaft mit Gott verlangen, werden die Gebetsversammlungen regelmäßig besuchen, werden treulich ihre Pflichten erfüllen und ernst und eifrig alle nur möglichen Segnungen erlangen. Sie werden jede Gelegenheit benutzen, um sich von den Strahlen des himmlischen Lichtes bescheinen zu lassen.

Wir sollten auch im Familienkreis beten, aber vor allen Dingen das Gebet im Kämmerlein nicht vernachlässigen; dies besonders verleiht unserer Seele Leben. Unsere Seelen können unmöglich wachsen und gedeihen, wenn wir das Gebet vernachlässigen. Das Gebet im Kreise der Familie und in den Versammlungen ist nicht genügend. In der Einsamkeit und in der Stille bringe dein Herz vor das allsehende und alles durchforschende Auge Gottes. Das Gebet im Kämmerlein soll allein zu dem Ohr dessen dringen, der Gebete erhört. Kein neugieriges Ohr soll solche Bitten vernehmen. Im stillen Gebet fühlt sich die Seele frei von allen sie umgebenden Einflüssen, frei von aller Aufregung und Reizung. Ruhig und gelassen, dabei aber doch glühend und inbrünstig soll dein Gebet zu Gott dringen. Heilend und fortdauernd wird der Einfluß sein, welcher von dem ausgeht, der in das Verborgene sieht, dessen Ohr stets den Bitten derer geöffnet ist, welche von Herzensgrund zu ihm beten. In einfachem, kindlichem Glauben hält die Seele Gemeinschaft mit Gott und empfängt Strahlen des göttlichen Lichtes, welche Stärke und Ausdauer im Kampf gegen Satan verleihen. Gott ist unsere Stärke für und für!

Betet im Kämmerlein; bei eurer täglichen Arbeit und eurem Beruf erhebt eure Herzen oft zu Gott. So wandelte Henoch mit Gott. Gleich einem kostbaren Räucheropfer steigen diese Gebete zum Thron der Gnade auf. Satan kann den nicht überwinden, dessen Herz auf Gott gegründet ist.

Keine Zeit, kein Ort ist ungeeignet, um nicht zu Gott beten zu können. Nichts kann uns davon abhalten, unsere Herzen im Geist inbrünstigen Gebets zu Gott zu wenden. Im Geräusch der Straßen, inmitten unserer täglichen Geschäfte und Hantierungen können wir zu Gott beten und um seinen göttlichen Beistand flehen, wie es Nehemia tat, als er seine Bitte vor den König Artaxerxes brachte. Innige Gemeinschaft mit Gott können wir allenthalben pflegen. Unsere Herzenstür sollte stets offen sein, und die Einladung sollte an Jesus ergehen:  Komm und verweile als himmlischer Gast in meinem Herzen.

Mag uns auch eine verderbte Atmosphäre umgeben, wir brauchen deshalb ihr Gift nicht einzuatmen, wir können in der reinen Atmosphäre des Himmels leben. Wir können jede Tür unreiner Begierden und unheiliger Gedanken fest zuschließen, wenn wir unsere Herzen in innigem Gebet zu Gott emporheben. Die ihre Herzen der Hilfe und dem Segen Gottes geöffnet halten, werden in einer heiligeren Atmosphäre als die, welche uns auf Erden umgibt, wandeln; sie werden in steter inniger Gemeinschaft mit dem Himmel stehen.

Wir müssen einen klareren Begriff von Jesus, ein volleres Verständnis für den Wert der ewigen Wahrheiten haben. Die Herrlichkeit und Schönheit seiner Heiligkeit muß die Herzen der Kinder Gottes erfüllen, und zu diesem Endzweck müssen wir um göttliche Erleuchtung betreffs himmlischer Dinge beten.

Lasset unsere Seelen aufwärts gerichtet sein, damit Gott uns einen Hauch seines göttlichen Lebens zuteil werden lasse. Wir können uns so nahe an Gott halten, daß in jeder unerwarteten Prüfung unsere Herzen sich so natürlich zu ihm wenden, wie die Blume sich zum Licht der Sonne wendet.

Bringet eure Sorgen, eure Freuden, eure Bedürfnisse, eure Befürchtungen, alles, was euch drückt und quält, vor Gott. Eure Lasten können ihm nie beschwerlich werden; ihr werdet ihn nie ermüden. Er, der die Haare auf euren Häuptern gezählt, ist nicht gleichgültig in bezug auf die Bedürfnisse seiner Kinder. „Der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer." (Jak. 5, 11.) Sein Herz wird gerührt von unserem Elend, von unserem Schmerzensschrei. Alles, was eure Herzen drückt, bringt vor ihn. Nichts ist zu schwer, daß er es nicht tragen könnte, denn er trägt alle Welten und regiert alle Dinge des Weltalls. Nichts, was zu unserem Frieden gereicht, ist zu unbedeutend, als daß er es nicht beachten würde. Kein Kapitel in unserer Lebenserfahrung ist so dunkel, als daß er es nicht zu lesen vermöchte; keine Lage, in der wir uns befinden, ist so schwierig, als daß er sie nicht zu lösen imstande wäre. Kein Schaden kann die geringsten seiner Jünger befallen, keine Sorge das Herz peinigen, keine Freude uns ergötzen, kein aufrichtiges Gebet von unseren Lippen kommen, das unser himmlischer Vater nicht beobachten und woran er kein reges, unmittelbares Interesse nehmen würde. „Er heilt, die zerbrochnen Herzens sind, und verbindet ihre Schmerzen." (Ps. 147, 3.)  Das Verhältnis zwischen Gott und einer jeden Seele ist so zart und so innig, als gäbe es keine andere Seele, für welche er seinen geliebten Sohn in den Tod gab.

Jesus sprach: „Ihr werdet in meinem Namen bitten. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum daß ihr mich liebet." (Joh. 16, 26. 27.) Und vorher sagt er: „Ich habe euch erwählt, ... daß, so ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe." (Joh. 15, 16.) In Jesu Namen beten heißt jedoch mehr, als nur seinen Namen am Anfang oder am Ende des Gebets erwähnen. Wir müssen im Verständnis und im Geist Jesu beten, an seine Verheißungen glauben, seiner Gnade vertrauen und seinen Willen vollbringen.

Gott verlangt von uns nicht, daß wir Einsiedler oder Mönche werden, und uns gänzlich von der Welt
zurückziehen, um uns seinem Dienst zu weihen. Unser Leben muß dem Leben Christi gleich sein. Wer nur betet und sonst nichts tut, wird bald aufhören zu beten, oder seine Gebete werden zur bloßen Form werden. Sobald die Menschen sich von dem gesellschaftlichen Leben, von den Pflichten und dem Kreuztragen eines Christen absondern, sobald sie aufhören, ernstlich für ihren Herrn und Meister zu wirken, der so treu für sie gewirkt hat, dann haben sie nichts, worum sie beten sollten, und verlieren den Antrieb zur Andacht. Ihre Gebete werden persönlich und eigennützig. Sie können nicht für die Bedürfnisse der Menschheit, für den Aufbau des Reiches Christi, um eigene Stärke zu dem Werk beten.

Wir erleiden einen schweren Verlust, wenn wir im Dienste Gottes das Vorrecht, uns im Verein mit anderen im Gebet zu stärken und zu ermutigen, vernachlässigen. Die Wahrheiten seines Wortes verlieren an Kraft, an Wichtigkeit und Bedeutung für uns. Gottes Geist hört auf, unsere Herzen zu erleuchten, sie durch seinen heiligenden Einfluß aufzuwecken, und wir verlieren an Geistesstärke. In unserem Verkehr als Christen miteinander verlieren wir viel durch den Mangel an christlichem Mitgefühl füreinander. Wer nur für sich selbst lebt, füllt nicht die Stellung aus, die ihm Gott anvertraut hat. Die richtige Pflege unserer gesellschaftlichen Naturanlagen bringt uns in enge Gemeinschaft mit anderen und fördert die Entwicklung und Kraft für den Dienst Gottes in uns.

Wenn Christen in ihrem täglichen Verkehr mehr zueinander von der Liebe Gottes, von den köstlichen Wahrheiten der Erlösung reden würden, dann würden ihre Herzen erquickt werden, und sie würden sich miteinander mehr stärken und trösten. Wenn wir täglich mehr von unserem himmlischen Vater lernen, und täglich neue Erfahrungen machen in seiner Gnade, dann wird auch der Wunsch in uns rege werden, mehr von seiner Liebe zu reden, und indem wir so handeln, werden unsere Herzen erwärmt und ermutigt. Wenn wir mehr an Jesus dächten und von ihm sprächen, dann würden wir auch mehr seine Gegenwart verspüren.

Wenn wir nur so oft an Gott dächten, als wir Beweise seiner Gnade an uns haben, dann müßten unsere Gedanken stets bei ihm sein; es würde unser Vergnügen sein, von ihm zu reden und ihn zu preisen. Wir sprechen gern von zeitlichen Dingen, weil wir ein Interesse daran haben; wir reden von unseren Freunden, weil wir sie lieben, weil wir unsere Freuden und Sorgen vereint mit ihnen tragen. Doch haben wir unendlich größere Ursache, Gott mehr zu lieben, als unsere irdischen Freunde, und es sollte für uns die allernatürlichste Sache sein, in unseren Gedanken uns mit ihm am meisten zu beschäftigen, von seiner Güte und Barmherzigkeit zu reden und seine Wundermacht zu rühmen. Seine reichen Gnadengeschenke, mit denen er uns überhäuft, sollten unsere Gedanken und unsere Liebe nicht so in Anspruch nehmen, daß wir nichts für Gott übrig haben; sie sollten uns vielmehr täglich auf ihn hinweisen und uns mit Banden der Liebe und Dankbarkeit an unseren himmlischen Wohltäter fesseln. Wir beschäftigen uns zu viel mit unserem armen, irdischen Leben. Lasset uns unsere Augen zu der offenen Tür des himmlischen Heiligtums aufheben, wo wir das Licht und die Herrlichkeit Gottes sich im Antlitz Christi widerspiegeln sehen, der „auch selig machen kann immerdar, die durch ihn zu Gott kommen." (Hebr. 7, 25.)

Lasset uns Gott mehr preisen „um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut." (Ps. 107, 8.)  Unsere Gebets- und Andachtsübungen sollten nicht allein im Bitten und Empfangen bestehen, unsere Gedanken nicht nur auf unsere Bedürfnisse gerichtet sein, sondern wir sollten auch der Wohltaten gedenken, die wir empfangen. Wir beten niemals zu viel, aber wir sind zu sparsam mit unserem Dank. Wir empfangen täglich Gottes Gnadengeschenke, und doch, wie wenig zeigen wir ihm unsere Dankbarkeit, wie wenig loben und preisen wir ihn für das, was er an uns getan hat!

Vor alten Zeiten gebot der Herr den Kindern Israel, wenn sie sich zum Gottesdienst versammelten: „Und sollt daselbst vor dem Herrn, eurem Gott, essen und fröhlich sein, ihr und euer Haus, über allem, was eure Hand vor sich bringt, darin dich der Herr, dein Gott, gesegnet hat." (5. Mose 12, 7.)  Mit freudeerfüllten Herzen, mit Lobliedern und Danksagung, nicht mit Trauer und Betrübnis, sollten wir alles zur Ehre und zum Ruhm Gottes tun.

Unser Gott ist ein liebevoller, barmherziger Vater. Wir sollten unseren Dienst für ihn nicht als schwer und niederdrückend betrachten. Es sollte unsere Freude und Lust sein, dem Herrn zu dienen und an seinem Werk teilzunehmen. Gott will nicht, daß seine Kinder, für die er eine so herrliche Erlösung vorgesehen hat, so handeln, als ob er ein harter, drückender Werkmeister wäre. Er ist ihr bester Freund, und wenn sie ihm dienen, können sie von ihm Trost und Segnungen erwarten, die ihre Herzen mit Freude und Liebe erfüllen. Gott will, daß seine Kinder aus ihrem Gottesdienst Trost empfangen, und daß sie mehr Freude als Bürde in seinem Dienst erblicken. Es ist sein innigster Wunsch, daß alle, die ihm dienen und ihn anbeten, daraus köstliche Gedanken von seiner Vorsehung und Liebe mit hinwegnehmen, damit sie in ihrer alltäglichen Arbeit gestärkt werden, damit sie die Gnade empfangen, ehrlich und treu in allen Dingen zu handeln.

Wir müssen uns unter das Kreuz Christi stellen. Christus, der Gekreuzigte, sollte der Gegenstand unserer Betrachtung, unserer Gespräche, unserer heiligsten Freude sein. Wir sollten stets der Segnungen Gottes eingedenk sein, und wenn wir seine unendliche Liebe erkannt haben, dann sollten wir auch gerne alles der Hand anbefehlen, die um unsertwillen an das Kreuz geschlagen wurde.

Unser Herz nähert sich dem Himmel auf den Flügeln des Gebets. Im Himmel dient man unserem  Lob, Preis und lieblichen Gesängen, und wenn wir ihm unsere Herzensdankbarkeit darbringen, dann wird auch unser Gottesdienst dem der himmlischen Heerscharen immer ähnlicher. „Wer Dank opfert, der preiset mich" (Ps. 50, 23), sagt der Herr. Lasset uns alle mit ehrerbietiger Freude vor unseren Schöpfer hintreten, mit „Dank und Lobgesang". (Jes. 51, 3.)


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