Kapitel 27 -  „So du willst, kannst du
mich wohl reinigen ...”


Gemäß Matthäus 8:2-4; Matthäus 9:1-8; Matthäus 8:32-43;
Markus 1:40-45; Markus 2:1-12; Lukas 5:12-28

Von allen im Orient bekannten Krankheiten wurde der Aussatz am meisten gefürchtet. Sein ansteckender, unheilbarer Charakter und die schreckliche Wirkung auf seine Opfer entsetzten selbst den Tapfersten. Unter den Juden hielt man den Aussatz für ein göttliches Strafgericht als Folge der Sünde und bezeichnete ihn deshalb als Schicksalsschlag oder „Fingerzeig Gottes". Da er chronisch, unheilbar und damit tödlich war, wurde er als ein Sinnbild der Sünde betrachtet. Das Zeremonialgesetz erklärte einen Aussätzigen für unrein. Wie ein bereits Toter war er von menschlichen Ansiedlungen ausgeschlossen. Was immer er berührte, wurde dadurch unrein; selbst die Luft wurde durch seinen Atem verdorben. Wer verdächtig war, unter dieser Krankheit zu leiden, mußte sich den Priestern vorstellen, die ihn zu untersuchen und seinen Fall zu entscheiden hatten. Erklärten sie ihn für aussätzig, wurde er von seiner Familie wie überhaupt von dem ganzen Volk getrennt und blieb fortan verurteilt, nur mit denen zusammen zu leben, die in gleicher Weise heimgesucht wurden. Die Forderungen des Gesetzes waren unerbittlich. Selbst für Könige und Oberste gab es keine Ausnahme. So mußte etwa ein Herrscher, der von der schrecklichen Krankheit erfaßt wurde, seine Regentschaft aufgeben und sich von der Gesellschaft fernhalten.

Von Freunden und Verwandten getrennt, mußte der Aussätzige den Fluch seiner Krankheit tragen. Er war verpflichtet, sein Unglück offen bekanntzugeben, seine Gewänder zu zerreißen und laute Warnrufe auszustoßen, damit jeder seine ansteckende Nähe meiden konnte. Wenn einer jener einsamen Ausgestoßenen klagend den Ruf „Unrein! Unrein!" vernehmen ließ, galt dies als ein Signal, das man mit Furcht und Abscheu zur Kenntnis nahm.

In der Gegend, in welcher Jesus lebte und wirkte, gab es viele solcher Leidenden. Als die Kunde von Jesu Wirken diese Aussätzigen erreichte, erwachte in ihnen ein Hoffnungsschimmer. Seit den Tagen des Propheten Elisa war es nicht vorgekommen, daß ein Aussätziger geheilt worden war. Sie wagten darum nicht, ihrer Hoffnung nachzugehen und von Jesus etwas zu erwarten, was noch niemand je zuvor von ihm erfahren hatte. In dem Herzen eines dieser Aussätzigen war jedoch der Glaube erwacht; nur wußte er nicht, wie er Jesus erreichen konnte. Wie sollte es für ihn, der von der Verbindung mit seinen Mitmenschen ausgeschlossen war, möglich sein, zum Heiland zu kommen? Und wenn er es versuchte, würde Jesus ihn heilen? Würde er sich herablassen, einen Menschen zu beachten, der unter dem Gericht Gottes stand? Würde er nicht gleich den Pharisäern und Ärzten einen Fluch über ihn aussprechen und ihm befehlen, die Nähe der Menschen zu fliehen? Er dachte an alles, was er von Jesus gehört hatte. Nicht einer, der seine Hilfe erbeten hatte, war abgewiesen worden. Da entschloß sich der Unglückliche, Jesus zu suchen. War ihm auch der Zutritt zur Stadt verwehrt, so war es vielleicht doch möglich, daß er dem Herrn auf einer abgelegenen Gebirgsstraße begegnete, oder er fände ihn, wenn er außerhalb der Stadt lehrte. Diese Hoffnung ließ ihn über alle Schwierigkeiten hinwegsehen.

Der Aussätzige wird in die Nähe des Herrn geführt. Jesus lehrt am See, und das Volk hat sich um ihn versammelt. Aus einiger Entfernung hört der Aussätzige dem Worte Jesu zu. Er sieht, daß dieser seine Hände den Kranken auflegt; sieht, daß Lahme, Blinde, Gichtbrüchige und andere Kranke sich nach der Berührung gesund erheben und Gott für ihre Erlösung preisen. Der Glaube wächst im Herzen des Aussätzigen; er nähert sich der Menge immer mehr; er vergißt die ihm auferlegten Beschränkungen, die Gefährdung der Gesunden, übersieht die Furcht und das Entsetzen, womit ihn alle ansehen, und ist nur erfüllt von der seligen Hoffnung, geheilt zu werden.

Er selbst bietet einen ekelerregenden Anblick. Die Krankheit hat seinen Leib völlig entstellt; sein verwesender Körper ist schrecklich anzusehen. Entsetzt weichen die Menschen vor ihm zurück. Sie bedrängen sich gegenseitig in ihrer Ungeduld, seine Nähe zu fliehen. Einige versuchen ihn davon abzuhalten, zu Jesus zu gelangen, aber vergebens. Er sieht und hört sie nicht; ihre Schreckensrufe finden kein Echo in ihm. Er sieht nur den Sohn Gottes, er hört nur die Stimme, die den Sterbenden Leben verkündet. Nun er sich zu Jesus durchgedrückt hat, wirft er sich ihm zu Füßen und ruft: „Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen."

Jesus erwiderte: „Ich will's tun; sei gereinigt!" Matthäus 8:2,3. Dabei legte er seine Hand auf den Kranken. Sofort ging eine große Veränderung in dem Aussätzigen vor: sein Fleisch wurde gesund, seine Kraft belebte sich und seine Muskeln wurden fest. Die rauhe, schuppige Hautoberfläche des Aussätzigen verschwand, und eine gesunde Hautfarbe, gleich der eines wohlgenährten Kindes, stellte sich ein.

Jesus befahl dem Mann, das an ihm vollzogene Wunder nicht weiterzuberichten, sondern sich sofort mit einer Opfergabe zum Tempel zu begeben. Eine solche Gabe wurde damals nur angenommen, wenn die Priester eine Untersuchung des Opfernden vorgenommen und ihn für völlig geheilt befunden hatten. So unwillig sie auch dieser Aufgabe nachkommen mochten, sie konnten sich ihr nicht entziehen.

Die Worte der Schrift zeigen, wie nachdrücklich der Heiland dem Geheilten gebot, streng zu schweigen und dafür rasch zu handeln. „Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Siehe zu, daß du niemand davon sagest; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis." Markus 1:43,44. Hätten die Priester die Einzelheiten der Heilung des Aussätzigen gekannt, dann würde ihr Haß sie vielleicht dazu verleitet haben, ein ungerechtes Urteil zu fällen. Jesus wünschte, daß der Geheilte sich im Tempel vorstellte, ehe irgendwelche Gerüchte über das Wunder die Priester erreichten. So allein konnte eine vorurteilsfreie Entscheidung gesichert und dem geheilten Aussätzigen erlaubt werden, sich aufs neue mit seiner Familie und seinen Freunden zu vereinen.

Christus hatte noch andere Absichten im Sinn, als er dem Mann zu schweigen gebot. Der Heiland wußte, daß seine Feinde immer darauf aus waren, seine Aufgabe zu behindern und die Leute ihm abspenstig zu machen. Ihm war klar, daß sich andere von dieser furchtbaren Krankheit Betroffene um ihn scharten, wenn die Heilung jenes Leprakranken überall gerühmt würde. Dann aber wäre der Vorwurf unvermeidlich, daß das Volk durch den Kontakt mit ihm verunreinigt würde. Auch würden viele ehedem Leprakranke die Gabe der Gesundheit nicht so nutzen, daß sie für andere oder für sich selbst segensreich wäre. Und wenn er die Aussätzigen um sich versammelte, gäbe er Anlaß zu dem Vorwurf, er übertrete die Verbote des Zeremonialgesetzes. Das aber hätte eine Behinderung seiner Evangeliumsverkündigung zur Folge gehabt.

Die nachfolgenden Ereignisse rechtfertigten Jesu warnende Worte. Sehr viele Menschen hatten die Heilung jenes Aussätzigen miterlebt und warteten gespannt darauf, wie die Entscheidung der Priester ausfallen werde. Als dann der Mann zu seinen Freunden zurückkehrte, gab es große Aufregung. Obwohl er von Jesus zur Zurückhaltung ermahnt worden war, bemühte sich der Geheilte nicht weiter, die Tatsache seiner Gesundung zu verbergen. Dies zu verheimlichen, wäre auch wirklich unmöglich gewesen; aber der Mann tat ein übriges und posaunte seine Heilung überall aus. In der Annahme, die ihm von Jesus auferlegte Zurückhaltung sei nur dessen Bescheidenheit zuzuschreiben, verkündete er auf all seinen Wegen die Vollmacht des Wunderheilers. Er konnte nicht begreifen, daß jede Kundgebung dieser Art die Priester und Ältesten mehr in ihrer Absicht bestärkte, Jesus umzubringen. Er empfand nur die Wohltat der wiedergewonnenen Gesundheit als überaus kostbar und freute sich über die neuerwachte Lebenskraft; er war glücklich darüber, seiner Familie und der Gemeinschaft wiedergegeben zu sein, und konnte sich unmöglich dabei zurückhalten, den Arzt zu preisen, der ihn gesundgemacht hatte. Aber das Herausposaunen seiner Heilung hatte tatsächlich zur Folge, daß das Werk des Heilandes behindert wurde. Es führte dazu, daß Menschen in Scharen zu Jesus pilgerten und er sich deshalb genötigt sah, eine Zeitlang seine Aufgabe zu unterbrechen.

Jede Handlung Christi hatte weitreichende Absichten. Sie umfaßte mehr, als man vom bloßen Geschehen her zunächst annehmen mochte. So auch im Fall des geheilten Aussätzigen. Während Jesus allen half, die zu ihm kamen, sehnte er sich danach, auch denen wohlzutun, die nicht gekommen waren. Er zog wohl die Zöllner, Heiden und Samariter zu sich, wünschte aber genauso, die Priester und Schriftgelehrten zu erreichen, die in Vorurteil und Überlieferung befangen waren. Er ließ nichts unversucht, sie anzusprechen. Als er den Geheilten Aussätzigen zu den Priestern schickte, gab er ihnen ein Zeugnis, das ihre Vorurteile abbauen sollte.

Die Pharisäer behaupteten, daß sich Christi Lehren gegen das Gesetz richteten, das Gott durch Mose mitgeteilt hatte. Diese Anschuldigung widerlegte Jesus mit der Weisung an den wieder rein gewordenen Aussätzigen, ein Opfer darzubringen, wie das Gesetz es verlangte. Das war ein ausreichender Beweis für alle, die sich überzeugen lassen wollten.

Die führenden Persönlichkeiten in Jerusalem hatten Späher ausgesandt, die irgendeinen Vorwand suchen sollten, um Christus töten zu können. Dieser antwortete darauf, indem er ihnen einen Beweis seiner Liebe zur Menschheit gab, seiner Hochachtung vor dem Gesetz und seiner Macht, von Sünde und Tod zu erretten. So bezog er das Psalmwort auf sie: „Sie erweisen mir Böses für Gutes und Haß für Liebe." Psalm 109:5. Er, der auf dem Berg der Seligpreisungen die Weisung erteilt hatte: „Liebet eure Feinde" (Matthäus 5:44), erläuterte nun durch sein Handeln den Grundsatz: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet." 1.Petrus 3:9.

Dieselben Priester, die den Aussätzigen verbannt hatten, bezeugten nun seine Heilung. Dieses Urteil, das öffentlich bekanntgemacht werden mußte und eingetragen wurde, war ein wirksames Zeugnis für Jesus. Und da der Geheilte auf Grund der priesterlichen Untersuchung, die keinerlei Krankheitszeichen an ihm feststellen konnte, wieder in die Gemeinde Israel aufgenommen wurde, war er selbst ein lebender Zeuge für seinen Wohltäter. Mit Freuden brachte er seine Opfergabe und verherrlichte den Namen Jesu. Die Priester waren von der göttlichen Kraft des Heilandes überzeugt. Sie hatten Gelegenheit, die Wahrheit kennenzulernen und durch das Licht gefördert zu werden. Verachteten sie dieses Licht, so würde es von ihnen weichen, um nie wieder zurückzukehren. Von vielen wurde das Licht verworfen. Dennoch war es nicht vergeblich gegeben! Manches Herz wurde bewegt, nur verbarg man es noch. Während Christi Lebenszeit auf Erden schien sein Erlösungswerk bei den Priestern und Lehrern des Volkes auf nur wenig Gegenliebe zu stoßen; nach seiner Himmelfahrt aber „wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam". Apostelgeschichte 6:7.

Jesu Wundertat an dem Aussätzigen veranschaulicht sein Wirken, die Seele von Sünden zu reinigen. Der Mann, der zu Jesus kam, war „voll Aussatz", dessen tödliches Gift seinen ganzen Körper durchdrang. Die Jünger suchten ihren Meister daran zu hindern, ihn anzurühren; denn wer einen Aussätzigen berührte, verunreinigte sich selbst. Jesus aber wurde dadurch, daß er seine Hand auf den Aussätzigen legte, nicht verunreinigt; seine Berührung übertrug lebenspendende Kräfte, und der Kranke wurde geheilt. So verhält es sich auch mit dem Aussatz der Sünde. Er hat sich tief in den Menschen eingefressen, ist tödlich und kann unmöglich durch menschliche Kraft geheilt werden. „Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis zum Haupt ist nichts Gesundes an euch, sondern Beulen und Striemen und frische Wunden." Jesaja 1:5,6. Wenn aber der Herr im Herzen des Menschen wohnt, wird kein Makel ihn je erreichen; seine Gegenwart übt eine heilende Kraft auf den Sünder aus. Wer Jesus zu Füßen fällt und im Glauben sagt: „Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen", wird die Antwort hören: „Ich will's tun; sei gereinigt!" Matthäus 8:2,3.

In einigen Fällen gewährte Jesus nicht gleich den gewünschten Segen; aber bei dem Aussatz wurde die Bitte sofort erfüllt. Bitten wir um irdische Segnungen, so mag die Erhörung unseres Gebets verzögert werden oder Gott mag uns etwas anderes geben als das Erbetene. Wenn wir aber um Befreiung von der Sünde bitten, hilft er sofort. Es ist sein Wille, uns von der Sünde zu befreien, uns zu seinen Kindern zu machen und uns zu befähigen, ein gerechtes Leben zu führen. Christus hat „sich selbst für unsre Sünden gegeben ... daß er uns errette von dieser gegenwärtigen, argen Welt nach dem Willen Gottes, unsres Vaters". Galater 1:4. „Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu ihm, daß, wenn wir etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, daß er uns hört, was wir auch bitten, so wissen wir, daß wir erlangen, was wir von ihm gebeten haben." 1.Johannes 5:14,15. „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt." 1.Johannes 1:9.

Bei der Heilung des Gichtbrüchigen zu Kapernaum lehrte Christus die gleiche Wahrheit. Dies Wunder geschah, um seine Macht, Sünden zu vergeben, zu offenbaren und andere wertvolle Wahrheiten zu veranschaulichen. Es stärkt die Hoffnung und ermutigt, aber es warnt uns auch angesichts des Verhaltens der spitzfindigen Pharisäer.

Der Gichtbrüchige hatte ebensowenig Hoffnung auf Gesundung wie der Aussätzige. Seine Krankheit war die Folge eines ausschweifenden Lebens, und sein Leiden wurde durch Selbstvorwürfe noch erhöht. Vor langer Zeit hatte er sich an die Pharisäer und Ärzte gewandt in der Hoffnung, Erleichterung von seinen seelischen Leiden und leiblichen Schmerzen zu finden. Sie aber hatten ihn teilnahmslos für unheilbar erklärt und ihn dem Zorn Gottes überlassen. Die Pharisäer betrachteten Krankheiten als Beweis göttlichen Unwillens; sie hielten sich deshalb von Kranken und Hilfsbedürftigen fern, und doch waren gerade sie, die sich für heilig hielten, oft schuldiger als die Leidenden, die sie verdammten.

Der Gichtbrüchige war vollständig hilflos, und da keinerlei Aussicht auf Heilung vorhanden war, wurde er ganz verzagt. Dann hörte er von dem Wunderwirken Jesu. Er vernahm, daß andere, die auch schuldbeladen und hilflos waren wie er, geheilt wurden, ja daß selbst Aussätzige gereinigt worden waren. Die Freunde, die ihm davon berichteten, ermutigten ihn, zu glauben, daß auch er geheilt werden könne, wenn er zu Jesus gebracht würde. Aber seine Hoffnung schwand, als er daran dachte, wodurch er sich seine Krankheit zugezogen hatte. Er fürchtete, der reine Arzt werde ihn nicht in seiner Gegenwart dulden.

Er wünschte jedoch nicht so sehr die körperliche Heilung wie eine Befreiung von der Last seiner Sünden. Könnte er Jesus sehen und die Versicherung der Vergebung und des göttlichen Friedens erhalten, dann wollte er leben oder sterben, wie es des Herrn Wille sei. Der Ruf des dem Tode Ausgelieferten war: O könnte ich zu ihm kommen!

Da galt es, keine Zeit zu verlieren; schon trug sein welker Körper die Zeichen des Verfalls. Er bat seine Freunde, ihn auf seinem Bett zu Jesus zu tragen. Diese erfüllten ihm gern seinen Wunsch. Aber das Gedränge in und vor dem Hause, in dem der Heiland weilte, war so groß, daß die Freunde mit dem Kranken den Herrn nicht erreichen, nicht einmal in seine Nähe kommen und seine Stimme hören konnten.

Jesus lehrte im Hause des Petrus. Um ihn herum saßen nach ihrer Gewohnheit seine Jünger und „die Pharisäer und Schriftgelehrten, die gekommen waren aus allen Orten in Galiläa und Judäa und von Jerusalem". Lukas 5:17. Diese waren als Kundschafter gekommen, um Anklagematerial gegen Jesus zu sammeln. Außer ihnen drängte sich noch eine bunte Volksmenge zusammen: Wißbegierige, Ehrfürchtige, Neugierige und Ungläubige. Verschiedene Nationalitäten und alle Gesellschaftsklassen waren vertreten. „Und die Kraft des Herrn wirkte, daß er die Kranken heilte." Lukas 5:17. Der Geist des Lebens schwebte über der Versammlung; aber die Pharisäer und Schriftgelehrten erkannten seine Gegenwart nicht. Sie hatten kein Heilsverlangen, und die Heilung war nicht für sie. „Die Hungrigen füllet er mit Gütern und läßt die Reichen leer." Lukas 1:53.

Immer aufs neue versuchten die Träger des Gichtbrüchigen, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. Stets vergeblich. Der Kranke blickte in namenloser Qual um sich. Wie konnte er die Hoffnung aufgeben, wenn die lang ersehnte Hilfe so nahe war! Auf seinen Vorschlag hin trugen ihn die Freunde auf das Dach des Hauses, brachen es auf und ließen ihn hinab vor die Füße Jesu. Der Heiland unterbrach seine Rede. Er sah das bekümmerte Gesicht des Kranken und die flehend auf ihn gerichteten Blicke. Er verstand den Unglücklichen; er selbst hatte das verzweifelte, verwirrte Gemüt zu sich gezogen. Als der Gichtbrüchige noch zu Hause war, hatte der Heiland sein Gewissen von seiner Schuld überzeugt, und als jener seine Sünden bereute und an die Kraft Jesu, die ihn heilen konnte, glaubte, hatte die lebenspendende Gnade des Heilandes zuerst sein verlangendes Herz erfreut. Jesus hatte beobachtet, wie der erste Schimmer des Glaubens sich in jenem Kranken zu dem Bewußtsein entwickelte, daß er, Jesus, die einzige Hilfe des Sünders sei; er hatte gesehen, daß dessen Glaube mit jedem Versuch, in seine Gegenwart zu kommen, an Kraft gewann.

Der Heiland sprach Worte, die wie Musik an das Ohr des Leidenden drangen: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben." Matthäus 9:2.

Die Last der Verzweiflung hebt sich von des Kranken Seele, der Frieden der Vergebung ruht auf seinem Gemüt und strahlt aus seinem Blick. Die körperlichen Schmerzen sind geschwunden, sein ganzes Wesen ist verwandelt. Der hilflose Gichtbrüchige ist geheilt, der schuldige Sünder hat Vergebung empfangen!

Schlicht gläubig nahm er die Worte Jesu als die Gabe eines neuen Lebens an. Er bat um nichts mehr, sondern lag in glücklichem Schweigen da; er war so erfüllt von Glückseligkeit, daß er keine Worte finden konnte. Das Licht des Himmels erleuchtete sein Angesicht, und die Menge sah mit heiliger Scheu auf dieses Geschehen.

Die Rabbiner hatten mit größter Spannung gewartet, um zu sehen, wie sich Jesus diesem Kranken gegenüber verhalten würde. Sie erinnerten sich, wie dieser Mann sie um Hilfe angefleht hatte und daß sie ihm Hoffnung und Teilnahme verweigert hatten. Nicht genug damit, war von ihnen auch erklärt worden, daß er unter dem Fluch Gottes stünde. Das alles lebte wieder in ihrem Gedächtnis auf, als sie den Kranken vor sich sahen. Sie nahmen wahr, mit welchem Interesse alle Anwesenden beobachteten, was vor sich ging. Da überfiel sie schreckliche Furcht, sie könnten ihren Einfluß auf das Volk verlieren.

Diese Würdenträger tauschten zwar ihre Gedanken nicht sofort aus, sahen sich aber vielsagend an und lasen von ihren Gesichtern ab, daß sie das gleiche dachten: es mußte unbedingt etwas getan werden, um den Gefühlsüberschwang zu bremsen. Jesus hatte erklärt, daß die Sünden des Gelähmten vergeben seien. Dieses Wort hielten die Pharisäer für eine Gotteslästerung. Sie glaubten nun, daß sie diesen Ausspruch als eine Todsünde hinstellen könnten. So sprachen sie in ihrem Herzen: „Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben denn allein Gott?" Markus 2:7.

Jesus schaute sie durchdringend an, so daß sie sich duckten und sich zurückzogen. Dann sagte er: „Warum denkt ihr so Arges in euren Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben, — sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim!" Matthäus 9:4-6.

Da erhebt sich der Mann, den man auf einer Bahre zu Jesus gebracht hat, mit der Gewandtheit und Kraft der Jugend. Lebensfrisches Blut strömt durch seine Adern, jedes Organ seines Körpers wird wieder tätig, und die Farbe der Gesundheit löst die Blässe des nahenden Todes ab, die auf seinem Angesicht gelegen hatte. „Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor allen, so daß sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen." Markus 2:12.

O wunderbare Liebe Christi, die sich herabläßt, den Schuldbeladenen und Kranken zu heilen! Die Gottheit trauert über das Elend der Menschheit und lindert es. Wunderbare Macht, die sich hier vor den Menschenkindern entfaltet! Wer kann noch an der Botschaft des Heils zweifeln? Wer will die Barmherzigkeit des mitleidvollen Erlösers geringachten?

Es bedurfte keiner geringeren Schöpferkraft, jenem verfallenden Körper neue Gesundheit zu geben. Dieselbe Stimme, die dem aus Erdenstaub geschaffenen Menschen das Leben zusprach, tat dies auch an dem sterbenden Gelähmten. Und die gleiche Macht, die dem Körper Leben gab, hatte das Herz erneuert. Derjenige, von dem es bei der Schöpfung heißt: „Er sprach, da geschah es. Er befahl, da stand es da" (Psalm 33:9), hatte jener in Übertretungen und Sünden toten Seele durch sein Wort Leben geschenkt.

Die Heilung des Leibes stellte jene Macht unter Beweis, die das Herz erneuert hatte. Christus forderte den Gelähmten auf, sich zu erheben und zu gehen, damit „ihr aber wisset", wie er sagte, „daß des Menschen Sohn Vollmacht hat, zu vergeben die Sünden auf Erden". Markus 2:10.

Der Gelähmte erfuhr durch Christus Heilung der Seele wie auch des Leibes. Der geistlichen Gesundung folgte die leibliche Wiederherstellung. Diese Lehre sollte nicht übersehen werden. In unseren Tagen leiden Tausende an körperlichen Gebrechen, die es gleich dem Gelähmten nach der Botschaft verlangt: „Deine Sünden sind dir vergeben." Markus 2:5. Die Last der Sünde mit der damit verbundenen inneren Unruhe und dem Unbefriedigtsein ist die Ursache ihrer Krankheiten. Erst wenn sie zum Heiland ihrer Seele kommen, können sie Erleichterung finden. Nur er kann den Frieden gewähren, der dem Geist Kraft und dem Leib Gesundheit schenkt.

Jesus kam, „daß er die Werke des Teufels zerstöre". 1.Johannes 3:8. „In ihm war das Leben." Johannes 1:4. Er selbst sagt: „Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen." Johannes 10:10. Er ist der „Geist, der da lebendig macht". 1.Korinther 15:45. Und er besitzt immer noch die gleiche lebenspendende Macht, die er auf Erden besaß, als er Kranke heilte und den Sündern ihre Schuld vergab. Er vergibt „dir alle deine Sünde ... und heilet alle deine Gebrechen". Psalm 103:3.

Die Heilung des Gichtbrüchigen hatte eine derartige Wirkung auf das Volk, als hätte sich der Himmel geöffnet und die Herrlichkeit einer besseren Welt offenbart. Als der Geheilte durch die Menge hindurchging, mit jedem Schritt Gott lobte und seine Last trug, als sei sie federleicht, machte ihm alles Volk Platz. Die Menge sah ihn mit ehrfurchtsvollen Blicken an, und die Menschen flüsterten einander zu: „Wir haben heute seltsame Dinge gesehen." Lukas 5:26.

Die Pharisäer waren vor Erstaunen verstummt und durch ihre Niederlage überwältigt. Sie sahen, daß sich hier keine Gelegenheit bot, das Volk durch ihre Eifersucht aufzuwiegeln. Die wunderbare Heilung, die an diesem Mann vollbracht worden war, den sie einst dem Zorn Gottes übergeben hatten, machte einen so gewaltigen Eindruck auf das Volk, daß die Pharisäer zeitweilig vergessen waren. Sie sahen, daß Christus eine Macht besaß, die sie Gott allein zugeschrieben hatten, und doch stand die bescheidene Würde seines Wesens in auffallendem Gegensatz zu ihrem Hochmut. Sie waren verwirrt und beschämt; sie erkannten wohl die Gegenwart eines höheren Wesens, aber sie bekannten sich nicht zu ihr. Je stärker und zwingender der Beweis war, daß Jesus die Macht besaß, auf Erden Sünden zu vergeben, desto mehr vergruben sie sich in ihrem Unglauben. Sie verließen das Haus des Petrus, in dem sie der Heilung des Gichtbrüchigen durch Jesu Wort beigewohnt hatten, und grübelten über neuen Plänen, um den Sohn Gottes zum Schweigen zu bringen.

Körperliche Krankheit, wie bösartig und tief verwurzelt sie auch gewesen sein mag, wurde durch die Macht Christi geheilt; aber die Krankheit der Seele nahm völligen Besitz von jenen, die ihre Augen dem Licht verschlossen. Aussatz und Gicht waren nicht so schrecklich wie Frömmelei und Unglauben.

Im Hause des Geheilten herrschte große Freude, als er zu seiner Familie zurückkehrte und mit Leichtigkeit das Bett trug, auf dem er erst kurz zuvor langsam weggetragen worden war. Alle umringten ihn und weinten vor Freude. Sie wagten kaum, ihren Augen zu trauen, als er nun in voller Manneskraft wieder vor ihnen stand. Jene Arme, die sie kraftlos gesehen hatten, gehorchten wieder seinem Willen; die zusammengeschrumpften, fahl aussehenden Muskeln waren wieder frisch und rosig. Sein Schritt war fest und frei; Freude und Hoffnung leuchteten aus seinem Blick, und ein Ausdruck der Reinheit und des Friedens hatte die Spuren von Sünde und Leiden verdrängt. Frohe Danksagungen stiegen aus dem Kreis dieser Familie empor. Gott wurde verherrlicht durch seinen Sohn, der dem Mutlosen Hoffnung dem Zerschlagenen neue Kräfte gegeben hatte. Dieser Mann und seine Familie waren bereit, ihr Leben für Jesus dahinzugeben; kein Zweifel trübte ihr Vertrauen, kein Unglaube befleckte ihre Treue zu dem, der Licht in ihr verdunkeltes Leben gebracht hatte.


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