Bethesda und der Hohe Rat
Kapitel 21


Auf der Grundlage von Johannes Kapitel 5.

„Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen, in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte." Johannes 5:2.

Zu bestimmten Zeiten geriet das Wasser dieses Teiches in Bewegung, und es wurde allgemein angenommen, daß das auf das Einwirken einer übernatürlichen Kraft zurückzuführen war und daß derjenige, der nach dem Aufwallen des Wassers als erster in den Teich stieg, von jeder Krankheit, an der er litt, geheilt würde. Hunderte von Leidenden suchten diesen Ort auf, und die Menge war so groß, daß sie, sobald das Wasser sich bewegte, vorwärts stürmte und dabei Männer, Frauen und Kinder, die schwächer waren als sie selber, niedertrat. Viele konnten den Teich nicht erreichen. Andere, die es geschafft hatten, starben an seinem Ufer. Man hatte Hallen errichtet, damit die Kranken sich gegen die Hitze des Tages und die Kälte der Nacht schützen konnten. Gar mancher verbrachte die Nacht in diesen Räumen und schleppte sich Tag für Tag an den Rand des Teiches in der vergeblichen Hoffnung auf Hilfe.

Erneut war Jesus in Jerusalem. Er ging allein, offensichtlich in Gedanken und Gebet versunken, und kam zu dem Teich. Er sah, wie die unglücklichen Leidenden auf das warteten, was sie für ihre einzige Möglichkeit der Heilung hielten. Er sehnte sich danach, seine heilende Kraft zu betätigen und jeden Leidenden gesund zu machen. Doch es war Sabbat. Die Menge ging zum Tempelgottesdienst, und er wußte, daß eine derartige Heilungstat die Voreingenommenheit der Juden stark erregen und dadurch sein Wirken beeinträchtigen würde.

Doch der Heiland wurde Zeuge eines furchtbaren Elendes. Da lag ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren ein hilfloser Krüppel war. Seine Krankheit galt zum großen Teil als Folge eigener Sünde und wurde als Gottesgericht angesehen. Verlassen, ohne Freunde und unter dem Eindruck, von der Gnade Gottes ausgeschlossen zu sein, hatte der Leidende viele Jahre des Elends durchlebt. Zu der Zeit, da man das Aufwallen des Wassers erwartete, trugen ihn andere, die sich seiner Hilflosigkeit erbarmten, zu den Hallen. Im günstigen Augenblick jedoch hatte er niemanden, der ihm hineinhalf. Er hatte zwar gesehen, wie das Wasser Wellen schlug, war aber niemals in der Lage gewesen, weiter zu gelangen als bis ans Ufer des Teiches. Stärkere als er stürzten sich stets vor ihm hinein. Den Wettlauf mit der selbstsüchtigen, sich balgenden Menge konnte er nicht gewinnen. Sein beharrliches Bemühen um das eine Ziel sowie seine Angst und anhaltende Enttäuschung zehrten den Rest seiner Kräfte auf.

Der kranke Mann lag auf seiner Matte und hob dann und wann sein Haupt, um auf den Teich zu schauen, als sich ein gütiges, mitleidvolles Antlitz über ihn beugte und die Worte „Willst du gesund werden?" seine Aufmerksamkeit weckten. Johannes 5:6. Sein Herz wurde von Hoffnung erfüllt. Er fühlte, daß er in irgendeiner Weise Hilfe erwarten durfte. Aber der Schimmer der Ermutigung schwand schnell. Er dachte daran, wie oft er vergebens versucht hatte, den Teich zu erreichen, und rechnete kaum noch damit, am Leben zu sein, wenn das Wasser wieder in Bewegung geriete. Müde wandte er sich ab und sagte: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich trägt, wenn das Wasser sich bewegt. Wenn ich hingehe, steigt schon ein anderer vor mir hinein." Johannes 5:7 (Bruns).

Jesus fordert diesen Leidenden nicht auf, an ihn zu glauben, sondern sagt schlicht: „Stehe auf, nimm dein Bett und geh!" Johannes 5:8 (Bruns). An dieses Wort nun klammert sich der Glaube des Mannes. Jeder Nerv und jeder Muskel erbebt von neuem Leben, und heilsame Bewegung erfaßt seine verkrüppelten Glieder. Ohne lange zu fragen, entschließt er sich, der Weisung Christi zu folgen, und alle seine Muskeln gehorchen seinem Willen. Er springt auf seine Füße und stellt fest, daß er ein rüstiger Mann ist.

Jesus hatte ihm keineswegs göttliche Hilfe zugesichert. Der Mann hätte im Zweifel verharren und seine einzige Möglichkeit, geheilt zu werden, einbüßen können. Doch er glaubte dem Wort Christi, handelte danach und empfing Kraft.

Durch den gleichen Glauben können wir geistlich geheilt werden. Die Sünde hat uns vom göttlichen Leben getrennt. Unsere Seelen sind gelähmt. Aus uns selbst sind wir ebensowenig fähig, ein geheiligtes Leben zu führen, wie jener gebrechliche Mann ohne Hilfe gehen konnte. Viele sind sich ihrer Hilflosigkeit bewußt und sehnen sich nach jenem geistlichen Leben, das sie in Einklang mit Gott bringt; sie mühen sich jedoch vergeblich, es zu erringen. Voller Verzweiflung rufen sie aus: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?" Römer 7:24. Solche verzweifelten und ringenden Menschen dürfen aufschauen. Der Heiland neigt sich über die mit seinem Blut Erkauften und fragt mit unaussprechlicher Güte und herzlichem Erbarmen: „Willst du gesund werden?" Er gebietet dir, in Gesundheit und Frieden aufzustehen. Warte nicht, bis du fühlst, daß du gesund geworden bist. Traue seinem Wort, und es wird sich an dir erfüllen. Übergib deinen Willen Christus. Entschließe dich, ihm zu dienen. Sobald du auf sein Wort hin handelst, wirst du Kraft erhalten. Was immer du falsch gemacht haben magst und welche schwere Sünde auch durch lange Duldung deinen Leib und deine Seele gefangenhält. Christus kann und will dich frei machen. Er will der Seele, die „tot" ist in „Übertretungen" (Epheser 2:1), Leben verleihen. Er will den Gefangenen, der durch Schwachheit, Unglück und Ketten der Sünde gebunden ist, frei machen.

Nach seiner Heilung bückte sich der Gelähmte, um sein Bett aufzunehmen, das lediglich aus einer Matte und einer Decke bestand. Er empfand tiefe Freude, als er sich wieder aufrichtete und nach dem umblickte, der ihn geheilt hatte. Doch Jesus war in der Menge untergetaucht. Der Mann fürchtete, ihn nicht zu erkennen, wenn er ihn wiedersehen würde. Als er nun mit festem, freiem Schritt davoneilte, Gott lobte und sich seiner neugefundenen Kraft freute, begegnete er mehreren Pharisäern, denen er unverzüglich von seiner Heilung erzählte. Er war betroffen von der Kälte, mit der sie ihm zuhörten.

Mit finsteren Mienen unterbrachen sie ihn mit der Frage, warum er am Sabbat sein Bett trage. Streng erinnerten sie ihn daran, daß es nicht dem Gesetz entspreche, am Tage des Herrn Lasten zu tragen. Vor lauter Freude hatte der Mann vergessen, daß es Sabbat war. Gleichwohl empfand er keinerlei Gewissensbisse, war er doch nur der Weisung jenes Mannes nachgekommen, der eine solche Kraft von Gott besaß. Mutig antwortete er: „Der Mann, der mich gesund gemacht hat, der hat zu mir gesagt: Nimm dein Bett und geh!" Johannes 5:11. Sie fragten, wer das getan habe, doch er vermochte es nicht zu sagen. Diese Obersten wußten genau, daß nur einer sich als mächtig erwiesen hatte, solch ein Wunder zu wirken. Sie suchten aber einen ganz eindeutigen Beweis, daß es Jesus gewesen war, um ihn als Sabbatschänder verurteilen zu können. Ihrer Meinung nach hatte er das Gesetz nicht nur dadurch übertreten, daß er den kranken Mann am Sabbat heilte, sondern auch noch durch das frevelhafte Gebot, sein Bett fortzutragen.

Die Juden hatten das Gesetz so entstellt, daß daraus ein knechtisches Joch geworden war. Ihre sinnlosen Vorschriften boten anderen Völkern Anlaß zum Spott. Besonders der Sabbat war durch allerlei sinnlose Verbote so eingeengt worden, daß sie für ihn als den heiligen, ehrwürdigen Tag des Herrn keine Freude mehr empfanden. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten seine Befolgung zu einer unerträglichen Last gemacht. Einem Juden war es z.B. nicht erlaubt, am Sabbat ein Feuer oder auch nur eine Kerze anzuzünden. Die Folge war, daß die Bevölkerung für zahlreiche Dienstleistungen, die ihr selber durch die bestehenden Vorschriften verboten waren, Heiden zu Hilfe nehmen mußte. Es wurde nicht bedacht, daß derjenige, der andere mit unerlaubten Arbeiten beauftragt, sich ebenso schuldig macht, als hätte er sie selbst ausgeführt. Die Juden meinten, das Heil sei nur ihnen vorbehalten und die bereits hoffnungslose Lage aller Nichtjuden könne durch nichts verschlimmert werden. Gott hat jedoch keine Gebote gegeben, denen nicht alle gehorchen sollten. Sein Gesetz erlaubt keine unvernünftigen und eigennützigen Einschränkungen.

Im Tempel begegnete Jesus erneut dem Geheilten, der gekommen war, für die ihm erwiesene große Gnade ein Sündopfer und ein Dankopfer darzubringen. Als Jesus ihn unter den Anbetenden fand, gab er sich ihm mit den mahnenden Worten zu erkennen: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre." Johannes 5:14.

Der Geheilte war überglücklich, den getroffen zu haben, der ihn gerettet hatte. Von der Feindschaft gegen Jesus nichts wissend, erzählte er den Pharisäern, die ihn gefragt hatten, daß dieser es war, der ihn geheilt hatte. „Weil Jesus solche Werke am Sabbat tat, begannen ihn die Juden zu verfolgen." Johannes 5:16

Um sich wegen der Anklage der Sabbatschändung zu verantworten, wurde Jesus vor den Hohen Rat gebracht. Wären die Juden damals eine unabhängige Nation gewesen, dann hätte eine solche Anklage ausgereicht, ihn zum Tode zu verurteilen. Ihre Abhängigkeit von den Römern verhinderte dies jedoch. Den Juden war strikt untersagt, die Todesstrafe zu verhängen, und die gegen Christus vorgebrachten Anklagen hatten vor einem römischen Gericht kein Gewicht. Die Pharisäer hofften jedoch, andere Gründe zu finden. Ungeachtet ihrer Bemühungen, seine Aufgabe zu behindern, gewann Jesus sogar in Jerusalem größeren Einfluß auf das Volk als sie. Zahlreiche Menschen, die kein Gefallen an den Tiraden der Rabbiner fanden, wurden durch seine Lehren angezogen. Was er sagte, konnten sie verstehen, und es erwärmte und tröstete ihre Herzen. Er schilderte ihnen Gott nicht als rächenden Richter, sondern als barmherzigen Vater und offenbarte das Wesen Gottes dadurch, daß er es in seinem Wesen widerspiegelte. Seine Worte wirkten wie Balsam für eine verwundete Seele. Durch Worte und Taten der Gnade zerbrach er die drückende Gewalt der alten Überlieferungen und Menschengebote und stellte die Liebe Gottes in ihrer unausschöpflichen Fülle dar.

In einer der ältesten Weissagungen auf Christus heißt es: „Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis daß der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen." 1.Mose 49:10. Die Menschen sammelten sich um Christus. Aufgeschlossenen Herzens sprachen sie eher auf seine Lehren der Liebe und des Wohlwollens an als auf die von den Priestern geforderten strengen Kulthandlungen. Wären die Priester und Rabbiner nicht dazwischengetreten, so hätte Jesu Lehre eine Reformation herbeigeführt, wie die Welt sie nie erlebt hatte. Aber um ihre eigene Macht aufrechtzuerhalten, waren diese Obersten fest entschlossen, seinen Einfluß zu brechen. Die Anklageerhebung vor dem Hohen Rat und eine öffentliche Verurteilung seiner Lehren sollten dies bewirken helfen; denn noch besaß das Volk große Hochachtung vor seinen religiösen Führern. Wer immer es wagte, sich von den Forderungen der Priester loszusagen oder die dem Volk von ihnen auferlegten Lasten zu erleichtern, wurde sowohl der Gotteslästerung als auch des Verrats für schuldig befunden. Mit dieser Begründung hofften die Rabbiner, Verdacht gegen Christus wecken zu können. Sie unterstellten ihm, er versuche die überkommenen Sitten abzuschaffen und dadurch Zwietracht im Volk zu säen, um den Weg zu einer völligen Unterjochung durch die Römer zu ebnen.

Doch die Pläne, an deren Verwirklichung die Rabbiner so eifrig arbeiteten, hatten einen anderen Urheber als den Hohen Rat. Nachdem Satan vergeblich versucht hatte, Jesus in der Wüste zu überwinden, faßte er alle seine Kräfte zusammen, um ihn in seinem Dienst zu behindern und nach Möglichkeit seine Aufgabe zum Scheitern zu bringen. Was er nicht durch direktes, persönliches Bemühen vollbringen konnte, wollte er durch List erreichen. Dazu war er fest entschlossen. Von dem Ringen in der Wüste hatte er sich erst zurückgezogen, nachdem er gemeinsam mit den ihm verbündeten Engeln reiflich erwogen hatte, wie sie auch weiterhin den Verstand des jüdischen Volkes so mit Blindheit schlagen könnten, daß es seinen Erlöser nicht erkennte. Dabei wollte er sich in der religiösen Welt menschlicher Mitarbeiter bedienen, denen er seinen eigenen Haß auf den Verfechter der Wahrheit einflößte. Er wollte sie verleiten, Christus zu verwerfen und ihm das Leben so unerträglich wie möglich zu machen in der Hoffnung, ihn in seiner Sendung zu entmutigen. Und tatsächlich wurden die führenden Männer Israels Werkzeuge Satans im Kampf gegen den Erlöser.

Jesus war gekommen, „daß er sein Gesetz herrlich und groß mache". Jesaja 42:21. Er sollte dessen Würde nicht herabsetzen, sondern erhöhen. Die Schrift sagt: „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte." Jesaja 42:4. Er war gekommen, den Sabbat von jenen drückenden Vorschriften zu befreien, die ihn zu einem Fluch statt zu einem Segen gemacht hatten.

Aus diesem Grunde hatte Jesus bewußt am Sabbat das Heilungswunder zu Bethesda gewirkt. Er hätte den Kranken ebensogut an einem anderen Tage der Woche heilen können, oder er hätte es tun können, ohne ihm zu gebieten, sein Bett fortzutragen. Doch das hätte ihm nicht die von ihm gewünschte Gelegenheit verschafft. Weise Absicht lag jedem Handeln Jesu während seines Erdenlebens zugrunde. Was immer er auch tat, es war an sich schon wichtig und wichtig auch in seiner Aussage. Unter den Leidenden am Teich wählte er jenen aus, den es am ärgsten getroffen hatte, um an ihm seine heilende Macht zu bezeugen. Und er gebot dem Mann, sein Bett durch die Stadt zu tragen, um die an ihm gewirkte große Tat bekanntzumachen. Dadurch sollte die Frage aufgeworfen werden, was am Sabbat zu tun erlaubt sei, und dies sollte ihm die Möglichkeit geben, die Einschränkungen der Juden bezüglich des Tages des Herrn öffentlich anzuprangern und ihre Überlieferungen für nichtig zu erklären.

Jesus erklärte ihnen, daß die Heilung des Kranken mit dem Sabbatgebot übereinstimmte. Sie entsprach auch dem Dienst der Engel Gottes, die ohne Unterlaß zwischen Himmel und Erde hinab- und hinaufsteigen, um der leidenden Menschheit beizustehen. Jesus erklärte: „Mein Vater wirket bis auf diesen Tag, und ich wirke auch." Johannes 5:17. Alle Tage gehören Gott, um an ihnen seinen Plan für die Menschheit zu verwirklichen. Deuteten die Juden das Gesetz richtig, dann irrte sich der Herr, der durch sein Wirken jedes Lebewesen erquickte und trug, seit er den Grund der Erde gelegt hat. Dann hätte derjenige, der sein Schöpfungswerk als gut bezeichnet und den Sabbat zum Gedenken an dessen Vollendung eingesetzt hatte, seinem Wirken ein Ende setzen und den nie endenden Lauf des Universums anhalten müssen.

Sollte Gott der Sonne verbieten, ihre Funktion am Sabbat zu erfüllen, und ihre belebenden Strahlen daran hindern, die Erde zu erwärmen und die Pflanzenwelt zu erhalten? Müssen die Gestirne an diesem heiligen Tag auf ihren Bahnen stillstehen? Soll der Herr etwa den Bächen gebieten, den Feldern und Wäldern kein Wasser zu spenden, und den Meeren, ihren unaufhörlichen Wechsel zwischen Ebbe und Flut zu unterbrechen? Müssen Weizen und Korn ihr Wachstum einstellen, und soll die reifende Traube das Wachstum ihrer Purpurblüte aufschieben? Dürfen Bäume und Blumen am Sabbat keine Knospen und Blüten treiben?

Falls das so wäre, entgingen dem Menschen die Früchte der Erde und die Segnungen, die das Leben lebenswert machen. Die Natur muß deshalb in ihrem unwandelbaren Lauf fortfahren. Wollte Gott seine Hand auch nur für einen Augenblick zurückziehen, würde der Mensch ohnmächtig werden und sterben. Aber auch der Mensch darf an diesem Tage nicht untätig sein. Die Bedürfnisse des Lebens müssen beachtet, die Kranken versorgt und die dringendsten Wünsche erfüllt werden. Wer es am Sabbat unterläßt, Leidenden zu helfen, wird nicht als unschuldig gelten können. Gottes heiliger Ruhetag wurde für den Menschen geschaffen, und Werke der Barmherzigkeit stehen in voller Übereinstimmung mit seiner Bestimmung. Gott will nicht, daß seine Geschöpfe auch nur eine Stunde lang von Schmerzen geplagt werden, die am Sabbat oder einem anderen Tag gelindert werden können.

Die Erwartungen an Gott sind am Sabbat eher noch größer als an den anderen Tagen. Sein Volk läßt dann alle gewöhnliche Arbeit ruhen und verbringt die Zeit in Andacht und Anbetung. Es erbittet von Gott am Sabbat mehr Gnadenerweise als an anderen Tagen, verlangt nach seiner besonderen Aufmerksamkeit und fleht um seinen reichsten Segen. Gott läßt den Sabbat nicht erst verstreichen, ehe er diese Bitten erhört. Im Himmel ruht die Arbeit nie, und auch der Mensch sollte unaufhörlich Gutes tun. Der Sabbat ist nicht als eine Zeit nutzloser Untätigkeit zu verstehen. Gewiß, das Gesetz verbietet alle weltliche Arbeit am Ruhetag des Herrn. Jede Plackerei zum Erwerb des Lebensunterhalts muß aufhören. Nichts, was weltlichem Vergnügen oder eigenem Nutzen dient, ist an diesem Tage erlaubt; aber wie Gott sein Schöpfungswerk beendete, am Sabbat ruhte und diesen Tag segnete, so soll der Mensch mit den Beschäftigungen seines täglichen Lebens aufhören und diese heiligen Stunden zu heilsamer Ruhe, Andacht und guten Werken verwenden. Christi Werk, den Kranken zu heilen, stimmte völlig mit dem Gesetz überein. Es erwies dem Sabbat Ehre.

Jesus nahm für sich die gleichen Rechte wie Gott in Anspruch, indem er Taten von gleicher Heiligkeit und Art vollbrachte wie sein Vater im Himmel. Aber die Pharisäer wurden immer erzürnter. Ihrer Meinung nach hatte er nicht nur das Gesetz gebrochen, sondern sich selbst Gott gleichgesetzt, weil er erklärte, „Gott sei sein Vater". Johannes 5:18.

Das ganze Volk der Juden nannte Gott seinen Vater. Hätte Jesus sein Verhältnis zu Gott in ähnlicher Weise beschrieben, dann würden sie sich nicht so erregt haben. Doch sie beschuldigten ihn der Gotteslästerung und zeigten damit, daß sie ihn sehr wohl verstanden, als er diesen Anspruch im höchsten Sinne erhob.

Die Widersacher Christi konnten den Wahrheiten, die er ihren Gewissen nahebrachte, keinerlei Einwände entgegenhalten. Lediglich auf ihre Gewohnheiten und Überlieferungen vermochten sie zu verweisen. Doch im Vergleich mit den Beweisgründen, die Jesus aus dem Worte Gottes und aus dem unwandelbaren Lauf der Natur ableitete, erschienen sie schwach und fad. Hätten die Rabbiner ein echtes Verlangen nach Licht verspürt, dann wären sie zu der Überzeugung gelangt, daß Jesus die Wahrheit gesprochen hatte. Statt dessen entzogen sie sich den Hauptfragen, auf die Jesus bezüglich des Sabbats Wert legte, und suchten Haß gegen ihn zu schüren mit der Begründung, er beanspruche, Gott gleich zu sein. Die Wut der Obersten kannte keine Grenzen. Hätten sie nicht das Volk gefürchtet, würden die Priester und Rabbiner Jesus auf der Stelle umgebracht haben. Doch die Zuneigung des Volkes zu ihm war stark. Viele erblickten in Jesus den Freund, der ihre Krankheiten geheilt und sie in ihren Sorgen getröstet hatte. Sie verteidigten nun auch seine Heilung des Kranken am Teich zu Bethesda. Deshalb mußten die Obersten vorläufig ihren Haß zügeln.

Jesus wies die Beschuldigung der Gotteslästerung zurück. Er erklärte: Meine Vollmacht zu dem Werk, um dessentwillen ihr mich anklagt, beruht darauf, daß ich der Sohn Gottes bin, eins mit ihm in Wesen, Willen und Absicht. In allen seinen Werken der Schöpfung und der Vorsehung wirke ich zusammen mit Gott. „Der Sohn kann nichts von sich selber tun, sondern nur was er sieht den Vater tun." Johannes 5:19. Die Priester und Rabbiner stellten den Sohn Gottes gerade um des Werkes willen zur Rede, zu dessen Durchführung er in die Welt gesandt worden war. Durch ihre Sünden hatten sie sich von Gott getrennt, und in ihrem Hochmut gingen sie ihre eigenen Wege. Sie meinten, aus sich selbst zu allen Dingen befähigt zu sein, und sahen keine Notwendigkeit, ihr Handeln von göttlicher Weisheit leiten zu lassen. Der Sohn Gottes aber war dem Willen des Vaters untertan und von seiner Macht abhängig. So weitgehend hatte Christus sein Ich aufgegeben, daß er selber keine Pläne machte. Er unterwarf sich bereitwillig den Plänen, die Gott mit ihm vorhatte und die der Vater ihm Tag für Tag enthüllte. Genauso sollten auch wir uns auf Gott verlassen. Unser Leben wird dann nur noch die Ausführung seines Willens sein.

Als Mose daranging, ein Heiligtum als Wohnstätte für Gott zu errichten, wurde er angewiesen, alles nach dem Muster zu machen, das ihm auf dem Berge gezeigt worden war. Mose erfüllte voller Eifer Gottes Auftrag. Die begabtesten und geschicktesten Männer wurden gerufen, seine Anweisungen auszuführen. Jede Schelle, jeder Granatapfel, jede Quaste, jeder Saum, jeder Vorhang und jedes Gefäß im Heiligtum sollte genau dem ihm gezeigten Modell nachgefertigt werden. Gott der Herr rief ihn auf den Berg und ließ ihn die himmlischen Dinge sehen. Er schützte ihn mit seiner Herrlichkeit und befähigte ihn dadurch, das Vorbild zu sehen. In Übereinstimmung damit ließ er alles anfertigen. So offenbarte er Israel, das er zu seinem Wohnplatz machen wollte, sein herrliches Ideal von einem Charakter. Das Vorbild zeigte er ihnen auf dem Berge, als er das Gesetz vom Sinai gab und er an Mose vorüberging mit dem Ruf: „Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde." 2.Mose 34:6,7.

Israel hat jedoch seinen eigenen Weg gewählt und nicht nach dem Vorbild gebaut. Christus dagegen, der Tempel, in dem Gott wahrhaftig wohnte, formte jede Einzelheit seines irdischen Lebens nach dem Bilde Gottes. Er sprach: „Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen." Psalm 40:9. So soll auch unser Charakter „zu einer Behausung Gottes im Geist" (Epheser 2:22) erbaut werden. Wir sollen „alles nach dem Bilde ... auf dem Berge" (Hebräer 8:5) und in Übereinstimmung mit Jesus machen, der „euch ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen". 1.Petrus 2:21.

Christi Worte lehren, daß wir uns unlösbar an unseren Vater im Himmel gebunden fühlen sollen. Wer immer wir auch sein mögen, wir sind von Gott abhängig. Er hält das Schicksal aller in seinen Händen. Er hat uns unsere Aufgabe zugewiesen und uns mit Fähigkeiten und Gaben für diese Aufgabe ausgestattet. Wenn wir den Willen Gott unterwerfen und seiner Stärke und Weisheit vertrauen, werden wir auf sicheren Pfaden geleitet werden, so daß wir den uns zugewiesenen Anteil an seinem großen Plan zu erfüllen vermögen. Wer sich jedoch auf seine eigene Weisheit und Kraft verläßt, trennt sich selber von Gott. Statt im Einklang mit Christus zu wirken, führt er die Absicht des Feindes Gottes und der Menschheit aus.

Der Heiland fährt fort: „Was dieser [der Vater] tut, das tut gleicherweise auch der Sohn ... Wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will." Johannes 5:19,21. Die Sadduzäer meinten, es gäbe keine Auferstehung des Leibes; Jesus aber versichert ihnen, daß eine der größten Taten seines Vaters die Auferweckung der Toten sei und er selber auch die Macht habe, diese Tat zu vollbringen. „Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören werden, die werden leben." Johannes 5:25. Die Pharisäer glaubten an die Auferstehung der Toten. Christus erklärte, daß die Kraft, die den Toten Leben verleiht, sich gerade jetzt unter ihnen befinde und daß sie ausersehen seien, ihre Wirksamkeit zu schauen. Es ist dieselbe Auferweckungskraft, die einer Seele, welche „tot" ist in „Übertretungen und Sünden" (Epheser 2:1), Leben spendet. Dieser lebenspendende Geist in Christus Jesus, „die Kraft seiner Auferstehung" (Philipper 3:10), macht Menschen „frei ... von dem Gesetz der Sünde und des Todes". Römer 8:2. Die Herrschaft des Bösen ist gebrochen, und durch den Glauben wird die Seele vor der Sünde bewahrt. Wer sein Herz dem Geist Christi öffnet, wird Teilhaber jener mächtigen Kraft, die seinen Leib aus dem Grabe hervorkommen läßt.

Der demütige Nazarener macht seine wahre Größe geltend. Er erhebt sich über alles Menschliche, streift die Gestalt der Sünde und Schmach ab und steht sichtbar vor aller Augen, der Ruhm der Engel, der Sohn Gottes, eins mit dem Schöpfer des Weltalls. Seine Zuhörer sind fasziniert. Niemand hat je solche Worte gesprochen wie er oder ist mit solch königlicher Würde aufgetreten. Was er sagte, war deutlich und klar und erklärte voll und ganz seinen Auftrag sowie die Pflicht der Welt. „Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat ... Denn wie der Vater das Leben hat in sich selbst, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selbst, und hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist." Johannes 5:22,23,26,27.

Die Priester und Obersten hatten sich zu Richtern gesetzt, um das Werk Christi zu verdammen, er aber erklärte, er sei ihr und der ganzen Erde Richter. Die Welt ist Christus übergeben worden, und durch ihn ist jeglicher Segen von Gott auf die gefallene Menschheit gekommen. Sowohl vor wie nach seiner Menschwerdung war er der Erlöser. Sobald die Sünde kam, gab es schon einen Erlöser. Er schenkte einem jeden Licht und Leben, und nach dem Maß des verliehenen Lichtes wird ein jeder gerichtet werden. Christus, der dieses Licht schenkte, jeder Seele mit innigstem Flehen nachging und sich bemühte, sie aus der Sünde heraus zur Heiligung zu führen, ist ihr Anwalt und Richter zugleich. Seit Beginn des großen Streites im Himmel hat Satan seine Sache auf betrügerische Weise verfochten. Christus dagegen hat alles getan, Satans Pläne aufzudecken und dessen Macht zu brechen. Er ist dem Betrüger entgegengetreten und hat durch alle Zeiten hindurch darauf hingewirkt, die in Sünde Gefangenen dem Zugriff dessen zu entwinden, der das Verdammungsurteil über jede Seele bringen will.

Und Gott „hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist". Johannes 5:27. Christus hat die Anfechtungen und Versuchungen des Menschen bis zur Neige gekostet und versteht die Schwächen und Sünden der Menschen; er hat um unsertwillen den Verlockungen Satans widerstanden und wird gerecht und barmherzig mit den Seelen umgehen, die zu erretten er sein eigenes Blut vergossen hat. Aus diesen Gründen wurde der Sohn des Menschen dazu bestimmt, das Gericht zu halten.

Doch der Auftrag Christi galt nicht dem Gericht, sondern der Erlösung. „Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde." Johannes 3:17. Und vor dem Hohen Rat erklärte Jesus: „Wer mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen." Johannes 5:24.

Mit der Aufforderung, nicht verwundert zu sein, eröffnete Christus seinen Zuhörern, noch weiter vorausblickend, das Geheimnis der Zukunft: „Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts." Johannes 5:28,29.

Auf diese Zusicherung des künftigen Lebens hatte Israel so lange gewartet in der Hoffnung, es beim Erscheinen des Messias zu empfangen, Das einzige Licht, welches das Dunkel des Grabes zu erleuchten vermochte, umstrahlte sie. Aber Eigensinn macht blind. Jesus hatte die Überlieferungen der Rabbiner verletzt und ihre Autorität mißachtet. Nun wollten sie nicht glauben.

Der Zeitpunkt, der Ort, der Anlaß, die Tiefe der Empfindungen, welche die Versammlung erfüllten — das alles zusammen machte die Worte Jesu vor dem Hohen Rat noch eindrucksvoller. Die höchsten religiösen Würdenträger des Volkes trachteten dem nach dem Leben, der sich selbst als denjenigen bezeichnete, der Israel wiederherstellen wollte. Der Herr des Sabbats wurde vor ein irdisches Tribunal gestellt, um sich wegen der Anschuldigung zu verantworten, das Sabbatgebot übertreten zu haben. Während Christus furchtlos seinen Auftrag darlegte, blickten seine Richter mit Erstaunen und Wut auf ihn; doch seine Worte waren nicht zu widerlegen. Sie konnten ihn nicht verurteilen. Er bestritt Priestern und Rabbinern das Recht, ihn zur Rechenschaft zu ziehen oder seine Aufgabe zu stören. Dazu fehlte ihnen jede Legitimation. Ihre derartigen Ansprüche stützten sich auf ihren eigenen Hochmut und ihre eigene Überheblichkeit. Jesus lehnte es ab, sich ihrer Anklagen schuldig zu bekennen oder sich von ihnen verhören zu lassen.

Statt sich wegen der ihm zur Last gelegten Tat zu rechtfertigen oder seine damit verbundene Absicht zu erläutern, wandte sich Jesus gegen die Herrschenden des Volkes. Der Beschuldigte wurde zum Ankläger. Er tadelte sie wegen ihrer Herzenshärtigkeit und Unkenntnis der heiligen Schriften und behauptete, daß sie das Wort Gottes insofern verwarfen, als sie ihn, den Gott gesandt hatte, zurückwiesen. „Ihr suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist es, die von mir zeuget." Johannes 5:39.

Auf jeder Seite der Geschichts-, Lehr- und prophetischen Bücher des Alten Testaments erstrahlt die Herrlichkeit des Sohnes Gottes. Soweit die jüdische Ordnung auf göttliche Anweisung zurückging, war sie eine gedrängte Weissagung der Frohbotschaft. Von Christus „zeugen alle Propheten". Apostelgeschichte 10:43. Angefangen mit der Weissagung an Adam, über die Zeit der Patriarchen und der Gesetzgebung — immer ebnete das herrliche Licht des Himmels den Fußspuren des Erlösers den Weg. Seher schauten den „Stern" von Bethlehem, den verheißenen „Helden" (1.Mose 49:10), während künftige Ereignisse geheimnisvoll an ihnen vorüberzogen. Jedes Opfer deutete auf Christi Tod hin. Mit jeder Wolke des Räuchopfers stieg seine Gerechtigkeit empor. Mit jeder Posaune des „Erlaßjahres" ertönte sein Name. 3.Mose 25:13. In dem ehrfurchtgebietenden Geheimnis des Allerheiligsten wohnte seine Herrlichkeit.

Die Juden besaßen die heiligen Schriften und glaubten durch lediglich äußere Kenntnis des Wortes das ewige Leben zu finden. Doch Jesus sagte: „Sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen." Johannes 5:38. Dadurch, daß sie Christus in seinem Wort verworfen hatten, verwarfen sie ihn zugleich als Person. „Doch wollt ihr nicht zu mir kommen", erklärte er, „daß ihr das Leben hättet." Johannes 5:40.

Die jüdischen Obersten hatten zwar die Lehren der Propheten über das Reich des Messias studiert, jedoch nicht in der aufrichtigen Absicht, die Wahrheit zu erkennen, sondern um Beweise zu finden, die ihre ehrgeizigen Hoffnungen stützten. Als Christus in einer Art kam, die ihren Erwartungen nicht entsprach, wollten sie ihn nicht annehmen. Und um sich zu rechtfertigen, versuchten sie nachzuweisen, daß er ein Betrüger sei. Nachdem sie sich einmal auf diesen Weg begeben hatten, fiel es Satan leicht, sie in ihrem Widerstand gegen Christus zu verhärten. Gerade die Worte, die sie als Beweis seiner Göttlichkeit hätten annehmen sollen, deuteten sie gegen ihn. So verwandelten sie die Wahrheit Gottes in eine Lüge, und je unverhüllter der Heiland in seinen Werken der Barmherzigkeit zu ihnen sprach, desto entschlossener widersetzten sie sich dem Licht.

Jesus sprach: „Ich nehme nicht Ehre von Menschen." Johannes 5:41. Er suchte weder den Einfluß noch die Bestätigung des Hohen Rates. Dessen Zustimmung konnte ihn nicht ehren. Er war mit der Ehre und Vollmacht des Himmels ausgestattet. Hätte er es gewollt, so wären Engel gekommen, um ihm zu huldigen, und der Vater würde erneut Jesu Göttlichkeit bezeugt haben. Aber um ihrer selbst und um des Volkes willen, dessen Führer sie waren, wünschte er, daß die jüdischen Oberen sein wahres Wesen erkennten und die Segnungen empfingen, die zu bringen er gekommen war.

„Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmet mich nicht an. Wenn ein anderer wird in seinem eignen Namen kommen, den werdet ihr annehmen." Johannes 5:43. Jesus kam in der Autorität Gottes. Er trug Gottes Bild an sich, erfüllte Gottes Wort und suchte Gottes Ehre. Dennoch nahmen die Herrscher Israels ihn nicht an. Wenn aber andere kommen und Christi Wesen zur Schau stellen würden, in Wirklichkeit jedoch nach ihrem eigenen Willen handelten und ihre eigene Ehre suchten, dann würden sie diese annehmen. Und warum? Weil derjenige, der seine eigene Ehre sucht, das Verlangen anderer nach Selbsterhöhung anspricht. Auf solche Aufforderungen konnten die Juden eingehen. Einen falschen Lehrer würden sie annehmen, weil er die von ihnen gehegten Meinungen und Überlieferungen guthieße und damit ihrem Stolz schmeichelte. Christi Lehre dagegen deckte sich nicht mit ihren Vorstellungen. Sie war geistlich und forderte Selbsthingabe. Aus diesem Grunde würden sie sie nicht annehmen. Sie kannten Gott nicht, und als er durch Christus zu ihnen sprach, war seine Stimme für sie die eines Fremden.

Wiederholt sich dies nicht in unserer Zeit? Verhärten nicht viele führende Männer, sogar religiöse, ihre Herzen gegen den Heiligen Geist und berauben sie sich nicht dadurch der Möglichkeit, die Stimme Gottes zu erkennen? Verwerfen sie nicht Gottes Wort um ihrer eigenen Überlieferungen willen?

„Wenn ihr Mose glaubtet", sprach Jesus, „so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?" Johannes 5:46,47. Christus hatte durch Mose zu den Israeliten geredet. Hätten sie auf die göttliche Stimme geachtet, die durch ihren großen Führer gesprochen hatte, dann würden sie sie in den Lehren Christi wiedererkannt haben. Hätten sie Mose geglaubt, so würden sie auch an den geglaubt haben, von dem Mose schrieb.

Jesus wußte, daß die Priester und Rabbiner entschlossen waren, ihm das Leben zu nehmen. Dennoch erklärte er ihnen in aller Deutlichkeit seine Einheit mit dem Vater und sein Verhältnis zur Welt. Sie erkannten, daß ihr Widerstand gegen ihn unentschuldbar war. Dennoch ließ ihr mörderischer Haß nicht nach. Furcht bemächtigte sich ihrer, als sie Augenzeugen der überwältigenden Macht wurden, die seinen Dienst begleitete. Dessenungeachtet widersetzten sie sich seinem Ruf und lieferten sich der Finsternis aus.

Es war ihnen in keiner Weise gelungen, das Ansehen Jesu zu unter graben oder ihm die Achtung und Aufmerksamkeit des Volkes zu entziehen, im Gegenteil, viele von ihnen waren von seinen Worten überzeugt. Die Obersten selber hatten tiefe Gewissensbisse gefühlt, als er ihnen mit Nachdruck ihre Schuld zum Bewußtsein brachte. Doch das ließ sie nur noch heftiger reagieren. Sie waren entschlossen, zu töten. Sie sandten deshalb Boten durch das ganze Land, die das Volk vor Jesus warnen sollten, der ein Betrüger wäre. Beobachter wurden ausgesandt, um ihn zu überwachen. Sie sollten berichten, was er redete und tat. Der herrliche Erlöser stand nunmehr ganz deutlich unter dem Schatten des Kreuzes.


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Wer weiß denn mit Gewißheit was das Malzeichen ist?
 

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