Ist er nicht des Zimmermanns Sohn?
Kapitel  24


Gemäß Lukas 4:16-30.

Auf den hellen Tagen des Dienstes Christi in Galiläa lag ein Schatten. Die Bewohner Nazareths wiesen Jesus ab. „Ist er nicht des Zimmermanns Sohn?" meinten sie. „Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas?" Matthäus 13:55.

In seiner Kindheit und Jugendzeit hatte Jesus gemeinsam mit seinen Brüdern an den Gottesdiensten in der Synagoge zu Nazareth teilgenommen. Seit er jedoch seinen Dienst aufgenommen hatte, war er nicht bei ihnen gewesen. Trotzdem war es ihnen nicht verborgen geblieben, was mit ihm geschehen war. Als er nun wieder unter ihnen erschien, steigerten sich ihr Interesse und ihre Erwartung außerordentlich. Hier waren die vertrauten Gestalten und Gesichter derer, die ihn von klein auf kannten. Hier lebten seine Mutter, seine Brüder und seine Schwestern, und aller Augen richteten sich auf ihn, als er am Sabbat die Synagoge betrat und unter den Andächtigen Platz nahm.

Bei den gewohnten Gottesdiensten verlas der Älteste einen Abschnitt aus den Propheten und ermahnte das Volk, weiter auf den zu hoffen, der da kommen, ein herrliches Reich gründen und aller Unterdrückung ein Ende bereiten sollte. Er suchte seine Hörer dadurch zu ermutigen, daß er die Beweise für das baldige Erscheinen des Messias wiederholte. Er schilderte die Herrlichkeit seiner Ankunft und hob besonders den Gedanken hervor, daß der Gesalbte als Heerführer kommen und Israel befreien werde.

Nahm ein Rabbiner am Gottesdienst in der Synagoge teil, dann erwartete man, daß er die Andacht hielt. Den Prophetenabschnitt hingegen durfte jeder Israelit vorlesen. An diesem Sabbat nun wurde Jesus gebeten, den Gottesdienst zu übernehmen. Er „stand auf und wollte lesen. Da ward ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht". Lukas 4:16.17. Der von ihm gelesene Schriftabschnitt gehörte zu denen, die sich nach allgemeinem Verständnis auf den Messias bezogen:

„Der Geist des Herrn ist bei mir, darum weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, und den Blinden, daß sie sehend werden, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn." Lukas 4:18,19; Jesaja 61:1,2.

„Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener ... Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn ... Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich, daß solche Worte der Gnade aus seinem Munde gingen." Lukas 4:20,22.

Jesus stand als lebendige Erfüllung der Weissagungen, die sich auf ihn bezogen, vor dem Volk. Als er die Texte, die er gelesen hatte, erläuterte, sprach er vom Messias als einem, der den Unterdrückten hilft, die Gefangenen befreit, die Kranken heilt, den Blinden das Augenlicht wiedergibt und vor der Welt das Licht der Wahrheit offenbart. Seine eindrucksvolle Art und der herrliche Inhalt seiner Worte ergriffen die Hörer mit einer nie zuvor empfundenen Kraft. Der Strom des göttlichen Einwirkens überwand jedes Hindernis. Gleich Mose sahen sie den Unsichtbaren. Als ihre Herzen durch den Geist Gottes bewegt wurden, antworteten sie mit inbrünstigem Amen und priesen den Herrn.

Doch als Jesus erklärte: „Heute ist dies Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren" (Lukas 4:21), fühlten sie sich unvermittelt aufgerufen, über sich selber nachzudenken, und über den Anspruch dessen, der zu ihnen gesprochen hatte. Er hatte sie, die Israeliten, Nachkommen Abrahams, dargestellt, als lebten sie in Knechtschaft. Er hatte zu ihnen gesprochen wie zu Gefangenen, die von der Macht des Bösen erlöst werden müßten; wie zu Leuten, die in der Finsternis lebten und das Licht der Wahrheit benötigten. Sie waren in ihrem Stolz gekränkt, und Befürchtungen wurden in ihnen wach. Jesu Worte deuteten an, daß sein Werk für sie ganz und gar nicht ihren Wünschen entsprechen würde. Ihre Taten könnten zu genau untersucht werden. Obwohl sie den frommen Schein sorgfältig wahrten, schauderten sie doch vor dem prüfenden Blick seiner klaren, forschenden Augen.

Wer ist dieser Jesus? fragten sie.  Er, der die Herrlichkeit des Messias für sich in Anspruch nahm, war der Sohn eines Zimmermanns und hatte gemeinsam mit seinem Vater Joseph sein Handwerk ausgeübt. Die Leute von Nazareth hatten gesehen, wie er sich bergauf und bergab plagte, sie kannten seine Brüder und Schwestern und wußten über sein Leben und seine Tagesarbeit Bescheid. Sie hatten beobachtet, wie aus dem Kind ein Jugendlicher und aus dem Jugendlichen ein Mann wurde. Obgleich sein Leben makellos geblieben war, glaubten sie dennoch nicht, daß er der Verheißene war.

Welch ein Gegensatz tat sich auf zwischen seiner Lehre vom neuen Reich und jener, die sie von ihren Ältesten gehört hatten! Jesus hatte nichts über eine Befreiung von den Römern gesagt. Von seinen Wundern hatten sie gehört, und sie hatten gehofft, er würde seine Macht zu ihrem Vorteil gebrauchen; doch sie hatten keinerlei Anzeichen einer solchen Absicht gesehen.

Als sie dem Zweifel die Tür öffneten, verhärteten sich ihre Herzen so sehr, daß sie sich nicht einmal für einen Augenblick erweichen ließen. Satan war entschlossen, zu verhindern, daß an jenem Tage blinde Augen geöffnet oder in Sklaverei gehaltene Seelen befreit würden. Mit aller Kraft bemühte er sich, sie in ihrem Unglauben zu bestärken. Zwar waren sie von der Überzeugung aufgerüttelt worden, daß ihr Erlöser zu ihnen sprach; doch sie legten diesem ihnen gegebenen Zeichen kein Gewicht bei. Lukas 4:22.

Nun enthüllte Jesus ihnen ihre geheimen Gedanken als Beweis seiner Göttlichkeit. „Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet freilich zu mir sagen dies Sprichwort: Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört, zu Kapernaum geschehen! Tu so auch hier in deiner Vaterstadt. Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterlande. Aber in Wahrheit sage ich euch: Es waren viele Witwen in Israel zu des Elia Zeiten, da der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate und eine große Teuerung war im ganzen Lande, und zu deren keiner ward Elia gesandt als allein nach Sarepta im Lande der Sidonier zu einer Witwe. Und viele Aussätzige waren in Israel zu des Propheten Elisa Zeiten, und deren keiner ward gereinigt als allein Naëman aus Syrien." Lukas 4:23-27.

Indem sich Jesus auf Ereignisse aus dem Leben der Propheten bezog, kam er den Fragen seiner Hörer entgegen. Den von Gott zu einem besonderen Dienst berufenen Männern wurde nicht gestattet, etwas für ein hartherziges und ungläubiges Volk zu tun. Wer aber ein empfängliches Herz und die Bereitschaft zum Glauben besaß, erhielt bevorzugt durch die Propheten Beweise seiner göttlichen Macht.

In den Tagen Elias hatten die Israeliten Gott den Rücken gekehrt. Sie hielten an ihren Sünden fest und verwarfen die durch die Boten des Herrn gegebenen Mahnungen des Geistes. So verließen sie selber den Weg, auf dem Gottes Segen zu ihnen fließen konnte. Der Herr ging an den Häusern Israels vorbei und fand für seinen Diener eine Bleibe in einem heidnischen Land bei einer Frau, die nicht zu dem auserwählten Volk gehörte. Aber diese Frau fand Gnade, weil sie dem Licht, das sie empfing, gehorcht hatte und weil ihr Herz für das größere Licht, das Gott ihr durch seinen Propheten sandte, empfänglich war.

Aus dem gleichen Grunde waren die Aussätzigen zu Elisas Zeit leer ausgegangen. Doch Naëman, ein heidnischer Edelmann, war in den Dingen, die er als recht erkannt hatte, treu gewesen, und er war sich auch bewußt, wie sehr er der Hilfe bedurfte. Bereit, die Gnadengaben Gottes zu empfangen, wurde er nicht allein vom Aussatz geheilt, sondern auch mit der Erkenntnis des wahren Gottes gesegnet.

Unser Verhältnis zu Gott hängt nicht davon ab, wieviel Licht wir erhalten haben, sondern davon, was wir aus dem machen, was wir empfangen haben. Deshalb stehen Heiden, die nach bestem Vermögen und Verständnis das Rechte zu tun bemüht sind, Gott näher als Menschen, die großes Licht empfangen haben und angeblich Gott dienen, dieses Licht aber nicht beachten und durch ihr tägliches Leben ihrem Bekenntnis widersprechen.

Mit seinen Worten in der Synagoge traf Jesus seine Hörer an der Wurzel ihrer Selbstgerechtigkeit, indem er ihnen nachdrücklich die bittere Wahrheit vor Augen führte, daß sie sich von Gott abgewandt und den Anspruch, sein Volk zu sein, verspielt hatten. Jedes Wort schnitt tief in ihr Herz, als ihnen ihre wirkliche Lage deutlich gemacht wurde. Jetzt verhöhnten sie den Glauben, den Jesus erst in ihnen entfacht hatte. Sie wollten nicht zugeben, daß jener, der aus Armut und Niedrigkeit hervorgegangen war, mehr darstellte als einen gewöhnlichen Menschen.

Ihr Unglaube erzeugte Groll. Satan hatte sie in seiner Gewalt, und voller Wut erhoben sie ihre Stimme gegen den Heiland. Sie hatten sich von dem abgewandt, dessen Dienst darin bestand, zu heilen und wiederherzustellen. Nunmehr zeigten sie die Eigenschaften des Verderbers.

Als Jesus die den Heiden gewährten Segnungen nannte, stachelte dies den leidenschaftlichen Nationalstolz seiner Hörer so sehr an, daß seine Worte im Tumult untergingen. Diese Leute bildeten sich viel darauf ein, daß sie das Gesetz hielten; doch nun, da ihre Vorurteile angetastet wurden, waren sie fähig, einen Mord zu begehen. Die Versammlung brach jäh ab. Jesus wurde gepackt und aus der Synagoge sowie aus der Stadt gejagt. Alle schienen darauf zu brennen, ihn umzubringen. Sie trieben ihn an den Rand eines Abgrunds, um ihn kopfüber hinabzustoßen. Geschrei und Verwünschungen erfüllten die Luft. Manche warfen gerade mit Steinen nach ihm, als er plötzlich aus ihrer Mitte entschwand. Die himmlischen Boten, die in der Synagoge an seiner Seite gestanden hatten, waren auch hier inmitten der rasenden Menge bei ihm. Sie schirmten ihn vor seinen Feinden ab und brachten ihn an einen sicheren Ort.

In gleicher Weise schützten Engel auch Lot und führten ihn sicher aus Sodom hinaus. Desgleichen behüteten sie Elisa in jenem kleinen Gebirgsort. Zwar wimmelten die umliegenden Berge von Pferden und Wagen des Königs von Syrien und von der großen Schar seiner bewaffneten Männer; Elisa aber sah die näher gelegenen Hänge bedeckt von den Heerscharen Gottes — Rosse und Feuerwagen rings um den Diener des Herrn.

Zu allen Zeiten waren Engel den treuen Nachfolgern Christi nahe. Die unermeßliche Verschwörung des Bösen ist gegen alle Überwinder aufgeboten. Doch Christus möchte, daß wir auf das Unsichtbare schauen, auf die Heere des Himmels, die sich zu deren Rettung um alle lagern, die Gott lieben. Vor welchen erkannten und unerkannten Gefahren wir durch das Eingreifen der Engel bewahrt worden sind, werden wir nie erfahren. Erst im Licht der Ewigkeit werden wir die Vorsehung Gottes erkennen. Dann wird uns bewußt werden, daß die ganze Familie des Himmels Anteil an der irdischen Familie nahm und daß Boten vom Throne Gottes ausgesandt wurden, die Tag für Tag unsere Schritte begleiteten.

Als Jesus in der Synagoge einen Abschnitt aus den Schriftrollen des Propheten Jesaja vorlas, brach er vor dem letzten Teil der Beschreibung des messianischen Werkes plötzlich ab. Nach den Worten „zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn" ließ er die Wendung „und einen Tag der Vergeltung unsres Gottes" fort. Jesaja 61:2. Diese Aussage ist ebensosehr wahr wie der erste Teil der Weissagung, und durch sein Schweigen hat Jesus diese Wahrheit keineswegs geleugnet. Doch gerade bei dieser letzten Aussage verweilten seine Hörer so gern, und sie sehnten deren Erfüllung herbei. Sie verkündigten die Gerichte Gottes über die Heiden, ohne zu bedenken, daß ihre eigene Schuld weit größer war als die der anderen. Sie selber brauchten die Gnade, die sie den Heiden versagten, am nötigsten. Jener Tag in der Synagoge, an dem Jesus unter ihnen stand, war ihre Gelegenheit, den Ruf des Himmels anzunehmen. Er, der „Freude daran hat, gnädig zu sein", wollte sie gern vor dem Verderben bewahren (Micha 7:18, Zürcher), das ihre Sünden nach sich zogen.

Ohne einen nochmaligen Ruf zur Buße konnte er sie jedoch nicht aufgeben. Gegen Ende seines Dienstes in Galiläa besuchte er erneut den Ort seiner Kindheit. Seit man ihn damals abgewiesen hatte, sprach man von seiner Predigt und seinen Wundern im ganzen Lande. Jetzt konnte niemand bestreiten, daß er mehr als menschliche Kraft besaß. Die Leute in Nazareth wußten, daß er umherzog, Gutes zu tun und alle zu heilen, die von Satan geknechtet waren. Ringsumher gab es ganze Ortschaften, in denen in keinem Hause auch nur ein Klagelaut wegen Krankheit zu hören war; denn Christus war hindurchgezogen und hatte alle ihre Krankheiten geheilt. Die in jeder Tat seines Lebens offenbargewordene Gnade bezeugte, daß er der Gesalbte Gottes war.

Wieder lauschten die Nazarener seinen Worten und wurden vom Geist Gottes bewegt. Doch selbst jetzt wollten sie nicht zugeben, daß dieser Mann, der unter ihnen aufgewachsen war, anders oder größer war als sie selber. Immer noch nagte die bittere Erinnerung an ihnen, daß er beansprucht hatte, der Verheißene Gottes zu sein, gleichzeitig aber ihre Zugehörigkeit zu Israel in Abrede stellte; denn er hatte ihnen ja deutlich gemacht, daß sie der Gnade Gottes weniger würdig seien als heidnische Männer und Frauen. Deshalb lehnten sie ihn trotz der Frage „Woher kommt diesem solche Weisheit und Taten?" als den Gesalbten Gottes ab. Matthäus 13:54. Um ihres Unglaubens willen konnte der Heiland unter ihnen nicht viele Wunder wirken. Nur einige wenige Herzen öffneten sich seinen Segnungen. Ungern zog er fort, um niemals zurückzukehren.

Der einmal eingewurzelte Unglaube behielt die Herrschaft über die Menschen in Nazareth. Ebenso beherrschte er den Hohen Rat und das jüdische Volk. Als die Priester und das Volk zum ersten Male die Offenbarung der Macht des Heiligen Geistes zurückwiesen, war dies der Anfang des Endes. Um zu beweisen, daß ihr erstes Widerstreben berechtigt war, kritisierten sie fortan immerzu die Worte Christi. Ihre Zurückweisung des Heiligen Geistes erreichte ihren Höhepunkt am Kreuz auf Golgatha, in der Zerstörung Jerusalems und in der Zerstreuung des Volkes in alle Himmelsrichtungen.

Wie sehr hat Christus sich doch gesehnt, vor den Israeliten die köstlichen Schätze der Wahrheit zu entfalten! Aber sie waren geistlich so verblendet, daß ihnen unmöglich die Wahrheiten seines Reiches enthüllt werden konnten. Sie klammerten sich an ihr Glaubensbekenntnis und an ihre nutzlosen kultischen Formen, als der Himmel ihnen seine Wahrheit zur Annahme anbot. Ihr Geld gaben sie für Spreu und dürre Schalen aus; dabei lag das Brot des Lebens zum Greifen nahe vor ihnen. Warum nahmen sie nicht das Wort Gottes zur Hand und forschten mit Fleiß, um zu erkennen, ob sie sich im Irrtum befanden? Die alttestamentlichen Schriften enthielten über jede Einzelheit des Dienstes Christi klare Aussagen, und immer wieder zitierte er Prophetenworte mit dem Hinweis: „Heute ist dies Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren." Lukas 4:21; Lukas 21:22; Johannes 15:25; Johannes 18:9; u.a.  Würden sie aufrichtig die Heilige Schrift durchforscht und ihre eigenen Lehrsätze am Worte Gottes geprüft haben, dann hätte Jesus weder über ihre Unbußfertigkeit zu weinen, noch hätte er zu erklären brauchen: „Sehet, euer Haus soll euch wüste gelassen werden." Lukas 13:35. Die Beweise, daß er der Gesalbte war, hätten sie kennen, und das Elend, das ihre stolzen Städte in Trümmer legte, hätte abgewendet werden können. Aber vernunftwidriger Fanatismus engte das Denken der Juden ein. Christi Unterweisungen enthüllten ihre Charaktermängel und forderten Umkehr. Wären sie seinen Lehren gefolgt, dann hätten sie ihr tägliches Verhalten ändern und die von ihnen gehegten Hoffnungen aufgeben müssen. Wollten sie im Himmel geehrt werden, dann mußten sie auf die Ehre von Menschen verzichten. Der Gehorsam gegenüber den Worten dieses neuen Rabbi hätte sie in Gegensatz zu den Auffassungen der großen Denker und Lehrer jener Zeit setzen müssen.

In Christi Tagen war die Wahrheit unbeliebt. So ist es auch heute. So war es immer, seit Satan zum ersten Mal dem Menschen Abneigung gegen sie einflößte, indem er ihnen Lügen darbot, die zur Selbsterhöhung führten. Stoßen wir nicht auch heute auf Theorien und Lehren, die nicht im Worte Gottes gegründet sind? Die Menschen hängen ihnen ebenso beharrlich an wie die Juden damals ihren Überlieferungen.

Die jüdischen Führer waren voll geistlichem Hochmut. Ihr Streben nach eigener Ehre zeigte sich sogar bei ihrem Dienst im Tempel. In der Synagoge beanspruchten sie die besten Plätze. Auf den Märkten wollten sie gegrüßt werden, und es tat ihnen wohl, ihren Titel aus dem Munde anderer zu hören. Weil echte Frömmigkeit schwand, galt ihr Eifer mehr und mehr ihren Überlieferungen und religiösen Formen.

Ihr Verständnis war durch eigensüchtige Vorurteile getrübt; deshalb vermochten sie die Kraft der überzeugenden Worte Christi nicht mit seinem demütigen Leben in Einklang zu bringen. Sie begriffen nicht die Tatsache, daß echte Größe auf äußere Zurschaustellung verzichten kann. Die Armut dieses Mannes hielten sie für völlig unvereinbar mit seinem Anspruch, der Messias zu sein. Sie fragten sich, was seine Anspruchslosigkeit bedeute, wenn er tatsächlich derjenige war, der er zu sein vorgab. Was würde aus ihrem Volk werden, wenn er wirklich auf jede bewaffnete Streitmacht verzichtete? Wie könnten die Macht und der Glanz, welche so lange erwartet worden waren, die Völker veranlassen, sich der Stadt der Juden zu beugen? Hatten nicht die Priester gelehrt, daß Israel die Herrschaft über die ganze Erde ausüben sollte? Sollten sich die großen Religionslehrer etwa geirrt haben?

Aber nicht nur der Mangel an äußerem Glanz in seinem Leben veranlaßte die Juden, Jesus zu verwerfen. Er war die Verkörperung der Reinheit, sie aber waren unrein. Er lebte als Beispiel makelloser Unbescholtenheit unter den Menschen. Sein fleckenloses Leben ließ einen Lichtschein auf ihre Herzen fallen. Seine Aufrichtigkeit enthüllte ihre Unaufrichtigkeit. Sie offenbarte die Hohlheit ihrer anmaßenden Frömmigkeit und deckte vor ihnen das verabscheuungswürdige Wesen des Unrechts auf. Ein solches Licht war unerwünscht.

Hätte Christus die Aufmerksamkeit auf die Pharisäer gelenkt und ihre Gelehrsamkeit und Frömmigkeit gelobt, dann würden sie ihn mit Freuden begrüßt haben. Als er aber vom Himmelreich als einem Reich der Gnade für alle Menschen sprach, rückte er einen religiösen Gesichtspunkt ins Blickfeld, den sie nicht hinnehmen wollten. Ihr Beispiel und ihre Lehre hatten nie vermocht, den Dienst für Gott begehrenswert erscheinen zu lassen. Als sie sahen, wie Jesus sich gerade um die bemühte, welche sie haßten und von sich stießen, wühlte das die übelsten Leidenschaften ihrer hochmütigen Herzen auf. Ungeachtet ihrer stolzen Erwartung, daß Israel als „der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda" (Offenbarung 5:5), zur Vorherrschaft über alle Völker erhöht werden solle, vermochten sie das Fehlschlagen ihrer ehrgeizigen Hoffnungen leichter zu ertragen als die Verdammung ihrer Sünden aus dem Munde Christi und den Vorwurf, den sie allein schon durch das Vorhandensein seiner Reinheit auf sich ruhen fühlten.


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