„Was weinest Du?“
Kapitel  82


Gemäß Matthäus 28:1,5-8; Markus 16:1-8 ; Lukas 24:1-12; Johannes 20:1-18.

Die Frauen, die unter dem Kreuz Jesu gestanden hatten, warteten darauf, daß die Sabbatstunden vergingen. Am ersten Tag der Woche machten sie sich schon sehr früh auf den Weg zum Grab und nahmen kostbare Spezereien mit, um den Körper des Heilandes zu salben. Sie dachten nicht im geringsten daran, daß Jesus von den Toten auferstanden sein könnte. Die Sonne ihrer Hoffnung war untergegangen, Nacht hatte sich auf ihre Herzen gesenkt. Auf dem Wege zum Grabe dachten sie wohl an Jesu Werke der Liebe und an seine trostreichen Worte, doch sie erinnerten sich nicht seiner Verheißung: „Ich will euch wiedersehen." Johannes 16:22.

Sie hatten keine Ahnung, was gerade geschah, als sie sich dem Garten näherten; sie überlegten nur: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?" Markus 16:3. Sie wußten, daß sie den schweren Stein nicht bewegen konnten; dennoch setzten sie ihren Weg fort. Da erhellte den Himmel plötzlich ein Glanz, der nicht von der aufgehenden Sonne kam. Die Erde zitterte und bebte. Die Frauen sahen, daß der große Stein zur Seite gewälzt und die Gruft selbst leer war.

Sie waren nicht alle aus derselben Richtung zum Grabe gekommen. Maria Magdalena hatte als erste die Stätte erreicht. Als sie nun sah, daß das Grab offen war, eilte sie hinweg, um es den Jüngern mitzuteilen. Inzwischen hatten auch die anderen Frauen den Garten erreicht. Sie sahen Jesu Grab von einem hellen Licht umleuchtet, aber den Leichnam des Herrn fanden sie nicht. Als sie noch etwas verweilten, bemerkten sie plötzlich, daß sie nicht allein waren. Ein Jüngling in weißem Gewand saß im Innenraum des Grabes. Es war der Engel, der den schweren Stein von der Tür gewälzt hatte. Er hatte Menschengestalt angenommen, um die Freunde Jesu nicht zu beunruhigen. Dennoch umleuchtete ihn das Licht der himmlischen Herrlichkeit, und die Frauen fürchteten sich. Sie wollten schon fliehen, als die Worte des Engels sie zurückhielten: „Entsetzet euch nicht!" sprach er zu ihnen. „Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten! Gehet aber hin und saget seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa." Markus 16:6,7. Die Frauen schauten erneut in die Gruft hinein, und abermals hörten sie die wunderbare Botschaft. Noch ein anderer Engel in Menschengestalt war dort, und dieser sagte jetzt: „Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden. Gedenket daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war und sprach: des Menschen Sohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen." Lukas 24:5-7.

Er ist auferstanden! Er ist auferstanden! Die Frauen wiederholen immer wieder diese Worte. Nun brauchen sie ihre Salben und Spezereien nicht mehr; der Heiland lebt. Jetzt erinnern sie sich auch daran, daß Jesus, als er von seinem Tode sprach, ihnen gesagt hat, er würde auferstehen. Welch ein Tag ist dies für die ganze Welt! Die Frauen eilten vom Grabe hinweg „mit Furcht und großer Freude und liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten." Matthäus 28:8.

Maria hatte die Freudenbotschaft noch nicht erfahren. Sie befand sich auf dem Weg zu Petrus und Johannes und brachte ihnen die erschütternde Nachricht: „Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben." Johannes 20,2. Die Jünger liefen sofort zum Grabe und sahen die Worte Marias bestätigt. Sie erkannten die Leichentücher; aber ihren Herrn selbst fanden sie nicht. Trotzdem gab es Beweise von der Auferstehung des Herrn. Die Grabtücher waren nicht etwa achtlos beiseite geworfen, sondern sie lagen sorgfältig zusammengelegt jedes an seinem Platz. Johannes „sah und glaubte". Johannes 20:8. Er hatte zwar noch nicht verstanden, daß Jesus nach der Schrift von den Toten auferstehen müsse; aber er erinnerte sich jetzt aller Worte, die der Heiland von seiner Auferstehung jemals gesagt hatte.

Der Heiland selbst hatte die Leinentücher sorgfältig an ihren Platz gelegt. Als der Engelfürst zum Grab herniederkam, wurde er von einem weiteren Engel begleitet, der gemeinsam mit anderen den Leichnam Jesu bewacht hatte. Während der Engelfürst den schweren Stein hinwegwälzte, betrat der andere Engel das Grab und befreite den Leib des Herrn aus der festen Umhüllung. Aber es war Jesu Hand, die die Tücher faltete und sie an ihren Platz legte. In den Augen dessen, der die Sterne genauso lenkt wie die winzigsten Atome, ist nichts unwichtig. Ordnung und Vollkommenheit sind das Kennzeichen aller seiner Werke.

Maria war den Jüngern wieder zum Grabe gefolgt. Als diese aber nach Jerusalem zurückkehrten, blieb sie zurück. Sie schaute wieder in das leere Grab, und ihr Kummer wuchs. Da sah sie die zwei Engel im Grabe stehen — zu Häupten und zu Füßen der Stelle, wo Jesus gelegen hatte. „Und dieselben sprachen zu ihr:  Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben." Johannes 20:13.

Darauf wandte sie sich von den Engeln ab. Sie meinte, sie müsse jemanden finden, der ihr Auskunft geben könnte, was mit Jesu Leichnam geschehen sei. Da wurde sie von einer anderen Stimme angesprochen: „Weib, was weinest du? Wen suchest du?" Mit durch Tränen verdunkeltem Blick erkannte Maria die Gestalt eines Mannes. Sie glaubte, es sei der Gärtner, und fragte ihn: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du ihn hingelegt, so will ich ihn holen." Johannes 20,15. Sollte des reichen Mannes Grabstätte zu ehrenvoll gewesen sein für Jesus, dann würde sie selbst einen Platz für ihn zu finden wissen. Sie dachte an die Gruft, aus der Jesu eigene Stimme einen Toten herausgerufen hatte; es war das Grab des Lazarus. Könnte sie dort nicht einen guten Ruheort für ihren Herrn finden? Sie fühlte, daß es für sie in ihrem Kummer sehr tröstlich wäre, wenn sie sich um den Leichnam des Gekreuzigten kümmerte.

Doch plötzlich sagte Jesus in der ihr so wohlbekannten Stimme zu ihr: „Maria!" Auf einmal wußte sie, daß es kein Fremder war, der sie auf diese Weise anredete, und als sie sich umdrehte, sah sie Christus lebendig vor sich stehen. In ihrer Freude vergaß sie, daß er inzwischen gekreuzigt worden war. Sie stürzte auf ihn zu, als wollte sie seine Füße umschlingen, und rief: „Rabbuni! das heißt: Meister!" Da erhob Jesus seine Hand und sagte ihr: „Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott." Johannes 20:16,17. Und Maria eilte zu den Jüngern, um ihnen die frohe Botschaft zu bringen.

Jesus wollte nicht eher die Huldigung der Seinen entgegennehmen, bis er die Gewißheit hatte, daß sein Opfer vom Vater angenommen war. Er stieg zum Himmel empor und empfing von Gott selbst die Versicherung, daß seine für die Sünden der Menschheit vollbrachte Versöhnung ausreichend gewesen war, so daß durch sein Blut alle Menschen das ewige Leben erlangen könnten. Der Vater bestätigte das mit Christus getroffene Übereinkommen, daß er bußfertige und gehorsame Menschen aufnehmen und sie so lieben würde wie seinen Sohn auch. Christus hatte dafür sein Werk zu vollenden und sein Versprechen zu erfüllen,  „daß ein Mann kostbarer sein soll als Feingold und ein Mensch wertvoller als Goldstücke aus Ophir." Jesaja 13:12. Alle Macht im Himmel und auf Erden wurde dem Lebensfürsten gegeben. Er kehrte zurück zu seinen Nachfolgern in einer sündigen Welt, um ihnen von seiner Macht und Herrlichkeit mitzuteilen.

Während Jesus in Gottes Gegenwart köstliche Gaben für seine Gemeinde empfing, dachten die Jünger an sein leeres Grab, trauerten und weinten. Der Tag, den der ganze Himmel als Freudentag feierte, war den Jüngern ein Tag der Ungewißheit, der Verwirrung und Unruhe. Ihr Unglaube gegenüber dem Zeugnis der Frauen bewies, wie tief ihr Glaube gesunken war. Die Kunde von der Auferstehung Christi unterschied sich so sehr von dem, was sie erwartet hatten, daß sie daran nicht zu glauben vermochten. Sie dachten, es sei zu schön, um wahr zu sein. Sie hatten so viel über die Lehren und die sogenannten wissenschaftlichen Theorien der Sadduzäer gehört, daß sie sich von der Auferstehung kein klares Bild mehr machen konnten. Sie wußten kaum noch, was die Auferstehung von den Toten bedeutete, und waren unfähig, das große Ereignis zu fassen.

„Gehet aber hin", so hatten die Engel den Frauen aufgetragen, „und saget seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat." Markus 16:7. Die Engel waren während seines Erdenlebens die Beschützer Jesu gewesen; sie hatten dem Verhör und der Kreuzigung beigewohnt und Christi Worte an seine Jünger gehört. Das war auch aus der Botschaft zu ersehen, die sie an die Jünger richteten, und hätte sie von deren Wahrheit überzeugen müssen. Solche Worte hatten doch nur von den Boten des auferstandenen Herrn stammen können.

„Saget [es] seinen Jüngern und Petrus", hatten die Engel geboten. Seit dem Tode Christi war Petrus, von Gewissensbissen geplagt, sehr niedergeschlagen. Sein schmählicher Verrat am Herrn und der liebevolle und zugleich schmerzbewegte Blick des Heilandes standen ihm Tag und Nacht vor Augen. Von allen Jüngern hatte er am meisten gelitten; nun wurde ihm die Versicherung zuteil, daß seine Reue angenommen und seine Sünde vergeben war. Er wurde mit Namen genannt.

„Saget seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen." Alle Jünger hatten den Herrn im Stich gelassen, und die Aufforderung, ihn wiederzutreffen, schloß sie alle ein; er hatte sie nicht verstoßen. Als Maria Magdalena ihnen verkündigte, daß sie den Herrn gesehen hatte, wiederholte sie die Aufforderung, ihn in Galiläa zu treffen. Zum dritten Mal gelangte die Botschaft zu ihnen durch die anderen Frauen, denen Jesus erschien, nachdem er zum Vater aufgefahren war. „Seid gegrüßt!" sagte er zu ihnen. „Und sie traten zu ihm und umfaßten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Gehet hin und verkündigt es meinen Brüdern, daß sie gehen nach Galiläa; daselbst werden sie mich sehen." Matthäus 28:9,10.

Nach seiner Auferstehung bestand Christi erste Aufgabe darin, seine Jünger von seiner unverminderten Zuneigung und liebevollen Rücksichtnahme ihnen gegenüber zu überzeugen. Er wollte ihnen beweisen, daß er ihr lebendiger Heiland war, der die Bande des Todes zerrissen hatte und den der Feind Tod nicht hatte halten können. Sie sollten erkennen, daß er dasselbe Herz voll Liebe besaß wie vorher, als er, ihr geliebter Meister, unter ihnen geweilt hatte. Deshalb erschien er ihnen immer wieder und schlang das Band der Liebe noch enger um sie. „Gehet hin und verkündigt es meinen Brüdern, daß sie gehen nach Galiläa."

Als die Jünger diese so bestimmt gegebene Anordnung hörten, fielen ihnen Jesu Worte ein, die seine Auferstehung vorhersagten. Doch auch jetzt freuten sie sich nicht; sie konnten sich von Zweifel und Verwirrung noch nicht frei machen. Selbst als die Frauen mitteilten, daß sie Jesus gesehen hatten, wollten die Jünger es nicht glauben; sie meinten, daß jene einer Sinnestäuschung zum Opfer gefallen wären.

Eine Not schien der andern zu folgen. Am sechsten Tage der Woche hatten sie ihren Meister sterben sehen; am ersten Tag der neuen Woche glaubten sie sich seines Leichnams beraubt und wurden selbst beschuldigt, ihn gestohlen zu haben, um auf diese Weise das Volk zu täuschen. Sie zweifelten daran, sich jemals von diesem Verdacht reinigen zu können, der sich immer mehr verstärkte. Dazu fürchteten sie die Feindschaft der Priester und den Zorn des Volkes. Sie sehnten sich nach Jesu Gegenwart, der ihnen aus jeder Verlegenheit geholfen hatte.

Oft wiederholten sie die Worte: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen würde." Lukas 24:21. Allein gelassen und verzagten Herzens dachten sie auch an Jesu Worte: „Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren werden?" Lukas 23:31. Sie fanden sich im oberen Stockwerk zusammen und verschlossen und verriegelten die Türen, wußten sie doch, daß sie jederzeit das Schicksal ihres geliebten Meisters teilen konnten.

Wie groß aber hätte zur gleichen Zeit die Freude sein können, da der Heiland ja auferstanden war! Maria hatte weinend im Garten gestanden, als der Heiland sich bereits hinter ihr befand. Ihre Augen waren so voller Tränen, daß sie ihn nicht erkannte. Und das Herz der Jünger war so grambeschwert, daß sie weder der Botschaft der Engel noch Christi eigenen Worten zu glauben vermochten.

Wie viele Christen handeln so wie die Jünger damals! Wie viele klagen mit Maria: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!" Johannes 20:13. An wie viele Menschen könnten Jesu Worte gerichtet sein: „Was weinest du? Wen suchest du?" Johannes 20:15. Er steht dicht hinter ihnen, aber ihre tränenverhangenen Augen bemerken ihn nicht; er spricht zu ihnen, aber sie verstehen ihn nicht.

Daß sich doch diese gebeugten Häupter aufrichten, die verweinten Augen ihn sehen und die Ohren seine Stimme hören möchten! „Gehet eilend hin und sagt es seinen Jüngern, daß er auferstanden sei von den Toten." Matthäus 28:7. Bittet sie, ihren Blick nicht auf Josephs neues Grab zu richten, das mit einem schweren Stein verschlossen und mit dem römischen Siegel verwahrt war. Christus ist nicht dort! Schaut auch nicht nach dem leeren Grab! Trauert nicht wie solche, die ohne Hoffnung und Hilfe sind. Jesus lebt! Und weil er lebt, werden auch wir leben. Aus frohem Herzen und von Lippen, die von göttlichem Feuer brennen, soll der Jubelgesang erschallen: Christus lebt! Er lebt, um unser Fürsprecher zu sein. Ergreift diese Hoffnung, und sie wird eure Seele wie ein sicherer und bewährter Anker festhalten! Glaube, und du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen!


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